Von der Idee zum Buch

And now to something completely different (wie Monty python immer sagte). Buchveröffentlichung. Ich hatte ja das Glück ein Buch zu veröffentlichen beim Rowohlt Verlag … und danach habe ich im Self publishing weitere Bücher veröffentlicht. Auf dem Weg habe ich einiges gelernt, von dem ich denke, dass ich es mit Euch teilen kann.

Am Anfang steht die Idee – mit der zündenden Idee für eine Geschichte oder für ein Buch allgemein beginnt es. Doch wie kommt man von der Idee zum Buch? Ein richtiges Buch, das man in der Hand halten, lesen, verschenken kann … und das sich öffentlich bestellen lässt und vielleicht sogar im Buchhandel wiederfindet?

Wenn Du ein Buch veröffentlichen möchtest, hast Du verschiedene Möglichkeiten, alle mit Vor- und Nachteilen. Schwierigkeitsstufe von sehr einfach bis erschwert. Du solltest Dir zuerst ein paar Fragen beantworten, respektive, dir klar werden, was du willst:

– willst Du einfach dein Buch einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen?
– reicht es, wenn es über Amazon und Co. erhältlich ist, oder soll es wirklich in den lokalen Buchhandel vor Ort kommen?
– willst Du damit Geld verdienen?
– wie professionell soll es sein?

Die verschiedenen Möglichkeiten:

Via Verlag (wie Rowohlt):

Schwierigkeit eher hoch, da erst ein Verlag oder ein Agent gefunden werden muss. Dafür schickt man sein Exposé (die Idee, wie das Buch aufgebaut ist mit grober Kapitelübersicht und Textproben) an verschiedene Verlage, die schon ähnliche Bücher veröffentlicht haben, bis einer sein Interesse zeigt. Dann bekommt man einen Autorenvertrag, Die Hälfte des Honorars vor Abgabe des Manuskriptes, die andere nach Abgabe. Der Verlag macht dann das Lektorat (Schreibfehler und Satz etc.), sorgt für ein passendes Cover und (ganz wichtig) macht dafür Werbung auf den wichtigen Kanälen und bringt das Buch in den Buchhandel überallhin.

Kosten: * keine, (Ein eventueller Agent bezieht einen Prozentsatz vom Honorar des Verlages)

Einnahmen: ****
Ein Honorar in der Höhe von ein paar Tausend Euro als Erstlingsautor und (falls das Buch zum Bestseller wird) irgendwann später einen Prozentsatz vom Verkauf jedes Exemplars.

Aufwand: ***** bis *
Anfangs gross zum Finden des Verlages – schreiben von Exposé, suchen und anschreiben der Verlage, danach aber gering: Text schreiben und Lektorat / Cover anschauen und gutheissen innerhalb der Deadline.

Aussehen: *****
sehr professionell, aussen wie innen.

Reichweite: *****
sehr gross. Im Buchhandel lokal und Online.

Nachteile: *
Ein Autorenvertrag mit einem Verlag ist schwierig zu erlangen, aber nicht unmöglich. Es ist abhängig davon, ob ein Markt für das Buch vorhanden ist. Braucht eventuell viel Zeit und Ausdauer. Bis das Buch nach dem Finden des Verlages dann draussen ist nochmals (mindestens) ein Jahr.

Via Pseudoverlag / Zuschussverlag:

Das sind kleine „Verlage“ die zum Beispiel auf Messen oder auch im Internet „Neu- und Erstautoren“ suchen, die gerne veröffentlicht werden wollen. Sie gehen im Gegensatz zu den normalen Verlagen direkt auf die Autoren zu und bieten ihnen, sie zu veröffentlichen, im Gegenzug zu gewissen Leistungen, die dann bezahlt werden müssen (deshalb „Zuschussverlag“). Das bedeutet, als Autor liefert man den Text und sie machen das Lektorat, das Cover und die Werbung und veröffentlichen und vertreiben das Buch.

