A (pharmacists) Tale Of Two Countries

Eine Geschichte von Kollegin Mareike aus dem Rheinland:

Schöne oder weniger schöne Geschichte, die meine Kollegin und ich gestern im normalen Samstagsdienst erlebt haben
Ein Kunde mittleren Alters, würde schätzen so Mitte 50, kommt zu uns in die Apotheke und kauft ASS 100. Er fragte meine Kollegin dann aber auch in einem Zuge, ob sie ihm sein Metoprolol schonmal vorab ohne Rezept geben könnte, er hätte keins mehr, bräuchte das dringend und er würde das Rezept dann nachliefern.
Sie hat es ihm erstmal verweigert, sagte dann aber, nach mehrmaligem Nachbohren seinerseits, dass sie ja mal ihre Kollegin, also mich, fragen könne.
Sie fragt mich also, ob wir das vorab beliefern würden. Da sie diejenige ist, die schon 10 Jahre in dieser Apotheke arbeitet (ich erst etwas über 1 Jahr) und die Kunden, ob Stammkunden oder Kunden, die einfach so öfter mal vorbeischauen, besser kennt als ich, schätze ich das so ein, dass sie diesen Herren nicht kennt und verweigere ebenfalls die Abgabe ohne Rezept.
Und dann gings los:
„Ja, meinen zweiten Herzinfarkt hatte ich ja schon!“ „Habe gestern die letzte Tablette genommen.“ „Wenn ich nächste Woche tot bin, dann sind Sie schuld!“
Mein Kommentar (diesen Schuh wollen wir uns auf gar keinen Fall anziehen) war dann nur: “Na, wenn sie schon Herzinfarkte hatten, sollten sie doch gelernt haben rechtzeitig für neue Rezepte sorgen zu können, damit sie ihre Medikamente pünktlich bekommen. Sie können immer noch in den Notdienst gehen und sich ihr Medikament dann dort verschreiben lassen.“
Dafür hatte er dann aber natürlich keine Zeit!!!

Ich finde es unfassbar, wie ein erwachsener Mann mit so einer Krankheitsgeschichte (ob das stimmte sei dahin gestellt), uns dafür verantwortlich macht, dass er seine Medis nicht vorab beziehen kann, nur weil er keine Zeit/Lust hat, sich rechtzeitig um seine Rezepte zu kümmern. Faulheit? Ignoranz? Man weiß es nicht, aber da schalte ich auf stur und taub. Ich helfe gerne, telefoniere mit Ärzten und versuche Lösungen zu finden, aber so etwas hab ich auch noch nicht erlebt.

Das grenzt, nein, das ist von seiner Seite schon richtige Erpressung. Vor allem Angesicht der gesetzlichen Grundlagen in Deutschland hätte sie gar nicht anders handeln dürfen. So doof, unlogisch und patientenunfreundlich das ist.

Ich denke, das begreifen viele Leute nicht. Vielleicht sollte man einen Fall, wo die Apotheke nach so etwas gesetzlich verurteilt wurde mal ausdrucken und zur Erklärung abgeben. Leider kann man diesen Leuten trotzdem keine Eigenverantwortung beibringen.

