Alles ist bestens. Oder?

Mich gibt’s noch. Ich bin nur erschöpft und beschäftigt mit der Apotheke und komme so nicht zum schreiben. Dabei gäbe es einiges, worüber geschrieben werden könnte und sollte.

Es ist anstrengend in der Apotheke. Offiziell ist die Pandemie vorbei. Alle Massnahmen wurden aufgelöst. Keine Maskenpflicht mehr – seit ein paar Tagen nicht mal mehr im ÖV. Keine Quarantänepflicht mehr. Das SARS-Coronavirus wurde auf den Status einer „normalen Erkrankung“ runtergestuft und bedarf offenbar keiner besonderen Massnahmen mehr um sie zu vermeiden.

Während die Zahlen der Statistiken sinken (zumindest die der positiven Tests) steckte sich in der Umgebung gefühlsmässig jeder an. Manche neu, andere wieder. Den Zahlen ist da wirklich nicht mehr zu trauen – sie geben das wirkliche Geschehen nicht wieder. Und sie interessieren niemanden mehr. Ich glaube, sie haben jetzt sogar aufgehört die Statistik dazu zu erheben – wieso auch? Was ist da noch die Aussagekraft, wenn man nur noch auf Wunsch testet (Juniors Schule testet auch nicht mehr) und wenn das Testergebnis keinerlei Konsequenzen hat (keine Isolation mehr nötig, den Arbeitgeber freut es). Die Infektion ist egal geworden.

Das mit dem „jeder steckt sich an“ konnten wir gut in unserer Apotheke sehen. 2 Jahre lang haben wir es geschafft, dass unsere Apotheke fast Covid-frei geblieben ist. Ansteckungen fanden nur von aussen (meist in der Familie) statt und waren weit gestreut. Mein unangenehmes Ferien-Erlebnis war das letzte. Dann kam die Aufhebung der Maskenpflicht. In der Apotheke haben wir weiterhin Masken getragen – zum Schutz der vulnerablen Kunden und damit wir uns im Fall nicht untereinander anstecken. Aber mit dem Infektionsgeschehen überall … Ich mach’s kurz: wir hatten allein in einer Woche 4 positive Angestellte. Und seitdem (weiter gestreut) mehr. Das sind 30-40% der Belegschaft die da fehlt. Sowas ist nicht so einfach zu kompensieren – dazu kommt, das wir seit Herbst in Unterbesetzung arbeiten.

Wir haben nämlich dasselbe Problem, wie überall sonst im Gesundheitswesen: Die Covid-Zeit war fordernd, wir mussten lange sehr flexibel sein, einspringen, wechseln, Mangel verwalten, Mehrarbeit leisten und zusätzliche Dienstleistungen stemmen wie Testen, Impfen, erweiterter Hauslieferdienst, essentielles besorgen (Desinfektionsmittel und Masken anfangs, die Selbsttests später). Wir arbeiten seit über 2 Jahren mit Masken und das tagelang. Daneben noch die übliche Arbeit. Und die Familie, um die man sich sorgt (speziell die älteren und die jüngeren). Wen wundert es, wenn sich da bei einigen Burnout ankündet und sie sich nach grüneren Auen umsehen? Im November haben wir so eine gute Drogistin verloren, die auch alles in der Apotheke gemacht hat. Jetzt profitiert eine Krankenkasse von ihrem Wissen – und sie von angenehmeren Arbeitszeiten. Wir haben intensiv gesucht, aber bis jetzt niemanden gefunden, der sie ersetzt – und im Mai werden wir eine Pharmaassistentin verlieren. Die Arbeit wird auf die noch verbliebenen verteilt – die Belastung steigt. Über die Suche (und die Versuche) jemanden zu finden bisher könnte ich einen eigenen Artikel schreiben. Wir würden fast alles nehmen, vom frischen Abschluss bis Wiedereinsteiger und sogar jemanden aus dem Ausland. Der Markt ist trocken. Ich bin bald soweit, dass ich hier nachfrage, ob jemand jemanden kennt …

Mit Hilfskräften (und zwar nicht vom Fach) und viel Einsatz meiner wunderbaren Mitarbeiter haben wir es bisher gehalten. Ich bin sicher, dass die Kundschaft nicht viel mitbekommt davon, aber es ist anstrengend. Es hat ausserdem den Effekt, dass manche denken: wenn es auch so geht (also dieselbe Arbeit mit weniger Leuten), dann ist ja alles in Ordnung – und wir könnten das so lassen.

Da sind wir jetzt. Ich sehe momentan nicht, dass es besser wird. Den Statistik Zahlen kann ich nicht trauen. Was man auf Twitter und Co aus dem Spital und aus den Arztpraxen hört, geht es denen genau gleich. Personalausfälle wegen Krankheit und auf Zeit wegen Überarbeitung. Gleichzeitig das Gefühl, dass wir uns in einem riesigen Experiment befinden. Man hat alle Schutzmassnahmen aufgehoben und allgemeine Durchseuchung ist angesagt. Die Wirtschaft hatte da ganz offensichtlich mehr mitzureden, als die Vernunft oder die Sorge um den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Man redet von „Immunität aufbauen“ und davon, dass Omicron mit seinem meist „milden Verlauf“ dabei hilft. Ich bin mir nicht sicher, ob das so funktioniert. Ich habe zu viele gesehen, die sich innert weniger Wochen wieder angesteckt haben. Wovon man nichts mehr hört ist Long Covid oder Post Covid – und das, obwohl inzwischen viele Studien zeigen, dass es das gibt und dass man sogar geimpft eine gute Chance darauf hat. Bei jeder Infektion. Mir persönlich hat meine eigene Covid-Infektion gereicht, dass ich das nicht wiederholt haben möchte. Ich habe auch heute noch das Gefühl, es ist nicht mehr gleich wie vorher. Der Geruchssinn ist wiedergekommen, aber manches riecht anders. Ich werde viel schneller müde, wenn ich etwas mache, brauche länger um mich zu erholen. Ich habe das Gefühl, ich bin langsamer geworden im denken. Es ist subtil, aber immer noch da. Andere haben viel schlimmere Beschwerden – und man weiss, dass die Sterblichkeit noch Monate danach erhöht ist.

