heisskalt erwischt?

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hotcold

Minus 12.5 bis Plus 35.9 Grad

Das sind nicht die Temperaturunterschiede, die zwischen Feriendestination und zu Hause herrschen (obwohl ich das so auch schon hatte), Nein, das sind die Temperaturen, die in Päckchen gemessen wurden, die mit fünf Paketendienstleistern versendet wurden. Dieselben Paketdienstleister, die auch die Online-Apotheken für den Versand ihrer Medikamentenpackungen verwenden. Auch bei denen werden nur normale Kartons dafür verwendet …. und auch beim Test gingen von 100 Paketen 6 verloren. Das entspricht einem Verlust / Fehler von 6 % … und erklärt wohl einige der Reklamationen auf den Seiten der Online-Apotheken. (Pressemitteilung zur Studie nachzulesen hier: EIPL Temperaturstudie).

Aber zurück zur Temperatur. Ich hier in meiner Apotheke werde schon nervös, wenn die Temperatur jetzt im Hochsommer in der Anlieferung über 25.5 Grad steigt … und schaue, dass ich deswegen auch nachts die Klimaanlage höher einstelle. Die meisten Medikamente müssen bei Raumtemperatur gelagert und auch geliefert werden. Das bedeutet: zwischen 15 bis 25 Grad. Darauf muss ich achten – und darauf muss auch der Grossist, der uns die Medikamente liefert achten. Post und Paketversand ist das aber egal.

Es gibt Medikamente die sind temperaturempfindlich. Man schätzt, dass etwa 20% aller Medikamente dazu zählen. Am bekanntesten sind natürlich diejenigen, die im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen: zwischen 4 bis 8 Grad. Diese sollten nicht nur nicht wärmer werden, auch einfrieren ist ganz schlecht. Beispiel: Insulin: wenn das zu kalt wird, flocken die Proteine aus denen es entsteht aus … und es wirkt nicht mehr. Ditto bei Impfstoffen, wenn sie zu heiss werden – das gilt auch für nicht-flüssige wie Vifotif Kapseln … was übrigens ein Grund ist, weshalb das nicht mehr wie früher per Post kommt. Ursprünglich hat die Firma Berna das Vivotif per Post Express versendet. Die Post hat diese Päckchen (weil wichtig) im Auto direkt neben den Fahrer platziert … unter die Windschutzscheibe. Irgendwann hat man dann auch Messthermometer mitgeschickt. Bei einer dieser Messungen wurden Temperaturen über 70 Grad gemessen (!). Danach hat man das nicht eingestellt. Die Berna gibt es übrigens nicht mehr …

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Versandapotheke bin ich keine, aber …

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Es ist etwa ein Monat nach dem letzten Besuch in der Apotheke durch Frau Slozny (ihr erinnert Euch?) da bekomme ich ein mail von ihr.

Guten Tag Frau Pharmama. Ich bin jetzt in Irland

(Huh? Ich war mir sicher, ich habe Moskau gehört, als sie gesagt hat, sie geht ins Ausland)

… und ich brauche dringend noch mehr von den Kathetern. Könnten Sie mir die hierher schicken lassen? Ich bezahle das gerne mit der Kreditkarte.

Okay, das habe ich jetzt auch noch nicht gemacht. Da muss ich erst mal abklären, ob das geht … und wie.

Medikamente darf ich nicht verschicken – in der Schweiz gilt das Versandhandelsverbot für Medikamente, erst gar nicht über die Grenze, aber … Medizinalprodukte anscheinend schon. Geht also.

Und die Sache mit der Krankenkasse/Unfallkasse ist auch noch nicht durch. Also muss das wieder von ihr bezahlt werden, nicht nur der Transport. Aber offenbar ist ihr das bewusst. Kreditkartenzahlung ist technisch aber bei uns nicht machbar telefonisch. Ich brauche die Kreditkarte hier im Geschäft.

Zuerst aber mal: Vielleicht geht das einfacher? Ich schaue, ob sie die Katheter nicht schon in der Apotheke dort bekommen könnte. Wenn sie sie schon selber zahlen muss (und ein Rezept hat) sollte das möglich sein … und das ist es auch laut Internet. Ich schreibe ihr also diese Infomail:

Guten Tag, Frau Slozny. Ich habe mich inzwischen etwas schlau gemacht, was die Anfrage betrifft. Offenbar kann ich Medizinprodukte (im Gegensatz zu Medikamenten) ins Ausland senden.

Was die genauen Bedingungen angeht müsste ich allerdings bei der Post noch nachfragen – immerhin handelt es sich hier um einen Versand um Waren im Wert von ca. 3000 Franken – (eventuell muss das auch noch verzollt werden in Irland)

Das Porto für den Versand weiss ich auch noch nicht, das Internet gibt mir da Werte von 100-250 Franken für ein etwa 15 kg schweres Paket – das ohne irgendwelche Rückverfolgung oder Sicherheiten.

Allerdings ist eine Bezahlung via Kreditkarte für uns aus technischen Gründen definitiv nicht möglich, wir bieten keine online Bezahlung an. Am Besten ist folgendes Vorgehen: Wir stellen ihnen dafür eine Rechnung, die wir ihnen schicken (per mail oder Fax). Sie zahlen die Rechnung (wir geben Ihnen dafür die IBAN Nummer der Bank an). Sobald der Betrag bei uns auf dem Konto ist, bestellen wir die Ware und senden das Paket.

Dafür wäre es auch gut, wenn wir noch eine Kopie des Rezeptes bekommen, die wir als Beleg mitschicken können für den Zoll.

Ich weiss, das ist aufwändig. Mein Vorschlag wäre immer noch, dass Sie das in Irland in einer Apotheke besorgen lassen – das spart ihnen nicht nur Zeit, sondern auch das Geld für den Versand (ausserdem ist es möglich, dass die Katheter dort günstiger sind, als bei uns).

Aber sie will (wie sie mir zurückschreibt), dass ich den Rest abkläre und das trotzdem schicke. Anscheinend seien die Katheter nicht in der gleichen Qualität erhältlich – was ich fast nicht glauben kann, das müsste dasselbe Produkt von derselben Firma sein, so weit ich das von hier sehen kann.

