Apotheker auf dem Weg zum Impfen: 2. Fähigkeitsausweis

Auf-dem-Weg

In weiser Voraussicht im Hinblick auf das Impfen in der Apotheke bietet der Apothekerverein schon seit Ende 2011 an, den Fähigkeitsausweis Impfen und Blutentnahme zu machen. Sie schreiben auf ihrer Seite:

Die Fähigkeitsprogramme FPH ermöglichen dem interessierten Apotheker, bestimmte neue Kompetenzen zu erwerben, die er sich noch nicht in seiner Aus- oder Weiterbildung aneignen konnte. … Die Fähigkeitsprogramme bestehen aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Damit können die Apotheker, die das noch nicht in der Ausbildung gelernt haben (kommt erst ab 2017) die Kompetenzen erlangen, damit sie auch wirklich impfen dürfen. Zu den gesetzlichen Grundlagen dazu siehe Post …)

Die Weiterbildung umfasst folgende drei Module:

  • BLS-AED Reanimationskurs, der SRC anerkannt sein muss
  • Impfungen (12 akademische Stunden)
  • Injektions- und Blutentnahmetechniken (20 akademische Stunden)

Eine akademische Stunde entspricht 45 Minuten.

Bei all diesen Kursen wird man jeweils geprüft. Man bekommt die Testate dafür nur, wenn man alle Prüfungen bestanden hat. Es gibt jeweils einen theoretischen und einen praktischen Teil. Die Testate sind 2 Jahre gültig.

Wenn man alle Testate hat, muss man sie beim Apothekerverein einreichen, die das dann anschauen und wenn alle Komponenten erfüllt sind den Fähigkeitsausweis ausstellen.

Es besteht danach Fortbildungspflicht. Das heisst beim Fähigkeitsausweis FPH Impfen und Blutentnahme, man muss mindestens alle 2 Jahre Fortbildungen im Rahmen von 50 FPH Punkten in Form eines Kontaktstudiums absolvieren – das bedeutet: mindestens 8 Stunden in externen Kursen zu dem Thema. Davon sind 25 Punkte in Form eines BLS-AED Refresherkurses (SRC anerkannt) nachzuweisen. Wird das nicht gemacht kann das Recht zur Führung des Fähigkeitsausweises entzogen werden.

Zu dem Zeitaufwand – der insgesamt zum Erlangen etwa 4 ganze Tage Kontaktstudium plus nochmals mindestens 2 halbe Tage online-Kurs beinhaltet (da kommt es drauf an, wie effizient man ist) kommt noch der finanzielle Aufwand, der … nicht unerheblich ist. Hier mal eine Liste für 2016, in Klammern was man als Nicht-Apothekerverband-Mitglied zahlt.

  • BLS-AED Reanimationskurs CHF 650.- (780.-)
  • Impfungen  CHF 550.- (1100.-)
  • Injektions- und Blutentnahmetechniken CHF 970.-
  • online Kurs Injektionen und Blutentnahme  CHF 300.- (600.-)
  • Nachweis Hep B Titer (Voraussetzung für Spritzenkurs, inkl Arztbesuch) ca. CHF 100.-
  • Antrag Fähigkeitsausweis Pharmasuisse  CHF 250.-
  •  diverse Fahrtspesen (mit Halbtax SBB): ca CHF 130.-

Total also mindestens: CHF 2950.- (Ja, Spezialisten und Spezial-Ausbildungen sind teuer).

Das muss man auch erst mal haben. Bei manchen bezahlt die Apotheke selber noch etwas an der Weiterbildung, aber auch so: die meisten Apotheker, die das machen, die machen das aus Überzeugung. Viele von Ihnen haben da auch angefangen bevor überhaupt klar war, dass sie das (je) brauchen würden können. Die ersten haben Ende 2013 ihren Fähigkeitsausweis erlangt.

Ich habe (jetzt) angefangen.

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 27/01/2016 in Apotheke und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 18 Kommentare.

  1. Kannst Du ungefähr abschätzen, wie viele Impfungen Du für die Apotheke machst, um das Geld wieder rein zu holen (also rein die wirtschaftliche Betrachtung der Kosten)?

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  2. Ich finde es gut, dass Apotheken in der Schweiz mit Impfungen betraut werden.

    Den Kostenpunkt sehe ich sehr kritisch. Für einen Apotheker in Deutschland dürften das etwa 1 1/2 Nettomonatsgehälter sein. Wenn man eine Familie ernähren muss oder Berufseinsteiger ist, muss man das erst mal finanziell stemmen. Ob sich da wirklich so viele Apotheker finden lassen, die das aus reinem Idealismus durchführen, wage ich vorsichtig zu bezweifeln.
    Purer Idealismus ist meiner Meinung nach auch ein schlechter Grund bei der Ausgabe derartig hoher Kosten.
    Ich selbst bin eher Realist und will daher nachfragen: Sieht in der Schweiz ein Arbeitgeber bei einem Bewerber einen Mehrwert, wenn dieser diesen Impfschein vorweisen kann? Da macht man doch eher einen Zytostatikaschein und sucht sich eine entsprechende Apotheke. Das wirft mehr ab.

