Die Apotheke: Kein Spielzimmer

Ehrlich: ich mag Kinder. Die meisten haben so eine erfrischende Offenheit, und bei einem gehauchten „Danke“ für das Traubenzucker, könnte ich schmelzen. Ausserdem habe ich selbst so einen Wirbelwind und darum einige Einsichten.

Aber: die Apotheke ist  kein geeigneter Dauer-Aufenthaltsort für Kinder. Wir haben eine Spielecke, wo sie sich beschäftigen können, während die Eltern (oder meist: die Mama) einkauft, aber das ist nur eine begrenzte Zeit interessant. Das verstehe ich. Und da gibt es gleich nebendran so viele bunte Schächtelchen und Flaschen – auch das verstehe ich. Was ich nicht so verstehe sind Eltern, die ihr Kind einfach dort hinsetzen und dann verschwinden – woanders hin einkaufen? Oder die ihr Kind wild herumrennen und alles abräumen lassen.

Und das mit einer Selbstverständlichkeit …

Zum Glück sind das nicht so viele. Liebe Mama, auch Grenzen setzen ist wichtig. Und: wenn Sie es nicht tun … dann mach ich das!

Fiktive Medikamente und Drogen in Buch und Film

Passend zum Post heute morgen: In Büchern und Filmen kommen noch gelegentlich Medikamente oder Drogen vor, die es nicht gibt.

Hier ein paar prominente Beispiele:

Soma in Schöne neue Welt (Brave New World) geschrieben 1931. In der Zukunft wird die (herangezüchtete und psychomanipulierte) Bevölkerung durch Designer Drogen wie Soma ruhig gehalten. Soma ist eine psychedelische Substanz mit mild euphorisierender Wirkung. Unglücklicherweise gibt es ein paar Leute, bei denen sie nicht wirkt – und bei denen schlägt die Realität unangenehm durch…so wie bei Bernard Marx.

Retinax V in Star Trek II, die Rache des Khan (1982): dieses Medikament wird Leuten mit Weitsicht im 23. Jahrhundert gegeben.  Manche Leute – so wie Captain Kirk sind allergisch dagegen … und müssen darum weiterhin auf die Hilfe von Lesebrillen zurückgreifen.

Lot Six in der Feuerteufel (Firestarter) (1984) Eine mild-halluzinogene Substanz, entwickelt um eventuelle seherische Fähigkeiten zu steigern. 1969 wurde sie von Staatsangestellten an 12 Freiwilligen (aber Unwissenden) getestet. Nebenwirkung: Veränderungen des Genmaterials … was 2 der freiwilligen, die dann heirateten und ein Kind hatten feststellen mussten. Das Mädchen war dann in der Lage Sachen anzuzünden ohne sie zu berühren – was für den Staat (resektive das Militär) wieder interessant war.

Spice oder Melange in Dune (1984), eine Droge gewonnen aus dem Sand des Wüstenplaneten Arrakis die lebensverlängernd wirkt und in manchen, empfindlichen Leuten seherische Fähigkeiten weckt. Ausserdem ist es aus dem Grund wichtig für die Raumfahrt. Nebenwirkungen: es macht abhängig, die Augen werden durchgehend blau und wenn man es wirklich oft benutzt – wie die Raumpiloten, verändert es auch den Körper in etwas Schneckenähnliches. Ausserdem: Sapho, das die Mentaten (die menschlichen Computer) nehmen zur geistigen Leistungssteigerung. Macht auch abhängig und färbt die Lippen rot.

Novril in Misery (1990) ja, noch einmal Stepben King. Ein starkes, abhängig machendes Schmerzmittel (wahrscheinlich mit Codein) das Schriftsteller Paul Sheldon von seinem „grössten Fan“ Annie Wilkes verabreicht bekommt, nachdem er unglücklicherweise nach einem Autounfall mit gebrochenen Beinen in ihren Händen gelandet ist. Novril kommt in Kapselform und hat wahrscheinlich seinen Ursprung in dem Schmerzmittel, das der Schriftsteller ebenfalls nach einem Autounfall bekam.

Ladder in Jacob’s Ladder (1990) Eine aggressivitätssteigernde Droge entwickelt vom amerikanischen Militär in Saigon während dem Vietnam-Krieg. Sie wurde an amerikanischen Truppen im Mekong-Delta getestet – mit fürchterlichen Resultaten. Das Ganze basiert aber wahrscheinlich auf realen Experimenten, die mit der halluzinogenen Droge BZ durchgeführt wurden.

