Minimalisten-Rezept

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rpminimum

Ich weiss ja, dass es sehr … schreibfaule Ärzte gibt. Aber das Rezept war dann doch ein Novum. Noch weniger geht kaum – und selbst das was ich da drauf stehen habe reicht eigentlich nicht aus. Zu wenig Information.

Ich habe auch ausser dem Spitalnamen und der Arztunterschrift nichts gelöscht: Da steht nicht mal drauf, für wen das Rezept jetzt ist! Für die Frau von dem Mann, der jetzt bei mir in der Apotheke steht offenbar. Die ist vom Spital entlassen worden und jetzt zu Hause.

Und die Medikamente, die sie braucht?

  • Ponstan Tbl OP1
  • Tramal Tbl OP1
  • Pantozol Tbl OP1

Während es beim Ponstan noch einigermassen klar ist (in Tablettenform gibt es nur die 500mg, 250mg sind Kapseln), weiss ich beim Pantozol und beim Tramal nicht, welche Stärke gewünscht ist. Dann fehlt mir auch, wie die Tabletten zu nehmen sind (was beim Tramal ein Hinweis darauf geben könnte, ob retard oder nicht). Und: wie lange? Wenn so gar nichts steht ist das die kleinste im Handel befindliche Packung je. Aber wenn sie das Pantozol wegen Magenproblemen wegen der Schmerzmittel nehmen muss, dann sollte ich wissen, wie lange sie die nehmen muss / darf. Und apropos Schmerzmittel: da will ich sie auch nicht zu Hause lange leiden lassen, bis sie etwas bekommt …

Anruf im Spital hat nicht geklappt: Das Telefon wurde nicht abgenommen, und auch via Zentrale war der Arzt nicht zu fassen. Deshalb habe ich der Patientin angerufen, um vielleicht aus ihr noch ein paar Informationen dazu zu bekommen – im Schlimmsten Fall würde ich morgen noch einmal im Spital anrufen und mir ein neues Rezept schicken lassen. Das war aber dann nicht nötig: die Patientin hatte tatsächlich noch genug Schmerzmittel zu Hause und wollte das in den nächsten Tagen selber mit dem Hausarzt besprechen, wie es weiter geht.

Auch gut.

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15 comments on “Minimalisten-Rezept

  1. samybee sagt:

    Hm – vielleicht sollten Ärzte in ihrer Ausbildung ein Pflichtpraktikum in der Apotheke machen -damit sie lernen, wie man es besser macht 😉. Krankenhausärzten fehlt da manchmal die Erfahrung, oder? Ein Hausarzt bekommt eher Feedback/Rückfragen von Euch und den Parienten und lernt (hoffentlich)…

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    • Pharmama sagt:

      (hoffentlich) 🙂
      Ja, mit den Krankenhausärzten ist die Kommunikation erschwert (Erreichbarkeit, Zeit etc.) – und eigentlich haben sie ja im Studium einen Kurs, wie man Rezepte richtig ausstellt … auch wenn das nur eine Stunde ist.

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  2. Kathy sagt:

    Assistenten-Teaching 1. Tag. Aber ich vergiss es teils auch, gerade wenn man 4+ Medis rezeptieren muss und der PC es einfach nicht speichern will und man drum von Hand nochmals loslegen muss. Oder der OA sich 3x umentscheidet..

    Handgeschrieben finde ich aber ehrlich etwas völlig unmögliches. (ebenso handgeschriebene Medilisten – je nach Sauklaue ist das „Atorvas.“ kaum vom „Atacand“ zu unterscheiden…)

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    • Pharmama sagt:

      Auch darum: keine Abkürzungen für Medikamente auf dem Rezept! Handgeschrieben, sofern einigermassen leserlich finde ich nicht so schlecht, aber ja: maschinengeschrieben ist sicherer. Wenn die nicht manchmal auch aussteigen würden oder man sich in der Zeile vertippt, oder …

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  3. rayne sagt:

    Wenn ich mal ein Rezept ausstelle (was äußerst selten selbst vorkommt), dann muss ich mir immer von Freund Google nochmal raussuchen lassen, was da eigentlich alles drauf gehört…

    Bei uns im Haus unterschreib ich schon hin und wieder Rezepte (Privatrezepte oder BG-Rezepte, Kassenrezepte dürfen wir nicht), aber die werden immer von meiner Schwester vorbereitet… Da gibts nur noch kontrollieren und unterschreiben. So lernt mans halt auch nicht. Aber dafür sind die lesbar und wurden von 2 Personen angeschaut ob die richtige Dosierung drauf ist. (Nope wir haben keine Software… das gibt es alles handschriftlich.)

