Wieso So! ?

Zahnarztrezept für ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum. Netterweise Computergeneriert (gut lesbar) – und hinter dem Medikamentennamen ein sic! Ebenfalls maschinengeschrieben.

Das bedeutet, der Arzt will, dass man das abgibt und nichts anderes.

Jetzt … ist es so, dass dieses Antibiotikum erst mal immer noch teurer ist (etwas) als das Generikum und ich das Generikum an Lager habe, das Original aber bestellen muss. Hier sind die beiden auch Problemlos austauschbar. Von daher verstehe ich das sic! nicht.

Beim Patienten abgeklärt, ob er irgendwann einmal Probleme hatte mit dem Generikum oder weshalb das da so steht.

Hat er nicht. Weiss er auch nicht, wieso.

Zahnarztrezepte müssen gleich in der Apotheke bezahlt werden, die Krankenkasse in der Schweiz übernimmt das in der Regel nicht – ausser vielleicht man hat eine spezielle Zahn-Zusatzversicherung und schickt die Rechnung selber ein.

Der Patient hat nicht sehr viel Geld. Ich biete ihm an, dem Arzt anzurufen und zu fragen, ob ich es nicht doch ersetzen kann.

Mache das.

Antwort des Arztes: „Natürlich können Sie das ersetzen. Können Sie das nicht selber bestimmen?“

„Nicht, wenn da ein Sic! auf dem Rezept steht. Haben Sie das nicht gesetzt?“

„Nein – das ist ein automatischer Textbaustein bei uns im Computersystem.“

Ummm – Was?!

Meine Vermutung: Computerprogramm der Praxis gesponsert von Pharmafirma. Und dann ist halt das sic! mit drin. Dem (Zahn-)Arzt war nicht bewusst, was das dann nach sich zieht – es war auch eine Gemeinschaftspraxis, also ist er wohl selber nicht für die Einführung des Rezeptierprogrammes verantwortlich.

Und ich frage mich: Wie oft wurde das schon nicht angezweifelt / nachgefragt und man hat (zum finanziellen Nachteil des Patienten und Vorteil der Pharmafirma) dann das Original genommen oder gar bestellt?

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 06/02/2015 in Apotheke und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. Puh, wie gut, dass du nachfragst. Einen lieben Gruß von Doris

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  2. Danke für den Interessanten Austausch!

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    • (unbedingt das ganze Gespräch anschauen)

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    • Ich finde es wieder mal lustig und traurig zugleich:
      Während die Vermutung Deinerseits dem ausstellenden Arzt gegenüber ist, dass ihm einfach nicht bewusst ist, wie sein Praxissystem (vor)konfuguriert wurde…
      …wird vom (in diesem Fall nicht beteilgtem) Arzt über den Apotheker vermutet, es ginge nur um den Rohgewinn. Vielleicht ist der Tweet auch gar nicht so gemeint, aber aus leidvollen Diskussionen mit Ärzten und Patienten bin ich da leider in meiner Interpretation solcher Texte vorgeschädigt. Immerhin ist am Ende des Satzes ein Fragezeichen – man kann also getrost mit: „Nein. Das ist nicht legitim.“ antworten.

      Das spannende daran ist, dass eine „gesponsorte“ Praxissoftare natürlich auch finanzielle Entlastung (und damit steuerrechtlich gesprochen „geldwerten Vorteil“) für die Arztpraxis und damit für den Betreiber der Arztpraxis (vermutlich dem Arzt selber) generiert – nur dass hierbei niemand spontan an „Münzen zwischen den Fingern“ denkt.

      Andersherum ist es natürlich für den Patienten im Geldbeutel zu spüren, wenn das abgegebene Generikum preiswerter ist als die Gernerika- bzw. Original-Konkurrenz. Ob die Apotheke dabei (zusätzlich) über den Einkauf einen „geldwerten Vorteil“ erwirtschaftet oder nicht, ist für ALLE anderen Beteiligten völlig unwesentlich. (In D geht das seit den umfangreichen Rabattverboten via AMNOG 1+2 sowieso nicht mehr.) Apotheker sind aber nun mal Händler und Heilberufler, werden aber von so ziemlich den meisten beteiligten Personen auf den Händler reduziert. Schade, ist aber so. Was nach jahrelangem Kreuzen auf diesem Kurs seitens Politik, kranken Kassen, anderen Heilberuflern und Medien dabei übrig bleibt, sieht man derzeit life in D.

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  3. Nun ja,
    irgendwie müssen die Kosten für das Programmieren des ach-so-aufwändigen Programms ja wieder eingefahren werden …

    Eine üble Art.

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  4. turtle of doom

    Dass es sich um einen hyperpedantischen Arzt handelt, dessen Wille unbeschränkt gelten soll, hat er ja ausgeräumt…

    Mit einem automatischen „sic“ schanzt aber Softwarefirma jedem Pharmahersteller zusätzliche Gewinne in den Rachen – ausser den bekannten Generika-Herstellern (Mepha, Sandoz…).

    Es wäre ja lustig, wenn ein Pharmaunternehmen plusminus nur Herzmittel herstellt, und dann gezielt die Bürosoftware von Kardiologen sponsert.

    …aber die freie Wirtschaft hat mich gelehrt, dass gar nichts unmöglich ist.🙂

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  5. Wir haben leider auch einen Arzt im Haus, der grundsätzlich bei allem den Austausch untersagt. Das ist in Zeiten der Rabattverträge zwar praktisch bezüglich der Taxierung, führte aber schon öfter zu Problemen mit den Mehrkosten. Ich darf dann ja nicht austauschen, und muss bei jedem Patienten in die Praxis rennen. Als er mich neulich fragte, welche Marcumar Generika denn überhaupt lieferbar sind und ich dann nur schnell Phenprogamma geantwortet habe führte dass hierzu, dass er alle Patienten jetzt auf Phenprogamma umstellt. Die GKV wird mich sicher hassen, da sie Rabattverträge mit einem anderen Generikum abgeschlossen hat. Naja so ist das Leben…

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  6. Bei dem was ich hier so in Dschörmänie mitbekommen musste wundert es mich gar nicht, das gesponserte Programme genau das machen, was der Sponsor sagt.

    Solch perversen Sprosse kommen dabei heraus, wenn es nur noch um Abrechnungsnummern und nicht mehr um den Patienten geht.

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