Dosettiges

Die Patientin um die 50 kommt in die Apotheke mit einem Rezept für 1 Medikament (ein Beruhigungsmittel) und einem Dosett. Auf dem Rezept steht:

„Medikament in Dosett füllen – gemäss Wunsch Patientin, damit Sie mehr Kontrolle hat.“

dosett

Ich finde Dosette sinnvoll. Man kann die natürlich auch nur mit einem einzigen Medikament füllen, aber …

„Das mache ich ihnen gerne … nur, wenn da nur ein Medikament rein-kommt, dann kann ich das selbst mit dem Rezept hier nicht via Krankenkasse verrechnen. Das kann ich erst ab 3 Medikamenten pro Woche.“

Frau: „Oh – aber ich nehme mehr Medikamente. Die habe ich bisher aber immer via Versandapotheke bezogen und selber eingefüllt. Der Arzt hat mir das so empfohlen und faxt auch immer die Rezepte direkt an die Versandapotheke …“*

… (Ah ja?) … Da geht bei mir die eine Augenbraue nach oben, ich kann mir nicht helfen …

Pharmama: „Nun, wenn Sie wollen, können Sie das auch weiterhin, aber wenn ich nur 1 Medikament einfülle – das kostet gleich viel wie mit mehreren … und Sie müssten das selber bezahlen.“

Frau: „Oh.“

Pharmama: „… Sie könnten natürlich auch den Arzt fragen, ob er das Rezept statt an die Versandapotheke an uns faxt. Dann könnte ich das Dosett damit richten und es via die Krankenkasse abrechnen …“

Das Rezept kam am selben Nachmittag und sie hat noch die Medikamente, die sie bisher zu Hause hatte vorbeigebracht. Mit dem „Zur Rose“-Aufkleber drauf. Seitdem … geht das. Wir richten wöchentlich das Dosett mit den Medikamenten, bestellen die falls nötig nach, rechnen das der Krankenkasse ab und sie holt es regelmässig.

 

*Ja, das läuft hier so: der Arzt überzeugt den Patienten, sich die Medikamente „günstig und Zeitsparend“ direkt von der Versandapotheke zukommen zu lassen … und bekommt dafür von der Versand-Apotheke Provision. Mehr über diese Praxis hier: Diese Rose stinkt.

Eigentlich … ist das seit letztem Jahr und Bundesgerichtsurteil nicht mehr erlaubt …da Umgehung der Selbstdispensation. Aber da sie die Medikamente schon eine Zeitlang nimmt, ist es möglich, dass das vorher eingefädelt wurde.

Aber Dosette richten die offenbar auch jetzt noch nicht. :-)

21 Antworten auf „Dosettiges

  1. „Wir richten wöchentlich das Dosett mit den Medikamenten, bestellen die falls nötig nach“ – wie viel Verwaltungsaufwand das in Deutschland sparen würde! Aber hier werden auch bei Dauermedikamenten immer Arzt, Arzthelferin und Patient beschäftigt, nur weil wieder ein Quartal rum ist :(

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    1. Und wenn die Apotheke das organisiert, sind eben Apotheker, Arzthelferin und Arzt beschäftigt. Gut für den Patienten, sicher. Ältere Patienten, Menschen mit Sehbehinderung, Heimbewohner, zwölf Tabletten am Tag. Ja. Ja!

      Aber viele machen es sich einfach. Beim Arzt anrufen, Rezept bestellen, in die Apotheke faxen lassen. Und wenn was falsch ist, fehlt oder gar nicht ankommt, ist das Geheule groß.
      Immer wieder gern gesehen bei Kunden, deren Strecke von der Haustür über Praxis und Apotheke zurück keine fünf Minuten dauert.
      Oh, wie ich es HASSE.

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  2. Ich hab 3 Medikamente als Dauerrezept und bestelle die immer bei der Rose. In meiner Apotheke, die leider die einzige in der Nähe ist, kriege ich (aus fraglichen Gründen?) nur ein Medikament pro Sorte und Monat – das heisst ich muss jeden Monat wieder hin (immer am Samstag im grössten Getümmel, weil ich unter der Woche weg bin) UND ich zahle jeden Monat diese Pauschale für einen nicht bemerkbaren Service (hab zuletzt nicht mal mehr das Etikett mit meinem Namen und der Dosieranweisung draufgeklebt bekommen). Dann doch lieber günstiger und bequemer – und wenn mein Hausarzt auch noch was dafür bekommt, ist das doch ein Gewinn für alle? (Er hat mir die Rose übrigens NICHT empfohlen. Das war meine Idee)

    In die Apotheke gehe ich nur noch, wenn ich rezeptfreie Sachen haben möchte (Halwehtabletten oder so was), oder wenn ich ein Medikament dringend brauche und nicht die zwei Tage warten will/kann, bis es da ist.

