unspektakuläre Rettungen

Die Patientin kommt mit einem Rezept für Zaldiar gegen ihre Arthritis-Schmerzen.

Das Problem: sie hat eine Allergie gegen Paracetamol, einem der beiden Wirkstoffe im Zaldiar (so festgehalten bei uns im Dossier) und nimmt regelmässig Marcoumar als Blutverdünner – was das Finden eines geeigneten Schmerzmittels etwas einschränkt.

Und sie geht zu verschiedenen Ärzten, die das verschreiben.

Was sie aber richtig macht: Sie kommt eigentlich immer zu uns, ihre Medikamente einlösen. Darum wissen wir ja auch diese Sachen: Patientendossier sei Dank.

Wir rufen dem das Zaldiar verschreibendem Arzt an wegen einem Austausch. Bei ihr empfiehlt es sich gleich Tramadol zu nehmen – wegen der Allergie und möglicher Wechselwirkung, die die anderen NSAID machen.

Der Arzt ist einverstanden und schickt ein neues Rezept.

Vielleicht haben wir ihr hier gerade unspektakulärerweise das Leben gerettet.

Und das ist der Grund, warum man sich eine Hausapotheke suchen sollte und bei ihr bleiben.

Yay!

17 Antworten auf „unspektakuläre Rettungen

  1. Ja so handhabe ich das auch. Nur ganz gelegentlich kaufe ich, meist OTC-Sachen, auch mal woanders, wenn ich auswärts bin oder so, von denen ich aber sicher weiß, dass sie unproblematisch sind, weil ich sie schon mal zusammen mit meiner aktuellen Liste an Medikamenten zusammen hatte.

    Ansonsten ist meine Stammapotheke zuständig, bei der es auch kein Problem ist, wenn der Arzt mal das aut idem Kreuz beim Thyroxin vergisst.

    Und außerdem, brauch ich keine Quittungen zu sammeln sondern bekomme eine Jahresabrechnung, was die Einreichung zur Erstattung der über die Deckelung hinausgehenden Zuzahlungen bei der Kasse auch um einiges bequemer macht. Aber das ist gegenüber dem Sicherheitsaspekt natürlich eher ein zusätzliches Gimmick.

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      1. Pharmazeutische Bedenken wegen geringer therapeutischer Breite anmelden ;) So zB auch bei anderen, bestimmten, Arzneistoffen möglich mfg

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          1. Genau, bzw das Generikum was der Patient gewohnt ist und worauf er
            eingestellt ist; siehe
            http://www.deutschesapothekenp… Geht aber wie gesagt nur bei manchen Arzneistoffen und man darf als vorschießende Apotheke darauf hoffen dass die Sachbearbeiter/in der Kasse dass auch weiss….

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        1. Genauso isses. Ich bin aus therapeutischen Gründen hart am Rand der Überfunktion eingestellt. Wegen der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit käme ein Präparatewchsel einer spürbaren Dosisänderung gleich. Deshalb wird empfohlen, bei einer einmal gut passenden Einstellung bei völlig schilddrüsenlosen Patienten den Hersteller nicht zu wechseln, da sonst eine Neueinstellung notwendig würde. Deshalb macht das der Apotheker so. Ist bisher aber nur einmal vorgekommen, da der Arzt das Kreuz bisher meistens gemacht hat oder ich das Fehlen rechtzeitig bemerkt habe.

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          1. Das macht grundsätzlich natürlich Sinn. Die nächste Frage ist dann natürlich, ist das unter Apothekenmitarbeitern verbreitetes Wissen. Wenn man zu einer (Nicht-Stamm-) Apotheke geht, und denen das sagt, ist es wahrscheinlich, dass einem das erforderliche Medikament verweigert wird?

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          2. Es handelt sich um Wissen, welches jedem Mitarbeiter einer Apotheke bekannt ist. Eine vernünftige Apotheke kann und wird sich weigern, die Rabattverträge auszuführen, wenn es einen triftigen pharmazeutischen Grund gibt (und der kann beispielsweise „mangelnde Compliance“ sein, also das Nichtmitarbeiten des Patienten). Letztlich ist der abgebende Apotheker haftbar, wenn mit einem Rabattarzneimittel ein Schaden bei einem Patienten verursacht wird.