Also dann: Porto und Zoll. Ich kläre das ab und schreibe ihr wieder.

Wir haben jetzt bei der Post noch die Info eingeholt: Ein Paket von dem Gewicht kostet ca CHF 125.- auf Irland. Es braucht bis zu 10 Tage, bis es da ist. Es ist versichert gegen Bruch oder verlieren gehen – allerdings nur bis zu CHF 1000.-

Wegen dem Zoll in Irland zahlen Sie bei Erhalt nochmals ca. 25% drauf (von den 3000 Franken, also ca. 750 Franken (!) – das wäre dann aber nicht bei uns auf der Rechnung. Die Krankenkasse oder Unfallkasse zahlt weder Porto noch Zoll.

Ich würde immer noch dringend vorschlagen, dass Sie das in einer irischen Apotheke bestellen gehen. Falls Sie aber trotzdem wünschen, dass wir ihnen die Katheter senden, melden Sie es mir noch einmal.

Ich glaube als ich ihr das mitgeteilt habe, war das der Moment wo sie dann doch beschlossen hat das nicht via uns zu machen. Es kam weder ein mail noch ein Zahlungseingang, weshalb ich das natürlich weder bestellt noch geschickt habe.

Aber 2 Wochen später bekomme ich doch noch ein mail: Sie komme für kurze Zeit zurück in die Schweiz, ich solle ihr auf dann die Katheter bestellen, sie komme sie abholen.

Als sie die 2 Wochen später kommt, bringt sie mir direkt ihre neue Adresse (in der Schweiz) und die Karte der neuen Krankenkasse bei der sie schon angemeldet ist.

Okay – in dem Fall bleibt sie doch wieder länger hier. Dann haben wir unsere Stammkundin wieder.

Über den Beruf Apotheker in DACH – Teil 3: Wer verkauft sonst noch Medikamente?

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UnterschiedeDACHApotheke

Reden wir mal über die „Konkurrenz“. Medikamente sind die Spezialität und das Wissensgebiet der Apotheke, sie sind nicht normale Konsumgüter. Trotzdem wird damit gehandelt – nicht nur in der Apotheke. Wer verkauft sonst noch Medikamente?

CH: Die Ärzte. In der Schweiz ist es teils erlaubt, dass die Ärzte selber die Medikamente verkaufen. Uneingeschränkte Selbstdispensation gilt in 14 Kantonen (AI, AR, BL, GL, SG, SZ, TG, LU, NW, OW, UR, ZG, ZH, SO). In 3 Kantonen herrscht ein Mischsystem: da dürfen es gewisse Ärzte eine Hausapotheke haben, wenn keine Apotheke in der Nähe ist (BE, GR, SH). In 9 Kantonen ist die ärztliche Medikamentenabgabe verboten: AG, BS, GE, FR, JU, NE, VD, VS, TI – wobei selbst da Ausnahmeregelungen existieren. Das ist übrigens in Europa und auch anderswo die Norm: es entspricht einer Gewaltentrennung: „Wer verschreibt, verkauft nicht.“

Versandhandel mit Medikamenten ist eigentlich verboten, es existieren allerdings spezielle Versandapotheken mit Erlaubnis. Einschränkung: es braucht bei jeder Abgabe ein Rezept, auch für OTC Arzneimittel und das Rezept muss von einem Arzt ausgestellt sein, der den Patienten persönlich gesehen hat.

Drogerien dürfen in abgelegen Gebieten ohne Apotheke einen Teil der Liste C Arzneimittel verkaufen – dafür braucht es eine Erlaubnis.

 

D: Es gibt keine Selbstdispensation in Deutschland, den Ärzten ist es verboten selber Medikamente zu verkaufen oder abzugeben.

Der Versandhandel ist erlaubt, für rezeptpflichtiges (mit Rezept) und OTC (ohne Rezept). Apotheken, die Versandhandel betreiben, brauchen dafür eine Zulassung.

Drogerien gibt es als solche nicht mehr, nur noch Drogeriemärkte. Diese dürfen keine Medikamente verkaufen, aber Arzneiprodukte ohne Zulassung … und davon gibt es immer mehr.

 

Ö: Bestimmte Ärzte in Österreich dürfen dispensieren: meist in kleinen Gemeinden mit Vorschrift, dass die nächste Apotheke weiter weg ist als 4 km.

Versandhandel ist erlaubt für Apotheken, aber nur für OTC (ohne Rezept).

In den Drogerien sind die laut Abgrenzungsverordnung freiverkäuflichen Arzneimittel erhältlich.

Die beste Antiwerbung für DocMorris: Kundenbeiträge

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Am Sonntag hat DocMorris im grossen Stil und an alle (aktiven und auch ehemaligen) Kunden der Versandapotheke mails geschrieben um gegen das geplante Versandverbot von rezeptpflichtigen Medikamenten anzugehen. Merke: das Verbot betrifft nur rezeptpflichtiges – das Problem ist, dass das der einzige Weg zu sein scheint, mit dem gegen die Folgen des EuGH-Urteils angegangen werden kann. Das (irre) Urteil bevorteilt nämlich die ausländischen Versandapotheken, die nun Rabatte (auf alles) gewähren dürfen, während die Apotheke vor Ort weiterhin an die gesetzliche Preisbindung gebunden ist.

mailerdocmo

Klaro: man versucht die Leute heute beim Geldbeutel zu packen – dabei gibt es gute Gründe, die gegen Rabatte bei rezeptpflichtigem sprechen: sollte da wirklich ein Anreiz geschaffen werden, mehr (als nötig) zu bestellen? Und: da die Krankenkassen die Medikamente ja im Endeffekt bezahlen – stehen diese Rabatte dann nicht eigentlich der Kasse zu? Und die „Preisvorteile für alle“ betrifft ja nicht die Apotheke vor Ort selber, die darf nämlich keine Rabatte geben (und auch keine bekommen). Unfair.