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    1. aus fraglichen Gründen … würde mich interessieren, was für Gründe das denn sind? Ich sehe nicht ein, was die Apotheke davon hätte dir so ein „Verordnungsregime“ aufzuzwängen?

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    2. In die Apotheke gehe ich nur noch, wenn ich rezeptfreie Sachen haben möchte (Halwehtabletten oder so was), oder wenn ich ein Medikament dringend brauche und nicht die zwei Tage warten will/kann, bis es da ist.

      Also immer, wenn auf das Arzneimittel nicht gewartet werden KANN. Schnell soll die Hilfe gehen…

      Blöd nur, dass die Durchschnittsapotheke von diesem „Aushilfsgeschäft“ auf Dauer nicht leben kann. Mit anderen Worten – wenn das ALLE Patienten/Kunden so machen, ist die Apotheke ums Eck bald genauso abgeschafft wie der Tante-Emma-Laden. Und DANN hat der der Angina-Patient sprichwörtlich einen „dicken Hals“, warum der Weg zur nächsten Apotheke so weit geworden ist, wo man das Medikament doch SO DRINGEND braucht, und dass die fragliche Apotheke das aufgrund mangelnder Nachfrage erst ranbesorgen muss (innerhalb von vielleicht 4 Stunden), wo im Versandt 2 bis 3 Tage warten ja auch in Ordnung sind… Ist ja nicht so, dass ich diese Diskussion(en) nicht schon mehrfach im Ladenlokal geführt hätte.

      Und nun mich bitte nicht falsch verstehen. NATÜRLICH wettere ich gegen die Konkurrenz des Versandhandels – hauptsächlich aber deswegen, weil der Versandhandel sich nicht an die (für mich) geltenden Gesetze hält (Zuzahlungspflicht, Beratungspflicht, Rezepturpflicht, BtM-Doku, T-Doku, TFG-Doku, Notdienstpflicht, MwSt.-Probleme, Gefahrstoffverordnung, Grundstoffüberwachungsgesetz usw.), und damit sowohl mehr Gewinn als ich macht als auch noch Bewunderund und Anerkennung von Patienten und Politik einheimst. (Ich würde in so einem Fall den Verlust der Approbation einheimsen.) Und NATÜRLICH beschweren sich bei mir genau dieselben Menschen (jetzt im Ruhestand und mit gesundheitlichen Problemen, die ihnen das Auto fahren verunmöglichen) über den Verlust der wohnortnahen Tante-Emma-Läden, die mir vor 20 Jahren vorgeschwärmt haben, wieviele Pfennige man im Supermarkt in 5km Entfernung sparen kann gegenüber den Tante-Emma-Läden!

      Was mich daran wirklich ärgert ist die Inkonsequenz der Menschen. Im Fall FAST IMMER will ich alle Vorteile vom Versandhandel, im Fall SUPER SELTEN will ich alle Vorteile vom Stationärhandel. Wie, Stationär kann vom „Aushilfe-Geschäft“ nicht leben? Der soll sich mal am Riemen reißen, SO schlecht kanns dem ja nicht gehen – weiß ja JEDER, dass Apotheken schließlich APOTHEKENPREISE haben, und der Apothekenleiter den ganzen Tag im Keller Geldscheine mit der Kohleschaufel umschichtet… Komisch, warum dann in D seit 2 Jahren die Apothekenzahlen rückläufig sind. Oh Wunder, oh Wunder – überleben wird der, der mehr Gewinn am Umsatz macht. (Wer wird das wohl sein, allein wenn man sich so die Personalkostenstruktur denkt?) Aber wenn die Tante-Emma-Apotheke weg ist, und die Kasse einen vorschreibt, welche Versandtapo man bitteschön zu nutzen hat… dann nicht jammern, gell?

      Achja, und die „fraglichen Gründe“ sind allzu oft gesetzlicher Natur. Einfach mal nachfragen kann helfen, Vorurteile abzubauen… ;-) Nix für ungut, und schöne Feiertage!

