Genau das richtige für Ihr Problem!

Ich habe definitiv unterschätzt, wie sehr einen 2 Wochen fast ununterbrochene Arbeit auslaugen können. Es ist nicht nur das Geschäft und die Samstage, die ich übernommen habe. Es ist auch zuhause – es ist ja nicht so, dass meine „Arbeit“ fertig ist, wenn ich aus dem Geschäft komme. Ich habe noch eine Familie. Die will bekocht sein, Junior von der Schule, der Logopädie oder dem Schwimmen abgeholt und gelegentlich gebracht. Etwas zusammen unternommen. Und dann war da noch das Wochenende, wo ich mit meinem Mann in geschäftlicher Funktion unterwegs war. Sein Geschäft heisst das.

Jedenfalls fängt das an anzuhängen. Und da brauche ich jetzt einen Kaffee – auch als Coffeinspender. Ein Schluck und schon spüre ich die anregende Wirkung vom Coffein. Mehr wach.

Es geht doch nichts über einen anständigen Placebo Effekt!

Das lässt mich daran denken, dass ich als Pharmazeut einen enormen Einfluss auf die Wirkung eines Mittels haben könnte, einfach indem ich bei jedem Medikament, das ich abgebe es preisen würde. Das würde – sagt der Placebo-Effekt- das Ansprechen auf die Therapie enorm verbessern.

„Diese Schmerzmittel-Tabletten sind das Beste seit der Erfindung des Rades!“

… Würde das als unethisch angesehen werden?

Ich habe schon ein paar solche Aussagen gemacht, damit der Patient sich besser fühlt – und auch manchmal, damit er das Mittel überhaupt nimmt. Ist das so etwas wie eine weisse Lüge?

Frage an meine Mit-Medizinal-Personen: Wenn Du mit einem Patienten redest, übernimmst Du dann persönliche Verantwortung bei der Beantwortung seiner Fragen?

Ich meine: Benützt Du Phrasen wie „Man sagt …“ und verweist auf ein schwer fassbares Team von Experten und gemachte Studien oder sagst Du „Ich denke …“ und verweist auf Deine eigene Erfahrung?

Wie Zuversichtlich beantwortest Du Fragen auf die es bestenfalls zweideutige Antworten gibt? Es ist halt in der Medizin wie in allen Naturwissenschaften: 100% gibt es eigentlich nicht und es bleiben immer Unsicherheiten.

„Wird das meiner Allergie helfen?“ Es sollte. Es wird. Ich kann nicht sicher sein.

„Ist das das beste gegen meinen Juckreiz?“ Man sagt so. Wahrscheinlich.

„Macht das Simvastatin meine Leber kaputt?“ Studien zeigen … Experten sagen …

„Ist Aspirin oder ist Panadol besser gegen Migräne?“ Das kommt darauf an. Das ist ihre Wahl. Sie müssen es ausprobieren.

Können wir überhaupt Verantwortung übernehmen für etwas, wo wir nicht sicher sein können?

Ist überhaupt etwas sicher oder ist es überheblich zu behaupten, wir wüssten wie etwas herauskommt?

Ist X für die Behandlung von Y? – Ja.

Wird es bei meinem Y helfen? – Hoffentlich.

 

Wie beantwortet man so etwas? Oder bin ich einfach in philosophischer Stimmung, weil ich so müde bin?

24 Antworten auf „Genau das richtige für Ihr Problem!

  1. Ich denke, es ist durchaus vertretbar einem Patienten Mut zu machen wenn er sowieso keine Alternativen hat. „Das ist derzeit das beste auf dem Markt“ bedeutet ja nicht, dass es ein Wundermittel und frei von Nebenwirkungen ist, aber es hilft trotzdem. Du darfst auch deine Meinung sagen und deine Erfahrungen widergeben, sofern du klar machst dass es deine Meinung oder die Rückmeldung deiner Kunden ist und keine universelle Weisheit. Ich glaube aber, jeder Mensch ist verschieden. Die einen profitieren davon, wenn du ihnen den Placeboeffekt mitgibst, die anderen wollen lieber restlos über sämtliche Nachteile und Nebenwirkungen informiert sein. Ich war z.B. mal stinksauer als ich festgestellt habe, dass mir eine Apothekerin einfach was homöopathisches für meine Bindehautentzündung verkauft hat ohne das dazuzusagen. Da gibts dann auch keinen Placeboeffekt mehr, weil ich es nicht nehme ;) Jedenfalls ist da ein bisschen Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis gefragt, was du welchem Kunden an Weisheit mit auf den Weg geben kannst.