Dabei haben die Versandapotheken vorher schon viele Vorteile gehabt: sie leisten ja keinen Nacht- und Notdienst, sie stellen keine Individualrezepturen her, sie versenden keine Betäubungsmittel für schwerstkranke Patienten – praktisch picken sie sich die „Rosinen“ heraus, während die Apotheken vor Ort einem Kontrahierungszwang unterliegen und das alles machen müssen. Diese Leistungen kosten Geld (Lohn und Miete und Einkauf und so weiter) und werden den Apotheken zwar verlangt, aber sehr schlecht vergütet (bis gar nicht). Wandert jetzt ein Teil der Patienten gelockt von den Rabatten zu den ausländischen Versandapotheken ab, werden (noch) mehr Apotheken unrentabel und müssen schliessen. Dagegen wehren sie sich natürlich.

DocMorris geht schon lange in die Offensive… die schiessen seit Monaten aus allen Rohren um mehr Kunden zu gewinnen: Flyer in den Kaufhäusern, Flyer in den Ärtepraxen, Fernsehwerbung … und jetzt offensichtlich noch mails an alle Kunden. Ja – da sieht man auch, wie die Patientendaten verwendet werden. Wenn man mal drin ist …

Aber die Beste Anti-Werbung für DocMorris findet sich auf der Facebook-Seite der Versandapotheke selber bei den Besucherbeiträgen:

Warum muss ich so lange auf Antwort warten! Ich versuche seit Tagen eine Lieferung zu reklamieren, .. Werbung läuft auf Hochtouren aber keiner kümmert sich um Reklamationen. Mails werden nicht beantwortet, Am Servicetelefon fliege ich nach 10 bis 20 Minuten aus der Warteschleife. Faxe kann ich nicht an Docmorris senden, immer eine Fehlermeldung. Egal welchen Versuch ich unternehme es ist mir nicht möglich Docmorris zu erreichen um meine Reklamation vorzubringen.

Super enttäuscht von der Erreichbarkeit des „Kundenservice“. Dauerwarteschlange in der Hotline. Mails werden erst nach Tage (wenn überhaupt) beantwortet. Da darf nichts dringendes dabei sein.

Erreichbarkeit: die Apotheke vor Ort ist täglich für Dich da. Dank Notdienst ist rund um die Uhr eine Apotheke erreichbar – auch für Fragen oder Reklamationen, wenn mal etwas nicht so geklappt haben sollte. Wer jetzt ausruft von wegen den weiten Wegen zur nächsten Apotheke auf dem Land (und den kurzen in der Stadt) sollte folgendes bedenken: Eine Apotheke ist nicht stattlich gesponsert. Sie muss sich selber erhalten / rentieren. Je mehr Kunden, desto besser ist das möglich. Ohne Kunden stirbt die Apotheke vor Ort … also auch, wenn die nur noch Online einkaufen.

Ganz schwach ! Vor 3 Tagen Bestellung aufgegeben, immer noch nichts erhalten. Also besser direkt zur Apotheke gehen, auch wenn es ein paar Euro mehr kostet.

Ich habe am Montag vormittags bestellt. Heute am Donnerstag ist die Ware immer noch nicht im Versand. Ich versteh ja, dass mal was schief läuft, aber eine Info wäre nett bzw. eine Antwort auf meine E-Mail-Rückfrage wäre nett gewesen… Bin etwas enttäuscht.

Manchmal frag ich mich, ob DocMorris überhaupt mitdenkt, ich habe bei meiner letzten Bestellung extra vermekrt, dass man eine Zustellung für samstag veranlasst, nichts ist passiert, Zustellung am Donnestag, ich nicht da und habe jetzt wieder die Ehre einen Umweg von über 5 km machen zu müssen, damit ich mir mein Päkchen auf der Post abholen kann. So stelle ich mir den Service nicht vor und ich werde mir wohl überlegen, ob ich da bei DocMorris bleibe oder zur Kongurenz gehe!

Nun, dies war meine erste Bestellung bei DocMorris. 2 Rezepte. Es ist jetzt 96 Stunden her, und ich habe erst die Medikamente des einen Rezeptes erhalten … Kein Hinweis auf den Verbleib der Medikamente des 2. Rezeptes. Keine Mail. Kein Anruf. Lediglich auf der DocMorris-Bestellseite wurden die nicht gelieferten Medikmente aus der Bestell-Historie heraus gelöscht! OK. Also, beim Kundenservice angerufen. Nach ca. 2 Minuten war ein freundlicher Mitarbeiter am Telefon, der mir erklärte, dass die größte Versandapotheke Europas meine Medikamente nicht liefern kann. Donnerwetter, das hätte ich nicht erwartet. Täte ihnen leid, aber ihr Lieferant könne die Medikamente nicht besorgen. Sie würden also das 2. Rezept an mich zurückschicken. – Das ist der Anfang vom Ende. Ich kaufe wieder bei meiner örtlichern Apotheke um die Ecke! Sorry DocMorris, von Europas – angeblich – größter Versandapotheke hatte ich mehr erwartet!

habe Montag den 6. Februar eine Bestellung online gemacht. Bis jetzt noch nichts gehört vom Versand. Sind wichtige benötigte Tropfen dabei. Wann bekomme ich meine Ware??????

Habe heute bei DocMorris angerufen, weil sie ja Lieferschwierigkeiten haben.
Habe nach gefragt ob ich bei DocMorris ASS 100 bestellen kann und ob die Tabletten da sind. Die Dame am Telefon sagte das ASS 100 nicht da wären und sie nicht liefern kann.
Dann gehe ich doch gleich in eine Ortsansässige Apotheke und hole es da auch wenn man manche Medikamente nicht da hat, in 2 bis 3 Stunden sind die aus der Zentral Apotheke da. Ich frage mich warum macht DocMorris noch so Reklame !!!

Lieferfähigkeit – die Apotheke vor Ort kann mehrmals täglich Medikamente bestellen. Im Normalfall sind sie nach einem halben Arbeitstag da. Die Apotheke vor Ort bemüht sich auch bei Lieferengpässen engagiert und selbständig um Ersatz. Ganz viele Apotheken bieten auch an, nicht vorrätige Medikamente oder bei Mobilitätsproblemen nach Hause zu bringen. Kostenlos.