    Kann mir mal jemand erklären, warum meine Ambulanzschwestern eine so viel lesbarere Handschrift haben als ich? Selbst wenn ich versuche die Rezepte zu „malen“?

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    • Pharmama sagt:

      google!? Und wie weisst Du, ob das die gerade aktuelle Info ist? Gerade in Deutschland, wo es den KK einfällt mal wieder was zu ändern oder vorzuschreiben ….
      Langsam gefällt mir die Idee mit dem Apotheker-kurs für alle angehenden Ärzte: was gehört auf ein Rezept (und vielleicht mit mailangabe der Teilnehmer, wenn wieder mal was ändert …)

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      • rayne sagt:

        Ich glaub ich hätte in meinem Post oben deutlicher machen sollen, dass ich eben nahezu nie Rezepte ausstelle. Und ich stelle niemals Kassenrezepte aus. Dafür fehlt mir und meinen Vorgesetzten die Zulassung. Daher entsteht auch diese mangelnde Übung, was das Rezepteschreiben angeht. Wenn ich also ein Privatrezept mal selber schreiben will, brauch ich den §2 AMVV (soweit weiß ich das noch auswendig), da ich diesen aber nicht auswendig kenne, gebe ich das genau so bei Freund Google ein. Der spuckt mir dann irgendwo zwischen Ergebnis 1 und 10 die Seite vom Bund aus, auf der man alle Gesetze nachschlagen kann. Danach suche ich mir noch ein Rezeptmuster und bastle aus den verfügbaren Informationen ein Privatrezept. Bei der Vorgehensweise spuckt Freund Google brauchbare Informationen aus, die nach besten Wissen und Gewissen aktuell sind (aktuellen Gesetztestext gelesen und beachtet). Bei BG-Rezepten wird das schon komplizierter. Da hilft es z.B. nach Arbeitshilfen für Deutsche Apotheker zu googeln (solche, die Apotheker verwenden sollen/können um Rataxationen zu vermeiden). Ich habe jetzt mal spaßeshalber einen Beispielversuch unternommen und bin dabei auf folgendes gestoßen: (bitte Link entfernen, falls der unangemessen ist) https://www.deutschesapothekenportal.de/fileadmin/user_upload/download/arbeitshilfen/dap_arbeitshilfe_16.pdf
        Dieses Dokument ist jetzt von Juli 2016, das ist 3 Monate her, also würde ich im Falle eines Falles jetzt mit dem AMVV und diesem Leitfaden ein BG-Rezept basteln (dazu dann den BG-Stempel des Vorgesetzten) und dann ist das nach besten Wissen und Gewissen fertig.

        Im Arbeitsalltag (da bei uns in der Ambulanz durchrotiert wird) unterschreibe ich vielleicht 1 Privatrezept und 2 BG-Rezepte die Woche. Diese werden von der Ambulanzschwester vorbereitet, die davon eher 50 die Woche macht (da die Pflege durchrotiert – unter anderem in die BG- und Privatsprechstunde, haben die da sehr viel mehr Übung).

        Womit ich z.B. sehr viel mehr Übung habe sind gelbe Urlaubsscheine aka Krankschreibung. Da brauch ich keine Hilfen für.