Provasic in Auf der Flucht (the Fugitive) (1993). Eine Wunder-Medikament zur Behandlung von Sehnenschäden, entwickelt von Devlin-MacGregor Pharmaceuticals. Nebenwirkung: Hepatitis, aber die Entwickler fälschten die Unterlagen und liessen Beweise verschwinden, damit das Medikament zugelassen wird … wie Dr. Richard Kimble auf der Suche nach einem Beweis seiner Unschuld am Mord an seiner Frau entdecken muss.

Rote Pille, blaue Pille in die Matrix. (1999) Diese Pillen sind allerdings nur philosophische Symbole: Die rote Pille wird Neo die Antwort geben zu „Was ist die Matrix?“ – und ihn aus ihr entfernen und die blaue Pille lässt einen einfach weiter das Leben führen wie bisher.

Neuroin in Minority Report (2002) – Selbst Zukunfts-Polizist John Anderton ist abhängig und er inhaliert das Zeug bevor er Videos von seinem verschwundenem Sohn ansieht. Neuroin hat etwa den Effekt von Heroin, wirkt also gegen die Melancholie und euphorisch.

Prozium in Equilibrium (2002)- Prozium wurde entwickelt in der Hoffnung den 4. Weltkrieg zu verhindern. Es bringt menschliche Gefühle zu einem abrupten Stopp – man dachte, wenn niemand starke Emotionen hat, dann gäbe es auch niemanden, den in den Krieg ziehen würde. Prozium muss injiziert werden und zwar regelmässig – alle Einwohner Librias müssen die Droge nehmen – aber wenn man auch nur eine Injektion verpasst, kommen die Gefühle zurück, wie John Preston selbst entdeckt. Der Name ähnelt Prozac – das es wirklich gibt und das als Antidepressivum verwendet wird.

Pax in Serenity (2005)– Entwickelt von der Allianz und auf dem Planeten Miranda getestet. Pax sollte Aggressionen mindern und den Planeten frei von Gewalt machen, hatte aber die Nebenwirkung, dass die Bevölkerung aufhörte zu arbeiten, zu essen oder sich sonst um irgendetwas zu kümmern – inklusive zu Leben, Schlimmer noch, bei etwa 0.1% hat die Droge den gegenteiligen Effekt und die etwa 300’000 wurden extrem aggressive und geistig instabil. Diese verliessen den Planeten und wurden zu den gefürchteten Reavers.

Das sind natürlich noch lange nicht alle. Wikipedia hat z.B. eine schöne Auflistung.

Und was fällt Euch noch ein? Welche ist Euch im Kopf geblieben?- egal ob Medikament oder Droge: was war es?

Erfolgreich durch eine Pille?

Hey! den kenn ich doch :-) der macht Werbung?

Die Übersetzung:

Was, wenn es eine Pille gäbe, die Sie reich und mächtig machte?
Was, wenn es einen Weg gäbe 100% Ihres Gehirns zu nutzen?
Das ist jetzt möglich – mit NZT!
Binnen einer Woche werden Sie bei einer Pille pro Tag stärker, schneller und klüger als Sie es je für möglich gehalten hätten!
Sie können eine neue Sprache lernen, die Wall-Street erobern, und werden sich an alles erinnern, was Sie je hören oder sehen werden!
Es gibt fast nichts, das NZT nicht lösen kann.

(beruhigende Frauenstimme) NZT kann folgende Nebenwirkungen verursachen: Psychosen, Amnesien, Sexgier, Hirnschäden, Koma. Mordlust und plötzlichen Tod.

Vorher war ich unmotiviert, uneinstellbar, undatebar! Ein Totalausfall! Dann habe ich NZT entdeckt und es veränderte mein Leben.

(Frauenstimme): NZT muss einmal pro Tag eingenommen werden. Unregelmässige Einnahme verursacht den Tod.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Entfesseln Sie ihr Potential mit NZT!

Ummm … ehrlich?
Oh, das ist Werbung für den Film „Limitless“ (ohne Limit) der im April ins Kino kommt?!

Hoffentlich kommt niemand in die Apotheke und will diese Pille.

Apotheken in aller Welt, 91: Jerusalem, Israel

Von Sandra:

ich lese deinen Blog schon seit einiger Zeit sehr gerne. Und hab in meinem letzten Urlaub in Jerusalem auch daran gedacht mal zwei Apotheken abzulichten. Die erstere befindet sich mitten in der Altstadt von Jerusalem, genauer gesagt im Muslimischen Viertel, man kann dort auch T-Shirts und Teppiche kaufen. So wie fast in jedem Laden dort. Die zweite befindet sich in der Neustadt von Jerusalem, hier ist alles etwas sauberer ordentlicher und wirkt deutlich vertrauenserweckender.

