Wie sag ich’s meinem Patienten?

Immer schwierig: Wechselwirkungen. Noch schwieriger: Wechselwirkunge bei Medikamenten wie Antidepressiva und Antipsychotika.

Leider gibt es gerade bei den erwähnten Medikamenten häufig welche … auch „wichtigere“ wie Herzrhythmus-störungen und gegenseitige Wirkverstärkungen – letztere können auch gewollt sein, können sich aber auch in verstärkten Nebenwirkungen äussern.

Und viele, die das nehmen müssen haben schon eine kompliziertere Persönlichkeitsstruktur und Probleme mit Wechseln / neuen Medikamenten / Anpassungen und derartigem. Sie auf Wechselwirkungen aufmerksam zu machen (wie ich eigentlich sollte*) verwirrt sie oft noch mehr und verunsichert sie, so dass sie am Schluss die (nötigen) Tabletten doch nicht nehmen.

Was tun? Bisher habe ich es so gehandhabt, dass – wenn so etwas auftritt und das Medikament neu ist – ich dem Patienten erst mal sage, dass ich rasch noch etwas mit dem Arzt klären muss (ich sage nicht unbedingt was) … und dann das mache. Der Arzt soll dann – mit dem Wissen um die Wechselwirkung -entscheiden, wie wichtig es ist, dass der Patient informiert ist und ob er auf eine mögliche Wechselwirkung oder auch Nebenwirkung achten soll.

Also ist es ein bisschen ein Dilemma. Wie viel soll / kann ich sagen?

Und meine Kollegin ist da letztens ein bisschen „reingelaufen“. Sie hatte abends eine Patientin, die sich schon reichlich beunruhigt in der Apotheke präsentierte. Auf dem Rezept ein neues Antidepressivum zu ihren bereits vorhandenen. Bei Eingabe in den Computer zeigt dann auch eine schwerwiegende Wechselwirkung an – noch nicht kontrainduziert aber im Sinne von „von einer Kombination wird stark abgeraten“.

…. was soll ich schreiben? Den Rest könnt ihr dem Brief entnehmen, den ich dem Arzt auf dessen erboste Reaktion hin geschrieben habe. In seinem Brief  beklagt er sich darüber, wie wir die Patientin behandelt haben, speziell, dass wir ihr gesagt hätten, sie solle das Medikament nicht nehmen. Sie braucht für ihre Behandlung dringend das – und wie wir dazu kämen, sie zu verunsichern?

Sehr geehrter Herr Dr. …

Erstmals: vielen Dank für Ihren Brief. Ich nehme ihn als konstruktive Kritik gerne an.

Dann möchte ich mich entschuldigen, dass das so unglücklich gelaufen ist. Es liegt natürlich auch in unserem Interesse, dass die Patientin die bestmögliche Behandlung und Beratung bekommt.

Am betreffenden Tag arbeitete (meine Kollegin). Sie hat mir erklärt, dass die Patientin zu einem Zeitpunkt mit dem Rezept kam, an dem Sie nicht mehr erreichbar waren. Darum hat sie der Patientin erklärt, dass sie wegen einer Wechselwirkung erst mit Ihnen, dem Arzt Rücksprache nehmen möchte. Die Patientin hat darauf erklärt, dass sie das dann lieber selbst mit Ihnen besprechen möchte.

Wir haben also der Patientin nicht gesagt, dass sie das Medikament nicht nehmen soll. Wir haben ausserdem versucht, sie als verschreibender Arzt zu erreichen, respektive angeboten, es gleich am nächsten Tag abzuklären, was die Patientin abgelehnt hat.

Wir sind uns bewusst, dass ein sensibler Umgang vor allem auch mit depressiven Patienten wichtig ist und dass es wichtig ist, dass diese ihre Medikamente (regelmässig) nehmen. Leider können wir angezeigte Wechselwirkungen nicht vollständig ignorieren. In dem Sinne wäre es das nächste Mal vielleicht sinnvoll, etwas weniger Info an die Patientin zu geben – vor allem wenn der Arzt gerade nicht erreichbar ist.

Dennoch denke ich nicht, dass meine Kollegin falsch gehandelt hat. Falls Sie aber eine bessere Vorgehensweise vorzuschlagen haben, nehme ich diese gerne entgegen.

mit freundlichen Grüssen Pharmama

Vielleicht sage ich das nächste Mal in so einem Fall am besten „ich muss das Medikament erst bestellen, ab morgen habe ich es hier.“ ?