    Was ich auch kritisch sehe, ist die zeitliche Beschränkung. Da investiert man 3000 Franken in eine intensive Fortbildung und steht nach zwei Jahren wieder mal zunächst komplett ohne Schein da. Welche Folgekosten kommen denn für die Auffrischung des Scheins auf einen zu?

    Im Moment sehe ich das nur interessant für einen Apotheker, der selbst eine Apotheke besitzt. 3000 Franken investiert in der Apotheke kein Arbeitgeber in einen Arbeitnehmer, der ihm innerhalb von einem Monat abspringen kann. Letztlich finanziert er ihm damit eine Fortbildung, die den Arbeitnehmer für einen anderen Arbeitgeber potentiell interessant macht.

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    • „Letztlich finanziert er ihm damit eine Fortbildung, die den Arbeitnehmer für einen anderen Arbeitgeber potentiell interessant macht.“
      Das lässt sich so lösen, dass man vertraglich festhält, dass der Arbeitgeber die Kosten übernimmt, falls der Arbeitnehmer allerdings innerhalb von xx Monaten kündigt, muss er die Kurskosten (voll oder anteilsmässig) erstatten.

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      • Ja, so kann man das regeln.

        In erster Linie wollte ich ausdrücken, dass ich es eher ungewöhnlich finde, dass in einer Apotheke Fortbildungen durch den Chef bezahlt werden. Zurückblickend auf meine eigene doch recht kurze Zeit in der Apotheke fällt mir da nur ein Seminar zum Anlegen zum Stützstrümpfen ein, was mir finanziert wurde. Die Kosten für das Seminar waren mit damals etwa 20 Euro doch recht überschaubar; An- und Abfahrt mit dem eigenen KFZ habe ich selbst gezahlt.
        Aber auch in der Industrie würde man ein Seminar über 3000 Euro für einen Mitarbeiter nur dann zahlen, wenn der Besuch wirklich unabdingbar ist.

        Das kann sich aber von Apotheke zu Apotheke bzw. von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden.

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    • Nun, die Preise sind für Ausbildungen in der Schweiz und von schweizer Apothekern (wobei anzumerken ist: auch andere Berufsgruppen können diese Ausbildung machen, den Spritzenkurs z.Bsp die Praxisassistenten) – und auch wenn man etwas relativieren muss (bei uns wird ja zum Beispiel die Steuern oder die Krankenkassenbeiträge nicht direkt vom Lohn abgezogen): das ist viel, aber nicht 1 1/2 Monatsgehälter im Vergleich.

      Die Weiterbildung ist aber wirklich ein Mehrwert – und Arbeitgeber, die sich an den Kosten beteiligen, können das zum Beispiel wie Irene anmerkt unter der Voraussetzung, dass er nicht innert X Monaten von der Apotheke weggeht, ansonsten da ein teil wieder zurück zu bezahlen ist.
      Tatsächlich beteiligen sich hier die meisten Apotheken an der Ausbildung unserer Mitarbeiter. Ich habe auch im Vertrag, dass XX Franken pro Jahr übernommen werden und YY Stunden an die Arbeitszeit angerechnet werden können. Das ist grosszügig, aber auch der Tatsache geschuldet, dass Weiterbildung bei uns Pflicht ist.

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  3. Moment mal, warum ist der BLS-AED Kurs bei euch so teuer? Oder sind das andere Inhalte als man beim SSB/SRK/SLRG lernt? Würden bereits bestehende BLS AED Ausbildungen anerkannt werden?

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    • turtle of doom

      Ja, das machte mich auch stutzig. Bei einem Samariterverein kriegt man den BLS-AED-Grundkurs für 150 Franken, und auf meinem Ausweis steht auch, dass er vom Swiss Resuscitation Council zertifiziert wurde. Als aktives Sanitöterchen besuche ich die Kurse ja sogar gratis.

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      • Das Problem beim BLS Kurs ist wohl auch, dass er für die FPH Punkte akkreditiert sein muss. Auf der anderen Seite habt ihr auch recht: ich habe inzwischen günstigere gefunden. Mit Preisen um die 200 Franken.

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    • Das ist ein ganzer Tag Kurs – so 3 Stunden-Kurse bekommt man etwa in dem Bereich, den ihr hier nennt, die hatte ich auch schon. Problematik hier ist ausserdem, dass der Kurs wirklich eine Zertifizierung haben muss und das nachgewiesen werden muss bei den Unterlagen.