Aber die Wirtschaft hat genug gelitten, man will wieder Normalität und das hat man jetzt so. Oder zumindest etwas optisch ähnliches. Wenn man nicht testet, sieht man nicht, wie viele krank sind. Wenn man die Quarantäne aufhebt, kann man schneller wieder zurück zur Arbeit. Ohne Maske sieht man in der Öffentlichkeit nicht mal mehr etwas von der Infektion. Man kann überall hin und alles wieder machen (vorausgesetzt, man ist jung, gesund und hat keinen Respekt vor einer Infektion). Das Spital ist angeblich auch jetzt nicht überlastet (oder die sind gleich resigniert von allem und zu müde zum protestieren).

Alles ist bestens.

Masks off? Masken runter?

Ja, das ist passiert. Mittwoch bei der Pressekonferenz wurden vom Bundesrat praktisch alle Massnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus aufgehoben. Es braucht in der Schweiz keine Zertifikate mehr, es gibt keine Einschränkungen in der Anzahl Leute, die sich treffen können, die Maskenpflicht ist aufgehoben – bis auf im Öffentlichen Verkehr und in Gesundheitseinrichtungen wie Spitälern. Donnerstag war unser „Freedom Day“.

Dem Bundesrat nach ist die Pandemie in der Schweiz beendet: Es war eine schwierige Zeit, aber wir haben sie gut überstanden. Wir seien gut aufgestellt, die Intensivstationen waren nie überlastet gewesen. Die Immunität in der Bevölkerung sei gross. Die Corona-Taskforce wird per Ende März aufgelöst.

Friede, Freude, Eierkuchen überall. Alles ist bestens – und wo es noch nicht ist, wird es das bald werden.

Aber ist das so? Die Statistik zeigt sinkende Ansteckungszahlen. Es wird aber wohl auch weniger getestet. Die Krankenhauseinweisungen bleiben stabil. Sterbefälle sinken. Alles schön, aber ich habe trotzdem starke Bedenken.

Long Covid wurde mit keinem Wort erwähnt. Wie viele da schon betroffen sind und noch sein werden ist unbekannt (10% oder mehr?) und kann eine ziemliche Belastung für das Gesundheitssystem darstellen … einfach nicht grad jetzt. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit kann stark und lange (Monate, Jahre) beeinträchtigt sein.

Die „grosse Immunität in der Bevölkerung“ halte ich für zweifelhaft. Die Impfung zeigt Wirkung – im Sinne, dass Ansteckungen harmloser verlaufen und Long Covid vielleicht nicht so häufig auftritt nach einer Infektion. Infizieren kann man sich trotzdem. Bei der aktuell vorherrschenden Variante offenbar sogar mehrmals hintereinander und im Abstand weniger Wochen. Geimpft sind etwa 70% der Leute. Aber wir haben einen Teil der Bevölkerung, bei der der Impfschutz nicht so gut ist (ältere Leute, Immunsupprimierte etc.) und einen Teil, der noch gar nicht geimpft ist oder werden konnte, da zu jung (oder wegen verzögerter Impfzulassung für die Altersgruppe). Und dann gibt es da noch die (für mich) sehr beunruhigenden) Berichte, was eine Covid-Infektion mit unserem Immunsystem anrichten kann. Ähnlich wie nach einer Maserninfektion kann das Immunsystem beeinträchtigt werden (Nachzulesen hier über die Masern https://infekt.ch/2019/11/wenn-eine-maserninfektion-das-immunsystem-vergesslich-macht/ und hier über Covid: https://healthcare-in-europe.com/de/news/so-veraendert-covid-19-das-immunsystem.html ). Kurz: eine Herdenimmunität gegen die Coronaviren gibt es nicht und wird als wie unwahrscheinlicher. Vor diesem HIntergrund halte ich die aktuelle „Durchseuchungsstrategie“ für sehr bedenklich!

Sterbefälle – wenn man die Entwicklung in anderen Ländern mit hohen Omicron Zahlen anschaut, fällt auf, dass die Todesfallzahlen einige Wochen später ansteigen. Vielleicht so viel später, dass der Zusammenhang mit der Covid-Infektion nicht mehr festgehalten wird? Blutgerinnungsstörungen nach Covid können noch später auftreten.

Ich bin keine Immunologin, ich bin nur Apothekerin. Aber mit meinem Hintergrund beurteile ich die aktuelle Situation weder als wieder normal, noch als sicher. Ich will eine Infektion mit Covid auch weiterhin vermeiden. Deshalb bleibt die Maske auf.

Es ist mir klar, dass das bei einigen nicht gut ankommen wird. Vermutlich wird das an manchen Orten bald als „öffentlichen Alarmismus“ oder „Panikmache“ angegriffen werden. Zumindest erwarte ich „freundliche Hinweise“ wie: „Sie müssen hier keine Maske mehr tragen“.

