Schwerwiegende Dosierungsprobleme

Auf dem Rezept für ein Kind, Geburtstag Mitte 2008 – also 7 Jahre alt. Das Kind ist nicht anwesend, nur der Vater, der das Rezept gebracht hat:

BenUrOn Saft D.S: 20 ml 4 x täglich

Hmmm.

 

BenURon enthält Paracetamol. In der Dosierung 30mg/ml =

Also sind 20ml = 600mg.        600mg x 4 = 2400mg pro Tag

Die Packungsbeilage sagt:

für 7 jährige empfohlen 250-500mg pro Dosis, maximal pro Tag 1.5g = 1500mg!

Holla die Waldfee. Gut, so mancher Arzt im Kinderspital und anderswo berechnet das inzwischen nach Gewicht und nicht nach Alter. Aber wenn das so abweicht, wäre eine Gewichtsangabe auf dem Rezept schön.

Aber wir haben ja den Vater in der Apotheke.

Ich frage den Vater: „Wieviel wiegt das Kind?“

Er weiss es nicht.  :-(

„Ist es 25 kg? 30 kg?? 40 kg???“

Mein Junior ist 8 Jährig und wiegt etwa 30 kg. Das ist noch praktisch – habe ich doch so eine in dem Fall aktuelle Vergleichsmöglichkeit.

Vater: „Vielleicht um die 35?“

Okay. Das passt nicht zur Dosierung.

Auch wenn das Kind etwas mehr wiegt. 50mg pro kg Körpergewicht ist die Obergrenze. Im Umkehrschluss müsste das Kind für die Dosierung von 2400mg also 48kg wiegen.

Aber Ummm – 48kg? 7 Jährig??

„Ich rufe lieber dem Arzt an wegen der Dosierung.“

Der war echt Dankbar für den Anruf und ist dann auf 15ml bis 4 x täglich runter … das sind immer noch 1800mg pro Tag – er meinte auch, das Kind sei „etwas“schwerer. Genaueres hat er mir aber nicht gesagt.

Gut, rechnen wir so Sachen immer nach.

Also: lieber Kinderarzt (auch im Spital): Du machst unsere (und damit dann auch Deine) Arbeit leichter, wenn Du auf das Rezept bei Kindern gleich das Gewicht drauf schreibst! Danke!

Nachtrag:

Die gehen im Spital schon von anderen Grundlagen aus. Für meinen Junior mit Armbruch haben sie vom Algifor Sirup auch 14ml 3 x täglich aufgeschrieben …

Empfohlen sind für 7 Jährige um die 30kg 3 x 12.5ml
Aber beim Ibuprofen ist das auch nicht so ein so grosses Problem wie beim Paracetamol, wo man mit einer Überdosierung ziemlich rasch Leberschäden macht.

(Nachrechnen kann man auch selber. Dosierungsangaben in der Packungsbeilage oder unter Compendium.ch)

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 04/03/2015 in Apotheke und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Dorothee Schmid

    Als Kinderärztin danke ich herzlich fürs jeweilige Nachrechnen. Dafür habe ich mir angewöhnt, das Gewicht des Kindes auf dem Rezept zu vermerken. Grad wenn man lange Dienste hat, ist man froh um ein zusätzliches Gehirn, dass die Dosierung kontrolliert.

    Ibuprofen dosieren wir mit 10mg/kg 3xtgl. Im Sirup sind 20mg/ml drin, was praktisch ist, macht einen halben ml pro kg. Ein 30kg-Kind darf also gut 3x15ml haben.
    Finde Überdosierungen bei Ibuprofen aber auch nicht prickelnd, v.a. wenn die Kinder eh nicht viel trinken, weil sie krank sind. Für die Niere ist das ja nicht so gut.

    Vielleicht unterliege ich da einem Bias, weil ich schon prärenale Niereninsuffizienzen bei Kindern mit Gastroenteritis und NSAIDs gesehen habe, die Paracetamol-Intoxikationen im Spital aber (Gott sei dank) gut verlaufen sind.

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    • Ich find’s toll, wenn das Gewicht schon auf dem Rezept steht. Das erleichtert einem das doch erheblich.
      Naja, Junior hat den Ibuprofen Sirup für seinen gebrochenen Arm dann genau einen Tag gebraucht. Danach fand er, es mache eigentlich kaum weh und er brauche das nicht mehr. Da er auch keine Entzündung hatte, haben wir dann auch wirklich aufgehört.

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  2. Tja, bei deutschen Kassenrezpten ist das Gewicht auch nicht vorgesehen.

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    • Na, bei Euch würde es dann heissen, wenn es vorgesehen und doch nicht drauf ist : kein Geld von der Krankenkasse. Von daher …

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      • Da ist leider Gottes was dran. Ich stell mir den armen Apotheker vor der dann in der Zwickmühle hängt ein dringend benötigtes Schmerzmittel abzugeben und mit einer Nullretaxation zu rechnen oder wegen einem blöden Formfehler den Patienten leiden zu lassen…

        Dann besser ohne das Feld.

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  3. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie sorglos der Umgang mit Schmerzmitteln ist und habe selbst schon mehrere heikle Situationen erlebt: Beim Zahnarzt wurde vergessen auf dem Rezept den Textbaustein mit einem Nephrotoxischen Schmerzmittel (75% der maximale Erwachsenendosis, bei Bedarf 100%) zu löschen, obwohl ich bei der Lokalanästhesie Nierenprobleme erwähnte und unter 40kg wog. Ein Apotheker packte mir die über 25 fache maximale Tages Erwachsenendosis eines Schmerzmittels mit ein und sagte, wenn ich solche Werbegeschenke nicht möchte, solle ich sie halt wegwerfen. In der Notaufnahme wurde mir ein 6 Monate Dauerrezept! für Tramadol mit gegeben, nachdem ich dem Chirurgen erzählte, dass ich ausser Lokalanästhesie beim nähen, keine anderen Medikamente für diese Bagatelle wünsche, andere Medikamente nehme, Nierenprobleme habe und in 2,5 Tagen einen geplanten Termin bei meiner Ärztin habe.
    Vielleicht bin ich hier auch etwas übervorsichtig, weil ein ehemaliger Gefährte von mir als Kleinkind, von Oma, Eltern, grosser Schwester und Arzt soviel Paracetamol und andere Medikamente bekam, dass seine Leber schwer geschädigt wurde.
    Und

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