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        1. Och, man braucht mal nur nach England und seinen „Landapotheken“ zu schauen. Oder nach Schweden & Norwegen und den wunderbar eingeführten (und nicht mehr abschaffbaren) Ketten. Oder in all die Länder, die OTC fürn Supermarkt freigegeben haben – Israel z.B. Ist doch nicht so, dass ich mir das alles aus den Fingern sauge. Und kann gerne jeder Endverbraucher nachprüfen – noch gibt es ja die Reisefreiheit. :D

          Dass meine Meinung in dieser Hinsicht natürlich voreingenommen ist, habe ich ja betont. :D

          Und sollte ich etwas unwahres oder auch (politisch) nicht tragbares geschrieben haben – einfach moderieren bitte!

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      1. Hui, da ist jemand aber genervt.

        „Und DANN hat der der Angina-Patient sprichwörtlich einen “dicken Hals”, warum der Weg zur nächsten Apotheke so weit geworden ist, wo man das Medikament doch SO DRINGEND braucht, und dass die fragliche Apotheke das aufgrund mangelnder Nachfrage erst ranbesorgen muss..“

        Ich wohne in Zürich, Stadtkreis 11 Richtung Westen und bin in Regensdorf gross geworden. Alleine an meiner Strassenkreuzung stehen 2 Apotheken, die nächste ist 3 Bushaltestellen weiter (Innerstädtische Distanzen, also knapp 1km). Richtung nächstes Dorf hat es neu auch eine Apotheke neben der Tankstelle, sowie ca. 700m entfernt im Einkaufszentrum 2 nebeneinander und im Dorfkern so weit ich weiss (keine 400m nochmals eine). Ich hab mittlerweile mehr Apotheken um mich herum als Briefkästen!

        Natürlich ist es mühsam, einem Patienten zu erklären, warum man ein Medi besorgen muss (geringe Nachfrage, speziellere Stoffe/Kombis usw.), aber Halsschmerztabletten sind doch mittlerweile genau so Standart wie die 17 Ablagen Deko-Artikel, Babybrei, Badezusatz für Kinder und und und.. (ausser ev. dem hypo-Allergenen Babybrei hat das alles nichts in einer Apotheke zu suchen für mich).

        Ich verstehe jeden Patienten, der keine Lust hat, monatlich in der Apotheke zu erscheinen. Da hätt ich auch keine Lust zu, ganz ehrlich, wenn meine Medis sich regelmässig in meinem Briefkasten einfinden würden. Es ist eine Service-Leistung, wie man sie im heuten Zeitalter erwarten kann. Natürlich muss Aufklärung usw. geschehen und genau so akkurat nachgefragt werden. Dies wäre auch zu bewerkstelligen (z.B. telefonisch). Aber es kommt eben auch auf das rundherum an. (Ich bin gegen rechtswidrige Abgaben usw.)

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        1. Nö, ich bin nicht genervt. Ich gebe nur wieder, wie sich das ganze vor meinem (Hintergrund)Wissen darstellt. Vielleicht kommt es aber so rüber, weil ich (passen zur Jahreszeit „Alle Jahre wieder“) immer das Selbe erzähle. Ich sollte vielleicht mal „Copy & Paste“ lernen… :D

          Könnte es jedoch sein, dass hier Zürich (eine Sadt mit ca. 400.000 Einwohner und sicher mehr als nur 2 Hausärzten in 20km Unkreis) mit einer eher ländlichen Umgebung bzw. Kleinstadt [ In meiner Apotheke, die leider die einzige in der Nähe ist,…] verwechselt wird? Ich hab mittlerweile mehr Apotheken um mich herum als Briefkästen! Da scheints @gemkage aber anders zu gehen, welcher ja scheinbar lieber eine Apotheke MEHR hätte zwecks der Auswahl… In GB z.B. sind 40-80km bis zur nächsten Apotheke in ländlichen Gebieten keine Seltenheit (und auch dann ist das Vorhandensein des fraglichen Medis nicht garantiert).

