Korrekt und freundlich: so beraten Apotheken auch bei der Pille danach.

Der Beobachter hat – wahrscheinlich nach dem Artikel, der in den 20 Minuten kam und ziemliche Reaktionen hervorgerufen hat – selber Leute losgeschickt um zu sehen, was dran ist.(Ganzer Artikel hier).

Nicht wirklich viel, so wie’s aussieht. Ausnahmen gibt es ja (leider) immer, aber bei den  10 getesteten Apotheken waren die Apotheker durchgehend korrekt und haben freundlich beraten: unter 4 Augen im Beratungsraum. Keinerlei Anschuldigungen von wegen der Covergeschichte vom Sex unter Alkoholeinfluss mit dem One-night-stand. Das habe ich auch nicht anders erwartet.

Negativ aufgefallen ist nur dies:

In der St. Galler Apotheke Amavita rief die Angestellte mit lauter Stimme nach der Apothekerin: «Eine Kundin für die Pille danach!» Gut hörbar für alle Anwesenden. In der Apotheke Sunstore im Berner Storchengässchen berechnete die Apothekerin den Zyklus falsch. Sie erklärte, dass die Testerin vermutlich nicht schwanger werden könne, weil vor zwei Wochen die letzte Periode begonnen hatte.

Umm ja. Das macht man nicht. Auch heute nicht. Durch den Laden rufen (gerade bei so etwas) ist sehr unfein – bitte die Angestellte darauf hinweisen. Was den falsch berechneten Zyklus angeht: Hmpf. Im Zweifel gebe ich auch direkt nach der Menstruation die Pille danach ab … Unregelmässigkeiten und Ausnahmen gibt es auch hier und es gilt: lieber sicher als „sorry“.

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Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 22/11/2016 in Apotheke und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 30 Kommentare.

  1. Letzteres erinnert mich an eine Bekannte die nur mit App verhütet.

    Ja auch bei One Night Stands und sowas.

    Kann ich jedes mal nur den Kopf schütteln.

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  2. Im Zweifel gebe ich auch direkt nach der Menstruation die Pille danach ab …*
    Das ist auch die Empfehlung des Vorgehens seites der BAK. Sehr zur Freude des „Berufsverband der Frauenärzte“, welcher meint, genau deshalb könne die Apotheke gar nicht korrekt beraten.

    Ganz ehrlich – mir persönlich ist die Verschreibungspflicht der Pille danach völlig wurscht. Wenn sie wieder verschreibungspflichtig wird, erspare ich mir halt Kommentare wie Aber bei der Konkurrenz musste ich mir kein stundenlanges Gesülze anhören!. (Komisch, DIESE Seite wird in den Zeitungen irgendwie nie dargestellt.) Aber gerne darf der „Berufsverband der Frauenärzte“ einen 24/7/635 nahörtlichen Notdienst dafür einrichten, denn die Beratung für die Pille danach beim Orthopäden bestand meiner Erinnerung nach darin, dass dieser zum Telefon griff und mich anrief, um herauszubekommen, wie das komische Mittel hieße, welches er just aufs (Privat)Rezept schreiben müsse…

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  3. Ich hatte letztens ne Kundin mit Rezept vom Frauenarzt über die Pille danach. Eisprung vor rechnerisch 7 Tagen gehabt, gv-panne vor 6 Tagen…
    Naja, da hat der arzt wohl auch nicht so die Ahnung…

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    • PilleliLeer

      Äm, das passt. Sogar sehr gut.

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    • Zu spät. Wieder zurückschicken (oder zum Frauenarzt) für eventuell die Kupfespirale oder andere (noch) spätere Massnahmen …

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      • PilleliLeeer

        D.h. wenn schon eingenistet dann geht die Pille danach nicht mehr?

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        • Ich habe mal „wirkung pidana“ ins lustige Gockel-suchprogramm eingegeben, und der zweite mir angezeigte Link ist jener: http://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Fachpublikationen/pille_danach_wirkmechanismus_factsheet_web.pdf Da wirds noch mal ausführlich erklärt.