Blutige Entlassung

Es kommt eine Frau in die Apotheke und fragt mich, ob ich sie verarzten könne. Da wir das tun, sagte ich: „Natürlich. Wo sind sie denn verletzt?“
Sie deutet auf ihren Unterbauch: „Ich hatte einen Kaiserschnitt. Dann ist es nicht gut verheilt, es gab ein Hämatom. Heute haben sie mir im Spital das Blut aus dem Hämatom rausgedrückt und mich verbunden …. Aber da stimmt etwas nicht. Ich kann spüren, wie mir das Blut die Beine runterläuft.“

Dem war auch so, wie ich mich kurz darauf in unserem Beratungsraum versichern konnte. Das Gazeplätzchen, das sie auf die ca. 13 cm lange Wunde aufgeklebt haben, hat sich gelöst.
Ich war etwas erstaunt den Schnitt zu sehen, denn er war praktisch vollständig offen. Keine Nähte, die die Wundränder zusammenhielten, ein klaffender Schnitt.
Ich flickte so gut es ging mit viel Steristrip und neuer Gaze und Mefix Pflaster zum Festhalten des Ganzen.

„Was haben sie denn im Spital gesagt?“ Frage ich
Frau: „Nicht so viel. Nachdem sie das Blut rausgedrückt haben, haben sie mich nach Hause geschickt. Aber ich kann fast nicht laufen.“

Ich habe mich versichert, dass sie zuhause jemanden hat, der ihr hilft, ihr geraten, die Wunde vom Arzt anschauen zu lassen und ihr dann ein Taxi gerufen.

Übel.

Übrigens: der Titel ist bewusst zweideutig
Eine vorzeitige Entlassung von Patienten aus dem Krankenhaus aus wirtschaftlichen Gründen wird von Kritikern als „Blutige Entlassung“ bezeichnet. Vorzeitige Entlassungen bergen neben den Risiken für die Patienten aber auch Kostenrisiken, z. B. wenn wegen der Erkrankung vermehrt ambulante Krankenbehandlung, häusliche Krankenpflege oder gar ein erneuter stationärer Krankenhausaufenthalt nötig werden.

Wenn demnächst in den Spitälern nur noch Fallpauschalen abgerechnet werden darf, erwarten manche vermehrt solche Fälle – Brrrr.

Alt und … nur alt: Irgapyrin

Noch ein Bild von Armin:

Irgapyrin? Noch nie gehört – das war vor meiner Zeit.

Das konnte ich darüber herausfinden: (die meisten Veröffentlichungen stammen von um 1950):

„Irgapyrin“: synthetisiert von Hans Stenzl, seit 1939 bei Geigy. Irgapyrin enthielt Amidopyrin und Phenylbutazon (Butasolidin) zu gleichen Teilen. Es war antiphlogistisch (entzündungshemmend), antipyretisch (fieberhemmend) und analgetisch (schmerzstillend) und wurde als Schmerz – und Rheumamittel gebraucht – Anfangs mit grossem Erfolg.

Nach einigen Jahren zeigten sich dann aber verschiedene Probleme, wie allergisch-toxische Reaktionen, zudem machte es Herzrhythmusveränderungen – ein Problem des Amidopyrins offenbar – mit diversen Todesfällen, vor allem, wenn es mit anderen Medikamenten kombiniert wurde. Ein weiteres Problem waren Blutbildveränderungen – schliesslich wurde das Medikament (zu Recht) um 1967 (?) vom Markt zurückgezogen.

Während Amidopyrin gar nicht mehr verwendet wird, gibt es das Phenylbutazon noch – zumindest in Deutschland. Es sollte aber nicht langfristig eingesetzt werden und nur als Alternative, falls andere Therapien nicht anschlagen.

Nachtrag vom 20.3.11: von nicoretta

Hallo liebe Pharmama!
Ich schicke dir hier  „Beweis-Fotos“, dass Irgapyrin länger im Handel gewesen sein muss, als du geschrieben hast (EXP: 12/87); leider kriege ich das Bild „von vorne“ einfach nicht scharf hin! :-(
Allerdings scheint es, dass die Zusammensetzung geändert hat: Es bestand zu gleichen Teilen aus Phenylbutazon (1,2-Diphenyl-3,5-dioxo-4-n-butyl-pyrazolidin steht in der Packungsbeilage!!) und Propyphenazon (1-Phenyl-2,3-dimethyl-4-isopropyl-5-pyrazolon!!). Die Richtlinien bezüglich Packungsbeilage haben sich offenbar seit damals auch deutlich geändert… :-D

Aha, dann hat es also den Namen behalten aber die Zusammensetzung geändert. Da gibt es auch neuere Beispiele, z.B. das Saridon bei uns, das nur noch Ibuprofen enthält … oder das Tonopan, mit (neu) Diclofenac.