          War in Schweden übrigens ganz genau so – die Regierung versprach sich durch die Einführung der Apothekenketten viele Apo-Neugründungen – gab es auch, aber nur in Fußgängerzonen von großen Städten (und nicht etwa auf dem unterbevölkerten Land, wo die Regierung das gerne gehabt hätte). Wo hingegen die von den Ketten zwangsgekauften defizitären Landapotheken dann von Schließung bedroht waren (direkt nach den 2 Jahren Pflicht-Offenhaltung), was die Ketten dann dazu benutzen, die Regierung auf eine Landapotheken-Zusatzabgabe „zu erpressen“, um die Versorgung ganzer ländlicher Regionen aufrecht zu erhalten. (40.000€ pro Landapotheke und Jahr, wenn mich nicht alles täuscht. Ob das ein Einzelapotheker wohl auch geschafft hätte – von der Regieriung 40.000€ pro Jahr nur für Anwesenheit zu bekommen?) Einfach mal selbst nachlesen…

          …wenn meine Medis sich regelmässig in meinem Briefkasten einfinden würden. Es ist eine Service-Leistung, wie man sie im heuten Zeitalter erwarten kann. Den (innländischen) deutschen Apotheken ist so etwas schlicht und einfach gesetzlich verboten. Kein Rezept -> kein Medi. Arztpraxis darf Apotheken keine Rezepte zuweisen (von sehr engen Ausnahmen abgesehen). Und Ärzte dürfen Patienten eigentlich nur nach dirkter Ansichtigkeit behandeln (= Patient muss eh zum Arzt). Ausländische Versandtapos hingegen… nunja, machen sowas halt, und alle Beteiligten (außer die inländischen Apotheker) finden dies dann gut, und die Politik klatscht Beifall. (Finde den Unterschied!) Medis im Briefkasten sehe ich sowieso kritisch, aber das ist nun wirklich mein Problem. Über die MwSt.-Tricks z.B. niederländischer Versandtapos habe ich schon an verschiedenen Stellen genug geschrieben – hier haben Versandtapos und deutsche KrankenKassen den deutschen Staat um vermutlich Milliarden geprellt. Die Untersuchung dazu wurde aber wegen „zu kompliziert“ eingestellt… Alles nachzulesen. Im Zweifelsfall in meinen uralten Blogeinträgen, natürlich mit Quellenangaben.

          Ach ja, und die Medis, die man AKUT braucht (Antibiotika, Schmerzmittel, vielleicht nen Psychopharmakum) – findet sich eben dann NICHT REGELMÄSSIG im Briefkasten – das braucht man möglichst DIREKT AM Verordnungstag. Und nun noch mal ganz in Ruhe meinen „genervten Kommentar“ lesen – und, wie geschrieben, bitte nicht von Großstadt auf Kuhdorf schließen. ;-)

          Dass ich solche Vorgänge jetzt allerdings nach deutscher und nicht nach schweizer Gesetzeslage kommentiere, bitte ich zu verzeihen. Ich tickere halt hauptsächlich über die Dinge, mit denen ich mich auskenne… Ich hoffe nun, diese Antwort kommt nicht so „genervt“ rüber.

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        2. @Kathrin: das Problem, dass die Apotheken wegsterben gibt es eben nicht in den Städten und Ballungszentren, sondern auf dem Land – hat was mit Anzahl Patienten im Einzugsgebiet, Ärzte in der Nachbarschaft und überhaupt Angebot und Nachfrage zu tun. In der Stadt können, da dort nicht nur viele Leute wohnen, sondern auch viele Leute zum arbeiten vorbeikommen ziemlich viele Apotheken auf engerem Raum noch wirtschaftlich sein. Auf dem Land eine einzige im Umkreis von 20km nicht.
          Das mit den Ketten gilt im übrigen auch für die Schweiz. Ich erwähne an der Stelle gerne den Chef der Galenika (Grossist und Chef der Apothekenketten von Amavita und Coop Vitality und Sunstore) der das mal deutlich so gesagt hat: „WIr kaufen Apotheken um sie zu schliessen.“ Daneben machen sie auch neue Apotheken auf – hauptsächlich in Einkaufszentren und den Städten. Da wird einfach umverlagert.

          Was den Medikamentenversand angeht: der ist eigentlich in der Schweiz verboten. Das wird von den Versandapotheken mittels Tricks umgangen, gilt aber für die Standortapotheken: wir dürfen nur an unsere eigenen Patienten (die wir vorher gesehen und beraten haben) etwas in den Briefkasten legen.
          Dass es nicht lustig ist, einmal monatlich in der Apotheke aufzuschlagen, begreife ich. Interessanterweise lässt sich das in der Schweiz aber umgehen: Man kann mit den Dauerrezepten, die es hier gibt (im Gegensatz zu Deutschland, wo man nicht nur regelmässig in die Apotheke sondern vorher noch zum Arzt vorbei muss) meist grössere Mengen (bis 3 Monate problemlos) beziehen … ausser …? (Ich wüsste nur zu gerne, was das bei dem Fall oben verhindert).