          Kurze Zusammenfassung: Die Pille danach verhindert NICHT die Befruchtung eines (bereits im Eileiter befindlichen) Eis, sie verhindert NICHT die Einnistung des Eis in die Gebährmutterschleimhaut und sie bewirkt NICHT eine Abstoßung des eingenisteten Eis.

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          • doch, tut sie doch, es gibt genug wissenschaftliche Studien gibt, die Belegen, dass sie eben doch eine Abstoßung des schon befruchteten Eis bewirken kann, siehe z. B.

            „-In einem Übersichtsartikel von Duffy et al „Adolescents and emergency cotraception: update 2011“ (Curr Opin Obstet Gynecol 23:328-333) findet sich, daß es widersprüchliche Nachweise gibt, ob die „Notfallkontrazeption“ die Fähigkeit besitzt, eine Nidationshemmung durch Beeinflussung der Gebärmutterschleimhaut zu bewirken

            Richardson et al „Ulipristal Acetate: Review of the efficiency and safety of a newly approved agent for emergency contraception“ (Clinical Therapeutics, Vol 34, Nr. 1, 2012) spricht klar davon, daß die Beinflussung der Gebärmutterschleimhaut und die damit verbundene Nidationshemmung in der Lutealphase (also nach erfolgtem Eisprung) zur Wirksamkeit des Medikaments beitragen
            Miech „Immunopharmacology of ulipristal as an emergency contraceptive“ (International Journal of Women´s health 2011:3, 391-397):Ulipristal weist durch Nidationshemmung eine abtreibende Wirkung auf, wenn es ab dem Zeitsprung des Eisprungs bis 24 Stunden danach (=Lebensdauer des zu befruchtenden Eies) eingenommen wird (ansonsten während des engen Zeitfensters der fruchtbaren Tage vor dem Eisprung wirkt es als „normaler“ Ovulationshemmer und ansonsten als Placebo)

            Hier werden 3 abtreibende Wirkmechanismen beschrieben: (1) Mangelhafte Entwicklung der Decidua und Unmöglichkeit der adäquaten Einnistung, (2) mangelnde Secretion der Schleimaut um einen sich einnistenden Embryo zu versorgen (3) die Rückkehr zu spontanen Uteruskontrakionen, die sonst unterdrückt würden. Zudem kommen eventuell noch immunologische Abstoßungsreaktionen als Wirkung hinzu, die in den ersten 5-10 Tagen nach der Fertilsation durch Ulipristal zu beobachten sind.

            Auch McKeage et al „Ulipristal Acetate- a review of it´s use in emergency contraception“ (Drugs 2011; 71 (7): 935-945 haben nachgewiesen, daß die Endiometriumdicke signifikant abnimmt unter Ulipristal“

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          • Wir sind uns auf jeden Fall darin einig, dass wir uns uneinig sind. Ansonsten denke ich persönlich, dass eine „Abtreibung“ einfach eine andere Definition hat. Eine Diskussion über Definitionen ist wegen gefestigter Standpunkte aller Seiten meist fruchtlos…

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  4. Ich sehe das mit dem Zyklus-Schätzen auch immer kritisch…erinnere mich, dass es wohl Frauen mit einem so kurzen Zyklus gibt, dass der Eisprung schon während der Periode stattfindet. Demnach ist das „Zyklus-Spielchen“ eh nur für Damen geeignet, die sehr genau über die eigene Zykluslänge etc Bescheid wissen. Für mich als Apothekerin ist mir das Risiko des Falsch-Schätzens einfach zu groß, ich gebe bei jedem Zykluspunkt ab.
    Zudem weise ich auch immer auf die nicht 100% Wirksamkeit hin und empfehle bei ausbleibender Periode immer einen Schwangerschaftstest zu machen.

