Bitte kommen Sie nicht wieder.

Ein Dauerrezept. Bronchipret 20 Stück, Sinupret 20 Stück, Calcimagon forte 30 Stück

Das Rezept das mir die Frau Mitte 50 (Frau MiF) hinhält kommt mir bekannt vor, aber erst wie ich die säuerliche Reaktion der Kundin sehe, als ich ihr sage, dass ich eine der gleich 3 Packungen- die sie vom Bronchipret, das momentan nur in der kleinen Packung lieferbar ist, will- bestellen muss, erinnere ich mich. Ja, das ist die Frau MiF, die letztes Jahr mitten in der stressigen Vorweihnachtszeit wegen demselben Medikament ausgerufen hat (es war in der Bestellung momentan nicht hier):

„Sie haben so viel Schund an Lager, aber nie (!) das, was ich brauche. Geben sie mir das Rezept wieder, ich hole alles woanders. Hierher komme ich NIE mehr.“

Und ja, es ist genau DAS Rezept. Vom Dezember, das ich jetzt wieder in der Hand halte.

Wenigstens verzichtet sie dieses Mal auf’s Ausrufen und Beleidigen.

Frau MiF: „Von den Calcium will ich aber nur eine kleine Packung! Die hatte ich noch nie. Ich komme alles heute mittag holen.“ Und geht.

Mittags. Sie bekommt ihre Medikamente und schaut das Calcimagon seltsam lange an.

Frau MiF: „Ich bin allergisch auf Milchprodukte, deshalb brauche ich das. Ist da auch keine Lactose oder irgendwelche künstlichen Süsstoffe drin? Die vertrage ich nicht.“

Ich schaue nach. Doch, in den Kautabletten hat es Aspartam drin, ein künstlicher Süsstoff.

Pharmama: „Ich versuche Ihnen etwas zu finden, wo es nichts davon drin hat. Das dauert aber etwas.“

Frau MiF: „Ich komme morgen wieder!“ Und geht.

Nach langen Recherchen und herumtelefonieren finde ich tatsächlich etwas, das nichts davon drin hat. Nicht ganz einfach, da in der Schweiz die Hilfsstoffe nicht angegeben werden müssen. Da hilft oft nur direkt bei der Firma anzufragen. Das ist mühsam und dauert. Kalcipos ist es dann. Das sind zwar Tabletten und nicht Kautabletten, aber die Dosierung stimmt und es hat weder Süsstoff noch Lactose drin.

Frau MiF kommt am nächsten Tag, ich bringe das Produkt und erkläre es. Sie schaut es ganz genau an. Noch misstrauischer als gestern würde ich sagen.

Frau MiF: „Das steht drauf Saccharose – das ist doch auch ein künstlicher Zucker!“

Pharmama: „Nein, das ist der ganz normale Zucker. Da hat es keine Süsstoffe drin. Wir haben nachgefragt.“

Sie geht, ohne uns für die Arbeit, die ich wir uns damit gemacht haben zu danken.

Und kommt am nächsten Tag wieder. Sauer.

Frau MiF: „Ich habe eine Reklamation!“

Und da stehe ich und nehme sie entgegen.

Frau MiF: „Ich kann diese Tabletten auch nicht nehmen. Ich bin Allergikerin – das sollten Sie doch wissen!“

Pharmama: „Ich … weiss, dass sie keine Süsstoffe und keine Milchprodukte oder Lactose vertragen. Deshalb haben wir ja genau diese herausgesucht. Was stimmt denn damit nicht?“

Frau MiF: „Da steht drin, dass es Bestandteile von Soya enthält. Ich bin auch gegen Soya und Erdnüsse allergisch!!

Pharmama: „Oh, das … das tut mir leid, aber da hatten wir wohl nicht alle Informationen. Davon haben Sie nichts gesagt.“

Frau MiF: „Sie hätten fragen können! Nehmen Sie das hier zurück – ich habe es schon geöffnet.“

Pharmama: „Ja – dann entsorge ich es.“

Aber das bleibt auf der Abrechnung.calcipos

Wir haben bei ihr schon beim ersten Rezept die Daten ins Computerdossier aufgenommen – und auch da hat sie nix gesagt von Soya und Erdnussallergie.

Und dann ist da noch das: man schaue sich mal die Packung an. Da steht tatsächlich das mit dem Soya direkt unter des Saccharose! (hier die französische Seite, auf der deutschen steht es auch -Was toll ist von der Firma!) Wenn sie das eine gesehen hat, weshalb dann das andere nicht, bis sie es geöffnet hat?