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  2. ;-) gute und wichtige Frage!

    Klar versuche ich die Compliance durch Motivation zu steigern.
    Ob ich mich auf Studien oder auf meine persönlichen Erfahrungen oder meine Meinung berufe, hängt auch vom Typ des Kunden ab.
    Manche brauchen „harte Fakten“, andere eher das Gefühl „wenn ich jetzt Ihre einzige heissgeliebte Tochter wäre, was würden Sie mir geben“.

    Unsere Kunden wissen aber auch, dass wir von einem gewünschten Produkt abraten dürfen und es auch tun.

    Und dass wir uns in der Empfehlung nicht von Angeboten, Marken oder Trends leiten lassen. Von daher geniessen wir eh ein großes Vertrauen.

    Zum Thema Placebo:

    Ich hatte eine Kundin nach ausgiebiger Beratung mit einem Schmerzmittel der Firma X ausgestattet, nachdem alles irgendwie nicht geholfen hat.
    Tage drauf kommt sie wieder und erzählt verblüfft, dass sie genau dasselbe Mittel der Firma X daheim hatte. Das von mir verkaufte würde aber helfen, das daheim nicht. Ob wir da eine besondere „Qualitätslinie“ der Firma hätten? ;-)

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  3. Ich finde, das ist keine Frage, die einfach zu beantworten ist… Jeder Mensch und somit jeder Patient ist anders und je mehr Erfahrung man gesammelt hat, desto besser kann man wohl auf die Patienten eingehen.
    Wir (in der Apotheke) sind ausgebildete Fachpersonen und haben (von der Gesellschaft) den Auftrag, die Patienten mit Medikamenten und Informationen zu versorgen. Dabei sollen wir den Patienten nicht schaden…
    Wenn ich einem unsicheren Patienten also sage, dass das Schmerzmittel X wohl nicht das Beste seit Erfindung des Rades ist und dass ich nicht zu 100% sicher sein kann, dass es genau das Beste für ihn ist und er es dann nicht nimmt… Habe ich ihm damit nicht geschadet? Wenn ich das Medikament nicht anpreise, wenn der Patient Bedenken hat, provoziere ich dann vielleicht einen Nocebo-Effekt. Bin ich dann für die Nebenwirkungen verantwortlich?

    Wenn der Patient mehrere Möglichkeiten zur Auswahl hat, versuche ich ja auch, es ihm genau zu erklären, was jede Wahl für ihn bedeutet. (z.B. verschiedene galenische Formen oder ein Generikum statt ein Original-Medikament) Wenn ich dann aber merke, dass der Patient die Entscheidung nicht selber fällen kann oder will, dann kann es je nach Situation sein, dass ich für den Patienten entscheide – möglichst in seinem Sinne. Es ist vielleicht nicht immer die richtige Wahl, aber ich denke, dass ein unsicherer Patient dann seine Medikation gar nicht nimmt und diese Wahl noch schlechter wäre. Oft ist es auch so, dass manche Patienten froh sind, wenn man ihnen die Wahl als Fachperson abnimmt. Und bei manchen Patienten die nicht mündig erscheinen muss ich auch eine Verantwortung mitübernehmen. Dabei denke ich zum Beispiel an Pharmamas Fall einer geistig-behinderten Frau, die die Pille danach wollte oder an ein Kind mit Schramme auf dem Heimweg von der Schule.
    Und dann sind wir wieder zurück bei der „positiven Information“ und dem Placebo-Effekt: Ich denke, dass sich diese Frage gar nicht pauschal beantworten lässt. Aber genau wie bei den Medikamenten muss ich mich bei den „Informationen“ dem jeweiligen Patienten anpassen… Aber ich denke, dass es nicht grundsätzlich falsch ist, dem Patienten etwas „schön zu reden“, wenn es dem Patienten schlussendlich hilft. Das Problem ist wohl einfach, dass man kein Macht-Gefälle aufbaut und den Patienten nicht zu sehr bevormundet, bei etwas, für das er selber Verantwortung übernehmen könnte…

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  4. Ich erwarte mir in der Apotheke eigentlich Information und kein Heilversprechen. Natürlich kann das helfen, mich macht eine übermäßige Produktanpreisung eher skeptisch.

    Es ist ja so, dass ich die Packungsbeilage lese und meistens im Internet nachschaue, um welche Wirkstoffe es sich handelt. Diese Information habe ich meistens, bevor ich mit einem Rezept zur Apotheke gehe. Zusatzinformationen im Sinne einer Einordnung der verschiedenen Wirkstoffe habe ich noch nie in der Apotheke bekommen. Im Idealfall bekomme ich Anwendungshinweise (z. B. Tageshöchstdosis bei Schmerzmitteln, Anwendungsdauer bei Nasentropfen, etc.).

    Mich interessiert eigentlich, was das Medikament kostet. Als gesetzlich versicherter Kunde bekommt man diese Information nur auf Nachfrage (und nur die Listenpreise nicht die wirklichen Preise für die Krankenkasse).

    Was teilweise fehlt, sind Informationen über Hilfs- und Zusatzstoffe. Deshalb sind Schnelleinkäufe in Apotheken manchmal problematisch, besonders wenn das gewünschte Präparat nicht lagernd und nicht lieferbar ist.

    Ich fürchte, ich bin ein sehr anspruchsvoller Kunde…

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    1. Die Preise für die Krankenkasse (im deutschen System) weiss nur die Krankenkasse. Die Apotheke kann den Apothekenrabatt abziehen, den Herstellerrabatt rausrechnen, und auch den Nutzenbewertungsrabatt rückrechnen – der „Knackpunkt“, der „Rabatt-Rabattvertrag“, ist aber seitens Hersteller und Krankenkasse GEHEIM! Er kann pro Medikament zwischen 0,01€ und bis zu 95% vom Herstellerabgabepreis betragen. Niemand außer Hersteller und Krankenkasse kennt den, und diese beiden werden ihn Dir nicht verraten.

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      1. Es gab einmal in meinem Leben eine Gelegenheit, ein solches Zahlenwerk einzusehen. Wird nicht wieder vorkommen – anderer Job. War aber sehr interessant, dass meine 120 Euro Dauermedikamentation die Kasse in Wirklichkeit „nur“ 55 Euro kostet. Mindert mein schlechtes Gewissen, dass ich das brauche etwas.

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      2. Was die Preise angeht, bin ich in der Schweiz (etwas) besser dran Da besteht die Unsicherheit eigentlich nur noch darin, ob der Patient die Franchise schon erreicht hat und wie/ob die Kasse das Zusatzversicherungs-Produkt übernimmt.
        Aber was die Zusatz- und Hilfsstoffe angeht steht es bei uns wesentlich schlechter: die Info ist immer noch nicht in den Packungsbeilagen / der Zusammensetzung angegeben. Da steht häufig nur „Excipiens pro Compressi“ … und kann alles sein. Da hilft bei uns nur mühsames Nachfragen im Zweifelsfall, ob das jetzt Gluten, Lactose oder sonstwas drin hat. Nervt. Hätte ich gerne anders.

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    2. Antwort 2:
      Hilfs- und Zusatzstoffe lassen sich bei ARZNEImitteln recht leicht auseinanderklamüsern, wel die Hersteller angabepflichtig sind – auch in der Apotheken-Software. Bei „Nichtarzneimitteln“, „Nahrungsergänzungsmitteln“, „Lebensmitteln“ und ähnlichen Produkten sieht das schon ganz anders aus. Da muss der Hersteller eine qualitative Inhaltsstoff-Angabe zwar auf der Packung angeben, nicht aber in der Apothekensoftware hinterlegen. Und dann sind „Vorab-Informationen“ dünn gesäht…

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  5. Mein Zahnarzt macht das. Erst gestern sprach er: „Obwohl sie aktuell umstritten ist, glaube ich persönlich fest daran, dass die professionelle Zahnreinigung langfristig einen positiven Effekt hat.“

    Das ist aber auch ein Arzt, der nicht gegen seine Überzeugung behandelt, durchaus seine fachliche Meinung ändert und das auch mitteilt und sich sehr für seine Patienten einsetzt.