DocMorris ist (war?) eigentlich eine tolle Sache! Nur leider sind seit kurzem für manche ganz wichtige Hilfsmittel (z.B. Insulinspritzen) auf Rezept „vorrübergehend nicht verfügbar“, heißt auf Rezept gar nicht mehr erhältlich!! Weiß nicht, wie oft ich schon nachgefragt habe, ob es dazu mal eine konkretere verlässlichere Meinung bei docmorris gibt. Wenn man nur noch bestimmte Sachen bekommt, kann man auch gleich zur Apotheke vor Ort gehen.

Das ist Kühlware … wie garantiert da die Post die ununterbrochene Kühlkette?, Aber ich habe schon geschrieben, dass sowieso nicht alles rezeptpflichtiges bei der Versandapotheke bestellbar ist? Betäubungsmittel (starke Schmerzmittel etc.). Also ist so eine Versandapotheke keine Hilfe für Palliative Patienten – da ist nichts mit „einfach nach Hause schicken“.

Bekannter hat bei euch Talcid bestellt. Da er Probleme mit der schilddrüse hat nimmt er Schilddrüsentabletten ein. Leider hat ihm das keiner gesagt, dass er 2 Stunden abstand nehmen soll zu den tabletten. Jetzt hat er dadurch einige Probleme .. Nicht so super!

Beratung: geht immer noch am besten im direkten Patientenkontakt. Interessanterweise hat die Versandapotheke in Deutschland eigentlich hier noch einen Vorteil: da sie alle Patientendaten und eingekaufte Medikamente speichern darf können sie so Wechselwirkungen eigentlich sehen. Dagegen darf die Apotheke vor Ort das nur mit ausdrücklicher Genehmigung speichern – zum Beispiel in Zusammenhang mit einer Kundenkarte. Aber anscheinend heisst „können“ auch hier nicht machen.

Bildquelle: mailing DocMorris.

Die Deutschen Apotheken brauchen Deine Hilfe!

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Die Deutschen Apotheken brauchen Deine Hilfe!

gesundheitssystemingefahr

Ja, Deine. Auch wenn Du vielleicht im Moment ausser bei der gelegentlichen Erkältung sonst nicht viel mit der Apotheke zu tun hast. Irgendwann kommt der Moment, wo Du, oder Dein Kind oder deine Eltern notfallmässig Medikamente brauchen. Der Moment, wo es wichtig ist, dass die Apotheke den Patienten persönlich kennt, weil nur so die Beratung auch ankommt, nur so kontrolliert werden kann, ob das Medikament wirklich passt und Veränderungen bei chronischen Krankheiten erkannt werden können. Oder der Moment, wo die Apotheke ein Medikament, das so nicht im Handel ist, selber herstellt und abgibt (Kinderdosierungen zum Beispiel). Und dann kann die Apotheke für Dich da sein.

Damit das auch weiterhin so bleibt: Geh‘ in die Apotheke und unterschreib die Petition.

„Wir wollen ein starkes Signal an die Politik senden und zeigen, dass der Wunsch nach dem Erhalt unserer guten Versorgungsstruktur in der Bevölkerung groß ist. Ich bitte alle Apothekenkunden und Patienten, für die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland zu unterschreiben“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Das ist wichtig für die Apotheken, dass sie dafür mit ihren Patienten ins Gespräch kommen und die Konsequenzen des EuGH-Urteils vom 19. Oktober erklären. Und es ist wichtig zu erläutern, warum wir ein Gesetz brauchen, das den Versandhandel wie in den meisten anderen europäischen Ländern auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente begrenzt.“ (Quelle: ABDA)

Mehr lesen über Arzneimittelpreise und das EuGh Urteil auf der Seite der deutschen Apothekervereinigung.

eughvergleich

Zur Zeit sammeln wir und viele andere deutsche Apotheken Unterschriften gegen ein Urteil, dass der Europäische Gerichtshof im Oktober gefällt hat. Durch dieses Urteil wird ausländischen Versandapotheken erlaubt sich beim Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln über deutschen Recht hinwegzusetzen, an das wir als Ihre Apotheke vor Ort weiter gebunden ist. Das ist so, als ob der Europäische Gerichtshof entscheiden würde, dass ausländische Paketdienste sich in Deutschland nicht an die deutsche Geschwindigkeitsbegrenzung halten müssen. Dadurch entsteht ein Wettbewerbsnachteil, den wir nicht hinnehmen wollen. Die Lösung kann nicht sein, nun für alle die „Geschwindigkeitsbegrenzung“ aufzuheben. Die bestehenden Gesetze und die Arzneimittelpreisverordnung dienen dem Schutz der wohnortnahen Versorgung und das rund um die Uhr auch im Nachtdienst – Genauso wie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf bestimmten Strassen dem Schutz der Verkehrsteilnehmer dient.
Unterstützen Sie die Aktion durch Ihre Unterschrift bei Ihrem nächsten Besuch in der Apotheke!
(Quelle: Bären Apotheke Erkrath)

Bitte.

das Discounter-Gesundheitssystem?

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Danke an die Einsender, die mich auf diesen Artikel aufmerksam gemacht haben. Auch wenn das sensationell aufgemacht ist, der Artikel der Migros selber ist da realistischer. Es geht darum, dass die Migros und die Zur Rose kooperieren und nächstes Jahr zusammen (erst mal eine?) Apotheke in einem Kaufhaus in Bern integrieren. Auch wenn das jetzt aufgebauscht wird und manche schon wieder jubeln, dass dann die bösen hohen Apotheken-Preise fallen … die Zur Rose ist nicht der Retter der Patienten. Tatsächlich ist die bei mir ziemlich unten durch – um Gewinn zu machen operieren sie häufig an der Grenze zur Illegalität … und teils darüber hinaus, einfach um Tatsachen zu schaffen und auch zu sehen, wie weit sie gehen können.