            Allerdings haben die Kassen da das Druckmittel der Retaxation in der Hand. Sprich: Sie zahlen das abgegebene Arzneimittel der Apotheke eventuell nicht. Das ist ne fiese Nummer.

            Man muss es ehrlich sagen: Generika bedeutet +25% bis -20% der Wirkung im Vergleich zum Original sind gesetzlich als gleichbedeutend deklariert. Bei vielen Arzneimitteln ist es trotzdem völlig egal, welche Firma es ist. Da sind diese 45 % für die Wirkung (oder auftretende Nebenwirkungen) völlig ohne Bedeutung.

            Bei einigen Arzneimitteln ist diese Spanne von 45% trotzdem für die Wirkung (oder auftretende Nebenwirkungen) bedeutsam: z.B. Marcumar, Schilddrüsenhormone, einige Neuroleptika, usw.

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  2. Naja, und wenn nicht das Leben gerettet, so doch möglicherweise einen unangenehm juckenden Ausschlag erspart. Allerdings sollte man ihr schon auch empfehlen, wenn sie denn schon zu mehreren Ärzten geht, ihre Allergien auch dort zu Protokoll zu geben. Hier in D fällt dieses Argument pro Stammapotheke übrigens weg, da Patientendossiers hier nicht geführt werden (und ich bin mir nichtmal sicher, ob sie überhaupt erlaubt sind).

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    1. Das stimmt so nicht ganz. Viele Apotheken bieten eine Kundenkarte an und in der Kundendatei dahinter werden dann (mit Einverständnis des Kunden) die Medikamente gespeichert, die er kauft. Allerdings nur die. Es dauert also, bis man alle drin hat. Allergien können dann auch oft eingetragen werden. Je nach Programm.
      so habe ich auch schon einige Wechselwirkungen entdeckt.
      Ich wäre ja dafür solche Sachen auf der Krankenkarte zu vermerken und den Apotheken den Zugang zu den Daten zu erlauben. Das wird aber wohl noch dauern.

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      1. Ich bin da eher kritisch, was das Festhalten medizinischer Daten in vielen verschiedenen Datenbanken angeht. Datenschutz ist schon in den Arztpraxen und Krankenhäusern schwierig genug zu gewährleisten (und sicher viel zu oft nicht adäquat gelöst), und die Apotheken sind in Deutschland ja gerade eher wegen Handel mit wohl unzureichend verschlüsselten Patienten/Rezept-Daten im Gerede. Das ist nicht gerade geeignet, das Vertrauen in die dortige Datensicherheit zu stärken…

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        1. Hier muss ich mal korrigieren. Nicht die Apotheken sind da im Gerede (auch wenn immer von DEN APOTHEKEN gesprochen wird), es sind die Abrechnungszentren. Und das GEREDE ist an den Haaren herbeigezogen zwischen den Datenschutzbeauftragten unterschiedlicher Bundesländer. Frag mal lieber die Gesetzlichen Krankenkassen! Die geben ALLE Rezeptdaten UNVERSCHLÜSSELT an ihre Retax-Dienstleister (inklusive digitalem Bild des Rezepts) – und was die damit machen (außer Rexax-Dienstleistungen) steht in den Sternen! Deswegen halten sich die Kassen in dieser Schlamm-Schlacht-Debatte auch schön zurück – noch keine hat ihren Senf dazugegeben – schließlich würde sonst mal RatzFatz einer die Retax-Dienstleistungs-Praxis ansprechen…

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          1. Bestimmt wird auch anderswo mit der Datensicherheit geschlampt. Aber mangelnder Datenschutz an der einen Stelle kann ja nicht als Rechtfertigung dafür dienen, es an anderer Stelle auch nicht so genau zu nehmen. Und ja, egal ob die Apotheken selber das „Leck“ haben, oder die von ihnen beauftragten Abrechnungsstellen, welche von den Apotheken die Daten erhalten, ein Problem scheint es da schon irgendwo zu geben… Man muss eben sehen, dass die Daten nur an den absolut erforderlichen Stellen gespeichert werden. Bei Ärzten und Kassen kommt man nicht darumherum, für die verordneten Medikamente auch bei den Apotheken, aber überall anders finde ich schon viel kritischer. Und auf irgendeiner Chipkarte zu speichern (oder noch besser auf irgendeinem Server im Internet) geht gar nicht.

