Surf and Turf in die Apotheke

Das finde ich etwas unschön: Der Arzt schreibt, wie von der Patientin gewünscht, auf Rezept ein Produkt aus dem Ausland auf.

Silvadene – das gibt es in den USA

… Und damit überlässt er es der Apotheke das mit der wirklich komplizierten Kundin ausdiskutieren, wenn man das – nach Recherchen, was denn da der Inhaltsstoff ist, und ob es bei uns etwas gleichwertiges gibt -ersetzt:

Es ist Flammazine. Eine Wundsalbe mit Silbersulfadiazin.

Ja, das ist derselbe Wirkstoff. Auch in Salbenform.

Ja, der Arzt hätte das auch so verschreiben können.

Nein, ich bestelle das Silvadene nicht – speziell nicht, weil das hier (Flammazine) dasselbe ist.

Nein, auch wenn der Arzt Silvadene aufschreibt, muss ich das nicht bestellen – und das wäre auch nicht ganz so einfach und dürfte einiges mehr kosten, da ich das aus dem Ausland einführen lassen müsste.

Nein, die Krankenkasse würde das Silvadene auch nicht übernehmen. Speziell nicht, wenn es hier etwas gleiches gibt: Flammazine. Das zahlen sie.

Nein, eigentlich bräuchten sie für das Flammazine auch kein Rezept.

Oh, Sie wollen das doch noch einmal mit dem Arzt besprechen, bevor Sie die Flammazine nehmen.

Aber natürlich.

(Der Titel ist natürlich eine Anspielung auf die im Buch House of God beschriebenen Praktiken im Spital: Manche Problem-Patienten gibt man nach kurzem Zusammenbasteln am besten gleich weiter.)

Hustensirup-Hoch

Davon habe ich schon ein paar Mal geschrieben. Das letzte Mal hier: Hustensirup-Missbrauch.

Jetzt veröffentlicht 20Minuten einen Artikel: High mit Hustensirup … und er ist für mich keine wirkliche Überraschung. Bei uns hat das Problem arg nachgelassen, seit ich beim Makatussin durchgegriffen habe, was die Abgabe (oder besser hier die Nicht-Abgabe) angeht. Gelegentlich versucht es mal wieder ein Jugendlicher am Freitag Abend, ob sich was geändert hat, aber das war es.

Dass auch andere Apotheken als nur wir das restriktiver handhaben, habe ich auch am Telefonanruf letztens gemerkt … ein ganz schlauer dachte wohl, er spart sich den Weg die verschiedenen Apotheken abzuklappern und fragt erst Mal telefonisch an, ob wir das an Lager haben.

Makatussin ist tatsächlich das am meisten missbrauchte Mittel hier … wahrscheinlich eben wegen solchen Drink-Rezepten wie im Artikel erwähnt. In Amerika war das der Promethazin with Codeine von der Firma Actavis – in Szenekreisen „Purple Drank“ genannt wegen seiner violetten Farbe. War, nicht ist – denn (ui) die Firma hat da reagiert und das jetzt tatsächlich ausser Handel genommen. So berichtet zum Beispiel the angry pharmacist in Purpocalypse.

codeinsiruppurple

Nun, sie werden einen Ersatz dafür finden, den sie dann missbrauchen können. Eine gute Idee ist das auch bei Hustensäften nicht. Gerade die Kombination mit Alkohol dürfte zu Atemdämpfung und vermehrt Problemen im Zentralnervensystem (lies: Hirn) führen – Folgeschäden sind zu erwarten.

Das Ganze ist übrigens kein Problem nur von Amerika und der Schweiz – das gibt’s auch in Patong, Thailand. Ganz in der Nähe von wo ich gerade war. Da wurde Ende letztes Jahr eine Apotheke überprüft, die ungewöhnlich viel Hustensirup an Jugendliche verkauft haben soll. Und tatsächlich: in der Apotheke fanden sich über 500 Flaschen Sirup und allein während der Überprüfung von etwa 90 Minuten wurde der etwa 10 x von Jugendlichen verlangt.