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  6. Als Kunde mag ich es sehr, wenn ich in der Apotheke auf Nachfragen Antworten erhalte in die der Apotheker auch seine Persönliche Erfahrungen (dazu gehört auch das Feedback anderer Kunden) einfließen lässe. Studien, Wirkung und Nebenwirkungen, Preis, all das kann ich googeln. Erfahrungen eines Menschen dem ich vertraue nicht ;-)

    Und Placebo Effekt – ja, der wird sicher manchmal durch eine solche Beratung verstärkt. Aber ist doch egal warum es hilft, hauptsache es hilft *gg*

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    1. Ich kann nicht alles testen – genau darum bin ich auch immer froh um Rückmeldungen von den Kunden selber.

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      1. Das hoffe ich doch sehr, daß Du nicht alles testest und wünsche Dir (und auch meinem Apotheker) daß Du die allermeisten Medikamente Deiner Apotheke niemals selbst brauchst ;-)
        Gerade deshalb finde ich das Feedbackder Patienten und die darauf folgende Einschätzung des Fachmenschen wie „seriös“ die Informationen von eben diesem Patienten sind so wichtig und es gehört für mich ganz klar zum ErfahrungsSCHATZ der ApthekerInnen!

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    2. Genau solche Beratung würde mich stören weil es keine Fachinformation sondern nur einen Einzelfall darstellt. Mit solchen „Tricks“ werden Homöo und andere Wundermittel verscheppert…
      Studien kann man zwar googeln, aber als Laie verstehen?
      Von Statistik haben auch die wenigsten Ahnung und unser Zahlengefühl betrügt uns auch gerne mal (z.B.: 100% höheres Thromboserisiko bei östrogenhaltigen Pillen).

      Ich schätze mal der Placebo-Effekt kommt schon zum Tragen wenn der Patient freundlich empfangen wird und nicht das Gefühl hat nur abkassiert zu werden.
      Was ich mir in der Umsetzung überaus schwierig vorstelle, denn jeder hat mal einen schlechten Tag.

      Die individuelle Beratung stelle ich mir auch sehr schwierig vor, schließlich geht es ja nicht nur um Placebo. Ein Hypochonder wird auf Empfehlungen hin vielleicht abhängig oder zeigt Nebenwirkungen weil zu deutlich darauf hingewiesen wurde.

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  7. „Oder bin ich einfach in philosophischer Stimmung, weil ich so müde bin?“

    Hihi, klingt so ;-)

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  8. Also meine Schwiegermutter ist PTA und wenn sie verschiedene Medikamente mit gleichem Wirkstoff hat und der Patient wissen will was das beste ist und alles aufzählen von vor- und nachteilen aber der Patient immernoch wissen will WAS denn jetzt das beste ist dann gibts es für die Männer die erklärung, dass es nicht das eine beste gibt sondern man das selber ausprobieren muss. Das sei wie bei Motoren, da bekommt auch nicht jeder Motor das gleiche Motoröl weil jeder Motor anders ist und bei Frauen bringt sie oft den Vergleich mit Soßen und Soßenbindern oder einer Mehlschwitze, dass da auch jeder was anderes am liebsten mag :P

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  9. Ich bin eher der „harte Fakten“-Typ. Mir ist wichtig zu erfahren, was objektiv für meine Beschwerden am besten helfen sollte. Wenn es die Auswahl zwischen mehreren Präperaten mit der gleichen Wirkung gibt, ist für mich die Anwendungsform entscheidend und dann bleibt meistens eh nur mehr eine Sache übrig. (Es gibt viel zu wenig in Kapseln mMn.)

    PS: Ich konnte gestern endlich dein Buch von der Buchhandlung abholen! Ich bin erst ganz am Anfang, aber bisher sehr begeistert!

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    1. Oh, Danke vielmals :-)
      Das mit dem „am besten helfen“ ist manchmal ein bisschen „tricky“ weil die Leute teils unterschiedlich reagieren. Natürlich kann man sagen : das Präparat dürfte bei ihren Beschwerden helfen, aber … ja – gelegentlich kommt man nicht drum rum, das einfach auszuprobieren.

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      1. Ich meinte das eher so: Wenn ich ein Mittel gegen Insektenstiche haben möchte, will ich nichts gegen Verstauchungen.

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