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          1. Ich finde, einem Menschen, der nicht gerade aus gesundheitlichen Gründen nicht aus dem Haus kommt, darf man den monatlichen Weg zur Apotheke durchaus zumuten. Ein bisschen Bewegung schadet ja nichts:) Wobei ich allerdings zugegebenermassen (zum Glück) nicht regelmässig Medikamente nehmen muss.
            Ich bin kein Fan davon, sich alles nach Hause liefern zu lassen. Klar, manchmal ist es praktisch, aber meistens… kann man mit ein wenig Aufwand selbst beim entsprechenden Geschäft vorbeigehen. Klappt beim Sandwich, Coffee-to-go, etc. schliesslich auch.

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      1. 1) Die Apothekerin hat mir ganz offen gesagt, sie gebe prinzipiell bei Dauerrezepten nie mehr ab, als man mit Einzelrezepten in der gleichen Zeit beziehen würde – also in meinem Fall jeweils eine Packung pro Monat -, weil sich das sonst für sie nicht rechnet. Die Pharmaassistentin meinte dann noch, sie würden das halt bei allen Leuten so machen, und wenn sie bei mir (jung, Student, kein medizinischer Laie, …) eine Ausnahme machen würden, hätten sie – wenn sich das rumspricht – Beschwerden von den anderen Kunden (alt, polymediziert, …).

        2) Ich würde auch dringend gebrauchte Medikamente bei einer Versandapotheke bestellen, wenn sie das anbieten würden (Express-Versand oder so was). Mein Hausarzt hat solche Medikamente aber sowieso auch in seiner Praxis (Selbstdispensation), meistens muss ich also nicht mal in die Apotheke dafür. Und ich hätte auch kein Problem damit, so ein Notfallmedikament (das brauch ich ja hoffentlich nur sehr selten) von etwas weiter weg zu holen/holen zu lassen, zum Beispiel am Hauptbahnhof oder direkt im Krankenhaus.

        3) Doch, natürlich, ich studiere in Zürich und bin dort umgeben von Apotheken. Mein Hausarzt ist aber in meinem Wohnort, und die „Hausapotheke“ damit auch. Wenn ich anfange, mehrere Apotheken für die verschiedenen Rezepte zu haben, kann ich ja genau so gut auch die Dauerrezepte zur Versandapotheke schicken… Das rettet dann nämlich weder die kleinere Apotheke, noch weiss jemand, was ich alles an Medikamenten nehme.

        4) Ich wohne keineswegs in einem Kuhdorf, bloss etwas ausserhalb der Stadt, aber sogar noch innerhalb der Stadtgrenze. Es gäbe auch eine zweite Apotheke, die ist etwas homöopathischer orientiert, gehört aber zur gleichen Kette und hat daher das gleiche Prinzip (siehe 1). In der Stadt selber gäbe es noch ich glaube vier andere Apotheken.

        5) Bis ich alt bin, wird eh alles anders sein. Bis dahin wird man bestimmt einen legalen Weg für Versandapotheken oder ein ähnliches System gefunden haben…

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        1. Aemkage: das muss wirklich eine Apotheke mit Monopolstellung in dem Gebiet sein. Sowas habe ich ja noch nie gehört. Frech. Das würde ich als Anlass nehmen mir halt doch vielleicht eine Stammapotheke in der Nähe des Arbeitsplatzes zu suchen.

          >

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    3. @aemkage: Du schreibst, dass wenn der Hausarzt noch was dafür bekommt, das ein Gewinn für alle wäre.

      Ich respektiere Deine Meinung, finde aber die Argumentation interessant. Mir selbst wäre es nämlich gerade bei einem Arzt wichtig, dass dieser ein gewisses Maß an Integrität aufweist. Wenn er eine Provision für Medikamente erhält, habe ich durchaus den Verdacht, dass der auch manchmal kostspielige Dinge aufschreiben könnte, die ich zwar nicht brauche, an welchen er aber selbst gut an der Provision verdient.
      Mir selbst ist da ein Arzt lieber, der sich korrekt verhält und keine Zuwendungen durch Dritte annimmt.

