Sparmassnahmen am falschen Ende: bitte nicht bei der Arzneimittelinformation!

Nach neuen gesetzlichen Vorschriften von Anfang 2013 gibt es die swissmedicinfo, wo die Pharmafirmen alle ihre Arzneimittelinformationen und Änderungen derselben angeben müssen.

Das wäre schön und gut, wenn nicht ein paar Pharmafirmen daraufhin beschlossen hätten, dass sie es sich in dem Fall sparen können, diese Info auch noch an die Documed und die emediat weiterzuleiten.

Hört sich nach nicht viel an, hat aber ziemliche Konsequenzen für die Apotheke (und andere im Gesundheitssystem).

Die Documed und emediat welche Kompendium und galdat veröffentlichen, sind private Firmen. Ihre Leistung wurde insgesamt etwa zur Hälfte durch die Pharmafirmen und die Leistungserbringer finanziert.

Das Kompendium ist das Standart-Nachschlagewerk für Informationen zu Medikamenten in der Schweiz. In ihm sind (im Buch und online) die Informationen gesammelt, die vereinfacht in den Packungsbeilagen stehen – nur viel ausführlicher. Wirkung, Nebenwirkung, Kontraindikationen, Pharmakologie, Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit – an was man denken kann: alles drin. Plus die Identa: wie die Tabletten aussehen.

Der pharmINDEX der galdat ist der Stamm mit Medikamenteninformationen, auf dem die Programme mit denen wir in der Apotheke arbeiten fundiert. Darin stehen die Arzneimittelinformationen (wie im Kompendium) aber auch zusätzlich Informationen wie Fabrikabgabepreis, Verkaufspreis (sofern von der Spezialitätenliste vorgeschrieben), ob und wie das Medikament von der Krankenkasse übernommen wird. Ob es Limitationen gibt – etc. Das benutzen nicht nur wir, sondern auch die Ärzte und Spitäler und auch die Drogerien.

Es ist für die Medikamentensicherheit und Praktikabilität immens von Vorteil eine zentrale und zuverlässige allgemeingültige Datenquelle zu haben. Bevor es die gab mussten Ärzte, Apotheker und Pflegepersonal die wichtigen Informationen mühsam aus den einzelnen Firmenkatalogen zusammenklauben.

Der Entscheid der Pharmafirmen bedeutet, dass es da für (immer mehr) Medikamente keine Updates gibt bei Änderungen. Und wir haben häufig Änderungen.

Das sah man dann auch sehr rasch daran, wie sich im Apothekenprogramm die Medikamente mit dem Nachsatz (qap?) = quality approved? vermehrten. Das war die Kennzeichnung, die an die Medikamente der Firmen gehängt hat, wo in der Fachinformation eine Änderung stattgefunden hat, welche noch nicht ins Computersystem übertragen werden konnte.

qap

Nach einer Weile hat man die Kennzeichnung übrigens geändert zu (!) … wahrscheinlich wegen der Reaktionen der Patienten, die das so auch auf den Dosierungsetiketten wiederfanden. Was mich persönlich allerdings stört an dem Ausrufezeichen … das wurde früher von Ärzten dazu verwendet auf aussergewöhnliche Dosierungen hinzuweisen, oder dass sie keine Änderung des Medikaments wünschen. Auf den Computergenerierten Rezepten findet sich das (!) jetzt aber (die benutzen ja auch den galdat Stamm) – und das irritiert mich gewaltig.

(!)

Das sorgt natürlich allgemein für Unsicherheiten – nicht nur wegen der Bezeichnung. Demnach müsste man jetzt die Daten – wie vorher – bei den Firmen einzeln nachfragen/nachschauen gehen. Oder auf der swissmedicinfo – nur sind dort die Informationen eben nicht verknüpft.  Da steht nichts davon, wie die Kasse das zahlt, wie der Preis ist, einen Interaktionscheck kann ich da auch nicht machen – das ist aber neben den Medikamenteninfos das, was ich zum arbeiten brauche!

Die Medikamentensicherheit sollte den Pharmafirmen eigentlich wichtiger sein, als der eingesparte Betrag … für den ein Vasella vielleicht eine Woche gearbeitet hat …

Das gab tatsächlich entsprechend starke Reaktionen bei den Apothekern, die (angeführt durch die IFAK) eine Petition dagegen gemacht haben. Und das hat etwas bewirkt. Jedenfalls sind einige der Pharmafirmen wieder dazu übergegangen die Info wieder selber weiterzugeben.

Ich hoffe, der Rest folgt auch noch. Sowas hier:

prontolaxstreuli

… Ist einfach nicht wirklich gut. Auch für die Patienten nicht.

4 Kommentare zu „Sparmassnahmen am falschen Ende: bitte nicht bei der Arzneimittelinformation!

  1. Ich täte jetzt ja sagen: Dann wende man sich bei jeder Vergabe eines solchen Medikaments einmal telefonisch und per Fax an die Streuli Pharma AG (und zwar bevorzugt nicht an die Warteschleife, sondern an irgendeine andere Durchwahlnummer) und bitte um Übermittlung der Patienteninformationen per Fax oder eMail. Dringend, weil ja der Patient vor einem stehe.

    MfG, Arno

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  2. „…wurde durch … AG direkt bei Swissmedic eine geänderte Patienteninformation aufgeschaltet.“

    Das hat mich auch hin und wieder gewundert.

    Merkregel für das politische Handeln: Ist etwas sinnvoll? Wenn ja, sofort dagegen kämpfen!

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  3. Es scheint mir jetzt aber etwas unlogisch, warum die Hersteller zum Teil die gleichen Informationen an drei verschiedene Stellen übermitteln müssen. Das wäre doch besser gelöst, wenn sämtliche Informationen an eine Stelle (z.B. die swissmedicinfo) übermittelt würden, die dann die Informationen zum Generieren von Kompendium und pharmINDEX weiterleitet.

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  4. Meine Ansicht zu diesem Thema hat sich seit dem erstmaligen Lesen von Pharmama’s Beitrag um 180° geändert:
    Wie man „ergooglen“ kann, ermittelt die WEKO längst gegen die im Beitrag genannten Firmen wegen Ausnützen der Marktmacht. So erkläre ich mir auch die Warnsymbole (QAP?) und (!), resp. diese komischen Warnmeldungen. Damit sollte doch einfach Druck von den Benutzern des Compendiums auf Pharmafirmen entstehen! Ich finde es unseriös, dass die Firma Benutzer des Compendiums so instrumentalisiert hat. Dabei müssen die Arzneimittelinformationen überhaupt nicht von Documed qualitätstechnisch überprüft werden, sondern sind ja von der Swissmedic fix vorgegeben für jedes Medikament.
    Es macht für mich deshalb auch 100% Sinn, für die Publikation der Arzneimittelinformationen nur noch eine offizielle behördlich geprüfte Quelle zu haben, nämlich swissmedicinfo.ch, respektive das AIPS. Die Daten können ja dort angesehen und kostenlos bezogen werden. Ich würde mich zwar freuen, wenn die Benutzerfreundlichkeit auf swissmedicinfo.ch noch steigen würde, aber es gibt ja mittlerweile Anbieter von Gratis-Software, welche die offiziellen Daten benutzerfreundlich machen.
    Sind egtl. die PC-Kassen in Apotheken automatisch mit dem Compendium verbunden?
    Wie dem auch sie, ich denke, wir können uns alle beruhigt damit abfinden, dass das Monopol von Documed bzgl. Compendium.ch gefallen ist!

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