Ein echter Verkaufsrenner. Das sollte auch zeigen, dass der Apotheker, der da eine Abgabe verweigert, das nicht aus Bösartigkeit macht und ganz sicher nicht, weil er etwas davon hat (ganz sicher keine Einnahmen ….) sondern, weil er / sie ein Gewissen hat und ihm / ihr etwas an der Gesundheit des Kunden liegt.

Daran sollten die Leute, die hier „das geht den Apotheker doch gar nichts an“ und „der soll mir das einfach geben, das ist nur mein Problem“ schreien auch mal denken …

Das kann ich nicht lesen … oder doch?

Für alle Apotheker und Möchte-Gern-Apotheker und Pharma-assistenten, hier ein paar Rezepte zum üben:

Zum einstimmen ein paar Auszüge – mit Erklärungen

2 Rezepte vom Kinderarzt (nein, nicht *dem*)

Ein Rezept vom Augenarzt (nein, meine Augen sind nicht das Problem)

Noch ein Kinderarzt

Ein Rezept mit amüsantem Zusatz

Wenn wir nur noch solche Wunder-Rezepte hätten, hätten wir kaum noch was zu tun.

Wer immer noch interessiert hat, findet hier noch Beispiele zum Üben:

Apotheken-Quiz 1

Apotheken Quiz 2

Apotheken Quiz 3

Apotheken Quiz 4

 

Einmal die Glaskugel bemühen, bitte

Wir bekommen ein Rezept gefaxt – leider war der Patient noch nie bei uns, deshalb habe ich auch seine Information nicht im Computer.

Ausserdem kommt das Fax nach 12 Uhr Mittag – zu spät zum bestellen, dass es heute noch kommt. Etwas doof. Speziell, weil der Mann auch nicht im Telefonbuch gelistet ist, dass ich ihn informieren könnte – deshalb warte ich erst mal ab. Wenn ich es sowieso bestellen muss, kann ich das noch bis heute Abend machen, auch dann kommt es morgen.  Es ist auch nichts, das zwingend sofort genommen werden muss (man denke an die üblichen „Betriebsmedikamente“ wie Blutdruckmittel etc. nur eine seltener gebrauchte Packung ).

Nach ca. 2 Stunden kommt ein Mann herein und verlangt „Die Medikamente vom Fax den sie heute bekommen haben für (Name).“

Ja, es ist der Patient vom Fax-Rezept.

Ich erkläre ihm, dass ein Teil erst bestellt werden muss und dann Morgen parat ist.

Mann: „Aber ich habe es extra hierher faxen lassen, damit es bereit ist, wenn ich komme.“

Pharmama: „Der Fax kam leider erst nach 12 Uhr an. Das ist nach unserem Bestellschluss für den Tag.“

Mann: „Und weshalb haben Sie mich nicht gleich darüber informiert?“

Pharmama: „Weil Sie noch nie mit einem Rezept hier waren und ich Ihre Information nicht im Computer habe. Ausserdem sind Sie nicht im Telefonbuch gelistet“

War er unzufrieden? Natürlich.

„Sie hätten den Arzt anrufen können und oder nach der Nummer fragen. Der hat sie.“

Pharmama: „Vielleicht … allerdings neigen Arztpraxen dazu Mittagspause zu machen und ihre Telefone zwischen 12 und 14 Uhr nicht abzunehmen.“

Und ehrlich … irgendwo hat es Grenzen. Ich mache viel, aber ich habe noch andere Kunden – von denen ich weiss, dass sie kommen. Da bin ich genug beschäftigt. Nicht, dass ich es ihm so gesagt hätte …

Aber wahrscheinlich sollte ich für die Fälle meine Glaskugel bemühen: die kann mir vielleicht sagen, wann (und ob) der Kunde kommt und vielleicht grad noch seine Telefonnummer angeben.

Wenn ich nur wüsste, wo ich die hingelegt habe.