Ach ja: und dann war noch das da zum Abschied: „Zu ihnen komme ich nie mehr!“

Kenne ich schon. Momentan hoffe ich sogar sehr, dass das stimmt. Und dass sie der nächsten Apotheke eine reelle Chance und alle Informationen gibt, die sie auch brauchen.

(Nachtrag: Inzwischen hat es in den Kalcipos keine Soyabestandteile mehr drin, sie haben die Formulierung geändert und die Aufschrift entfernt.)

 

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 23/02/2016 in Apotheke und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 20 Kommentare.

  1. Grade in solchen Fällen wünscht man sich doch manchmal wirklich, dass die Leute ihre „Drohung“ wahr machen und wirklich nie wieder kommen. Witzigerweise sind es aber auch immer die, die dann doch nach ein paar Wochen, oder Monaten wieder vor einem stehen…
    Ich werde mal meinen Wicca-Freund anschreiben und fragen, ob er mir nicht endlich verraten kann, wo er seine Kristallkugeln weg hat ^^

    Gefällt 1 Person

  2. Mir würde mit Sicherheit nach der nächsten „Drohung“ nicht wieder zu kommen ein „Na, hoffentlich!“ rausrutschen.

    Gefällt 1 Person

    • .. oder einfach „gern!“😀

      Gefällt mir

    • Wieso rausrutschen. Nachdem das offensichtlich nicht einem schlechten Tag zuzuschreiben ist, sondern zum normalen Verhaltensmuster gehört, ist ein freundlich und fröhlich gerausgeschmettertes „Oh ja, danke, das wäre sehr nett!“ völlig angebracht.
      Pipifax-Kunden mit Minimalumsatz, die sich wie Graf Koks aufführen und meine Arbeitskraft klauen oder die meiner Mitarbeiter, schmeisse ich bei uns im b2b Geschäft einfach raus. Das dauert vertraglich manchmal etwas, geht aber.
      In der Apotheke ist das mit dem Versorgungsauftrag schwieriger. Da muss man dann sehr klar sein und einen verbalen A…tritt nutzen in der Hoffnung dass es wirkt.

      Gefällt 2 Personen

  3. Täglich Brot
    Arzt: „Haben Sie Erkrankungen?“
    Pat.: „Das steht doch alles im Dossier“
    A. „Sie sind zum ersten Mal bei uns..“
    Pat. „Aber beim Hausarzt ist alles digital!“
    A. „ok, ich werd die Diagnoseliste anfordern. Nehmen sie Medis?“
    Pat. „die weiss ich doch nicht auswendig.. Fordern sie die Liste an bei XX..“
    A. „Haben sie Allergien?“
    Pat. „nicht das ich wüsste. Ausser von Kortison(creme) bekomm ich Kopfschmerzen (3 Tage später nach einmaligem Gebrauch)“

    … Letzter Besuch vor 2 Jahren bei XX.
    Pat. „ach zu DEM Hausarzt geh ich nicht mehr, bin jetz bei XY, warum haben sie nicht die aktuelle Mediliste??? Ja, ich war mal wegen ner allergischen Reaktion auf Penicillin im KH, warum?“

    P.s. Erkrankungen oder Allergien haben alle nicht – aber Blutdruckmedis, Insulin oder eben mal ne nette Anaphylaxie in der KG. Läuft bei euch.. Ich such mal wieder meine Glaskugel.

    Gefällt 1 Person

  4. Bei Patienten, die nicht selber über ihre Krankheit sprechen wollen und die auch ihre Medikamente nicht auswendig (oder auf Merkzettel) wissen, sind doch wohl die Heilungschancen denkbar gering oder ? Wenn sie sich von ihren eigenen Problemen nicht betroffen fühlen… Bzw. dermassen betroffen, dass sie ihnen nicht mehr in die Augen sehen können.

    Gefällt mir

    • Darum ist es in Deutschland inzwischen Pflicht (so viel ich weis), dass Ärzte Medikamentenpläne mitgeben, sobald Patienten minimum 3 verschiedene Tabletten drauf stehen haben. Das hilft natürlich nicht, wenn da mal was von einem ANDEREN Arzt geändert wird und das beim Hausarzt nicht ankommt. Schön ist es besonders dann, wenn Patienten Medikamente unerkannt doppelt nehmen, weil in der Apotheke ja keine automatische Kundenkartei gibt oder Pat. zudem auch noch Apothekenhopper sind. Ist uns und einem Kardiologen mal bei Biso/Concor passiert. In übrigen bei einem Patienten, der auf Aut Idem bestand, da er das vertragliche Ersatzprodukt angeblich nicht vertragen habe. Und ausnahmsweise hätte mal genau da der Rabattvertrag was Gutes getan.

