Vergiftungsnotfall in der Apotheke

In der Weihnachtszeit hatte ich an einem Samstag nachmittag einen Fall in der Apotheke, der kurzfristig für Adrenalin sorgte, auf jeden Fall bei mir. Den Telefonanruf nahm die junge Pharmaassistentin Susi entgegen, die mich nach längerem Zuhören nur kurz beizog, um zu fragen: Haben wir Kohlesuspension vorrätig?
„Ja, haben wir“ – sagte ich im Vorbeigehen (ich war selbst grad an einer Patientin).
Wie alle Apotheken in der Schweiz halten wir ein Grundsortiment an Antidota – an Gegengiften. Das ist nicht mehr besonders gross, enthält aber Kohlesuspension (zubereitet und einnehmfertig in Flaschen), Simeticon (also eigentlich den Inhaltsstoff von Flatulex) und Akineton. N-Acetylcystein und anderes haben wir im normalen Sortiment – und könnten das anwenden.
„Wieviel?“ Fragt mich Susi.
Pharmama: „6 Flaschen.“ Ich weiss das, weil ich die vor kurzer Zeit wieder einmal austauschen musste. Ich bin jetzt über 25 Jahre Apothekerin, aber habe in der Zeit das Antidotasortiment noch nie gebraucht – nur regelmässig die Verfalldaten kontrolliert und Sachen ausgetauscht. Das sollte sich heute ändern.
Ich bekomme mit, wie Susi die Info weitergibt, aufhängt und mir sagt: „Sie kommt gleich vorbei. Sie braucht dringend 4 Flaschen davon, hat ihr das Tox Info gesagt.“

Tox Info (Telefon 145) – da, wo man anruft, wenn man eine Vergiftung vermutet. Die sind super, die sagen einem dann, wie gefährdet man ist und was man machen soll. Ja – das wird spannend.

Nur wenige Minuten später kommt eine Frau mittleren Alters in die Apotheke. Ich habe mir schon die Kohlesuspension- Flaschen geschnappt und nehme sie mit in unseren Beratungsraum. Die Frau ist aufgeregt, aber dankbar – und beruhigt sich schon, als sie die Flaschen sieht. Ich setze mich zu ihr hin und frage noch einmal nach, was bisher gelaufen ist und wofür sie die Kohlesuspension braucht.
Sie erzählt: „Ich war einkaufen in einem Reformhaus. Da war ein Regal mit Snacks – Nüssen und so. Ich esse sehr gerne Mandeln und da waren auch Packungen mit Bittermandeln. Die kenne ich nicht, aber ich dachte, das wäre eine nette Abwechslung. Ich habe sie gekauft und heute Mittag habe ich am Tisch in der Küche die Packung aufgemacht und angefangen sie zu essen. Sie schmecken interessant, nicht wirklich bitter. Nebenbei habe ich im Internet über Bittermandeln nachgelesen – und da stand gross: Bittermandeln sind roh hochgiftig! Schon wenige Stück können ein Kind umbringen! Ich habe da schon etwa 8 gegessen gehabt – und hab dann die ToxInfo angerufen. Die haben mich gefragt, was ich eingenommen habe und wieviel und dann hat er nachgerechnet und mir dringend empfohlen, sofort Kohlesuspension einzunehmen. 4 Flaschen hat er gesagt, zur Sicherheit. Ich habe umher telefoniert um jemanden zu finden, der das hat – meine Apotheke hat schon zu. Ich bin so froh, sind sie offen und haben das!“

Sie hat dann die 4 Flaschen zu 100ml grad vor mir eingenommen. Das ist doch eine ziemliche Menge – und ich habe dadurch gelernt: das Zeug ist trinkbar, aber bei fast einem halben Liter wird es doch schwierig. Etwas Wasser nachtrinken hilft. Und man braucht dringend ein Tuch zum abwischen – die Kohlesuspension macht alles schwarz. Wirklich günstig ist sie auch nicht mit über 30 Franken pro Flasche.
Aber die Frau war so dankbar und glücklich.

Laut Tox Info sollte das ausreichen und keine weiteren Massnahmen nötig sein. Ich habe sie trotzdem gefragt, ob sie jemanden hat, oder anfragen kann, der die nächsten 24 Stunden nach ihr schaut. Und ich habe ihre Telefonnummer aufgenommen.