Die Zur Rose Apotheke wurde 1993 von Ärzten als Ärztegrossist für die selbstdispensierenden Ärzte gegründet und beliefert seit 2001 als Versandapotheke auch Privatpatienten, obwohl der Versand von Medikamenten in der Schweiz laut Heilmittelgesetz eigentlich grundsätzlich verboten ist … oder anders gesagt: nur mit sehr definierten Ausnahmen erlaubt. 2004 expandierte sie nach Deutschland, inzwischen operieren sie nach der Übernahme der holländischen Versandapotheke DocMorris europaweit. Sie ist in den Jahren schon mehrfach negativ aufgefallen– vor allem den Apotheken.

Die Zur Rose belieferte nicht nur Ärzte in Kantonen, wo die Selbstdispensation erlaubt ist (also wo die Ärzte selber Medikamente verkaufen, eine Ausnahme die die Schweiz hat), sondern hat mit einigen Ärzten sonst Kooperationen und Verträge geschlossen, nach denen diese Ärzte, die der zur Rose Versandapotheke Patienten und Rezepte zuschleusen direkt vom so erzielten Umsatz profitieren. Riecht nach Korruption – und diese Praxis wurde vom Bundesgericht schliesslich verboten, da damit praktisch das Selbstdispensationsverbot ausgehebelt wurde und auch die freie Wahl des Leistungserbringers (in dem Fall der Apotheke) eingeschränkt wurde.

Ebenso verboten wurde der Zur Rose der Versand von nicht-rezeptpflichtigen Medikamenten, wenn nicht schon ein Rezept dafür ausgestellt wurde. Das Bundesgericht sagt hier deutlich: ein ärztliches Rezept braucht vorher direkten Kontakt zwischen Patient und Arzt. Die von der zur Rose praktizierte Ferndiagnose, die erst nach Eingang der Bestellung erfolgte (mittels online-Formular) stellt einen Verstoss gegen die ärztliche Sorgfaltspflicht dar. So ist das hierzulande … aber es gibt ja noch das Ausland.

Im Ausland ist die Zur Rose ebenfalls als Versandapotheke tätig. Nach der Expansion nach Deutschland haben sie 2012 die DocMorris Versandapotheke mit Sitz in den Niederlanden für 25 Millionen Euro gekauft. Dieses Jahr haben sie es (mit wer weiss welchen Methoden) durchgebracht, dass der Europäische Gerichtshof ihnen erlaubt hat für Deutsche Patienten Rabatte (und geldwerte Anreize) auch auf den Bezug rezeptpflichtiger Medikamente anzubieten – wohingegen deutsche Apotheken das vom Gesetz her nicht dürfen (!). Man will ja eigentlich nicht Anreize schaffen, dass die Patienten unnötig / vermehrt Medikamente bestellen. Die Begründung für dieses Skandalurteil, das die deutschen Vor-Ort Apotheken benachteiligt und (wenn keine Lösung gefunden wird) zu einem Apothekensterben führen wird, ist mehr als zynisch: Angeblich besitzen die Vor-Ort Apotheken ja den diskriminierenden Vorteil, dass sie im Gegensatz zur Versandapotheke beraten können … das sollte reichen, das auszugleichen.

Die Migros – einer der beiden grossen Kauflädenketten in der Schweiz vor allem für Lebensmittel – versucht seit Jahren in das „Geschäft“ mit den Medikamenten einzusteigen. Ihre bisherigen Vorstösse gingen vor allem in die Richtung Medikamente und Arzneimittel ins eigene Sortiment aufzunehmen. Zum Glück sieht bei uns auch die Politik ein, dass Zustände wie in Amerika – wo es alles, was nicht rezeptpflichtig ist im Supermarkt gibt – nicht gerade der Gesundheit zuträglich sind. Ein Aspirin oder ein Paracetamol mag ja harmlos scheinen … aber ist es nicht! Die Verkäuferin kann (mangels Wissen) auch weder Wechselwirkungen abklären noch ob es überhaupt das richtige Medikament ist. Die Migros als Rezeptsammelstelle zu etablieren (auch durch die Zur Rose Apotheke) hat sich nicht so bewährt – Nun nimmt sich die Migros also Coop zum Vorbild und will die Apotheken in ihre Läden integrieren. Coop hat das System mit Coop Vitality schon länger. Ihr Vertragspartner ist dabei die Galenika Gruppe, ein Medikamenten-Grosshändler, der ausserdem noch die Amavita Apotheken betreibt und vor ein paar Jahren auch noch die Sunstore-Apotheken-Kette aufgekauft hat. Das ist also nichts wahnsinnig neues.

Dass da manche Krankenkassen schon Jubeln von wegen Sparen an den Medikamenten, sollte den Patienten vielleicht auch in dem Sinn zu denken geben: da werden manche Krankenkassen das als Anlass nehmen, exklusive Verträge mit diesen Discount-Apotheken abschliessen … und die Patienten dann zwingen (Versicherungsmodell) dort ihre Medikamente zu holen, oder es halt in der Apotheke bezahlen zu müssen. Analoges gibt es schon in der Kombination Assura Krankenkasse und Sunstore-Apotheken.

Von daher bin ich … mässig beunruhigt. Natürlich freut mich die Konkurrenz gar nicht, vor allem in dieser Kombination: Kaufhaus-Versandapotheke (beide mit hauptsächlich Blick auf kaufmännische Werte anstatt der gesundheitlichen oder sozialen). Eine Apotheke ist heute keine Geldgrube mehr, wie manche denken. Auch nicht in schon bestehenden Läden an gut frequentierten Stellen (denn auf dem Land wird man die sicher nicht finden). Aber da hinter der Kooperation viel Geld steckt, werden sie die Auflagen wohl erfüllen können … denn … es ist nicht so einfach eine Apotheke aufzumachen. Da gibt es eine Menge Auflagen und Gesetze, die erfüllt werden müssen. Da reicht es nicht, einfach eine Ecke im Kaufhaus dafür bereitzustellen. Es gibt bauliche Vorschriften, man braucht ein QMS System, womit unter anderem die korrekte Lagerhaltung kontrolliert wird, man muss am Notdienstturnus teilnehmen, es braucht qualifizierte Angestellte – namentlich Apotheker rund um die Uhr … und ich (persönlich) würde nicht für die arbeiten wollen.

