Pharmama in den Medien (3)

Besten Dank an die Pharmarundschau – einem Heft für Apothekenangestellte in Deutschland, die meinen Blog als Beispiel ausgewählt haben – gut, bloggende Apotheker gibt es wirklich noch nicht sehr viele, da hatte es nicht so eine grosse Auswahl   :-)
In dem Artikel „Blogs in der Apotheke – Infotainment für Kunden“ schreibt die Autorin Susann Steidl auch über die Anwendung von Blogs als Marketinginstrument und mehr.

Nachzulesen hier (pdf)

Und dann darf ich auch noch verkünden, dass Pharmama.ch anscheinend für den Grimme-online Award nominiert wurde (Danke an Hermione für den Hinweis). Ich habe zwar so in etwa die Chance eines Schneeballs in der Wüste (bei 2100 Nominierten – darunter wirklich professionelle Seiten) aber es ist doch schön, dass zumindest eine Person glaubt, ich wäre nominierungswürdig.
Danke vielmals!

Waaas ist da drin??

Kundin: „Ich brauche etwas gegen harte Hornhaut an den Füssen.“
Drogistin: „Da kann ich ihnen diese Hühneraugentinktur empfehlen …“
Kundin: „Hat es da etwas vom Huhn drin??“
…

Nein, hat es nicht. Genauso wenig wie im Tiger Balsam Tiger drin ist.

Aber es gibt andere Produkte, die tatsächlich tierisches enthalten (oder enthalten haben).

zum Beispiel:


Hirschtalgbalsam von Scholl – die fettende Salbe für die Füsse enthält wirklich adeps cervinus. Anscheinend fettet das länger als Vaseline.

Nerzölshampoo – von  Klorane. Inzwischen ausser Handel, aber vorher habe ich mal angerufen und gefragt. Es enthielt wirklich Nerzöl. Keine Ahnung wie das gewonnen wurde, aber für die Nerze dürfte das nicht angenehm gewesen sein.

Maniwell – enthält  Purcellin, das Fett vom Pürzel der Ente als Spreitmittel – also, dass die Handcreme besser verteilbar ist und auch leicht wasserabstossend.

Einige andere Produkte enthalten Proteine aus Milcheiweiss oder Rinderfett oder Gelatine, ausserdem Seidenproteine – nur für die, die es noch nicht wissen: Seide kommt vom Kokon der Seidenraupe.

Kosmetika enthält gelegentlich ganz erstaunliche Sachen, siehe hier.

 

Kaliumjodid-Tabletten kaufen?

Da habe ich erst kürzlich noch gesagt, dass die Schweizer offensichtlich vernünftiger seien, was Panikreaktionen und den Kauf von Kaliumiodid Tabletten angeht … ich muss es wieder zurücknehmen.

Erst bekomme ich ein Telefon in die Apotheke von einem Radio, das nachfragt, ob wir schon viele Anfragen nach den Iod-Tabletten habe – was ich verneine: „Noch keine einzige.“ Und eine halbe Stunde später steht eine Kundin in der Apotheke und will das unbedingt haben. Und inzwischen hatte ich noch mehr.

Darum also aus aktuellem Anlass dieser Blogpost – damit das auch einmal von Apotheker-Seite dargestellt ist.

1. Das Problem liegt in Japan, das mit den Brüchen von inzwischen mehreren Atomreaktorkernen und entsprechend freigesetzter Strahlung und radioaktiven Elementen wie Jod und Cäsium schwer zu kämpfen hat. Japan hat die Umgebung (inzwischen bis 50km im Umkreis um das AKW evakuiert) und gibt an die betroffene Bevölkerung Kaliumiodid-Tabletten ab. Japan ist allerdings mehrere Tausend Kilometer entfernt und dass die Schweiz – oder Deutschland oder Österreich überhaupt erhöhte Strahlung abbekommen ist nicht gross zu erwarten.