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      1. Das ist auch meine Meinung. Ich traue meinem Arzt jedoch zu, dass er mir nichts verschreibt, was ich nicht brauche. Wie gesagt habe mittlerweile auch ausreichend fachlichen Hintergrund (und bin nicht wirklich schwer krank) – das heisst, dass ich auch selbst beurteilen kann, ob das mit meinen Medikamenten hinkommt oder nicht. Wenn dann mein Arzt für genau das gleiche Rezept Geld kriegt, wenn er es wegschickt statt es mir in die Hand zu drücken, finde ich das nicht schlimm. Deswegen ist er ja noch lange nicht käuflich.

        Was ich aber nicht in Ordnung finde: wenn ein Arzt seine Patienten dazu überredet (oder sie gar dazu „zwingt“), die Medikamente via Versandapotheke zu beziehen. Bei meinem Arzt ist das wie gesagt nicht der Fall.

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        1. Ich glaube Dir, dass Dein Arzt Dir nichts verschreibt, was Du nicht brauchst – insbesondere wenn Du auch selbst genügendes fachliches Wissen hast.

          Ich denke aber, dass es viele Menschen gibt, die dieses fachliche Wissen nicht haben. Des Weiteren gibt es auch viele Menschen, die geistig nicht eine ausreichende Intelligenz haben. Manchen Personen kann man einen Kühlschrank am Nordpol verkaufen.

          Eines will ich noch aus eigener Erfahrung hinzufügen: Während meiner Apothekenzeit stand ich in der Selbstmedikation bei einer Kundenfrage des Öfteren vor einem Zwiespalt:
          Verkaufe ich bei der Nachfrage nach beispielsweise einem Hustenlöser
          * das Produkt, welches dem Kunden meiner Erfahrung nach am Besten hilft oder
          * verkaufe ich dem Kunden ein Produkt, welches vielleicht etwas weniger als das erstgenannte Produkt hilft, bei dem aber die Gewinnmarge für meinen Chef deutlich höher ist. Das zweite Produkt kann dann durchaus doppelt so teuer sein wie das erste Produkt.
          Ich möchte ehrlich zugeben, dass ich mich da durchaus des Öfteren im Interesse meines Chefs für die Variante 2 entschieden habe. Bei einem Arzt sollten meiner Ansicht nach solche Überlegungen keine Rolle spielen.

          Ein guter Kaufmann empfiehlt auch Zusatzverkäufe, beispielsweise bei einem Hustenlöser noch einen hustenlösenden Tee. Den braucht man eigentlich nicht, aber schaden tut er auch nicht. Auch das sollte ein Arzt nicht aus finanziellem Interesse tun.

          Was ich sagen will: Während die Bevölkerung bei einem Apotheker weiß, dass der durch den Verkauf Geld verdient und da manchmal durchaus skeptisch gegenüber Empfehlungen durch Apothekenpersonal ist (und manchmal sogar lieber mal noch den Arzt um Rat anfragt, um nichts „hinaufgeschwatzt“ zu bekommen), vertraut man einem Arzt doch bei seinen Empfehlungen mehr oder weniger blindlings. Daher sehe ich es kritisch, wenn dieser einen finanziellen Vorteil hat, wenn er möglichst viel und möglichst teure Produkte verschreibt.

          Noch was: Käuflichkeit bzw. Korruption fängt nicht erst beim Golfurlaub über zwei Wochen an, sondern durchaus auch bei kleinen Gefälligkeiten. Daher muss ein Mitarbeiter im öffentlichen Dienst oder ein Beamter es seinem Dienstherrn melden, wenn er auch nur eine kleine Gefälligkeit wie ein läppisches Mittagessen angenommen hat. Auch in der Pharmaindustrie ist man mittlerweile in vielen Unternehmen dazu übergegangen, dass Mitarbeiter kleine Geschenke (z.B. im Wert über 10 Euro, bspw. das besagte Mittagessen) anmelden müssen.

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  3. was Du über die Rose geschrieben hast, erinnert mich an den Autofahrerspruch „wer bremst, hat verloren“. Wäre interessant, ob das auch als unlauterer Wettbewerb gilt.

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  4. Aus Neugierde: Ist das mit der „Provision“ für die Zuweisung einer Apotheke durch einen Arzt in der Schweiz erlaubt?

    Hier in Deutschland darf der Arzt keinen Leistungserbringer empfehlen. Und wenn er dafür sogar noch Geld bekommen würde, würde man das nicht als „Provision“ bezeichnen, sondern relativ klar als „Schmiergeld“. Momentan ist ein Gesetzesentwurf in Deutschland in Vorbereitung, der diese „Provisionen“ klar als Korruption definiert – mit Androhung von bis zu drei Jahren Haft.

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