Die Apotheke: Kein Spielzimmer

Ehrlich: ich mag Kinder. Die meisten haben so eine erfrischende Offenheit, und bei einem gehauchten „Danke“ für das Traubenzucker, könnte ich schmelzen. Ausserdem habe ich selbst so einen Wirbelwind und darum einige Einsichten.

Aber: die Apotheke ist  kein geeigneter Dauer-Aufenthaltsort für Kinder. Wir haben eine Spielecke, wo sie sich beschäftigen können, während die Eltern (oder meist: die Mama) einkauft, aber das ist nur eine begrenzte Zeit interessant. Das verstehe ich. Und da gibt es gleich nebendran so viele bunte Schächtelchen und Flaschen – auch das verstehe ich. Was ich nicht so verstehe sind Eltern, die ihr Kind einfach dort hinsetzen und dann verschwinden – woanders hin einkaufen? Oder die ihr Kind wild herumrennen und alles abräumen lassen.

Und das mit einer Selbstverständlichkeit …

Zum Glück sind das nicht so viele. Liebe Mama, auch Grenzen setzen ist wichtig. Und: wenn Sie es nicht tun … dann mach ich das!

13 Antworten auf „Die Apotheke: Kein Spielzimmer

  1. Es wird immer mehr Eltern geben, die ihren Kindern keine Grenzen setzen. Warum die Entwicklung so ist? Keine Ahnung. Bei mir kam letztens so ein kleiner Dreikäsehoch ins Schwesternzimmer und machte mir immer wieder den Kühlschrank auf, wo das Insulin und andere Medis lagern. Die Mutter sah von draußen zu, anstatt ihn sich zu schnappen. Ja, sie freute sich sogar noch über den Tatendrang ihres Kindes. Ich habe auch zwei Kinder groß gezogen und weiß, dass sie schneller als mancher Wirbelwind sind. Aber das ging mir echt doch zu weit und so schnappte ich mir den kleinen Mann und bugsierte ihn zu seiner Mama. Kaum auf dem Arm, war er wieder unten und wieder bei mir. Da kamen klare Worte an den Jungen und ein lautes NEIN. Von Mama ein dummes Gesicht, wie ich denn nur so laut werden könnte…

    Muss man alles verstehen? Nein oder doch?

    Lieber Gruß an dich, Mandy

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    1. *argh* Ich kann dieses ständig und überall grassierende „das wird immer schlimmer“ nicht mehr hören… Gut/schlecht (ver)zogene Kinder bzw. Eltern gab es immer, gibt es, wird es immer geben. Mal mehr, mal weniger. Abhängig von diverstesten Faktoren. Aber so ein generalisiertes „früher was alles besser/ die Kinder braver/ die Eltern verantwortungsbewusster“ ist wirklich grauenvoll…

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      1. Ich habe nicht gesagt, dass früher alles besser war. Ich habe erwähnt, dass ich selbst zwei Kinder habe und weiß, wie die Kleinen drauf sein können. Ich erlaube mir aber, das Verhalten der Mutter anzuweifeln, denn immerhin arbeite ich mit Medikamenten und da hat so ein kleiner Mann nichts verloren. Und das viele Eltern ihre antiautoritäre Erziehung durchziehen ist ihre Sache. Den Lohn werden sie früher oder später erhalten. Und noch einmal zur kleinen Info. Ich bin nicht nur Altenpflegerin, sondern gleichzeitig auch Erzieherin. Diesen Beruf habe ich nämlich als erstes gelernt und ich wage mir schon, einiges klar und deutlich auszusprechen und solche Eltern, die alles schönreden sind mir ein Greuel und solange ich für bestimmte Dinge verantwortlich bin, muss ich halt die Erziehungsaufgabe der Eltern übernehmen – in dem Falle den kleinen Mann vor die Türe stellen und einem lauten und klaren Nein.

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    1. Meine Eltern haben mich früher sogar vor der Kaufhalle im Kinderwagen stehen lassen. Das waren allerdings auch noch andere Zeiten. :-D

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    2. Ja, ich muss dazu aber sagen, dass die 2 Mädchen wirklich, wirklich sehr ruhig gespielt haben und am Ort geblieben sind – etwas was bei meinem nie ginge. Darum habe ich nachher auch nicht mal gross etwas gesagt. Mit manchen Kindern geht das – mit den meisten eher nicht, würde ich aber sagen.

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    3. Hm. Bei mir lassen die Leute ihre Kinder ja nicht unangekündigt… aber wenn ich einen Laden hätte und da plötzlich Kleinkinder fände, die garantiert nicht ohne Eltern reingekommen wären, aber deren Eltern nicht auffindbar wären – ich würde die Polizei rufen. Das könnte Kindesaussetzung sein…

      Mit Absprache ist das natürlich eine völlig andere Sache.