2. Kaliumiodid Tabletten sind kein Wundermittel und wirken auch nicht langfristig vorbeugend! Man nimmt die Tabletten maximal wenige Stunden vor bis gleichzeitig mit der höheren Belastung durch radioaktives Iod. Das Iodid in den Tabletten soll dabei verhindern, dass die Schilddrüse radioaktives Iod aufnimmt – durch Übersättigung sozusagen. Wenn man die Tabletten nimmt ohne dass eine aktuelle Bedrohung vorhanden ist, ist der Schaden wahrscheinlich sogar grösser als der Nutzen. Als Nebenwirkung für soviel Iod wie in den Tabletten kann es zu Erbrechen, Durchfall, Magenbeschwerden, Haut- und Schleimhautreaktionen, Bindehautentzündung, schmerzhafte Speicheldrüsenschwellung, starke Kopfschmerzen, produktiver Husten, Bronchitis,Herzklopfen, Ruhelosigkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Fieber, Iodschnupfen, Ausschläge etc. kommen.

Auch darum sollten die Tabletten – obwohl sie Liste C und freiverkäuflich sind – nur auf Anordnung der Behörden eingenommen werden und nicht einfach so!

3. Es gibt genug Tabletten und es gibt keinen Grund zu hamstern. In der Schweiz ist es so, dass diejenigen im Umkreis von AKWs sie schon zuhause haben– offenbar bekommt man die bei der Anmeldung vom Wohnkanton. Ausserdem haben Schulen, Behörden und Apotheken welche im Vorrat für den Notfall, die sie dann abgeben. Und die Staatsbehörden haben noch viel mehr gelagert. Nochmals: für den Notfall. Alle Info hier: www.kaliumiodid.ch

In Deutschland übernehmen die Behörden im Event das Verteilen (obwohl sie inzwischen die Apotheken auch einbeziehen möchten). Deutschland hat in 8 Depots rund 137 Millionen Dosen vorrätig. Also auch hier kein Grund Jodtabletten (auch nicht freiverkäufliche) zu hamstern – die werden auch für Leute mit Schilddrüsenproblemen gebraucht.

In Österreich ist Kaliumiodid auch in den Schulen vorhanden, ausserdem kann man sie via Apotheken beziehen im Notfall – offenbar auch für den Vorrat zu Hause. Von der Einnahme jetzt wird aber auch hier abgeraten. Interessant: Offenbar sind die Packungen 2009 abgelaufen – aber das macht nichts. Wie ich hier schon schrieb, sind die durchaus länger haltbar – mindestens bis Ende 2011 (real wahrscheinlich länger)

In meiner Apotheke haben wir ein paar Packungen vorrätig – aber ich gebe sie nicht an die Kundschaft ab. Warum? Weil sie für den Notfall gedacht sind. Die einzige Ausnahme wäre, wenn die Person nach Japan (oder in die Nähe: Ostrussland, China, Korea, Taiwan) reisen muss und das als Notfallpaket dabeihaben will. Oder vielleicht noch, wenn es für Freunde / Verwandte in Japan gedacht ist … wobei: die haben dort Tabletten und bekommen sie auch … und: man muss dabei auch bedenken, dass der Empfänger eventuell die Packungsbeilage nicht lesen kann und sie dann falsch nimmt.

Sammlung: eher lustige Kundenbegegnungen

Nicht alle Kundenbegegnungen sind ärgerlich oder „gruusig“ (auch wenn man das denken könnte, nach dem, was ich in letzter Zeit so schreibe)- es gibt auch amüsante darunter.

Beispiele gefällig?

Haare sind immer für Geschichten gut:

Spezifische Wünsche?

Sensibles:

Verwirrendes

Kinder und Tiere:

Essen und Trinken

Diverses

Wordwolke kreiert mit wordle.net

Der Tag der hässlichen Füsse

Nein, ich berufe da keinen neuen Gedenktag ein – aber gestern hatte ich in der Apotheke wirklich den Tag der hässlichen Füsse. Es ist ziemlich erstaunlich, wie wenig Beachtung viele Leute ihren Füssen schenken – gut, meistens sind sie ja verhüllt, aber … bäh.

Bei uns ist es immer noch kalt und Leute in Sandalen fallen auf – speziell Leute in Sandalen ohne Socken.
Ja, die Füsse waren nackt, dazu blau, was nicht nur mit der Temperatur, sondern einer allgemeinen schlechten Durchblutung zu tun hat – die Person hat bekannterweise auch ein Ulcer: eine nicht heilen wollende Wunde am Bein.

Dann die Diabetes-Kundin, die sind ja auch bekannt für die schlechtere Durchblutung und dass die Nerven darum in den Füssen oft nicht mehr gut funktionieren. Diese Kundin wollte mir unbedingt die Füsse zeigen, wegen einem Hühnerauge das sie hat.
Neben dem Hühnerauge hatte sie aber noch unglaublich dicke und lange gelbe Fussnägel und allgemein nicht sehr gut gepflegte Füsse.