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          2. @JJ Sei mir nicht böse, wenn ich das so sage, aaaaber: Der „Verkauf“ anonymisierter Rezeptdaten von den Rechenzentren an Dritte im im SGB AUSDRÜCKLICH VORGESEHEN. Da schlagen nämlich nicht nur „böse Industriezweige“ zu, sondern auch „neutrale Wissenschaft“ und „liebe Sozialsysteme“. Die Anonymisierungsverfahren der einzelnen Rechenzentren sind von den einzelnen Landesdatenschutzbeauftragen „abgesegnet“ und zum Teil mehrfach extern zertifiziert. Dass jetzt ein Landes-Datenschutzbeauftragter meint, für ganz Deutschland die APOTHEKEN an den Pranger stellen zu müssen, weil ein Rechenzentrum meint, wenn es (noch) mehr anonymisiert, ist wie Welt besser, ist wohl kaum ein Grund, das gesamte System bei Apotheken und Rechenzentren anzuzweifeln! Viel eher sollte man fragen, was will fragliches Rechenzentrum und fraglicher Datenschutzbeauftrager erreichen!?

            Zum Thema „nicht anonymisierte Rezeptdaten bei Retax-Dienstleistern“ bleibt festzuhalten, dass die fraglichen gesetzlichen Krankenkassen ALLE REZEPTDATEN OHNE JEGLICHE ANONYMISIERUNG an die Retax-Dienstleister geben. Wenn man sich jetzt mal die Page so eines Dienstleistes anschaut – z.B. hier: http://www.protaxplus.de – dann drücke mal auf LEISTUNGEN und da lies die mal ALLE Leistungen durch – inbesondere die „PRÜFJOBS mit indiviuellen Kundenwünschen“, die „Annahme und Archivierung von Verordnungsdaten, Images und Originalen“ und bei der Analyse die „Aufschlüsselung der teuren Leistungsfälle“ scheint mir doch SEHR verdächtig. Was da Leute mit DEINEN Daten machen, die nicht in DEREN hände gehören, können nicht mal alle Apotheken und Rechenzentren zusammen leisten…

            Nicht böse sein, aber dieses ständige Apo-Bashing mit Halbwissen (wo ganz andere gebasht gehörten) finde ich einfach zum …. weinen (oder alternativ mal diese Koordinaten auf einer Karte suchen: 52° 38′ 15″, 12° 31′ )

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    2. Allergien haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie sehr unterschiedlich ausfallen können. Ausschlag wäre noch die untere Grenze der Reaktionsspanne- nach oben ist das weit offen.

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  3. Um mal zum Thema zurück zu kommen: Toll gemacht, Pharmama!

    Das Traurige ist, dass es keien Statistik gibt über solche Probemlösungen und solche „verhinderten“ Zwischenfälle. So bekommt das ganze niemand als „schöne PowerPointPresentation“ serviert, und die Apotheke arbeitet „im Verborgenen“ … halt „ohne Mehrwert“…

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  4. Noch ergänzend an JJ: Was den Datenschutz angeht, muss ich doch noch was ergänzen. Apotheker gehören zu dem Personenkreis, der gemäß §203 Strafgesetzbuch Verschwiegenheitspflicht haben – genau wie Ärzte oder Anwälte.

    Bricht ein Apotheker diese Schweigepflicht kann er mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft werden. Damit gilt er als vorbestraft und dürfte seine Zulassung damit auch los sein.

    Ich würde mir an Deiner Stelle wenig Sorgen machen, dass Apotheker plaudern.

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