Fabian Vaucher, der Präsident des schweizerischen Apothekerverbandes nimmt das auch sehr gelassen. Er vertraut darauf, dass unsere hochwertige Arbeit als Service-Dienstleister in der Öffentlichkeit die Geiz-ist-Geil-Mentalität schlägt.

Aber es zeigt (einmal mehr), wie sehr das Gesundheitssystem im Umbruch ist.

Passend dazu höre ich von Urs, dass unter den Drogisten fast Krieg ausgebrochen ist, als bekannt wurde, dass der Drogistenverband die Drogerie-Kette Müller in den Verband aufnimmt. Die ursprünglich aus Deutschland stammende Drogerie-Kette (die übrigens Partner der zur Rose Apotheke ist!) ist bekannt dafür, dass sie auf Fachpersonal (in dem Fall: Drogisten) weitmöglichst verzichtet und mit günstigen Verkäufern und geeignetem Einkaufsverhalten (die Masse macht’s und hier auch noch via Einkauf in Deutschland) als Discounter ihren Umsatz generiert. Unter den Voraussetzungen wollen viele Drogisten Drogerie Müller nicht als Mitglied des Drogistenverbandes sehen – auch wenn so (einiges) Geld durch Mitgliederbeiträge herein kommt.

Ich sollte hier für die deutschen Leser erklären, dass man in der Schweiz unter einer Drogerie ein von (ausgebildeten) Drogisten geführtes Fachgeschäft für Gesundheit und Schönheit versteht, das Wert auf eine fachkundige Beratung legt. Es gibt viele Heilmittel in Drogerien zu kaufen, nicht nur Produkte für die Schönheit. An vielen Orten kooperieren Drogerien und Apotheken heute deshalb – das Sortiment ergänzt sich – und das meist problemlos. Nun … wenigstens scheint bei uns das mit den Rezept-Pick-Up-Stellen, wo die Drogerikette dm in Deutschland mit der Zur Rose kooperiert  nicht mehr zu kommen.

Aber: die Discounter drängen ins Gesundheitssystem. Von allen Seiten.

Manche Wirtschaftler und diejenigen, die nur aufs Geld-sparen sehen freut das vielleicht. Ich finde das sehr kurzsichtig gedacht. Mir gefällt das gar nicht.

Er hat’s tatsächlich getan.

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Er hat’s wirklich getan. So ganz ist es noch nicht angekommen, dabei war seine Frau gerade hier, unter anderem um uns das mitzuteilen.

„Er“ ist ein Kunde von uns. Oder besser: war. Er hat sich umgebracht. Das war angekündet … das nur für diejenigen, die sagen, dass Leute, die das ankünden ja sowieso nicht durchziehen.

Herr Tempusi (Name wie immer geändert) war Stammkunde bei uns, wir haben uns viele Male unterhalten, weshalb ich neben seiner Medikation noch einiges von seinem Leben mitbekommen habe. Er war um die 60 Jahre … und Auslöser für seinen Selbstmord war nicht eine eigene Krankheit, sondern der Tod seiner (sehr betagten) Mutter, die sein ein und alles war und um die er sich bis zu ihrem Tod vor ein paar Wochen gekümmert hat. Schon vorher hat er bei uns in der Apotheke gelegentlich Ballast abgeladen und unter anderm eben auch diese Aussage gemacht: „Wenn meine Mama nicht mehr lebt, dann will ich auch nicht mehr. Ich glaube, dann bringe ich mich um.“

Er hat es uns gemeldet als sie gestorben ist … und wir haben ihn so gut wir konnten zu trösten versucht, aber er war sehr niedergeschlagen.

Heute nun ist seine Frau hier – die ich ehrlich gesagt noch nicht häufig gesehen habe. Das hat mehrere Gründe. Zum einen die, dass er sich auch um die Medikation seiner Frau gekümmert hat. Die ist einiges jünger und er „hat“ sie von … irgendwo aus dem Ausland. Herr Tempusi war einer jener Schweizer, die irgendwie mit den Frauen in der Schweiz und vielleicht sogar Europa beziehungsmässig nie zurechtkommen und nichts passendes gefunden hat. Deshalb hat er sein Glück bei einer Frau aus dem (ferneren) Ausland gesucht. Wirklich gefunden hat er es allerdings nicht. Die Frau, die zu sich hierher geholt und geheiratet hat, stellte sich als … widerspenstiger und schwieriger heraus, als die durchschnittliche schweizer Frau (behaupte ich jetzt mal). Sie kann inzwischen leidlich deutsch und findet sich eigentlich gut zurecht, auch wenn sie nicht arbeitet. Trotzdem verlangte sie weiter von ihm, dass er alles für sie organisiert. Dabei ging sie ausgesprochen herablassend mit ihm um – das habe ich hier in der Apotheke schon selber gesehen, wenn sie dann mal mitkam, weil er etwas nicht zu ihrer Zufriedenheit regeln konnt. Da konnte er ihr gar nichts recht machen. Faktisch stand sie nur daneben und reklamierte. Auf französisch. Und er durfte das dann für uns übersetzen und für sie reden und alles organisieren etc.

Dazu möchte ich anmerken: Ich kann französisch. Ich rede es nicht sehr gut, aber ich verstehe es. Sie kann deutsch, auch nicht sehr gut, aber eine Verständigung ist so auch ohne Dolmetscher möglich. Auch wenn ich hier sagen muss, dass der „Dolmetscher“ vielleicht deshalb nötig war, die ganzen Schimpfwörter dazwischen herauszufiltern. Nicht nur über unsere „Unfähigkeit“ und „miserablen Service“, sondern auch den abschätzigen Umgangston, den sie allgemein drauf hatte. Vor allem mit ihm. Für sie waren wir nur Dienstpersonal und er … wohl auch. Das Problem damals hatte mit der Übernahme eines Mittels durch die Krankenkasse zu tun. Als „Life-Style-Medikament“ zahlen sie das nicht und man muss das selber übernehmen. Sie war der Meinug, das Problem sei, dass er ihre Position nicht genügend forsch vertrat. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis sie der Pharmaassistentin und mir endlich glaubte … oder besser soweit war, dass sie das selber mit der Krankenkasse ausdiskutieren würde. (Oder eher er.)