Ich habe ihr erklärt, wie wichtig eine gute und vorsichtige Fusspflege vor allem für sie als Diabetikerin ist. Da sagt sie mir, dass sie sich letzthin ins Fleisch geschnitten hat beim Nagelschneiden … und es nicht mal gemerkt hat! Ich sag’s ja: kaputte Nerven.

Eigentlich wäre für sie eine professionelle Fusspflege beim Podologen gut … nur … dafür hat sie kein Geld. Und die Krankenkasse zahlt daran gar nichts, obwohl es gerade für sie als Diabetikerin wichtig wäre.  – Stattdessen wartet die Kasse wohl, bis sich da auch ein Ulcus entwickelt hat, den man dann langwierig versucht wieder wegzubekommen.

Weil mich das interessiert hat, habe ich dann doch noch ein bisschen gegraben und bei der Santesuisse (dem Zusammenschluss der Krankenkassen)  diese Info gefunden:

Podologen oder Podologinnen sind keine Leistungserbringer bzw. med. Hilfspersonen im Sinne des schweizerischen Krankenversicherungsrechts.

Fusspflege als solche ist auch keine kassenpflichtige Leistung. Sie gilt nur dann als kassenpflichtig, wenn sie im Rahmen von Art. 7 Abs. 2 lit. b Ziffer 10 der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) erbracht wird (Fusspflege bei Diabetikern) und von zugelassenen
·        Krankenschwestern oder Krankenpflegern
·        Organisationen der Krankenpflege zu Hause (Spitex)
·        Pflegeheimen
auf ärztliche Anordnung hin erbracht wird.

Und wer jetzt denkt: „Oh gut, die Spitex kann das also auch machen“ wird hier enttäuscht:

Die Fusspflege im Rahmen der Grundpflege beschränkt sich auf das Schneiden der Nägel und allenfalls auf das Einsalben der Füsse.

Historische Chemikalien Gefässe

Fingerhut schickt uns Bilder von seiner Sammlung:

ich liebe alte und historische Flaschen aus Apotheken, wie man sie hier und da nochmal sieht, und habe eine kleine Sammlung daheim. Vielleicht sind die Fotos ja was für deinen Blog!

„Liq. Kal. Arsen.“ heißt auch Fowlersche Lösung und besteht aus einer Lösung von Kaliumarsenit mit Lavendelwasser. Es wurde meines Wissens nach bis in die 60er Jahre hinein als Fiebersenker oder Aphrodisiakum verwendet.

„Acid. Sulfur. Pur.“ steht für Schwefelsäure.

„Hexamethylentetramin“ auch Urotropin gennant. Ich habe keine Ahnung wofür man das in einer Apotheke braucht / gebraucht hat. Der Inhalt sind noch original, weiße und leicht fischig riechende Kristalle.

Zur Konservierung vielleicht? In der Analytik? Oder auch als Antiperspirans? (Offensichtlich ist das in Antihydral enthalten)

„Aluminium chloratum depurat. cryst.“ Diese Flasche ist etwas ganz besonders und wird so wohl nicht so häufig zu finden sein. Es handelt sich um ein Chemikaliengebinde der Firma Merck. welches – anhand dem Wachssiegel erkennbar – noch nie geöffnet wurde.
Darin befindet sich der Stoff Aluminiumchlorid Hexahydrat. Ich kann leider nichts zum Alter sagen, tippe jedoch auf 1920-1950. Den Stoff könnte man sicher auch heute noch für die Apotheke verwenden.

Ja das Aluminiumchlorid – findet sich in praktisch jedem Deo.

 

 

 

 

 

„Glycerin. Borat.“ steht wohl für eine Lösung von Borax (Natriumtetraborat) in Glycerin. Auch hier kann ich leider nicht sagen wofür man das verwendet hat.

das Glycerinborat kennen wir heute auch noch – da gibt es ein paar alte Ärzte, die sind einfach nicht davon abzubringen das aufzuschreiben (obwohl die Borsäure heute als Desinfektionsmittel als obsolet gilt)- in Mundwasser zum Beispiel, oder in Vaginaltabletten (brrr)