Hier ein paar Schlagfertige Antworten darauf (sucht Eich die für die Situation passende aus):

– Müssen nicht, aber dürfen schon.
– Hat das dem Virus auch jemand gesagt, dass die Pandemie vorbei ist?
– Ich mache das Masketragen ja nicht (nur) für mich.
– Man nennt das Anstand und Rücksicht.
– Richtig, muss man nicht, aber das ist nun diese Verantwortung, die der Bundesrat erwähnt hat.
– Ich nenne das Eigenverantwortung.
– Ich lasse mir nicht vorschreiben, keine Masken zu tragen.
– Ich bin halt nicht so autoritätsgläubig wie sie.
– Ich folge lieber der Wissenschaft als den Regeln des BAG.
– Machen Sie alles, was die Regierung sagt, sie Schlafschaf? Selber denken und sich selber schützen!
– Ich hab ein Masken-Attest.
– Libertee! (laut Brüllen)
– Hab‘ vielleicht akut COVID und will niemanden anstecken.
– Hatte Knoblibrot, wollen sie mal riechen? (mit Griff an die Maske…)
– Denken sie die Menschen in Malariagebieten schlafen mit Moskitonetz, weil der Staat das vorschreibt?
– Ja, Hosen muss man ja auch nicht tragen, das machen trotzdem die meisten und ich finds nett, dass sie auch eine anhaben!
– Wenn sie wüssten, wie ich aussehe …
– Hab keinen Lippenstift an (für Männer)
– Hab mich nicht rasiert (für Frauen)
(darf gerne in den Kommentaren ergänzt werden!)

Und nun noch etwas Realsatire zum Abschluss. Der Herr im Twitter-Clip unten ist Bundesrat Ignazio Cassis. Er war Arzt. Offenbar hat er da und in 2 Jahren Pandemie (trotzdem) nicht den richtigen Umgang mit Masken gelernt. Schaut ihn an, wie er die Maske abzieht, sich freut, die Maske überall antatscht, in die Hand hustet (!), sich an die Nase fasst (!) … und an genau der Pressekonferenz das Ende der Maskenpflicht verkündet! Nun, wenn man sie SO anwendet …
Nachtrag: Am Tag danach wurde er positiv auf das Coronavirus getestet und hat sich in Isolation begeben.

Liste bekannter (und verstorbener) Corona-Leugner und Verharmloser

Auch „ungläubige“ sterben. Dem Virus ist das egal.

Hier eine Liste von Covid-Leugnern, Massnahmen- und Impfgegnern, die ihre falschen Ansichten öffentlich (und oft breit) gestreut haben – und dann am Coronavirus erkrankt und an Covid gestorben sind. Nicht auf meiner Liste sind verstorbene, die keine „Figur des öffentlichen Lebens“ waren, aber auf facebook, twitter und privat versuchten ihre Umgebung zu überzeugen. Ich sehe viele von diesen eher als Opfer denn als Täter. Ebenfalls nicht auf meiner Liste sind bekanntere Leute, die zwar an Covid gestorben sind, aber (offenbar) keine grösseren Anstrengungen unternommen haben, ihre Meinung und Ansichten zu verbreiten.

Wie es einen „Darwin-Award“ gibt für Leute, die sich (bevor sie sich weiter vermehren konnten) wegen eigener Dummheit aus dem Genpool entfernten, gibt es auch einen „Herman Cain Award“ für Impf- und Massnahmengegner, die an Covid gestorben sind.

2020

Gerald Glenn – US-Amerikanischer Pastor. Öffentlicher Massnahmengegner (vor allem gegen Social Distancing und Massenversammlungen: „Gott ist grösser als diese Krankheit“), † April ´20 mit 66 Jahren an Covid. Quelle: https://edition.cnn.com/2020/04/14/us/bishop-gerald-glenn-god-larger-coronavirus-dies/index.html

Hans Kristian Garder – norwegischer Verschwörungstheoretiker mit TV-Auftritten und eigenem Online-Magazin. Verglich Covid mit einer leichten Grippe und hielt Parties ab während einem Lockdown. † mit 60 Jahren, im April ’20 mit Covid (nach einer solchen Party). Quelle: https://www.newshub.co.nz/home/world/2021/04/high-profile-norweigian-conspiracy-theorist-who-said-covid-19-was-a-hoax-dies-from-the-virus-after-hosting-illegal-house-parties.html

Richard Rose – Veteran US Armee † Am 4. Juli 2020 mit 37 an Covid. Zuvor ging sein Facebook-Post viral, in dem er gegen die angebliche Pandemie und das Tragen von Masken wettert. (Impfung gab es da noch keine). Quelle: https://www.independent.co.uk/news/world/americas/facebook-coronavirus-hype-richard-rose-dead-symptoms-a9615706.html

Landon Spradlin – US-Pastor, hielt die Pandemie für eine „Hysterie“ mit dem Ziel Trump zu schaden. Reiste feiern zum Mardi Gras in New Orleans. † mit 66 Jahren im April 2020 (einen Monat danach) an Covid. https://www.bbc.com/news/world-us-canada-52157824

Herman Cain – ehemaliger republikanischer Präsidentschaftskandidat, Trump-Unterstützer und ausgesprochener Maskengegner. † Juli ´20 mit 74. Quelle: https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-usa-cain-idUSKCN24V2OD

Bill Montgomery – Mitgründer von Turning Point USA, einer konservativen Studentengruppierung und öffentlicher Massnahmen und Maskengegner. „Masken sind ungesund“ † Mit 80 Jahren, Juli ´20. Quelle: https://www.nydailynews.com/news/national/ny-turning-point-usa-montgomery-coronavirus-20200730-ctsxgggwxzcb3o5jh7bevjq5ji-story.html

Tony Tenpenny – Ex-Ratsmitglied in Nashville, Tennessee, USA. † September ´20 mit 57 an Covid. Davor veröffentlichte er auf Facebook Verschwörungstheorien, in denen er die Pandemie u.a. als „politischen Trick“ bezeichnete, um die Wiederwahl Trumps zu verhindern. Quelle: https://www.nbcnews.com/news/us-news/ex-nashville-council-member-coronavirus-skeptic-dies-covid-19-n1240645

