Er ist sehr beschäftigt

Die Patientin (um die 50) kommt mit Rezept für Beruhigungsmittel,

Patientin: „Ich hätte gerne 3 Packungen“.

Pharmama: „Tut mir leid, aber der Arzt hat nur eine Packung aufgeschrieben. Zu 10 Stück. Das ist auch kein Dauerrezept.“

Patientin: „Ich brauche aber mehr davon.“

Pharmama: „Ich könnte den Arzt anrufen und fragen, ob ich mehr abgeben darf, oder ob er ein Dauerrezept daraus macht.“

Die Patientin nimmt mir das Rezept wieder aus der Hand:

„Nicht nötig – ich frage ihn selber. Er ist sehr beschäftigt.“

Hmmhmmm.

Nachmittag – nur etwa 4 Stunden später.

Die Pharmaassistentin bringt mir dasselbe Rezept.

Nur hat jetzt jemand mit einem anderen Kugelschreiber von Hand „Dauerrezept für 1 Jahr“ darüber geschrieben.

Sie schaut mich an. Ich schaue sie an und sage: „Das Rezept habe ich heute schon einmal gesehen. Sag ihr, es dauert einen Moment.“

Jetzt rufe ich den Arzt an. Der ist nicht so beschäftigt als dass ich nicht nachfragen und mich versichern kann, dass das wirklich nicht als Dauerrezept gedacht ist – und dass ich jetzt gar nichts abgeben, das Rezept einbehalten und sie gleich wieder zu ihm schicken soll.

Machen wir.

Bitte – einfach nicht so was. Ein Rezept selbst zu verändern fällt unter Urkundenfälschung und ist einerseits strafbar (wenn jemand den Aufwand der Anzeige auf sich nimmt) … und andererseits hat das direkte Konsequenzen in der Apotheke oder beim Arzt selber, der einen dann vielleicht auf einmal nicht mehr als Patient haben will. Ist ja schliesslich auch ein Vertrauensbruch.

Es war nicht nur die Tatsache, dass das Rezept so schnell zurückkam, die mich stutzig werden liess. Wir achten auf die Schrift, Kugelschreiberfarbe, bei Ausdrucken ob das mit bisherigen Rezepten übereinstimmt, die Unterschrift und … der Arzt hätte sicher gewusst, dass für das verschriebene Beruhigungsmittel Dauerrezepte nicht für 1 Jahr erlaubt sind.

8 Kommentare zu „Er ist sehr beschäftigt

  1. Hast du denn überhaupt einmal jemanden angezeigt wegen Urkundenfälschung? Bei so viel Dreistigkeit würde ich das glatt mal tun – vielleicht hilft der Warnschuss.

    Like

    1. Jaa, habe ich. Im Normalfall (und bei den üblichen Patienten) ist sowas wie oben häufig eine Kombination von „Das habe ich nicht gewusst, dass das verboten ist“ und „ich wollte dem Arzt (und mir) doch nur noch einen Besuch ersparen“ … wenn ich merke, dass das wirklich nur das war, kläre ich die Person deutlich auf – auch darüber, dass das im Wiederholungsfall eine Anzeige gibt. Die meisten sind einsichtig und das passiert nicht mehr.
      Und dann gibt es da noch die wirklich abhängigen, bei denen ihr Bedürfnis, sich mehr Tabletten zu verschaffen schon so weit ist, dass das nicht reicht – Wiederholungstäter, nicht nur bei unserer Apotheke, sondern auch in anderen. Wenn ich das merke, dann gibt das eine Anzeige – und das merkt man häufig beim Telefongespräch mit dem Arzt, dass das nicht der erste Vorfall ist. Ausserdem werden (und das ist effektiver als eine Anzeige) bei so einem Fall die anderen Apotheken informiert.

      Like

      1. Dem wirklich abhängigen Klientel ist das meist egal bzw. der Druck ist dann doch grösser. Wenn sie schon vom Doc ein Benzodiazepin verschrieben bekommen, dann meist nur in – aus Sicht Patient -.Kleinpackung, dann muss da noch ein zweite X zu dem schon vorhandenen und dann werden zur Sicherheit beide X mit dem gleichen Kuli überschrieben. Alles gaaaaaanz unauffällig und selbst für einen ungeübten Apothekenfrischling sehr schnell durchschaubar,.
        Aber wenn die Sucht zuschlägt….. Dann gibt es leider kein Halten mehr.
        Meist reicht es in solchen Fällen, verdächtig lang hinten zu verschwinden. Dann tut das der Rezeptinhaber ebenfalls und zwar aus der Apotheke. Bis zum nächsten Versuch.
        Grosse Rundinformationen gibt es in Deutschland offenbar nur bei sehr krassen Fällen, die es immer mal wieder gibt. Die nicht entdeckte bzw. nicht angezeigt Grauzone wäre mal interessant. Es muss sich um das 50-100fache handeln.

        Like

  2. Woran man sieht, das Süchtige keineswegs nur die Junkies anner Ecke sind, sondern sich das durch alle Bevölkerungs- und Standesschichten zieht.
    Wobei solche Beruhigungsmittel-Damen in deinen Geschichten ja häufiger auftauchen; was sind denn eigentlich die Gründe, dass Frauen ab 50 so oft Beruhigungsmittel verschrieben bekommen? Hat das was mit Wechseljahren zu tun?

    Like

      1. Naja, ich kann sagen, dass das stimmt. Es hat mehr ältere Frauen als Männer, die davon abhängig sind. Das hat verschiedene Ursachen: Je älter man wird, desto mehr von deiner Familie, aber dann auch Altersgenossen, Freunden und Kollegen sterben weg. Man wird sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst und man trauert um die Verlorenen. Während Männer mehr dazu neigen, das in sich wegzuschliessen und zu tun als sei nichts, gehen Frauen mit Problemen (seelischen und körperlichen) mehr nach aussen – in dem Fall zum Arzt. Und der verschreibt ihnen gegen die Angstgefühle, Schlafstörungen und Sorgen Medikamente – in dem Fall Benzodiazepine. Die wirken zwar, sind aber nicht dafür gedacht langfristig anzuwenden. Wirkliche medikamentöse Alternativen gibt es keine. Besser wäre es, psychologische Unterstützung zu holen – aber dagegen sprechen unsere: Es muss gleich was passieren-Mentalität, die Stigmatisierung der Gesellschaft („Was, Du gehst zum Psychiater?!? – bist Du verrückt?“ – Tabletten lassen sich dagegen unauffällig einfach nehmen) und eine gewisse Hilflosigkeit bei den Ärzten, die die psychologische Beratung nicht selber anbieten / machen können. Dazu eben das immer mehr mangelnde Umfeld, bei dem man sich seelische Unterstützung holen könnte.
        Dann nimmt man die Tabletten, und ist schon nach wenigen Wochen davon abhängig. Absetzen führt nicht nur zum Wiederauftreten der Probleme … die Entzugserscheinungen selber führen zu Panikatacken, Schlafproblemen und so weiter. Wer einmal wirklich drauf ist … kommt nur schwer wieder runter.
        Wenn die jetzt täglich immer dieselbe Dosierung nehmen und weiter gesellschaftlich und persönlich funktionieren können, reagiert auch kaum jemand darauf. (Davon gibt es sehr viele). Problematisch für Apotheke und Arzt, wird es dann, wenn die anfangen die Dosis zu steigern …

        Like

Was meinst Du dazu? (Wenn Du kommentierst, stimmst Du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu)

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..