        Aber hätte liebend gern ein Kurs zum Thema korrekt Rezepte ausstellen. Nicht nur bzgl. der KK-Vorgaben sondern auch für BG und Privat. Mit Aktualisierungsnewsletter, das wäre schon was feines…

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        • rayne sagt:

          Ergänzung: Jupp, sowas dauert ewig, kommt vllt. einmal im halben Jahr vor und ist daher bis zum nächsten Vorkommen wieder veraltet, weshalb erneut die aktuellen Retaxierungsgründe bzw. der Gesetzestext gelesen gehört (obwohl, der ist zumindest deutlich langlebiger).
          Bzgl. Kassenrezepte hab ich halt gar keine Ahnung, aber ich vermute, dass hier die Kassenärztliche Vereinigung weiter hilf. (Kurze Recherche hat ergeben: Jupp tut sie.) Aber auch hier wurde mal wieder Google befragt…

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          • rayne sagt:

            Noch eine Ergänzung: Ich weiß, dass einige (wenige) meiner Kollegen sich definitiv nicht so viel Mühe geben, wenn sie mal alle Jubeljahre selbst ein Rezept ausstellen. So frei nach dem Motto: „Die Apotheke wird sich schon melden, wenns falsch war.“ Hm… nicht so schön.

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    • Die angegebene Arbeitshilfe ist ziemlich optimal. 😀 Hauptknackpunkt bei Krankenhausrezepten ist meist der Krankenhausstempel, gewöhnlicherweise fehlen einzeln oder in Kombination:
      a) Vor- und Zunahme des ausstellenden Arztes (leserlich),
      b) Berufsbezeichung des ausstellenden Arztes („Dr. med.“ ist Titel, kein Beruf)
      [a) und b) günstiger Weise als separater Stempel neben/unter den gedruckten Krankenhauskopf, wenn es der Compi nicht sowieso beherrscht]
      c) Telefonnummer.
      Hinzu kommt dann:
      d) sinnvolle Mengenangabe zum verordneten Medikament („3×1 über 7 Tage“ ist zwar krankenhausüblich aber KEINE „Verordnungsmenge“) bzw. überhaupt sinnvolles Medikament („Amoxicillin 375mg zu 3 Dosen über 7 Tage“ ist nicht nur verwirrend – Einzeldosis oder solls gesplittet werden? – sondern so auch einfach NIRGENSWIE als Fertigarzneimittel zu bekommen. Apotheker rechnen das gerne auf die gängigen Säfte um – aber ne GKV schüttelt da nur mit dem Retaxstift.)
      e) nicht erstattungsfähige Packungsgrößen (z.B. größer N3, siehe Packungsgrößenverordnung)
      f) bei Kindern Verordnung von Produkten, die nicht von der Kasse übernommen werden (pH-Teststreifen, Pflegelotionen mit Zulassung als Kosmetikum usw.)

      Davon abgesehen: die BG übernimmt wesentlich mehr als die GKV gemäß Liefervertrag, da kann ich es sogar schaffen, apothekenübliche Hautpflege (nach einmaligem Antrag) erstattet zu bekommen. Und sind auch bei Verordnungsunklarheiten den „Rezeptheilungen durch den Apotheker“ nicht unaufgeschlossen. Die BGen sehen es sowieso nicht so eng wie die GKV. Nur Festbeträge können die in letzter Zeit immer weniger leiden…

      Kann mir mal jemand erklären, warum meine Ambulanzschwestern eine so viel lesbarere Handschrift haben als ich?
      Jo. Kommt durchs Studium. Da hat man oft sinnlose Datenmengen in den Vorlesungen mit-stenografiert, ohne eine Kurzschrift zu beherrschen. Protokolle gab man aber immer auf Compi geschrieben ab – man hat also mehrere Jahre eine Sauklaue „nur für sich“ entwickelt und gepflegt. Da verlernt man Schönschrift. Und für einen Kaligraphiekurs so nebenbei haben wohl die wenigsten Medizin- und Pharmaziestudenten Zeit. 😉

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  4. BayernChris sagt:

    mir fällt bei dem Rezept auf, dass komplette Angaben fehlen, für wen oder was das Rezept eigentlich ist – oder ist das in CH nicht zwingend nötig?

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    • Pharmama hat bei dem Rezept bildbearbeitungstechnisch Anonymisierung betrieben. Ich denke, da ist (sinnvoller Weise) auch jeder Hinweis auf den Patienten geopfert worden… 😉

      Man sieht es unter anderem (ohne schwere Bildbearbeitungsnachweissoftware) bei der Unterschrift, oben bei „..spital“, unten bei „…spital“, oben bei den nicht erkennbaren Telefonnummern usw.

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