2021

Stanley Gusmann – Brasilianischer Fernsehmoderator. Verharmloste öffentlich den Virus und weigerte sich Masken zu tragen. Unterstützer von Präsident Bolsonaro (mit ähnlicher Einstellung). † Januar ´21 mit 49 Jahren an Covid. Quelle: https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_89287768/tv-moderator-verharmlost-corona-und-stirbt-mit-49-jahren-an-covid-19.html

Magufuli – eh. Präsident von Tansania. Liess öffentlich verkünden, dass es Covid nicht gibt und verbot jegliche Massnahmen sowie das Führen einer Statistik im Land. † März ´21 mit 61 Jahren, sehr wahrscheinlich an Covid. Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/tansania-praesident-gestorben-101.html

Joe Manning – Polizeichef in Georgia, USA und vor allem via Facebook ausdrücklicher Impfgegner. † Im August ´21 mit 57 Jahren, nachdem er versucht hat seine SARS Infektion mit dem Antiparasitikum Ivermectin zu behandeln. Quelle: https://www.businessinsider.com/georgia-anti-vaxx-cop-took-ivermectin-dies-of-covid-19-2021-8?r=US&IR=T

Robert Davis Steele – eh. CIA Mitarbeiter, eh. US-Marine, Qanon und einer der „ersten, die Covid als Hoax entlarvten“. † mit 69 Jahren im August ´21 im Spital an Covid, von dem er bis zuletzt leugnete, dass es existiert. Quelle: https://www.nydailynews.com/news/national/ny-hoax-covid-19-denier-cia-anti-vax-20210831-leumibd7tfhnferzxn3jm3so7m-story.html

Marcus Birks – Musiker aus England. † mit 40 J. an Covid im August ˋ21. Öffentlicher Impfskeptiker. Sinneswandel am Ende, hinterlässt Frau und Kind. Quelle: https://www.bbc.com/news/uk-england-stoke-staffordshire-58597909

Dick Farrell – rechter Radiomoderator und Sensationsreporter aus Florida, USA. † 4. August ´21 mit 65. Wetterte häufig gegen US-Gesundheitschef Fauci und Impfungen. Hat es am Ende (kurz) offen bereut, dass er sich nicht geimpft hat. Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-krise-radiomoderator-und-impfgegner-dick-farrel-stirbt-nach-covid-erkrankung-a-02ca3129-52f6-4332-981c-4a7f90f1ca1b

Chad McBroom – Grenzpolizist USA, † 47jährig „in Ausübung des Dienstes“ im August ’21 an Covid (ungeimpft?). Sprach öffentlich sein Misstrauen gegen die CDC (Center of Disease Control) aus, sowie gegen die Maskenpflicht an Schulen. Quelle: https://caseguard.com/articles/in-memory-of-border-patrol-agent-chad-e-mcbroom/

Gregg Prentice – Republikanischer Politiker in Florida, USA. Gegner von Masken an den Schulen und den Massnahmen von Gesundheitschef Fauci gegen das „künstliche Virus“. † 61jährig, September 21 im Spital, 24 Stunden nach Einweisung. Quelle: https://www.dailymail.co.uk/news/article-9999031/Florida-GOP-official-wanted-end-Faucism-passes-away-day-contracting-COVID.html

Veronica Wolski – politische Aktivistin, QAnon-Supporter, Masken- und Massnahmengegner. Sehr aktiv auf Telegram. Behandelte ihr Covid mit Ivermectin, bis sie in die ITS im Spital musste. † September ’21, während vor dem Spital protestiert wurde, weil sie nicht wunschgemäss mit Pferdeentwurmungsmittel behandelt wurde. Quelle: https://www.chicagotribune.com/news/breaking/ct-ivermectin-covid-chicago-veronica-wolski-dies-20210913-w6pryhlesncctnd6epoemlbbxu-story.html

Hai Shoulian – Israels bekanntester Impfgegner und Gegner der Coronapolitik des Landes. † September ´21 mit 57 Jahren. Bis zuletzt glaubte er nicht an die Pandemie. Seine Symptome seien auf eine Vergiftung zurückzuführen. Quelle: https://www.nau.ch/news/ausland/coronavirus-israels-grosster-skeptiker-stirbt-an-covid-66003537

Paul Hamill – eh. Bürgermeister und demokratischer Politiker in Nordirland, verbreitete Covid-skeptische und Impfgegner-Posts auf den sozialen Medien. † 46jährig im September ’21. An Covid. Quelle: https://www.bbc.com/news/uk-northern-ireland-58562438

Bob Enyart – konservativer Radio-Moderator und Pastor der Denver Bible Church in Colorado, USA. Rief öffentlich zum Boykott der Impfungen auf, verklagte den Staat wegen dem Versammlungsverbot in Kirchen. † September ’21 an Covid. Quelle: https://www.denverpost.com/2021/09/13/bob-enyart-dies-covid-19/

Pepe Bartolomeo – italienischer Ex-Senator, Impfgegner, versuchte schon 2016 den Film „Vaxxed“ im Senat zu zeigen, hat 2020 SARS-Covid als „nicht schlimmer als die Grippe“ bezeichnet. † mit 59 Jahren daran im November ’21. Quelle: https://gazzettadelsud.it/articoli/cronaca/2021/12/23/covid-morto-lex-senatore-m5s-bartolomeo-pepe-sosteneva-il-movimento-no-vax-c9c08af5-de81-4842-99c3-207377871454/

Johann Biacsics – Österreichischer Youtube und Facebook Aktivist. Impfgegner. † Nov ´21 an Covid, nachdem er sich selbst aus dem Spital entlassen und versucht hat mit MMS Infusionen zu therapieren. (Das ist Pooldesinfektionsmittel). Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/coronavirus/chlordioxid-ist-weit-verbreitet-in-oesterreich-prominenter-impfgegner-wollte-covid-mit-bleichmittel-selbst-behandeln-und-stirbt-daraufhin_id_24463870.html