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  2. Nun, man soll doch alles mit den Kindern ausdiskutieren. Strenge ist „out“, das Kind ist ein Partner in der Familie, jedenfalls laut den Ratgebern die einige Bekannte von mir immer kaufen. *seufz*
    Laut werden ist „böse“, das hindert die Kinder an ihrer freien Entfaltung und schadet den kleinen Seelchen. Ich kann garnicht soviel den Kopf schütteln wie ich möchte, denn leider haben später nicht die Eltern, sondern der Rest von uns die Arbeit mit diesen Kindern. Die Erzieher, Lehrer, Polizisten, Richter, Bewährungshelfer und so weiter. Und natürlich andere Eltern, bei deren Kindern solche „gut erzogenen“ Kinder zu Gast sind. *schauder* In der Klasse meines Sohnes sind auch einige diese Exemplare und mal ehrlich, wenn die hier waren brauche ich eine Woche Urlaub! Nicht nur um die Nerven zu beruhigen, sondern auch um das Chaos wieder aufzuräumen! Das machen diese entzückenden Kinder nämlich nicht, auf Bitten kommen Sätze wie: „Nö, muss ich auch zuhause nie.“ oder „Nö, mach doch selber, du bist doch die Mama hier.“

    (Ups, langer Eintrag, sorry!)

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    1. Das mit dem ausdiskutieren versuche ich auch gelegentlich, aber gegen „Ich will … nicht“ nutzt Vernunft irgendwie gar nichts. Dann ist es halt: „Es wird jetzt aufgeräumt“ und nicht: „Könntest Du jetzt …“

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      1. Nun, der große Nachteil am Diskutieren mit Kindern ist ganz einfach das sie eben Kinder sind.
        Die Logik und auch die Vernunft entwickeln sich eben erst im Lauf der Jahre, das beste Beispiel sind Süßigkeiten. Kinder wollen, sie können nicht verstehen das zuviel nicht gut für sie ist. (Ich habs meiner Mutter damals ja auch nie geglaubt).
        Ich habe mich früh gegen diskutieren entschieden, ich erkläre meistens einmal warum ich etwas sage und nicht öfter. Es kommt auch vor das ich einfach sage: „Weil ich es sage.“ Denn ich bin die Mutter.
        Und allen Unkenrufen zum Trotz ist mein Kind ein sehr lebhafter, aufgeweckter Junge ohne Angst vor mir, trotz meiner „Kasernen-Erziehung“. (Ja, das wurde mir beim letzten Elternabend so gesagt. Tut mir ja unglaublich leid das es nicht mein Kind war, das die Fenster kaputtgeschossen hat…)

        Und mal so nebenbei, Pharmama, ich liebe deinen Blog!

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  3. Ein paar Grenzen setzen hat IMHO nichts mit entfaltungsschädlichem Einengen zu tun. In den meisten Fällen dürfte das eine Entschuldigung für simple Faulheit von Mama und Papa sein.

    In meiner kurzen Apothekenzeit mit Kinderarzt im Haus habe ich auch die Extreme erlebt:
    Die 6-köpfige Familie, wo alle 4 Kinder wie die Orgelpfeifen aufgereiht ruhig aber strahlend ihren Traubenzucker annehmen und sich brav bedanken, oder den Einzelderwisch, der brüllend die unterste Dekoreihe effektiv in einem Rutsch abräumt und die Frage „Kevin, möchtest du einen Bombom?“ nur mit einem „Aaaaaaaahhhhh“ beantwortet und gegen die Schütte mit Multivitaminröhrchen donnert. Gefolgt von einem ärgerlich-trotzigen „Buuhääää“. Ja, beides ist wirklich so passiert, glücklicherweise in diesem Extrem nur einmal.

    Nun die Frage: Welches der Kinder hat sich wohl besser gefühlt? Orgelpfeife oder Derwisch?

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  4. Letzte Woche in unserer Apo: Mutter kommt mit 3 Kindern rein und fragt etwas. Während des Gesprächs stürmen 2 der Kinder zu unserem Prospekte/Flyer-Tischchen, schnappen sich eine Medizini (deutsches Apotheken-Heftchen für Kinder), nehmen sie „auseinander“ sodass die Hälfte herausfällt. Sie sind dabei insgesamt ziemlich laut, durcheinander schreiend muss man schon sagen, verwüsten diesen Teil der Apotheke fast schon und hören auch nicht auf das, was ihre Mutter sagt. Es kam uns vor wie ein Wirbelsturm, der durch die Apo jagt. Die Frau hat noch ein 4. Kind und ist mit dem 5. schwanger. Wir hatten nicht das Gefühl, dass bei dieser Familie sonderlich viel Autorität herrscht und konnten bei dieser Invasion und angesichts der anstehenden Geburt des 5. Kindes ehrlich gesagt nur den Kopf schütteln…

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