Am Montag danach habe ich ihr angerufen, um nachzufragen, wie es weiter ging.
Es geht ihr gut (puh), keine Nachwirkungen der Bittermandeln oder der Kohlesuspension (die könnte ja Verstopfung machen). Unten auf der Packung mit Bittermandeln hat sie (danach) dann auch noch den Hinweis „nicht zum rohessen“ gefunden. Sie fand das trotzdem fahrlässig, dass man die direkt neben die Nuss-Snacks gestellt hatte im Reformhaus.

Info zur Toxikologie von Bittermandeln: Rohe Bittermandeln sind hochgiftig, weil sie beim Kauen und Verdauen das Gift Blausäure freisetzen. Sie enthalten Amygdalin, das im Körper zu Blausäure umgewandelt wird. Das wird dann zu Cyanid, was die Zellatmung blockiert und zu innerer Erstickung. Das passiert tatsächlich relativ schnell – man kennt vielleicht die Zyanid-Kapseln, mit denen sich Spione umbringen. Bei Kindern sind schon 5-10 Stück Bittermandeln tödlich (je nach Gewicht). Beim Erwachsenen braucht es etwas mehr: ca. 60.
Die Aktivkohle rechtzeitig gegeben vermindert die Aufnahme im Körper. Bei hohen Dosen braucht es aber eine Magenspülung und noch andere Medikamente, um die Wirkung aufzuheben.
Werden Bittermandeln erhitzt (gekocht / gebacken), dann geht das hitzeempflindliche Amygdalin und Blausäure kaputt und verflüchtigt sich. Bittermandelaroma – das man für Marzipan und so braucht enthält wegen Destillation nicht mehr die Giftstoffe.

Copyright-Verletzung? Zahlen, bitte!

Etwas Aufregung zwischendurch: flattert meinem Blog ein Schreiben in den maileingang, in dem mir Copyright-Verletzung vorgeworfen wird und ich deshalb mehrere hundert Euro zu zahlen habe.

Authorization request / Unauthorized image use – Case no: XXXXXX
Dear Pharmama,
We, COPYTRACK, are writing to you on behalf of our client WENN Rights International Ltd, who has assigned us the monitoring and protection of their licenses and image rights. On January 7, 2025 we have been informed that Pharmama is likely using an image without permission and the client has exclusively commissioned us with the clarification, administration of the image rights for the territory of the Federal Republic of Germany and, if necessary, the enforcement of any copyright infringement through our partner lawyers. Images are protected by copyright law almost worldwide and infringements are actionable under the respective national law. Please see the attachment below for details.
On behalf of our client, we must first determine if you have a valid license to use the images in question in the territory of the Federal Republic of Germany. If you have a valid license or any other legal justification to use these images, please reply to this email and include proof of license purchase and/or any other necessary information to validate the usage.
Please note that you are obliged to provide the necessary information about the usage of the image to allow our client and us to verify the lawfulness of such usage. Please respond to this letter no later than January 18, 2025.
If this is not the case, your use of the image material most likely constitutes a copyright infringement within the territory of the Federal Republic of Germany. If no settlement can be reached, we as Copytrack are directly instructed to enforce these rights for the territory in the Federal Republic of Germany through our German partner lawyers and, in addition, to instruct our respective partner lawyers in other countries to examine and, if necessary, enforce the infringement of the rights in the respective countries. You could then be legally obligated to compensate our client for the damage caused by this copyright infringement.

Sie akzeptieren Paypal, Credit Card oder Banküberweisung.

Ich frage mich, wie viele das gleich machen, um das Problem loszuwerden. Ich nicht. Ich gehe auch nicht irgendwelche Links klicken. Man sieht irgendwo in dem (sehr professionell aufgemachtem) mail das Bild und wo es ist.

Also mein erster Schritt: Um was geht es genau? Das Bild wurde 2010 (ja, vor 15 Jahren) gepostet. Es war ein Künstlerportrait, gemacht aus Tabletten und Kapseln. Ich fands toll – auch wegen dem Hintergedanken, den ich sah: der portraitierte Heath Ledger ist kurz vorher an einer Überdosis Medikamenten gestorben. Und so hab ich es kommentiert. Und den Künstler genannt. Und die Seite des Künstlers, von der ich das hatte verlinkt.