Ein paar Mal, als er alleine kam, hat er erzählt, wie sie ihn zu Hause geschlagen hat, weshalb er direkt Angst vor ihr hatte. Dass wir das melden, wollte er aber auch auf keinen Fall. Wenn er vergessen hat Geld zu ihren Verwandten nach Hause zu schicken, dann kam es vor, dass sie als Strafe einige Tage auswärts übernachtete.

Ich hätte auch versucht da rauszukommen – also fortlaufen, nicht der Abgang, den er gemacht hat. Er konnte nicht. Nicht nur, weil sie von ihm finanziell abhängig war (und im Fall einer Trennung ändert das wenig). Wegen seiner Mutter, um die er sich kümmerte. Und als sie weg war … ja 😦

Ich denke, es gibt immer einen anderen Weg. Obwohl wir mit ihm geredet haben … es ist uns nicht gelungen, ihm den aufzuzeigen, mehr Hilfe anzubieten (auch professionelle), die er auch hätte annehmen können. Das muss ich jetzt auch erst mal verdauen.

Nun steht die Frau jedenfalls in der Apotheke und ist … dezent unglücklich. Vielleicht ist das nur mein Eindruck, aber vor allem darüber, dass sie jetzt selber für sich sorgen muss. Normalerweise versuche ich Angehörige zu trösten wie ich kann … allein, bei ihr habe ich jetzt wirklich Mühe die Empathie aufzubringen. (Nicht schön, ich weiss, darauf bin ich auch alles andere als stolz).

Sie braucht aber etwas aus der Apotheke– deshalb ist sie hier. Nachdem ich ihr ein Medikament auf einem bereits abgelaufenem Dauer-Rezept wiederholt habe, damit sie Zeit hat ein neues zu besorgen und einen Termin mit dem Arzt zu machen, hält sie mir ein Formular der Versandapotheke „zur Rose“ unter die Nase und fragt mich, ob ich ihr damit helfen könne, sie wisse nicht wie das geht, ihr Mann habe ja immer alles gemacht.

(!)

Da war dann auch fertig mit meiner Hilfsbereitschaft: Wenn sie etwas aus der Apotheke hier braucht, dann helfe ich ihr gerne. Wenn sie das via Versandapotheke beziehen will, dann darf sie gerne auf die angegebene Telefonnummer dort anrufen. Ich bin sicher, die können auch französisch.

Sie geht und ich geh mich setzen und den Schock verdauen.

hicetnunc

 

Online Apotheken beliefern gefälschte Rezepte

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Dass in Deutschland für Online-Apotheken offenbar andere Gesetze gelten als die Vor-Ort Apotheken merkt man noch relativ schnell – und ich spreche hier nicht einmal von denen, die sich ausserhalb der Landesgrenzen befinden, oder denen, die ihre Produkte aus Asien schicken (häufig gefälschte Medikamente).

Während auch wir hier bei Medikamenten, die abhängig machen oder bei falscher Anwendung unangenehme bis gefährliche Nebenwirkungen haben können (wie Nasenspray oder Schmerzmittel) nur jeweils eine oder zwei Packungen für die Person abgeben, darf man das in den Online Apotheken offensichtlich in 10er Grosspackungen bestellen.

Während wir Notdienst anbieten müssen, Rezepturen herstellen und jederzeit für Fragen um die Medikamente da sind, haben Online Apotheken Geschäfts-Öffnungszeiten, es ist okay, wenn es ein paar Tage dauert, bis es kommt – und Rezepturen machen sie auch nicht. Beratung findet nur statt, wenn der Patient selber aktiv wird uns (von 9-12 und 14-17 Uhr oder so) anruft.

Während bei uns vorgeschrieben ist, dass beim Rezept abgeklärt wird, ob es nicht gefälscht ist: Der richtige Patient, der richtige Verschreiber und das richtige Medikament … scheint auch das bei Online Apotheken nicht so zu sein: Testbericht.de hat 10 online Apotheken getestet, indem sie mit Rezeptvordrucken, Stempel von falschen (nicht vorhandenen)  Ärzten rezeptpflichtige Medikamente bestellt hat. Nachzulesen hier: https://www.testbericht.de/publikationen/10-online-apotheken.html.

Die Ergebnisse finde ich verheerend: 8 von den 10 Apotheken (willkürlich ausgewählt, darunter auch so bekannte wie docmorris, pharmeo, medpex) haben die Rezepte anstandslos beliefert.

Bestellt wurden Medikamente wie Viagra, Dolomagon, Deltaran, Losartan, Lorazepam, Vigil, Modafinil, Fluoxetin, Gabapentin und Hydrocortison. Alles aus gutem Grund rezeptpflichtige Medikamente, viele davon missbrauchgefährdet.

Bei 3 Online Apotheken konnte mit dem erfundenen Kundennamen auch auf Rechnung bestellt werden.

Nur 2 Online Apotheken haben die Testperson nicht beliefert: vitalix24 und apomagic. Diese beiden haben sich offenbar die Mühe gemacht nachzuschauen, ob es die Ärzte überhaupt gibt.

Wie kann so etwas sein?

Es handelte sich hier um Privatrezepte, für die keine Formvorschriften gelten wie für die Kassenrezepte. Das wären bei uns in der Schweiz übrigens so ziemlich alle Rezepte: ausser bei den Betäubungsmittelrezepten gibt es auch bei uns keine „offiziellen“ Rezeptformulare, wodurch wir alles sehen: A5, A4, Fresszettel, handgeschrieben, Computerausdrucke, gemischte …. Die normale Apotheke in Deutschland kann schon Probleme bekommen, wenn schon nur die Telefonnummer des Arztes nicht auf dem Rezept ist und muss erkennen können, dass es sich vielleicht um eine Fälschung handelt – vor allem bei den Rezepten, die den Krankenkassen eingeschickt werden, aber theoretisch auch sonst. Und hier reden sich die Online Apotheken heraus mit ebenden fehlenden Vorschriften bei Privatrezepten. Es sei nicht möglich alle auf ihre Herkunft zu prüfen. Man habe auch keine zentrale Datenbank aller verschreibungsberechtigten Personen (weder von Deutschland, noch der EU – deren Rezepte in Deutschland ja auch gelten müssen) und die Prüfplicht ende ja nicht bei den Pharmazeuten sondern bei den Kostenträgern (Und wenn das nicht der Krankenkasse eingeschickt wird, sondern selber bezahlt macht das denen ja nichts?).