Marcus Lamb – US-Amerikanischer Fernsehprediger. Überzeugter Impfgegner mit öffentlicher Kampagne. War dafür, das Virus „wegzubeten“. † Dezember ˋ21 mit 64 Jahren an Covid und Komplikationen wegen Vorerkrankungen (Diabetiker). Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/marcus-lamb-priester-usa-corona-gestorben-101.html

Giorgos Trangas – eh. griechischer Journalist, TV Darsteller und Gründer einer Partei der „freien Leute“ gegen die durch die Pandemie verursachte Wirtschaftskrise. † Dezember ’21 mit 72. Ungeimpft laut eigener Aussage aus „medizinischen Gründen“. Quelle: https://greekreporter.com/2021/12/14/greek-journalist-giorgos-tragas-dies-covid/

Robin Fransman – Niederländischer Politiker, Impfskeptiker und aktiv gegen „harte Massnahmen“ gegen die Infektionsausbreitung. Meldete nach der Ansteckung auf Twitter: „Endlich positiv“. † mit 53 J, Dezember ’21. Quelle: https://de.euronews.com/2021/12/29/endlich-positiv-niederlandischer-impfskeptiker-robin-fransman-stirbt-an-covid-19

Frederic Sinistra – Belgischer Kickboxstar, eh. stärkster Mann der Welt, † Dezember ´21 mit 40 Jahren im Spital. Covidleugner und Impfgegner bis zuletzt. Quelle: https://www.n-tv.de/sport/Belgische-Kickbox-Legende-Sinistra-stirbt-an-Covid-article23022355.html

Mark Reiland – eh. Wrestling Profi und Trainer in den USA † 52 jährig im Dezember ’21 an Covid. Noch jemand, der dachte, sein Immunsystem sei ebenfalls „stark genug“ und hat sich nicht impfen lassen. Quelle: https://www.thegazette.com/wrestling/hall-of-fame-wrestler-and-coach-mark-reiland-dies-after-recent-illness/

2022

Otmar Spirk – Rechtsanwalt und „Freiheitskämpfer gegen die Coronadiktatur“ in Deutschland von Regensburg. † Januar 22. Angesteckt wahrscheinlich auf einem von ihm selbst organisierten Superspreaderevent aka Protestmarsch aka „Spaziergang“ im Dezember 21. Schickt noch einen „Gruss von der Intensivstation“. Quelle: https://www.infranken.de/ueberregional/bayern/regensburg-corona-leugner-stirbt-nach-covid-infektion-ottmar-spirk-schickte-letzten-gruss-von-intensivstation-art-5369816

Luigi Marilli – italienischer Politiker und Massnahmengegner, Leiter der „No Green Pass“ Bewegung und Liberiamo Italia. † 63 jährig Januar 22 im Spital an Covid. Quelle: https://www.italy24news.com/News/341480.html

Hana Horka – Tschechische Volkssängerin, † mit 57 Jahren im Januar 22 ungeimpft an Covid. Sie steckte sich absichtlich bei ihrem Vater an um an den „Genesenenausweis“ zu kommen. Der Vater war geimpft und ist wieder genesen. Quelle: https://www.bbc.com/news/world-europe-60050996

Meat Loaf – Sänger Marvin Lee Aday, USA. Masken- und Massnahmengegner. Umarmte gerne mitten in der Pandemie Leute, weigerte sich selbst im Flugzeug eine Maske zu tragen. † 74 jährig im Jan 22 wahrscheinlich an Covid kombiniert mit anderen Gesundheitsproblemen. Quelle https://nypost.com/2022/01/21/meat-loaf-was-reportedly-anti-vaccine-before-dying-from-covid-19/

Szilveszter Csollány – ungarischer ehemaliger Olympiasieger (2000 an den Ringen). viele impfkritische Beiträge auf facebook, hat sich nach eig. Angaben dann doch impfen lassen um weiter als Trainer zu arbeiten, zu spät für Schutz. † 51 j. im Januar 22 an Covid. Quelle: https://www.nau.ch/sport/andere/coronavirus-impfkritischer-olympia-gewinner-stirbt-nach-infektion-66093001

Olavo de Carvalho – brasilianischer Schriftsteller, Unterstützer von bras. Präsident Bolsonaro und rechter Aktivist. Verharmloste das Virus öffentlich als „Moronavirus“, lauter Massnahmenkritiker. † mit 74 Jahren in den USA (wo er seit 2005 wohnte) an Covid. Quelle: https://www.theguardian.com/world/2022/jan/25/covid-denialist-bolsonaro-ally-olavo-de-carvalho-dies-coronavirus

Pending:

Da Ausgang noch unbekannt. Einer aus der Schweiz:

Francois de Siebenthal – Schweizer Politiker und Gegner der Corona-Politik des Bundes, der Covid-App und der Impfungen. Liegt seit Ende November ´21 im künstlichen Koma im Spital. Quelle: https://www.mittellaendische.ch/2021/11/27/bekannte-coronaleugner-die-auf-intensivstation-liegen-oder-an-ihrem-irrglauben-gestorben-sind/#gsc.tab=0

Die Liste findet sich auch auf meinem Twitter-Account, hier.

Habe ich noch jemanden vergessen?

Geimpften-Bashing

Impfgegner gibt es wohl so lange es Impfungen gibt. Ich hab etwas Schwierigkeiten damit, wenn Leute selber nicht sehen können (oder wollen), was für ein Geschenk für die Gesundheit Impfungen eigentlich sind und wie fantastisch die Erfolge damit schon waren. Aber wenn sie das nur auf ihre eigene Impfungen beziehen, finde ich das meist ignorierbar. Egoistisch ja, dumm vielleicht auch, aber ignorierbar. Ich hab mehr Mühe damit, wenn offenbar gezielt Falschinformationen gestreut werden, die möglichst Zweifel säen sollen, damit sich offenbar möglichst viele nicht impfen. Das ist dann nicht mehr nur egoistisch, das ist gefährdend.