Screenshot

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, aber ich denke, ich habe da nichts falsch gemacht. Meiner Meinung nach fällt das posten dieses Bildes auf meinem Blog unter das „fair use“ Prinzip.

If you are commenting upon or critiquing a copyrighted work—for instance, writing a book review—fair use principles allow you to reproduce some of the work to achieve your purposes. Some examples of commentary and criticism include:
• quoting a few lines from a Bob Dylan song in a music review
• summarizing and quoting from a medical article on prostate cancer in a news report
• copying a few paragraphs from a news article for use by a teacher or student in a lesson, or
• copying a portion of a Sports Illustrated magazine article for use in a related court case.
The underlying rationale of this rule is that the public reaps benefits from your review, which is enhanced by including some of the copyrighted material
. (Quelle: https://fairuse.stanford.edu/overview/fair-use/what-is-fair-use/)

Und dann bezweifle ich irgendwie, dass die Copytrack-Firma, oder die Firma WENN, die sie vertreten, wirklich die Inhaber des Bildes sind. Leider ist die Seite des Künstlers nicht mehr existent. Wenn ich im Internet nach der Firma google, kommen einige andere Seiten, die auch so mails bekommen haben. Mindestens eine hat da erfolgreich nachrecherchiert wegen ihrem geposteten Bild – das einem Musem gehört, das auch von Copytrack angeschrieben wurde, wegen demselben Bild, dass sie da eine Copyright-Verletzung begangen haben …

Ich habe also zurückgeschrieben (nachdem sie das angemahnt haben, weil ich auf das erste mail nicht reagiert habe):

To whom it may concern at COPYTRACK,
I am writing in response to your recent mail regarding an alleged copyright infringement concerning the use of an image on the website pharmama.ch. I want to assure you that the matter has been taken seriously and has been reviewed thoroughly.
The image in question was posted in accordance with the principles of „fair use,“ on a non-profit private blog. It was commenting on the work of the artist and it was accompanied by proper attribution to the artist, including their name and a direct link to their original work. This context falls within the boundaries of fair use as outlined by copyright law.
Furthermore, I must express doubts as to whether the company you claim to represent, WENN, is genuinely acting on behalf of the copyright holder or whether this claim of yours is an attempt to unjustly solicit financial compensation. I kindly request that you provide verifiable documentation or other evidence proving your authority to act on behalf of the copyright holder in this matter.
Notwithstanding the above, the blog post and the associated image have been removed from public access. This decision was made after ensuring that all relevant evidence has been securely preserved.
Should this resolution not suffice in your view, please feel free to contact us again. However, please be advised that any further claims or disputes will be escalated to our legal counsel and insurance for appropriate handling.
Sincerely
Pharmama

Geschrieben mit Hilfe, damit es sich entsprechend professionell und rechtlich anhört, aber ich war durchaus bereit, das an den Anwalt weiterzuleiten. Wir haben eine Rechtsschutzversicherung, die Internet/Online-Probleme einschliesst.

2 „wir haben ihre Nachricht bekommen“ und „haben sie die Fallnummer angegeben?“ mails später:

Dear Pharmama Team,
thank you for your message and explanation.
Please kindly find our client’s confirmation of assignment attached herein for your perusal.
We have reviewed the information provided and decided to close this case.
Thank you and best regards,
Carl
Legal Department
COPYTRACK GmbH
Saarbrücker Straße 18, 10405 Berlin
Germany

Angefügt war übrigens ein Bild von einem Blatt, auf dem bestätigt wird, dass die Firma WENN (in London) der Firma Copytrack (in Berlin) mit der „Auffindung unrechtmässiger Bilder im Internet, deren Urheber oder Nutzungsrechtinhaber ich bin“ beauftragt. Das bestätigt nicht, dass die Firma WENN wirklich Nutzungsrechtinhaber des Bildes ist. Der Künstler Jason Mecier, dessen Werk ich wirklich schätze, ist Amerikaner.

Aber egal, fast überlesen in der Aufregung: Wir haben beschlossen diesen Fall zu schliessen.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt, dass das nicht eine Masche ist – die mails sehen, auch wenn professionell, sehr nach Massenware aus. Vielleicht KI-generiert, die das Internet durchsucht nach möglichen Copyright-Verletzungen. Das ist günstig und schnell. Und schnelles Geld, wenn ohne Widerspruch gezahlt wird.