      Aber Medi-Pläne helfen auch dann nicht, wenn Pat. die in der Tasche spazieren führt und nicht damit arbeitet. Und ja, davon gibt es hier auch genug.:/
      Oder ihren Allergiepass nie dabei haben und wenn man danach fragt („Haben Sie einen Allergiepass?“) mit „Ja, aber den muss ich erst zu Hause mal suchen gehen“ antworten. Solche Leute tragen dann auch gerne kein Marcumarpässchen mit sich rum, sondern legen den fein säuberlich in die nächstbeste Ecke. Und sie verstehen dann auch nicht, dass sie im Zweifelsfall erschwertes, russchisches Roulette spielen.:/

      Gefällt mir

    • Sie fühlt sich in dem Sinne betroffen, als sie es nutzt, sich zu beklagen, wenn jemand nicht …. Statt mal selber aktiv zu werden.

      Gefällt mir

  5. WIe ich bei der Kundin einfach mal ein L dazu gelesen habe und etwas schockiert von Pharmama war. hust Aber da muss ich mir jetzt wohl an die eigene Nase fassen. husthust

    Nebenbei:
    Hast du nicht „Hausrecht“ und kannst Nicht-Notfälle im Zweifel vor die Tür setzen, wenn sie zu schlimm werden? Oder gibt es das in der Apotheke/Schweiz nicht?

    Gefällt 1 Person

  6. Wow …

    Gefällt mir

  7. Immer wieder erstaunlich, wie Leute mit ihren Mitmenschen umgehenO_o

    Gefällt mir

  8. Da hoffe ich für euch echt, dass die nie mehr bei euch vorbeikommt. Grässlich was für Kunden ihr habt!!

    Gefällt mir

  9. Meine Theorie zu solchen Patienten: Man wird sie nicht zufriedenstellen können. NIE! Jedenfalls nicht ohne lange Psychotherapie.
    Offenbar gehört diese Dame zu den Allergo-Hypochondern, die immer mehr zunehmen. Sie verträgt weder Lactose noch künstliche Süssstoffe ALLER Art, kein Soja, keine Erdnüsse, und offenbar prophylaktisch auch keine Saccharose. Als Pauschal-„Allergikerin“ muss man logischerweise alles meiden was im Internet steht als möglicher Allergieauslöser. Ich prophezeie: Einen Test hat sie nie gemacht oder sie wurde vielleicht mal für ein einziges der Allergene positiv getestet.

    Es gibt ein paar wenige arme Würmer, die tatsächlich ein derartiges Allergie- und Unverträgligkeitsspektrum aufweisen, die sind aber mit der Lupe zu suchen und sich über ihre Allergien sehr klar bewusst und oft extrem gut informiert. Die bekommen nämlich echte Probleme wenn sie ins Klo greifen und möchten das nie wieder erleben.
    Die Dame gefällt sich aber in ihrer Rolle. Die Welt ist böse und will ihr was. Und die Apotheke auch. Erinnert mich an meine Tante. Die verträgt auch nichts sondern nur homöopathische oder pflanzliche Arzneimittel. Alle Schmerzmitteln, ja wirklich alle, machen ihr Kopfschmerzen und deshalb erleidet sie tapfer mit ein paar Zaubertropfen versehen ihre Osteoporose-bedingten Schmerzen. Bei der Nahrung genau das gleiche Spiel.
    Solche Menschen scheinen ohne Leiden ihre Identität zu verlieren. Also muss man sie – vielleicht unbewusst, bin kein Psychiater – auch kultivieren.

    Gefällt mir

  10. Wir hatten das Thema „Allergien“ ja erst kürzlich, aber reichen die Mengen in den Tabletten wirklich schon aus, um eine Reaktion auszulösen? Du kannst natürlich nicht wissen, wie intensiv die jeweilige Allergie ist, aber die Patientin sollte doch Erfahrungswerte haben. Auf der anderen Seite: Wenn sie so differenziert damit umgehen würde, hätte sie es wohl gar nicht erst in einen Blog-Post geschafft.

    Gefällt mir

    • Ehrlich: ich glaube nicht. Es dürfte sich dabei auch nur um sehr wenig im Überzug handeln. Aber: da ich das nicht weiss, mache ich auch lieber keine Experimente. Im Zweifelsfall suche ich etwas ohne das drin.

      Gefällt mir

Sag was dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: