Was kannst Du als Apotheker/in erwarten?

Bald schliesst eine neue Generation Apotheker ihr Studium ab (gratuliere Euch!), aber andere sind noch nicht so weit und überlegen sich vielleicht noch, ob das etwas für sie ist. In dem Zusammenhang höre ich häufiger diese Fragen:

Würdest Du wieder Apothekerin werden? Oder: magst Du Deinen Beruf?

Für mich hier und jetzt kann ich beide Fragen mit „Ja“ beantworten. Ich würde zwar nicht noch einmal das ganze Studium und die Ausbildung durchlaufen wollen – einerseits, weil das enorm anstrengend war, andererseits, weil ich nicht gern etwas doppelt mache. Aber für die Schweiz ist Apothekerin (immer noch) ein sehr attraktiver Beruf, der Verantwortung und Ansehen mit sich bringt.

Ich bin dankbar, dass uns hier nicht derart Steine in den Weg gelegt werden wie den Apothekern in Deutschland, die politisch faktisch zu Handlagern und Angestellten der Krankenkassen gemacht werden und denen immer mehr Verantwortung weggenommen wird … dabei könnten sie das genau so wie wir hier auch: Patienten beraten und betreuen. Die richtige Medikation (selber) aussuchen. Wir stehen wirklich noch im Patientenkontakt und sind nicht reine Dispensierer und Tablettenabzähler und Krankenkassen-Kontrolleure wie die Apotheker in den USA, die praktisch nur noch auf Verlangen nach vorne kommen um den Patienten zu beraten.

Natürlich gibt es auch hier immer mehr Bürokratie und immer mehr Dokumentation – aber uns lässt man die Patienten richtig anschauen und danach handeln (ob etwas selbst behandelt werden kann, oder zum Arzt muss), uns lässt man noch die Generika selber auswählen (nicht nur nach finanziellen Aspekten, sondern auch nach pharmakologischen!), wir tragen die Verantwortung und dürfen dem Patienten Vorbezüge machen (wenn der Patient das Rezept vom Arzt nachliefert). Wir dürfen Wiederholungen auf bestehende Rezepte machen und sogar ausnahmsweise einzelne rezeptpflichtigen Medikamenten ohne Rezept abgeben.

Was kannst Du erwarten, wenn Du Apothekerin wird?

  1. Erwarte keine traditionellen Arbeitszeiten. Wer eine Karriere in der Offizin-Apotheke verfolgt, versteht, dass auch der Apotheker (und die Apothekerin) als medizinische Fachperson und Angestellte im Gesundheitssystem im Normalfall keine 8 bis 5 Uhr Schichten zu erwarten hat. Durchgehende Arbeitszeiten ohne „offizielle“ Mitagspausen. Morgen – oder Abendschichten, teils verlängerte Öffnungszeiten, Samstagsarbeit und nicht zu vergessen Notfalldienste. Das geht im Normalfall gut, wenn man die Arbeitspläne möglichst lange vorher bekannt sind … dann kann man auch damit noch gut ein Sozialleben und sogar eine Familie haben.
  2. Erwarte, dass Du nie aufhörst zu lernen. Nach dem Studium ist nicht einfach fertig damit. Es kommen neue Wirkstoffe und Medikamente auf den Markt, altbekanntes wird aufgrund neuerer Erkenntnisse zurückgezogen (Erinnert sich noch jemand an Vioxx?), Vorschriften und Richtlinien ändern sich (früher waren die meisten Frauen in der Menopause auf Hormonpräparaten) und wenn man da nicht fast ständig am Ball bleibt, merkt man bald, wie sich das Unwissen akkumuliert. Irgendwann wird das peinlich und noch später gefährlich.
  3. Erwarte Änderungen im Gesundheitssystem – es bleibt nichts, wie es ist. Neben den neuen Erkenntnissen auf medizinischem Feld, ändert sich auch das des Systems. Früher musste man alles in der Apotheke zahlen und dann selber der Krankenkasse einschicken, heute ist das eher die Ausnahme. Dafür muss aber die Versicherungsdeckung praktisch zeitgleich überprüft werden. Früher gab es kaum Generika – heute immer weniger Originalpräparate. Und es gibt Vorschriften, wann man die zu empfehlen und abzugeben hat. Neue Vorschriften und Limitationen betreffend Medikamente – und deren Übernahme durch die Krankenkassen. Die Dokumentation wird wichtiger als die Herstellung. Jetzt kommen langsam die Elektronischen Rezepte und irgendwann kommt auch die Gesundheitskarte mit zentral gespeicherter Patienteninformation.
  4. Du musst nicht in die Apotheke stehen. Mit dem Pharmazie-Studium kannst Du auch andere Nischen finden. Es gibt Spitalapotheker, Apotheker in der Pharmaindustrie in Forschung und Herstellung und Apotheker in der Registrierung: wo die Medikamente und ihre Studien von den Behörden getestet und zugelassen werden.

Für die Zukunft hier … ich bin gespannt. Ich erwarte, dass die Arbeit des Apothekers auch weiterhin als wichtig angesehen wird und als zunehmend wichtige Stütze in unserem Gesundheitssystem (ich sag nur mal: Ärztemangel). Ich hoffe, dass wir mehr eingebunden werden in die Patientenbetreuung (zum Beispiel Einstellung und Kontrolle chronischer Beschwerden wie zum Beispiel des Blutdrucks) und dass wir in Zukunft auch selber impfen dürfen.

Dieser Beitrag wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung (aber ohne Beeinflussung) von Pharmapro. Der Ort für jetzige und zukünftige Apotheker und wo sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer finden:

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11 Antworten auf „Was kannst Du als Apotheker/in erwarten?

  1. Keine Kritik an deinem Sponsor, aber eine kleine Auffälligkeit:

    Irgendwie verlost derzeit jeder, auch in D, der sich an akademische Kreise wendet, so ein iPad mini. Will Apple die unbedingt loswerden, oder ist da in China ein Lastwagen umgefallen?

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    1. Vermutlich nicht, aber es noch mit eine der günstigsten Varianten neue „Kunden“ zu gewinnen und mehr Aktivität auf der eigenen Seite zu fabrizieren.

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  2. Huhu,
    Gut geschrieben :)

    Ich stehe grade zu Beginn meines Pharmazie-Studiums (2. Semester) in Deutschland & kann sagen dass wir teilweise mächtig verunsichert sind, von all den fertigen pharmazeuten die es bereuen das studiert zu haben, Apothekern die das nicht noch einmal tun würden und generell den Veränderungen im Gesundheitswesen ….
    Einerseits werden in den nächsten Jahren immer mehr Apotheken aus alters- oder wirtschaftlichen Gründen schließen, andrerseits werden einem in der Offizin immer mehr Steine in den weg gelegt :/

    Die Auswirkungen sind klar: kaum einer meiner Kommilitonen (mich eingeschlossen) hat noch großartig Lust später (langfristig) in die Offizin zu gehen & versucht eher, sich auf andere Gebiete zu spezialisieren, v.A. Industrie & Krankenhaus.

    Nach 5 Jahren Studium & drei Staatsexamen braucht es einfach mehr als immaterielle Dinge, um in klassischer Weise Apotheker zu werden seufz

    LG
    Knäcke

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    1. Hallo Knäcke!

      Ich wohne in einem Zweitausend-Seelen-Kaff im Süden Deutschlands und würde es sehr bedauern, wenn außer den Arztpraxen, die aus Altersgründen und mangels Nachfolger schließen, auch noch die Apotheker den Rückzug antreten.

      Mein hiesiger Apotheker hat mir aufgrund seiner fachkundigen Ratschläge wie
      „Schmerzen im G’nack – Diclofenac“,
      „Im Magen nicht wohl – Omeprazol“, oder auch
      „Aua am Zeh – Verband drum und geh“
      so manche Rumsitzerei in Wartezimmern erspart, und ich möchte ihn nicht missen.

      Es braucht euch Pharmazeuten, gerade auf dem Land, für die medizinische Grundversorgung, und ich würde mir für Deutschland wünschen, dass ihr mehr dürft, etwa so wie Pharmama das immer aus der Schweiz erzählt. Wenn ihr alle in die Industrie und in die Krankenhäuser geht, wer kümmert sich dann um die Leute?

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    2. Hallo Knäcke! Ich find’s toll, was Alwin geschrieben hat, denn es braucht Euch. Es ist in Deutschland ganz sicher nicht einfach für die Apotheker, oder besser gesagt, die Politik macht es euch nicht einfach und dass das Verhalten der Krankenkassen von denen unterstützt wird, finde ich übel. Aber … ich denke, es lohnt sich, um den Beruf zu kämpfen. Wegen der Patienten, weil das wirklich befriedigend sein kann
      Aber falls das in Deutschland so weiter geht und du nicht in die Industrie willst … in der Schweiz haben wir ein bisschen Mangel an Offizinapothekern. Ich hätte gar nichts gegen einen (oder eine) aus Deutschland …

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          1. Na, ich arbeite ja nicht in der Branche, aber vielleicht wär’s für den Nachwuchs gar nicht so schlecht, mal die Schweiz kennen zu lernen und mit ihren Erfahrungen hier mal Druck auf die Politik zu machen.

            Aber eine politische Diskussion will ich gar nicht erst anfangen, dazu ist mir das ganze Krankenkassen- und Apothekensystem in beiden Ländern zu unvertraut, als dass ich da Fundiertes von mir geben könnte. Ich find’s nur schade, dass sich studierte Leute, die eigentlich Besseres zu tun hätten, an irgendwelchem poitischen und Verwaltungskleinkram aufreiben müssen. Die elektronische Gesundheitskarte in Deutschland hätte etwas werden können und Leuten in Gesundheitsberufen eine Menge Arbeit ersparen, aber weil das wieder nur Juristen und keine Techniker umgesetzt haben, haben wir nichts, was annähernd datenschutzkonform wäre, und eine eGK, die keiner will.

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  3. Ich arbeite in einer Kleinstadt in Thüringen in einer kleineren Apotheke, wir haben sehr viele Stammkunden und es ist wunderbar, wie sich mit der Zeit freundschaftliche Kontakte entwickeln. Die Nähe zu den Patienten ist toll, und ein „Vielen Dank für die gute Beratung!“ oder „Den Tipp hat mir noch keiner gegeben, danke!“ sind Gold wert. Ich kann mir keinen besseren Job vorstellen.
    Sicher ist es nicht einfacher geworden, als Angestellte hat man damit natürlich weniger Probleme, dennoch meine ich, sagen zu können, dass es so unmöglich nicht ist. Man muss sich natürlich etwas einfallen lassen und dauerhaft auf (Beratungs-)Qualität setzen.

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  4. Ich habe mein Phamaziestudium nie wirklich bereut, nur einmal, als die Rabettverträge noch recht neu waren und ich in einer Apotheke arbeitete, die eher Kunden im unteren sozialen Niveau hatte – da dachte ich mir dann, daß ich nicht so hart gearbeitet habe um dann von einem Asozialen angebrüllt zu werden.
    Es ist der abwechslungsreichste Beruf, den man sich vorstellen kann, es kann sein, daß Du morgens was über Selen und Hashimoto recherchierst, mittags der Oma eine Lösung für ihre Blutzuckermeßgerät bastelst, und abends will jemand wissen, wie man Natronlauge für Laugengebäck macht. Man kann sich in die verschiedensten Richungen spezialisieren, sei es Diabetes, Reisemedizin, Ernährung, Sportmedizin und Gelenkprobleme, es nimmt kein Ende.

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