Ich versuch’s einfach mal in der Apotheke …

Hab ich was verpasst? Kaum aus den Ferien zurück und gleich 2 sehr kreative Versuche an BTM oder BTM-Vorläufersubstanzen zu kommen.

Dieses Rezept (im Bild unten) wurde meiner Azubi vom Patienten in die Hand gedrückt mit den Worten: „Machen sie eine Kopie für mich und bestellen sie mir das Medikament. Ich komme später wieder.“

Die Kopie hat sie gemacht – für mich allerdings. Wir haben das Medikament weder bestellt noch abgegeben.
Auf dem Rezept steht: Dauerrezept Elvanse 30mg 1 x 1 Kapsel pro Tag.
Elvanse ist ein Ritalin-ähnliches Stimulans, für seit der Kindheit bestehendem ADHS bei Patienten über 6 Jahren. Die Behandlung soll nur von Ärztinnen bzw. Ärzten, die auf Verhaltensstörungen von Kindern und Jugendlichen bzw. Erwachsenen spezialisiert sind, begonnen werden und muss auch von ihnen überwacht werden. Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz wegen Missbrauchs- und Abhängigkeitsgefahr.
Betäubungsmittelrezepte unterstehen strengen Vorschriften. Es braucht spezielle Formulare mit 2 Durchschlägen (weiss, rosa, blau), Es darf nach Ausstellen nur innert 1 Monat eingelöst werden. Dauerrezepte sind für maximal 3 Monate möglich.

Ich bin nicht sicher, was ich davon halten soll. Der Patient ist mit Jahrgang 52 (viel) älter als ich, dass da auf ADHS behandelt werden soll ist unwahrscheinlich. Ein Augenarzt hat das Rezept ausgestellt – wofür? und dann nicht mal korrekt. Ich schätze mal, das war ein Wunsch des Patienten und er wollte einfach nicht mit ihm diskutieren?
Das wollte ich auch nicht – ich habe ihm dann nur gesagt, dass das Rezept so nicht gültig ist, und dass er, wenn er das Medikament braucht, vom bisher ausstellenden Arzt ein richtiges Betäubungsmittelrezept dafür braucht.

Dann das hier: ein Mail am Samstag kurz vor Ladenschluss. Eine Bestellung.

im mail steht: (Absender Name20@icloud.com)
Guten Tag
Hier ist die Ärztin
Ich würde gerne 2 mal GHB 30 ml bestellen bei Ihnen das ich das nächste Woche mit Ausweis bei ihnen abholen kommen kann.
Schreiben sie mir doch gerne eine nachricht wenn dieses Produkt bei der Apotheke eingetroffen ist.
Danke ihnen für die Rückmeldung und liebe Grüsse
(Name)

Das mail wirft bei mir so viele Fragen auf.
GHB ist eine Abkürzung. Für Gammahydroxybuttersäure, umgangssprachlich auch Liquid Ecstasy oder KO-Tropfen genannt. Es ist eine Droge, missbrauchsgefährdet (zum Eigenbedarf und um andere zu betäuben), der Wirkstoff hat aber tatsächlich eine Anwendung: bei Narkolepsie. Dafür gibt es eine zugelassene Spezialität (Xyrem in der Schweiz). Es fällt unter das Betäubungsmittelgesetz – mit den entsprechenden Vorgaben. Wäre das mail wirklich von einer Ärztin (worauf weder Absender, noch Inhalt hindeuten – und im Ärzteverzeichnis ist der Name auch nicht drin) – wüsste die Person das und würde es nicht so bestellen.

Schreibe also zurück
Guten Tag
Hier ist die Apothekerin

…. (wie formuliere ich das am besten?)

So long …

Wer den Antibiotikarechner, den ich vor einiger Zeit erstellt habe nutzen will, den empfängt per sofort diese Nachricht auf der Website:

Das war leider nötig, nachdem ich Post erhalten habe von der swissmedic. Sie stufen den Antibiotikarechner, den ich zusammen mit einem Apotheker aus Österreich erstellt habe und mit dem man für die in der Schweiz erhältlichen Antibiotikasirupe einfach die Dosierungen kontrollieren konnte als „Medizinalprodukt“ ein. Als solches fällt das unter ihre Kontrollaufsicht und sie wollen per 22.9. eine Tonne Unterlagen (Konformitätserklärung, -Bescheinigung, Klassifizierung und Produktekennzeichnung, Lizenzvereinbarung etc.). Für die Bearbeitung stellen sie 200 Franken pro Stunde in Rechnung (bis jetzt eine, weitere nach Aufwand)…

Das ist für mich als Privatperson (und dazu noch alleine) unmöglich zu liefern, schon gar nicht in der kurzen Zeit. Weitere Bearbeitungsgebühren in unbekannter Höhe für die gratis angebotene Dienstleistung der Seite kann ich mir auch nicht unbedingt leisten. Ich hab mich deshalb schweren Herzens entschlossen die Seite per sofort vom Netz zu nehmen.