* mehr zum Thema: die Arbeit der Apotheke am Beispiel Wechselwirkungen

25 Kommentare zu „Wie sag ich’s meinem Patienten?

  1. Das mit dem ‚Bestellen müssen‘ wäre vielleicht wirklich eine Lösung – aber ev besteht auch die Möglichkeit dass betr. Kundin/Kunde es dann in einer anderen Apotheke noch probiert…?
    Und kam vom Arzt eine Reaktion auf Deinen Brief?

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    1. Nein. Leider nicht. Ich habe dann noch telefoniert um das zu klären. Der Arzt hat unseren Standpunkt auch verstanden – die Patientin hat ihm aber erklärt, wir haben ihr praktisch gesagt, sie soll das Mittel nicht nehmen. Was so nicht stimmt.

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      1. Das ist, wie bei jeder Kommunikation, eine Frage von Sender und Empfänger. Was habe ich gesagt, was habe ich gemeint und vor allem wie bzw was kommt davon beim Kunden an. Leider gibt es keine universelle Lösung. Aber es ist schon schade, dass der Arzt dann nicht das Gespräch sucht, sonder sofort mit einem Beschwerdebrief reagiert. Habe ich leider auch schon so erlebt.

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  2. Das ist wirklich ein heikles Thema… Wenn Ärzte unerreichbar sind, wird die Situation schwierig und wir müssen als Apothekern schnell eine Entscheidung treffen und dementsprechend handeln. Ich finde es aber eine sehr gute Idee, mit der Ausrede „Wir können es auf morgen bestellen“ ein bisschen Zeit zu gewinnen, ich glaube ich würde auch so machen…

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  3. Das ganze wird um so schwieriger, um so mehr Probleme zueinander finden. Wenn es so wie immer läuft (Patient reicht 2 Tage altes Rezept am Freitag Abend ein, da Entlassungsmedikation des Krankenhauses ja bis Freitag nachmittag gereicht hat), ist der Arzt dann schon bis Montag früh nicht zu erreichen. Den Patienten so lange nichts zu geben, ist aber m.E. auch unverantwortlich. Meistens ringe ich mich dann dazu durch, dem Patienten erst mal nichts zu sagen, und kontaktiere den behandelnden Arzt dann so schnell als möglich, um das Problem „am Patienten vorbei“ zu besprechen, um zu schauen, ob dem Arzt das ganze bewußt ist oder nicht. Meiner Erfahrung nach sind Psychologen nicht unbedingt die (in dieser Hinsicht) kommunikationsfreudigsten Ärzte… (was ich imer wieder recht erstaunlich finde).

    Hier zeigt sich wieder die Zwickmühle des Apothekers, das Richtige zu tun (und egal, wie man sich entscheidet: Anschließend war es meistens falsch…). Ich habe auch keine Universallösung für das Problem…

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    1. Ja, Spitalrezepte stellen einen grad noch vor ein paar Anforderungen mehr. Und es ist richtig: eine angefangene Medikation sollte man ohne guten Grund nicht einfach so abbrechen. Die Patientin hier hat das neue Mittel aber noch nicht angefangen gehabt, weshalb es wohl auch nichts machen würde, wenn sie *etwas* später damit beginnt.
      Deine Lösung ist aber durchaus auch eine Variante für diesen Fall.

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      1. Ach ja – in D gibt es „Spitalrezepte“ nicht in diesem Sinne. Mal von Medikamenten abgesehen, die so teuer sind, dass der Hausarzt sich weigert, diese zu verschreiben (und die meistens sehr spezielle Behandlungen sind), darf ein Krankenhaus in Deutschland keine Rezepte zu Lasten der Gesetzlichen Krankenkassen ausstellen. Deshalb bekommt man auch ab und an aus der Notaufnahme ein Privatrezept, welches der Patient anschließend selber bei seiner Kasse einreichen kann (wenn er will) – und was immer wieder zu heftigen Diskussionen über die Bezahlung führt – da die deutsche Apotheke diese Privatrezepte eben nicht bei der Krankenkasse einreichen darf.

        Das Krankenhaus darf aber dem zu entassenden Patienten eine Medikation für (bis zu) 3 Tage nach Entlassung mitgeben, der Patient muss sich dann aber (Folge)Rezepte vom Hausarzt besorgen. Das macht die Sache nicht einfacher, da es hinreichend oft so stattfindet, dass der Patient Freitag (Vor)Mittag entlassen wird, für 2 Tage Medikamente mitbekommt (diese ihm also Sonntag Nachmittag ausgehen werden), und Freitag Mittag sich alle Ärzte gewöhnlich ins Wochenende verabschieden.
        Daraus folgt, dass der Patient sich entweder (völlig illegal) von „seiner“ Apotheke Vorschuss geben lässt (und die Apotheke dann eventuell Pech hat, weil der Hausarzt die Entlassungsmedikation des Krankenhauses eben abändert), oder dass der Patient sich in eine Odyssee zum „diensthabenden Arzt“ (der durchaus auch weiter weg sein kann) begibt, welcher dann aber nur die kleinstmöglichen Packungen verschreiben wird, so dass der Patient nicht lange reicht – und natürlich im Verhältnis wesentlich mehr zubezahlt….