Bei uns wäre das übrigens anders gelaufen – aber wir haben ja (Danke lieber Gesetzgeber) auch ein paar weiterreichende Verantwortungen als Apotheker in der Schweiz. (Dafür haben wir auch die Selbstdispensation durch die Ärzte, aber das ist ein anderes Thema).
Bei so einem Kunden wie oben könnte ich zum Beispiel nachschauen, ob er es schon einmal bei uns hatte – wir müssen Computerdossiers führen über die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente.
Falls Ja, könnte ich ihm entweder eine einmalige Wiederholung auf ein Rezept dafür machen – vorausgesetzt, es ist nicht mehr als 1 Jahr alt und er hat das nicht schon einmal so gemacht.
Oder ich könnte einen Vorbezug machen (wenn ich denke, dass er wirklich das Rezept vom Arzt besorgen geht),
Wenn er aber noch nie damit bei uns war, dann muss ich abklären, ob er es wirklich braucht (sieht in dem Fall stark danach aus), und entscheiden, was das Risiko ist, wenn ich es ihm abgebe (wenig) gegen wenn ich es ihm nicht gebe (könnte tatsächlich Herzprobleme machen) – und dann entscheiden ob ich ihm das als Vorbezug gebe (und das Rezept noch kommt) oder ihn das erst mal zahlen lasse (Bei einem Patienten, der noch nie da war eher das). Das liegt in meiner Verantwortung – der ich entsprechend sorgfältig nachgehe.
Also ja – hätte er das von mir wahrscheinlich bekommen können. Einmal. Unter der Voraussetzung, dass er wieder zum Arzt zur Kontrolle geht und ich vor einem eventuell nächsten Mal ein Rezept sehe.

Übrigens: das Aspirin 100 (bei uns cardio genannt) ist in der Schweiz rezeptpflichtig … und demnach hätte ich das ganze Prozedere oben auch für das machen müssen ….

So sind die Gesetzgebungen halt unterschiedlich.

11 Kommentare zu „A (pharmacists) Tale Of Two Countries

  1. Ich hasse sowas auch. Immer sind die anderen Schuld!
    Ist wie die Kundin, die, als ich ihr ohne EInkauf kein Traubenzucker schenken wollte, meinte: „Dann sind Sie Schuld, wenn ich nachher eine Hypoglykämie habe und sterbe!!!!elf“
    Die Dinger standen vor ihr und kosteten 50 Cent -.-
    Aber natürlich sind immer die bösen Apotheker Schuld.

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  2. Es ist wohl kein Problem, wenn man regelmässig Medikamente bezieht, dann drückt die Apothekerin/der Apotheker auch mal ein Auge zu und verlässt sich darauf, dass das Rezept nachgereicht wird.
    Die Apothekerin meines Vertrauens jedenfalls handelt so (zumindest bei mir) und ruft auch mal den Arzt und fordert das Rezept direkt an.
    Das setzt allerdings voraus, dass man eine Stamm-Apotheke hat.
    Wenn ein Patient, wie oben beschrieben, derart leichtsinnig/fahrlässig mit seiner Gesundheit umgeht und dann noch nicht einmal Zeit haben will, die Konsequenzen (Notfallambulanz) zu tragen, kann er doch nicht das Apothekenpersonal verantwortlich machen.
    Einfach unverschämt!
    Dürfen Apotheken eigentlich ein Hausverbot aussprechen?

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    1. „Kein Problem“ würde ich das auch dann nicht nennen. Beispiel der letzte Fall, wo eine andere Apotheke (Kollegoid!) eine Apothekerin wegen so etwas vors Gericht gebracht hat:
      „Bereits in den Vorinstanzen war das Verhalten der Apothekerin als eindeutiger Rechtsverstoß ausgelegt worden: Weder das Landgericht Ravensburg (LG) noch das Oberlandesgericht Stuttgart (OLG) ließen die Argumente der Verteidigung gelten, wonach die Apothekerin den Hausarzt der Patientin nicht erreicht und sich daher telefonisch bei einer befreundeten Ärztin rückversichert habe.“
      – und die hat so ziemlich alles getan um sich rückzuversichern und sie hat ein Rezept vom Hausarzt nachgereicht bekommen.
      (Quelle: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/bgh-verhandelt-ueber-rezeptpflicht-apotheke-bundesgerichtshof/?L=0&cHash=d81375f69d3ca99ca8a970fbe2687606&sword_list%5B%5D=abgabe&sword_list%5B%5D=rezept&no_cache=1)
      Krankenkassen blasen dabei übrigens ins selbe Horn und nennen das Betrug. (Und wenn sie das merken, bin ich sicher, das retaxieren sie auch noch).

      Momentan sind übrigens Diskussionen im Gang, das eventuell zu ändern. Das fände ich sinnvoll.

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    2. Naja, ein Problem ist es immer. Z.B. wird der Patient dann umgestellt, und auf dem Nachreich -Rezept steht ein ganz anderer Wirkstoff. So etwas geht bevorzugt bei richtig teuren Produkten. Auch die, die der Patient schon seit 10 Jahren genau so verordnet bekommt. Wie ich auf solche abstrusen Szenarien komme? Weiss auch nicht…

      Dn Arzt anrufen macht auch meistens keinen Sinn, denn so etwas passiert ja immer ausserhalb der Sprechstundenzeiten. Wochenende, Mittwochs + Freitags nachmittags, und Praxisurlaub sind sehr beliebt. Gerne auch direkt vorm 4-wöchigem Patienten-Auslandsurlaub…

      Und ja, ich kann einem Patienten Hausverbot erteilen. Ich musd dann zwar immer noch Arzneimittelrezepte beliefern (Kontrahierungszwang), aber alles andere kann ich ablehnen, und ich kann ihn auch der Räumlichkeiten verweisen bei passendem Grund. Hausrecht halt.

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    3. Thema Hausverbot:
      Ja, meine Chefin hat tatsächlich einer Kundin einmal ein Hausverbot ausgesprochen.
      Geht anscheinend :-)

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  3. Das passiert hier auch so oft. Vor allem am Freitag Abend und am Samstag kommen fast jede Woche Patienten rein und wollen irgendwelche Medikamente ohne Rezept, das geht vom Novaminsulfon bishin zu Opiumtinktur… mit Ausreden von „Hab ich vergessen“ über „ich dachte ich hätte noch“ bis „Mein Arzt ist aber im Urlaub und zu einem anderen gehe ich nicht!“

    Auch schön natürlich das: „Ich hab ne Blasenenzündung und bekomme dagegen IMMER Cotrimoxazol von meinem Arzt! Das können Sie mir ruhig schonmal geben und ich bringe dann irgendwann nächste Woche das Rezept“
    Die Patientin war stocksauer, dass wir das nicht raus geben wollten und hat auch die „Sie sind schuld wenn etwas passiert“ Karte gezogen.
    Im Endeffekt kam sie dann aber am nächsten Mittwoch… mit einem Rezept über Monuril. …

    seufz

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    1. Opiumtinktur? Ummm …
      Und richtig: vor der Abgabe von Antibiotika sollte abgeklärt werden und nicht auf „ich hatte immer …“ vertraut. (Speziell bei Antibiotika drängt sich dann der Verdacht auf: wirkt das überhaupt noch?)

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      1. Opiumtinktur war bei der alten Dame damals ein heikles Thema. Sie hat es gegen ihren chronischen Durchfall bekommen, später war sie fast wochenweise da und wollte das Zeug ohne Rezept… war nicht schön.

        Aber das hat doch der Mutter, der Schwester, dem Schwager und dem Friseur auch geholfen, da muss der Doktor das doch aufschreiben…. Was die Wirkung angeht bin ich mir da dann auch schon lange nicht mehr so sicher.

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  4. Ich bin Schuld am Herzinfarkt eines verschnarchten Patienten! Nene, den Schuh zieh ich mir nicht an! Noch schöner ist, wenn dieser Mensch dann noch sagt: Jetzt stellen Sie sich doch nicht so an. Dann ist Klappe zu – Affe tot. Der bekommt nichts und wenn er vor mir kollabieren täte.
    Noch dazu, daß diese Kunden das dann das nächste Mal als Erpressung versuchen und vermutlich die ersten sind, die mich verklagen, wenn etwas falsch war.

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    1. Es kommt so viel drauf an, wie man etwas vorbringt. Erpressen lasse ich mich auch nicht. Freundlich Fragen und die Antworten und Rück-Fragen akzeptieren bringt einen bei mir wesentlich weiter.

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