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      • Hm – trotzdem finde ich es im Bereich Laiendefibrillation/Reanimation noch echt viel. Das stinkt mir nach Spezialweiterbildungsaufschlag ähnlich der WAB Kurse beim Autofahren… Denn zertifiziert nach SRC sind die anderen Kurse ja auch und nachweisen muss man die ja auch alle 2 Jahre mindestens. Nicht nur als aktiver Samariter, auch wenn man seine SLRG Scheine behalten will oder den Schwimmlehrerausweis usw…

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      • das ist wirklich extrem viel – ich hab mal geschaut, bei sfn (Zürich) gibts den Kurs (BLS-AED komplett, nach SRC; speziell für Grundausbildung Apo für Impfen/Blutentnahme) für 385 CHF (7h Kurs, Preis inkl Pausenverpflegung und Mittagessen) – doch ein ziemlicher Unterschied……

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  4. turtle of doom

    „Eine akademische Stunde entspricht 45 Minuten.“

    Das kann ziemlich missverständlich formuliert sein, wenn man von einer (Schweizer) Uni kommt. Die „Akademische Stunde“ beginnt erst um x:15 und nicht um x:00, aber dies sagt primär nichts darüber aus, wie lange die Lehrveranstaltung dauert.

    Erst bei den ganztägigen Blockkursen wurde dann der Kursbeginn „korrekt“ angegeben.

    Eine sehr sinnvolle Vereinfachung des Stundenplans.:)

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  5. Ich habe mit dieser Ausbildung so meine liebe Mühe… Zwar glaube ich, dass Apotheker durchaus in der Lage sind, Impfungen durchzuführen, jedoch glaube ich nicht, dass ich persönlich das kann.😦
    Ich habe Angst vor Nadeln; Nadeln die in Fleisch stecken! Ich habe mich für ein Pharmazie-Studium entschieden, weil man wenig Körperkontakt mit den Kunden hat und weder schneiden noch stechen muss! Ich kann niemandem weh tun – das kann ich einfach nicht. Wir mussten während dem Studium uns selber 0.9% NaCl subcutan spritzen – ich brauchte mehrere Minuten um mich zu überwinden. Bei einer anderen Person ist das für mich noch schwieriger.
    Ich habe mir überlegt, die Ausbildung zu machen – vielleicht würde ich mich ans Stechen gewöhnen?! Doch es braucht viel Zeit und kostet sehr viel! Ein riesen Aufwand dafür, dass ich es dann doch nicht machen kann… Das schreckt mich ab.
    Ganz zu schweigen davon, dass man das Geld dafür auch nicht mehr reinkriegt, wenn man impft! Alles nur Goodwill der Apotheker – was sind wir doch für Gutmenschen. Und der Volksmund spricht von Apothekerpreisen…😦

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    • nicorette: ich verstehe dich gut. Ich habe auch einen Heiden-Respekt vor Nadeln und jemanden damit zu stechen, durch die Haut zu gehen … das braucht Überwindung.
      Auf der anderen Seite: fürs Impfen brauche ich nur den nackten Oberarm des Patienten. Und mit Übung … ich glaube das ist wie beim Blutzuckermessen – machst Du das auch? Auch das hat am Anfang Überwindung gebraucht, aber das wurde rasch besser und heute habe ich damit keine Probleme mehr.

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      • Jemandem weh zu tun ist das eine… Ich habe auch das Gefühl, dass ich das überwinden könnte.
        Aber das mit den Nadeln ist eine andere Sache. Ich habe nicht Respekt davor – ich habe richtig Angst. Wenn eine Nadel im Fleisch steckt, so habe ich eine irrationale Angst davor, dass sie abbricht. Das geht sogar so weit, dass ich bei einem 2-tägigen Spitalaufenthalt meine Hand mit dem Plastik(!)-i.v.-Zugang 2 Tage lang nicht anschauen konnte. Diese Infusionen waren für mich der blanke Horror!😦
        Ich kann mir selber eine Spritze geben, wenn es sein muss – aber ich muss ganz langsam zustechen – und dann tut es weh!😦
        Sachen wie Blutdruck messen gehen recht gut. Sachen wie Verbände anlegen, Strümpfe anmessen, Zecken entfernen oder Blutzucker messen mache ich aber schon sehr ungerne. Ich mache es, aber bestimmt nicht gerne. Ich mag einfach keine körperliche Nähe zu Menschen, die ich nicht sehr gut kenne.
        Was mir jedoch nichts ausmacht ist, wenn ich persönlich mit den Kunden rede. Menschen interessieren mich. Ich spreche sehr gern mit ihnen. Sie dürfen mir über ihren Stuhlgang und die Hämorrhoiden ihrer Hunde alles erzählen. Da habe ich eine recht dicke Haut.

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        • Hier könnte eine Weisheit meiner Sanitöter-Ausbildung seitens der Bundeswehr helfen: Wenn der Patient in Ohnmacht fällt aufgrund Deiner nicht hinreichenden Bemühungen – kannst Du zumindest anschließend ohne weitere Störungen durch selbigen arbeiten….

          Naja, wenn ich die die Situation recht überdenke, hilft es vielleicht auch eher nicht. Andererseits: Keine Nadeln im Fleisch! ??? Keine Fleischrolladen mehr ab sofort für @nicorettav !😉

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