An alle, die die Seite brauchen konnten und genutzt haben: Tut mir sehr leid!

Gehört ihr dazu?

Geimpften-Bashing

Impfgegner gibt es wohl so lange es Impfungen gibt. Ich hab etwas Schwierigkeiten damit, wenn Leute selber nicht sehen können (oder wollen), was für ein Geschenk für die Gesundheit Impfungen eigentlich sind und wie fantastisch die Erfolge damit schon waren. Aber wenn sie das nur auf ihre eigene Impfungen beziehen, finde ich das meist ignorierbar. Egoistisch ja, dumm vielleicht auch, aber ignorierbar. Ich hab mehr Mühe damit, wenn offenbar gezielt Falschinformationen gestreut werden, die möglichst Zweifel säen sollen, damit sich offenbar möglichst viele nicht impfen. Das ist dann nicht mehr nur egoistisch, das ist gefährdend.

Beispiele für so gestreute Fehlinformationen und vor allem Ergebnisse derselben, sieht man inzwischen sogar ausserhalb dieser Bubbles. Leider. Sowas zum Beispiel: Ein Schild in einem Geschäftseingang, Fitnesstudio (habe ich mir sagen lassen). Darauf steht !!!CORONA !!! Schutzmassnahme GEIMPFTE PERSONEN BITTE NICHT EINTRETEN – nur Gespräche im Aussenbereich und mit FFP2 Maske. Helfen Sie uns die Mutationen zu Unterbinden.

Und was soll das? Das beruht auf der in den sozialen Medien (und so Messengerdiensten wie Telegram) herumgehender Fehl-Information, dass geimpfte ansteckend seien. An manchen Stellen steht als geimpfter würde man das Virus streuen, an anderer grad, es seien die Spike Proteine, die man nach der Impfung produziert. „Shedding“ liest man in dem Zusammenhang.

Dazu ein paar Fakten: Theoretisch kann man nach einer Impfung Viren weiter verbreiten. Einerseits, weil man sich auch nach der Covid-Impfung noch anstecken kann. Zum Glück sind die Folgen aber viel undramatischer als ohne Impfung. Die Impfung vermindert die Schwere des Verlaufes stark und es gibt noch viel weniger Todesfälle (gegen Null). Darum ist es auch weiterhin wichtig, bei Symptomen vorsichtig zu bleiben. Was die Impfung aber auch macht: sie reduziert die Wahrscheinlichkeit andere anzustecken. Man züchtet auch nicht mehr Mutationen durch eine Impfung. Die passieren eher bei massenhafter Verbreitung des Virus – deshalb ist die Eindämmung des Virus wichtig und der Aufbau einer Herdenimmunität durch die Impfung.

Die andere Möglichkeit nach einer Impfung ein Virus zu verbreiten besteht bei Lebendimpfstoffen, die danach ausgeschieden werden können. Aktuell ist das nur bei einem Impfstoff auf der ganzen Welt der Fall: dem oralen Polio-Impfstoff. Gegen Covid werden aber keine Lebendimpfstoffe eingesetzt. Nicht mal Nicht-Lebend-Impfstoffe wie ganze Inaktivierte Viren. Man benutzt mRNA-Impfstoffe und DNA- und Vektorimpfstoffe – diese enthalten keine vermehrungsfähigen Viren und sind somit nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ganz abstrus wird die Geschichte bei den Leuten, die glauben, dass geimpfte Personen das Spike Protein streuen …. und dass das irgendwelche gesundheitlichen Auswirkungen habe auf nicht-geimpfte. Das Spike-Protein ist der Bestandteil der Virushülle des neuen Coronavirus für das die m-RNA Impfstoffe praktisch den Bauplan liefern. Der Körper produziert dann (in kleinem Rahmen) dieses „fremde“ Protein, das dann von unseren Immunzellen erkannt wird und darauf Antikörper gebildet. Der Körper macht das mit der Spike-Bildung allerdings nicht lange (ist auch nicht nötig) und die Spike Proteine wurden exta ausgewählt, dass sie wirklich spezifisch sind … darauf gebildete Antikörper reagieren nicht auf körpereigene Strukturen, so dass auch darauf basierende Theorien wie dass das Auswirkungen habe auf die Fruchtbarkeit, mehrfach und mit Sicherheit widerlegt werden konnten. Ausserdem: wenn man das Spike-Protein streuen würde als geimpfter … dann käme das praktisch einer Impfung der Umgebung gleich. Die würde dann ja Antikörper bilden gegen das Spike Protein und damit das neue Coronavirus. Leider passiert das nicht.