Nachteile: ***  
Gelegentlich sind weder Lektorat noch Cover das Geld wert, respektive wirklich professionell. Werbung machen sie auf Kanälen, die die breite Öffentlichkeit oft nicht erreichen. Und in den lokalen Buchhandel kommt man damit auch nicht, denn die nehmen Bücher solcher Verlage im Normalfall nicht an Lager, ausser man bemüht sich als Autor selber und geht in die Buchläden hausieren und macht zum Beispiel Vorlesungen.

Dafür bezahlt man bei manchen Verlagen für Zusatzleistungen wie Lektorat und Cover extra und manchmal auch noch für den Druck einer gewissen Auflage im Voraus … wobei dann unsicher ist, ob das tatsächlich verkauft wird. Andere verlangen das nicht, aber die Abgeltung pro verkauftem Buch ist sehr gering und bewegt sich bei einem Verkaufspreis von 25 Euro nach Abzügen um die 50 Cent bis 1 Euro – das versteckt sich oft hinter der Bezeichnung „20% vom Netto-Verkaufspreis“. Ich habe ausserdem gefunden, dass diese Verlage Bücher häufig nur als Hardcover anbieten – die kosten dann auch im Verkauf einiges mehr – und sind im Gegensatz zu Taschenbüchern schwieriger zu verkaufen.

Kosten: * bis *****
Je nach Verlag von gratis bis ein paar Hundert bis sogar paar Tausend Euro,

Aussehen: * bis ****
Kann professionell sein, Cover und Inhalt (muss aber nicht)

Reichweite: *
Klein.

Einnahmen: *
gering

Eigenaufwand: *
Sehr gering (Text abliefern).

Faktisch ist das heute oft „unterstütztes Self-Publishing“. Wenn man einfach nur mit geringem Aufwand veröffentlicht werden will und nichts (oder wenig) verdienen will, ist das eine Option … dabei sollte man aber vorher gut den Vertrag anschauen, Erfahrungen und Rezensionen vergleichen und abklären, was sie wirklich bieten damit man da nicht einfach unnötig viel Geld hineinsteckt für sein eigenes Ego.

Liste von Pseudo- und Druckkostenzuschussverlagen: https://neinzudruckkostenzuschussverlagen.blogspot.com/p/blog-page_53.html

Im Selfpublishing oder Print on Demand:

Das ist wirklich die „Do it yourself methode“. Du schreibst den Text, Du machst das Cover (oder lässt es dir von jemandem erstellen), Du machst Lektorat und Satz (da gibt es Hilfsprogramme, die gratis und ziemlich gut im Formatieren sind, aber Rechtschreibefehler oder Plotlücken finden die nicht), Du ladest das alles hoch im richtigen Format. Der Selfpublishing Verlag macht dann den Rest: sie stellen das Buch online auf die verschiedenen Plattformen ein, sie drucken das Buch dann, wenn es bestellt wird (deshalb auch das „on demand“ – auf Verlangen) und schicken es an den Leser.

Einnahmen: ** – ***
Du bekommst einen Teil vom Verkaufspreis (den Rest behalten sie für Druck und Vertrieb). Beispiel: Für ein 10 Euro Taschenbuch bekommst Du etwa 3 Euro. Wenn Du den Verkaufspreis erhöhst, steigt dein Verdienst, wenn du die Herstellung teurer machst (Farbbücher, cremefarbene dickere Seiten) sinkt dein Verdienst. Und je mehr du verkaufst, desto mehr nimmst du ein … das ist dann oft abhängig davon ob und wie und wo Du Werbung machst dafür.

Kosten: *
Ausser kdp verlangen manche Selfpublisher Verlage einen geringen Installationspreis (um die 25 Euro für ein Buch). Sie übernehmen dafür aber das Besorgen einer richtigen ISBN, liefern das Pflichtexemplar an die Nationalbibliothek und machen den Eintrag in die VLB (das Verzeichnis lieferbarer Bücher anhand dessen die Buchhändler das Buch dann bestellen können. Sie listen das auch in Amazon und anderen Online-Läden, so dass es praktisch überall bestellbar ist. – Kdp ist dagegen komplett gratis, aber macht all das nicht.

Aufwand: * – **
Technisch kein Problem (bei manchen Verlagen ein bisschen eine Lernkurve). Wenn man es professionell will, kann man Leute für die Covergestaltung und das Lektorat selber suchen und bezahlen (da gilt: man bekommt qualitätsmässig, wofür man bezahlt).

Reichweite: * – ***
mässig bis gross. Hier kommt es darauf an, ob und wie man selber Werbung für sein Buch machen kann. Am besten auf den sozialen Kanälen wie dem eigenen Blog, Website und Facebook, Instagram etc. sowie in Gruppierungen für Selbstpublisher und Lesezirkeln. Das funktioniert recht gut, wenn man schon einige Follower hat und eventuell ein bestehendes Netzwerk.
Die Bücher können dann über die Seiten der Verlage und bei Amazon bestellt werden und werden zeitnah (innert Tagen) gedruckt und versendet. Gut laufende Bücher nimmt Amazon auch an Lager. Bei Amazon ist das Bestellen und schicken lassen meist sehr günstig – auch deshalb verkauft man hier die meisten Bücher.

Nachteile: *
Die Bücher von kdp und anderen Self-publishing Verlagen werden nie im lokalen Buchhandel landen, vor allem, wenn man das nur bei Amazon via deren Print-on-demand Verlag kdp aufgelegt hat. Kdp ist der „einfachste“ dieser Verlage und hat einen riesigen Absatzmarkt, nicht nur in Europa, auch in den USA. Für die lokalen Buchhändler ist das aber einfach nur Konkurrenz und sie werden nie ein Buch bei kdp für einen Kunden bestellen.

Beispiele von Self publishing Verlagen (unvollständig): amazons kindle direct publishing, Book on demand, lulu, epubli, tredition, ingramspark (englisch mit internationalem Absatz).

Es gibt aber einen Weg, wie man sein Selfpublishing Book doch in den normalen Buchhandel bringen kann:

Dafür muss man sich selber zum Verlag machen und kauft sich für das Buch eine eigene ISBN-Nummer. Dann das Buch bei einem Self publisher Verlag wie zum Beispiel BoD oder ingram spark aufsetzen und gleichzeitig bei kdp aber mit Ausschluss der „erweiterten Vertriebswege“ und der gekauften ISBN statt der kdp-eigenen. Aufwand: gross.

Kosten: ca. 100 Euro für die ISBN Nummer und ein paar Stunden Arbeit das nachher händisch bei VLB anzumelden (und regelmässig nachzutragen) und Belegsexemplare an die Nationalbibliothek zu senden.

Damit sind die Bücher aber bei den Lageristen der Buchhändler erhältlich und sie bestellen das (aber nur bei Nachfrage) auch dort. Oder man kann sich selber ein paar Bücher drucken lassen und vertreibt sie dann von zu Hause aus an Buchhändler oder Bestellende Kunden. Sich als Autor eigene Bücher (Autorenexemplare) drucken zu lassen ist ausgesprochen günstig: so ein 10 Euro Buch um die 3 Euro… wenn man die aber weiterverkauft sollte man ein Gewerbe anmelden. Aufwand, den man sich vorher überlegen sollte, ob man ihn machen will.

Resourcen:

selfpublisherbibel.de – für alles über Self publishing

reedsy.com (auf englisch) – gratis und einfach zum hübsch gesetzten Buch

canva.com – für Covergestaltung und Bilder

Habt ihr schon ein Buch veröffentlicht? Wo und wie? Wie sind eure Erfahrungen?

Links zum Buch in den Kommentaren ausdrücklich erlaubt.

5 Antworten auf „Von der Idee zum Buch

  1. Danke für die interessante Übersicht. Mir war bisher nicht klar, wie das mit den Zuschussverlagen funktioniert. Das erklärt auch die grauenhafte Aufmachung mancher Bücher (via Anschaffungswünsche kaufen wir immer mal wieder solche Titel), manche sind wahre Bleiwüsten mit extrem lieblos-hässlichem Cover.

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  2. Ein kurzer von einem professionellen Bücherwurm: Das N in ISBN steht für Nummer, somit ist ISBN Nummer eine Dopplung, grammatikalisch korrekt wäre nur ISBN oder ISB Nummer :)

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