Beispiele für so gestreute Fehlinformationen und vor allem Ergebnisse derselben, sieht man inzwischen sogar ausserhalb dieser Bubbles. Leider. Sowas zum Beispiel: Ein Schild in einem Geschäftseingang, Fitnesstudio (habe ich mir sagen lassen). Darauf steht !!!CORONA !!! Schutzmassnahme GEIMPFTE PERSONEN BITTE NICHT EINTRETEN – nur Gespräche im Aussenbereich und mit FFP2 Maske. Helfen Sie uns die Mutationen zu Unterbinden.

Und was soll das? Das beruht auf der in den sozialen Medien (und so Messengerdiensten wie Telegram) herumgehender Fehl-Information, dass geimpfte ansteckend seien. An manchen Stellen steht als geimpfter würde man das Virus streuen, an anderer grad, es seien die Spike Proteine, die man nach der Impfung produziert. „Shedding“ liest man in dem Zusammenhang.

Dazu ein paar Fakten: Theoretisch kann man nach einer Impfung Viren weiter verbreiten. Einerseits, weil man sich auch nach der Covid-Impfung noch anstecken kann. Zum Glück sind die Folgen aber viel undramatischer als ohne Impfung. Die Impfung vermindert die Schwere des Verlaufes stark und es gibt noch viel weniger Todesfälle (gegen Null). Darum ist es auch weiterhin wichtig, bei Symptomen vorsichtig zu bleiben. Was die Impfung aber auch macht: sie reduziert die Wahrscheinlichkeit andere anzustecken. Man züchtet auch nicht mehr Mutationen durch eine Impfung. Die passieren eher bei massenhafter Verbreitung des Virus – deshalb ist die Eindämmung des Virus wichtig und der Aufbau einer Herdenimmunität durch die Impfung.

Die andere Möglichkeit nach einer Impfung ein Virus zu verbreiten besteht bei Lebendimpfstoffen, die danach ausgeschieden werden können. Aktuell ist das nur bei einem Impfstoff auf der ganzen Welt der Fall: dem oralen Polio-Impfstoff. Gegen Covid werden aber keine Lebendimpfstoffe eingesetzt. Nicht mal Nicht-Lebend-Impfstoffe wie ganze Inaktivierte Viren. Man benutzt mRNA-Impfstoffe und DNA- und Vektorimpfstoffe – diese enthalten keine vermehrungsfähigen Viren und sind somit nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ganz abstrus wird die Geschichte bei den Leuten, die glauben, dass geimpfte Personen das Spike Protein streuen …. und dass das irgendwelche gesundheitlichen Auswirkungen habe auf nicht-geimpfte. Das Spike-Protein ist der Bestandteil der Virushülle des neuen Coronavirus für das die m-RNA Impfstoffe praktisch den Bauplan liefern. Der Körper produziert dann (in kleinem Rahmen) dieses „fremde“ Protein, das dann von unseren Immunzellen erkannt wird und darauf Antikörper gebildet. Der Körper macht das mit der Spike-Bildung allerdings nicht lange (ist auch nicht nötig) und die Spike Proteine wurden exta ausgewählt, dass sie wirklich spezifisch sind … darauf gebildete Antikörper reagieren nicht auf körpereigene Strukturen, so dass auch darauf basierende Theorien wie dass das Auswirkungen habe auf die Fruchtbarkeit, mehrfach und mit Sicherheit widerlegt werden konnten. Ausserdem: wenn man das Spike-Protein streuen würde als geimpfter … dann käme das praktisch einer Impfung der Umgebung gleich. Die würde dann ja Antikörper bilden gegen das Spike Protein und damit das neue Coronavirus. Leider passiert das nicht.

Noch ein Beispiel das in sozialen Medien umgeht: „Wegen dem erhöhten Risiko von Blutgerinseln nach mRNA Impfstoffen diskutierten Fluggesellschaften darüber, dass Geimpfte nicht fliegen dürfen, weil das zu gefährlich wäre“. An andere Stelle schon gehört: „2 Fluggesellschaften transportieren keine Geimpften mehr, weil das zu gefährlich ist während oder nach dem Flug eine Thrombose zu machen.“

Zumindest auf den ersten Blick eine Halb-vernünftige Erklärung. Aber die Fluggesellschaften ignorieren das (auch jetzt schon bei Langzeitflügen vorhandene) erhöhte Thromboserisiko seit Jahren gekonnt … oder jedenfalls hatte es bisher kaum merklich Auswirkungen. Die Stühle sind immer noch gleich eng (bis enger), man soll möglichst angeschnallt bleiben während dem Flug, höchstens, dass sich die Möglichkeit an Flüssigkeit zu kommen etwas verbessert hat. Risikopersonen, die zum Arzt gehen, bekommen Kompressionsstrümpfe empfohlen und Blutverdünner verschrieben (Schwangere zum Beispiel), aber der Rest bekommt kaum etwas davon mit … und kontrolliert werden solche Risikopersonen durch die Fluggesellschaften auch nicht. Da würden sie sich ins eigene Bein schneiden, wenn sie da Vorlagen machen, respektive diese Leute gar nicht fliegen liessen.