Einige weisen darauf hin, dass es deshalb entweder Formular-Vorschriften auch für Privatrezepte brauche … oder nur noch die elektronische Verschreibung. Damit bin ich nicht ganz einverstanden.

Am besten gefiel mir die Antwort von apomagic (eine der 20%, die das Rezept nicht beliefert haben):

Versuche, mitttels gefälschter Rezepte verschreibungspflichtige Arzneimittel, auch Psychopharmaka oder Schlafmittel zu bestellen, sind leider nicht selten. Leider ist nicht auszuschließen, dass einzelne Versandapotheken hier nachlässig arbeiten. Dabei mögen sich widersprechende Interessen eine Rolle spielen. Der Gesetzgeber muss überlegen, ob ein Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel in dieser Form gewollt und sinnvoll ist.

In der Schweiz wird der Medikamentenversand übrigens so eingeschränkt, dass auch für rezeptfreie Medikamente ein Rezept vonnöten ist. Und seit neuerem darf das auch nicht ein Arzt (zum Beispiel in der Versandapotheke selber) nach Ausfüllen eines einfachen Fragebogens im Internet ausstellen – er muss zuvor direkten Kontakt mit dem Patienten gehabt haben. Rezeptkopien dürfen Versandapotheken auch nicht annehmen – und ausländische Rezepte sind in der Schweiz nicht gültig.

 

Wie praktisch!

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Ich kann mir schon vorstellen, wie das gegangen ist: „Ah, Herr …, und  Ihre Medikamente lassen wir grad wieder zu Ihnen nach Hause kommen, wie auch schon. Ist das nicht praktisch?“

zurrose

Das sind 5 volle, ungeöffnete und knapp vor dem Ablaufdatum retournierte Packungen Metfin zu je 120 Tabletten. Wortlos gebracht von einem Mann – dem Patienten? Die Dosierungsetiketten zeigen, dass die Medikamente von der Versandapotheke „zur Rose“  abgegeben wurden. Sie wurden von uns unkenntlich gemacht, bevor wir die entsorgen gehen, um das Patientengeheimnis zu wahren.

Klar – das ist Metformin und deshalb nicht ein sehr teures Medikament, aber mir tut so was weh zu sehen (was für eine Verschwendung!!)  und wir haben schon viele Medikamente so zurücknehmen „dürfen“, auch wirklich teures: Seroquel, Fragmin, Xarelto …

Eines der Argumente für die Abgabe von Medikamenten beim Arzt (und Dank dem Etikett weiss ich, dass der Versand von einem Arzt initiert wurde) ist dass dann besser kontrolliert werden kann, ob etwas wirklich genommen wird. Nun – hier sieht man deutlich, dass „abgegeben“ nicht gleich „genommen“ ist. Ich habe dergleichen auch schon bei Medikamenten vom selbstdispensierenden Arzt gesehen.

Und nicht genommene Medikamente kommen das Gesundheitssystem teuer zu stehen. Nicht nur, dass dafür bezahlt wurde – so hatten sie natürlich auch keinerlei Wirkung … und schicken den Arzt dann gelegentlich auf wahre Odyseen auf der Suche nach etwas, das funktioniert.

Inzwischen habe ich ein „Update“ bekommen von Mister Em, auch Apotheker in der Schweiz. Er schickte mir dieses Bild

Retoure-SD-Arzt

und schreibt dazu:

Hier noch ein Bild passend zu deinem Bericht. Es handelt sich um eine Retoure einer Dame, deren Mutter verstorben ist. Sie hatte sich schon länger Sorgen gemacht, weil es ihrer Mutter mit Diabetes usw. immer schlechter ging. Darauf hat sie beim Arzt nachgefragt und bekam nur zu Antwort alles ok, kurz darauf ist die Mutter aufgrund Hyperglykämie ins Spital gekommen und verstorben. Die Packungen sind alle unangetastet und teilweise mit gleichen Chargennummern. Es handelt sich sicher um einen 2 Jahresvorrat! Da fand offensichtlich keinerlei Kontrolle statt, sondern es wurde lediglich fleissig verkauft. Hätte die Mutter ein Rezept bekommen, hätten wir es bemerkt, dass die Bezüge nicht passen, oder sie hätte das Rezept gar nicht eingelöst, dann hätte es „wenigstens“ auch nichts gekostet.

Das sind Medikamente im Wert von etwa 900 Franken. Das mit den gleichen Chargennummern deutet darauf hin, dass sie entweder zeitlich in engen Rahmen bezogen wurden oder dass der Arzt nicht einen grossen Lagerumschlag hat und nur die eine Patientin (wobei das bei den Antidiabetika, Blutdruckmitteln und Blutverdünner nicht zu erwarten ist). Und dass die Frau dann mit entgleistem Diabetes ins Spital gekommen ist und dort gestorben ist – das ist tragisch.

Übrigens merkt Mister Em an:

Wir geben mittlerweile übrigens die 3 Franken, die wir für die Entsorgung bezahlen an die Patienten weiter, vor allem wenn die Medikamente überhaupt nicht über uns bezogen wurden.

Finde ich ok.

Lückenbüsser für den Postversand?

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„Meine Medikamente, die ich sonst per Post bekomme, sind nicht angekommen, wie sie sollten. Mein Arzt hat gesagt, ich kann einfach in der Apotheke eine Packung holen gehen.“

… Ja. Und ganz so einfach ist es dann auch nicht. Dann darf man das Rezept dafür besorgen und die Krankenkasse in Erfahrung bringen und das alles natürlich möglichst in kurzer Zeit, weil er die Medikamente jetzt gleich braucht  … sonst wäre er ja nicht bei uns!