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  5. Interessant! Dass die Apotheken insgesamt so gut gehandelt haben, lässt ja hoffen. Unsensible Menschen gibt es leider immer – mich hat ein Arzt mal mit großen Augen „Warum?!“ gefragt, als ich mich nach einem HIV-Test erkundigte… Schwarze Schafe gibt es überall!

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  6. stuttgarterapothekerin

    Ich hatte beim Lesen voll den Flash zum Webefilm der 80er…“Erna, wat kosten die Kondome?!?“
    Danke dafür, ich fühl mich gleich viel jünger!
    (Und für alle, die noch jung sind: gockelt mal „Hella von Sinnen“ und „Ingolf Lück“ mit „Werbespot HIV“, da sollte sich was finden lassen…)

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  7. auch hier nochmal, weil es ja gerade um die Beratung geht, ich finde es etwas schade, dass bei der Beratung nicht gesagt wird, dass die Pille danach auch frühabtreibend sein kann 😦

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    • Ich meine genau das wurde hier schon mal thematisiert, dass die Pille das eben nicht ist!

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      • Ja. Und sie ist immer noch überzeugt davon, dass die Pille danach das ist – und ich bin immer noch überzeugt davon, dass es das nicht ist UND dass das in einem Beratungsgespräch in der Apotheke so gar nichts zu suchen hat.

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        • ja, eben weil es genug wissenschaftliche Studien gibt, die Belegen, dass sie eben doch eine Abstoßung des schon befruchteten Eis bewirken kann, die Studien habe ich auch letztes Mal gepostet, aber da kam keine Antwort drauf …

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  8. Ich hatte letztes Jahr das ‚Vergnügen‘, im Frankreich-Urlaub die Pille danach zu benötigen. Bekanntermaßen ein sehr praktisches Reiseland für so ein Problem, auch wenn es nicht so einfach war, am Samstagmittag eine offene Apotheke zu finden.
    Ich war dann aber doch etwas verblüfft über die völlige Abwesenheit von Beratung. Klar, dass wir die Unterhaltung in Englisch führen mussten, hat vermutlich nicht geholfen, aber ich war mir mit meiner Berechnung des Zeitpunkts nicht so richtig sicher und auf mein „I think I might need the morning after pill“ wurde mir nur mit einem irritierten „so you need it or not?“ reagiert. Auch etwaige Nebenwirkungen, die zu erwarten wäre, musste ich explizit erfragen. Ich hatte das Gefühl, man war ein bisschen verwundert, was die Deutsche da jetzt so ein Ding aus der Sache macht.

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  9. trollfuttermeister

    @flufla: dnftt…deswegen gibt’s keine weiteren Antworten!

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    • Das hat nichts mit Troll zu tun, ich finde es einfach eine Frechheit, dass falsche Informationen gegeben werden und somit auch Leuten, die die Pille danach, wenn sie wüssten, dass es solche Studien gibt, nicht nehmen würden, diese Informationen vorenthalten werden.

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  10. AuchPharmazeutin

    Ganz ehrlich… wenn von mir die Pille danach verlangt wird, wird ein Gespräch geführt, um zu checken, ob das Zeitfenster noch gültig ist oder nicht, und ob andere Faktoren eventuell gegen eine Abgabe sprechen. Ob das Ding als abtreibend empfunden wird oder nicht, hat in diesem Gespräch meiner Meinung nach nichts zu suchen, und tut auch nichts zur Sache, da hier ganz eindeutig KEIN Kinderwunsch besteht. just my 2 Cents

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  11. Man kann auch keinen Kinderwunsch haben wollen und trotzdem das Leben, was vielleicht in einem entstanden ist, nicht töten wollen … Und es wird nicht als abtreibend EMPFUNDEN, es IST abtreibend, das ist keine Definitionssache, sondern eine Tatsache. Es gibt ernstzunehmende Studien, die besagen, dass das bereits befruchtete Ei abgestoßen wird. ENTGEGEN dem, was in der Apotheke über das Produkt gesagt wird.

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