Aber was ist mit der Aussage, dass das Risiko von Blutgerinseln nach einer Covid-Impfung erhöht ist? im Artikel im Bild steht da „Genau in diesem Moment beraten die Fluggesellschaften über die geimpften Kunden und das grosse Risiko, dass sie durch die experimentellen mRNA Impfstoffe Blutgerinsel bekommen“. Soooo … ihr habt sicher auch von dan Fällen gehört, dass nach der Covid-Impfung Thrombosen aufgetreten sind. Es sind (bekannte) Einzelfälle. Das Risiko ist etwa 6 auf eine Million Impfungen – und damit wesentlich geringer als das Risiko eine Thrombose zu machen wenn man Schwanger ist, wenn man die Pille nimmt, oder wenn man raucht. Dafür gibt es inzwischen schöne Vergleichstafeln:

Und es betrifft nicht mal alle Covid-Impfstoffe: Es geht hier vor allem um den von Astra Zeneca und den von Johnson und (jetzt kommt der Hammer): das sind beides NICHT mRNA-Impfstoffe!

Es gibt sicher noch mehr so Fake-Information, die zur Verunsicherung gestreut wird. Wer zweifelt wird sich dadurch bestärkt fühlen, auch wenn sich diese Information widerlegen lässt, wenn man etwas besser hinschaut und nachforscht. Sagen nicht grad so Querdenken, dass es wichtig ist, selber nachzudenken und sich zu informieren? Auch deshalb ist es wichtig, dass man derartiges nicht einfach nur stehen lässt, sondern kommentiert. Und dass man auf die Leute hört, die sich damit auskennen.

Zum Beispiel Dr. Constantine Bloch, die hier einen Vortrag hält, um Fehlinformationen zu zerstreuen und die Impfbereitschaft unter dem Pflegepersonal etwas zu erhöhen:

Mit gutem Vorbild voran: bei uns in der Apotheke sind inzwischen 14 von 15 Personen geimpft. Dafür bin ich dankbar.

Gefälschte Impfausweise – wie erkennen?

Seit Montag dürfen in Deutschland die Apotheker Zertifikate für die Covid-Impfungen ausstellen, respektive den QR Code, den man dann in der App hinterlegen kann als einfachen Nachweis der (vollständigen) Impfung. Für den Aufwand (das braucht die Programme, das Wissen, wie das geht, die Zeit die Daten zu übertragen und dabei auch noch zu prüfen, dass es sich nicht um Fälschungen handelt), haben sie anfangs 18 Euro versprochen bekommen – die wurden inzwischen schon wieder auf 6 Euro nach unten korrigiert – was nun auch wieder nicht rentabel ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Sache mit dem Nachprüfen, ob es sich um echte Impfausweise und -nachweise handelt, ist gar nicht so ohne. Uns in der Schweiz wurde schon vor ein paar Wochen vom Schweizer Apothekerverein davon abgeraten zum Beispiel Covid-Impfungen anhand solcher Zertifikate in die Impfausweise nachzutragen:

Ausserdem ist es nicht möglich, die Echtheit von Bestätigungen für die Covid-19-Impfung, die z.B. von Impfzentren ausgestellt wurden, zu überprüfen. Sollte es durch die Übertragung zu unrichtigen Informationen in den Impfausweisen kommen, sind es die Apotheker:innen, die im Fall von Problemen für den Schaden rechtlich haften. pharmaSuisse empfiehlt deshalb ausdrücklich, nur in der Apotheke selbst durchgeführte Covid-19-Impfungen in Impfausweise einzutragen.

Dasselbe dürfte für das Ausstellen von Zertifikaten gelten. Es existiert nämlich eine Vielzahl verschiedener solcher Nachweise und auch die Einträge im Impfausweis selber können durchaus gefälscht sein. Das musste jetzt eine deutsche Apothekerin merken, die auf Facebook dieses Bild gepostet hat (ich habe ein paar der Daten absichtlich verschmiert).

Ja, DAS IST EINE FÄLSCHUNG! – hättet ihr es erkannt?

Woran sieht man das? Nur sehr schwer. Der weisse Chargenkleber des Impfstoffes ist einfach nachzumachen, es haben inzwischen auch einige erfreute frische Impflinge ihre Bilder vom Impfausweis mit der Impfung und den Chargennummern auf den sozialen Medien geteilt. Die Chargennummer „könnte“ also korrekt sein.

Was hier nicht stimmt:

  • Der obere Stempel gehört dem Vorgänger des aktuellen Praxisinhabers (Übernahme vor 17 Jahren).
  • Die untere Praxis hat anscheinend auch schon von Fälschungen mit ihrem Stempel gehört.
  • Impfungen sind in D in Hausarztpraxen erst seit dem 7.4.21 möglich,
  • Der Impfausweis enthält erst seit etwa Mai (?) einen Platz für die COVID-Impfungen

Wenn man den Arzt nicht kennt und das mit der Praxisaufgabe nicht weiss, respektive nicht in der Praxis nachfragen kann, hat man fast keine Chance die Stempel als Fälschung zu erkennen. Ditto mit etwaigen Arztunterschriften.

Einen solch sicher als Fälschung identifizerten Impfausweis würde ich hier (wie ein gefälschtes Rezept auch) einziehen und nicht mehr dem Patienten zurückgeben. Ganz sicher sollte man dafür keinen QR Code ausstellen – das könnte rechtliche Folgen nach sich ziehen. Ob man den Patienten wegen der Urkundenfälschung anzeigen kann? Sollte man wohl – das dürfte aber ähnlich schwierig werden (wie bei gefälschten Rezepten) wegen dem Patientengeheimnis …

Also: Bitte liebe Apotheker, seid aufmerksam beim Ausstellen des QR Codes!

Habt ihr auch schon so Impfausweis / -nachweis Fälschungen gesehen? Wie habt ihr sie erkannt? Wie habt ihr reagiert?

Die Impfung ist da! (Ein Weihnachtsgeschenk)

Gestern, Samstag die kleine Sensation – und ein Hoffnungsschimmer in dieser wirklich düsteren Zeit: Die Schweiz hat den Covid-Impfstoff zugelassen. Und zwar – im Gegensatz zu anderen Ländern – NICHT als Notfallzulassung, sondern nach dem geregelten üblichen Verfahren. Damit sind wir weltweit die ersten. Es ist ein Impfstoff (der von Pfizer/Biontech) von mehreren, die aktuell in der letzten Studien-Phase sind und es ging deshalb so schnell, weil es ein „rollendes“ Verfahren war: die Pharmafirma lieferte laufend alle verfügbaren Daten, die sie zum Impfstoff hatten. Da auch die letzte Phase mit über 40’000 Teilnehmern und auch erste Erfahrungen in anderen Ländern (mit inzwischen über 100’000 geimpften) saubere und gute Ergebnisse lieferte, wurde der Impfstoff durch die swissmedic und das BAG zugelassen.

Das wissen wir:

Es braucht 2 Impfungen im Abstand von (mindestens) 3 Wochen. 1 Woche nach der 2. Impfung besteht ein über 90% Impfschutz gegen das neue Coronavirus. (Das ist phantastisch gut – besser als man sich das hätte vorstellen können. Ausserdem nicht mal ein Jahr nach Beginn der Pandemie. Da wurde wahnsinnig geforscht weltweit und man konnte auf bereits bekannte Forschung und Erkenntnisse mit RNA-Impfstoffen aufbauen.)

Der Impfschutz besteht ausdrücklich auch für die älteren Personen und solche mit (kontrollierten) Vorerkrankungen.
(Die Studien hat man diesmal auch mit nicht-gesunden und älteren Personen gemacht!)

Die Nebenwirkungen entsprechen etwa denen von anderen Impfungen, hauptsächlich lokale Reaktionen am Einstichort (Schmerzen, Rötung), vielleicht 1-2 Tage generalisierte Beschwerden wie Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen, Fieber etc, vor allem nach der 2. Impfung.
(Sie sagen, es kann etwas heftiger sein als bei zum Beispiel der Grippeimpfung, die sie mit einem „Mückenstich“ vergleichen. Etwa wie ein „Bienenstich“.)

Die Impfung ist nicht zugelassen für Schwangere und unter 16 Jährige, da hier die Datenlage zu dünn ist. Ausserdem gehören die jüngeren nicht zu den durch Covid gefährdeten Personen.

Jetzt geht es weiter. In den Kantonen sind sie schon seit ein paar Wochen dran die nötige Infrastruktur für die Impfungen aufzubauen. Die Logistik ist hier etwas komplizierter als bei anderen Impfstoffen, da der Covid-Impfstoff von Pfizer bei Temperaturen von -70°C transportiert und gelagert werden muss. Deshalb wird es vorläufig auch keine Impfung in der Apotheke geben, die meisten Kantone scheinen auf Impfzentren und mobile Impfgruppen zu setzen. Noch im Dezember beginnen die Kantone der Innenschweiz: Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden, Luzern und Zug – und Freiburg. Der Rest folgt im Januar. Wir bekommen monatlich etwa 250’000 Impfungen – die wollen möglichst sinnvoll eingesetzt werden.

Wer wird geimpft? Die Impfung ist prioritär für folgende Zielgruppen vorgesehen:
1. Besonders gefährdete Personen (ohne schwangere Frauen)
2. Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt / Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
3. Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder) von besonders gefährdeten Personen
4. Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (mit altersdurchmischten Bewohnern).
Im weiteren Verlauf wird auch eine Impfung für alle anderen Erwachsene, die nicht unter 1.-4. fallen, möglich sein. – Das kann ein paar Monate dauern.

Ich weiss noch nicht, ob wir in der Apotheke zur 2. Gruppe gehören und dann geimpft werden, aber ich bin froh, dass meine Eltern voraussichtlich bald drankommen. Dann kann ich mich etwas sicherer fühlen, auch wenn ein paar Fragen betreffend der Impfung noch offen sind: kann das Virus durch geimpfte Personen noch übertragen werden? Wie lange hält der Impfschutz an? Die geltenden Hygienemassnahmen müssen auf jeden Fall noch eine ganze Weile weiter durchgeführt werden.

Für das Gesundheitssystem ist das aber sicher eine Entlastung – eine dringend benötigte ausserdem. Inzwischen sind die Spitäler voll, das Pflegepersonal am Anschlag (und darüber) – die Situation ist wirklich furchtbar, auch wenn das trotz gelegentlicher Meldungen in den Medien immer noch nicht zu den Leuten auf der Strasse durchgedrungen ist. Aktuell will ich nicht krank werden oder einen Unfall haben und im Spital landen müssen. Nach aussen „verhält“ das noch als Sicherheitsnetz, aber … nein. Eigentlich will ich nicht mal drüber schreiben. Wir sind vielleicht noch knapp nicht am „sterbende Leute in den Spital-Gängen liegen lassen“, aber soooo weit davon auch nicht mehr. Denkt mal darüber nach und (Bitte) passt euer tägliches Verhalten danach an. Grad jetzt in der Ferien- und Feier-Zeit. Übrigens: Man kann sich jetzt immer noch gegen die Grippe impfen lassen. Bitte tut das – das macht grad jetzt noch Sinn.

Aber konzentrieren wir uns auf die guten Dinge. Wir haben jetzt eine wirksame und sichere Impfung. Meine Familie ist gesund: immer noch alle, wofür ich wahnsinnig dankbar bin. Sogar meine Eltern haben dieses Jahr überstanden (und das sah aus verschiedenen Gründen zeitweise nicht gut aus). Wir haben mehr als genug zu essen, eine warme Wohnung (die aufgeräumter sein könnte), Kontakt mit den Liebsten – halt nicht mehr so häufig und vor allem meist nicht mehr als Treffen, sondern mit Telefon, Chat etc. Dafür bin ich dankbar.

In dem Sinne: Euch allen schöne Festtage und bleibt gesund!