Noch ein Beispiel das in sozialen Medien umgeht: „Wegen dem erhöhten Risiko von Blutgerinseln nach mRNA Impfstoffen diskutierten Fluggesellschaften darüber, dass Geimpfte nicht fliegen dürfen, weil das zu gefährlich wäre“. An andere Stelle schon gehört: „2 Fluggesellschaften transportieren keine Geimpften mehr, weil das zu gefährlich ist während oder nach dem Flug eine Thrombose zu machen.“

Zumindest auf den ersten Blick eine Halb-vernünftige Erklärung. Aber die Fluggesellschaften ignorieren das (auch jetzt schon bei Langzeitflügen vorhandene) erhöhte Thromboserisiko seit Jahren gekonnt … oder jedenfalls hatte es bisher kaum merklich Auswirkungen. Die Stühle sind immer noch gleich eng (bis enger), man soll möglichst angeschnallt bleiben während dem Flug, höchstens, dass sich die Möglichkeit an Flüssigkeit zu kommen etwas verbessert hat. Risikopersonen, die zum Arzt gehen, bekommen Kompressionsstrümpfe empfohlen und Blutverdünner verschrieben (Schwangere zum Beispiel), aber der Rest bekommt kaum etwas davon mit … und kontrolliert werden solche Risikopersonen durch die Fluggesellschaften auch nicht. Da würden sie sich ins eigene Bein schneiden, wenn sie da Vorlagen machen, respektive diese Leute gar nicht fliegen liessen.

Aber was ist mit der Aussage, dass das Risiko von Blutgerinseln nach einer Covid-Impfung erhöht ist? im Artikel im Bild steht da „Genau in diesem Moment beraten die Fluggesellschaften über die geimpften Kunden und das grosse Risiko, dass sie durch die experimentellen mRNA Impfstoffe Blutgerinsel bekommen“. Soooo … ihr habt sicher auch von dan Fällen gehört, dass nach der Covid-Impfung Thrombosen aufgetreten sind. Es sind (bekannte) Einzelfälle. Das Risiko ist etwa 6 auf eine Million Impfungen – und damit wesentlich geringer als das Risiko eine Thrombose zu machen wenn man Schwanger ist, wenn man die Pille nimmt, oder wenn man raucht. Dafür gibt es inzwischen schöne Vergleichstafeln:

Und es betrifft nicht mal alle Covid-Impfstoffe: Es geht hier vor allem um den von Astra Zeneca und den von Johnson und (jetzt kommt der Hammer): das sind beides NICHT mRNA-Impfstoffe!

Es gibt sicher noch mehr so Fake-Information, die zur Verunsicherung gestreut wird. Wer zweifelt wird sich dadurch bestärkt fühlen, auch wenn sich diese Information widerlegen lässt, wenn man etwas besser hinschaut und nachforscht. Sagen nicht grad so Querdenken, dass es wichtig ist, selber nachzudenken und sich zu informieren? Auch deshalb ist es wichtig, dass man derartiges nicht einfach nur stehen lässt, sondern kommentiert. Und dass man auf die Leute hört, die sich damit auskennen.

Zum Beispiel Dr. Constantine Bloch, die hier einen Vortrag hält, um Fehlinformationen zu zerstreuen und die Impfbereitschaft unter dem Pflegepersonal etwas zu erhöhen:

Mit gutem Vorbild voran: bei uns in der Apotheke sind inzwischen 14 von 15 Personen geimpft. Dafür bin ich dankbar.