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  4. zum konkreten Fall:

    Ich verstehe, dass der Arzt nicht glücklich ist. Wahrscheinlich hat Ihre Kundin das anders wiedergegeben als Ihre Kollegin es tatsächlich ausgerichtet hat. Ich finde es gut, Medikamente nicht herauszugeben, wenn Wechselwirkungen nicht unproblematisch sind – auch Ärzte machen in diesem Bereich Fehler, für die 2te Kontrolle ist die Apotheke schliesslich da.

    Im vorliegenden Fall einer stark verunsicherter Patientin mag eine Verzögerungstaktik sinnvoll sein. „Ich muss das erst bestellen“ führt mitunter zu einem Wechsel der Apotheke oder – bei Menschen mit psychischen Krankheiten wie Depression häufig – dazu, dass die Medikamente nicht oder erst viel später wie verschrieben eingenommen werden. Ausserdem ist es eine Lüge. Die Wahrheit tut es auch „wir müssen noch etwas mit dem Arzt klären, das ist nicht ganz eindeutig. Den erreichen wir aber gerade nicht. Können Sie bitte morgen wiederkommen. [Wir stellen auch gerne zu…]“

    Allgemein (zu dem verlinkten Artikel vom 12.01.2010):

    Ich habe ein Problem damit, in der Apotheke meine Medikamentation zu diskutieren. Direkt hinter mir warten meistens andere Kunden, einen halben Meter links und rechts wieder andere. Diese Menschen geht das gar nichts an. Deshalb erfährt eine Apotheke auch nicht, welche Medikamente ich sonst nehme. Stammapotheke nutzt in der Stadt nichts (auf dem Land, wo ich aufgewachsen bin, ist das etwas anderes, da wussten die Apotheker genau, wer bei welchem Arzt in Behandlung ist und was typische Medikamente sind – diese bekam man dafür auch oft im Vorraus…) – 4 oder mehr verschiedene Mitarbeiter, alle 5 Minuten andere Kunden, wie soll das gehen? In so einem Fall sind Apotheken mehr oder weniger Medikamenten-Ausgabe-Stellen.

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    1. In der Schweiz führen die Apotheken ein Dossier mit den auf Rezept bezogenen Medikamenten des Patienten (anders in Deutschland ist das NICHT optional). Ich gehe genau deswegen immer in die gleiche Apotheke und habe kürzlich sogar von mir aus darum gebeten, ins Dossier aufzunehmen, dass ich von Ibuprofen heftige Nebenwirkungen bekomme.
      Wenn andere Kunden anwesend sind, kann man mit der Apothekerin in einen Nebenraum gehen, um heikle Details zu besprechen.

      Im konkreten Fall verstehe ich den Arzt insofern nicht, als selbst psychisch stabile Menschen oft schon eine vorsichtige Warnung als eine Verweigerung verstehen; er müsste also erst mal nachfragen, wie sich das Ganze aus Sicht der Apotheke zugetragen hat. Ein Missverständnis hätte ich da als erstes vermutet.

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      1. Danke Irene, dass du die Situation hier grad erklärt hast. Ich kann das so unterschreiben.
        Klar wäre es vom Arzt nett gewesen, erst mal unsere Seite zu hören.

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    2. Ohne respektlos klingen zu wollen, aber das ist schlichtweg falsch. Ich bin selber Apotheker in einer deutschen Großstadtapotheke und habe regelmäßig 100-150 Kunden am Tag. Trotzdem kenne ich einen großen Teil unserer Kunden persönlich und mit Namen. In der modernen Apotheke wird dies durch die computergestützten Kundendateien natürlich noch unterstützt. Ich sehe auf einen Blick welche Medis der Patient bei welchem Arzt bekommt und wenn ich oder eine Kollegin will, kann ich sogar noch den Namen des lieben Hundes des Patienten in die Datei reinschreiben.
      Als Heilberufler ist es unsere Pflicht und beste Werbung die Patienten persönlich individuell zu betreuen. Das hat mit Stadt oder Land nichts zu tun.
      Auch das Argument der vielen Mitarbeiter ist so nicht passend. Wir haben über 20 Mitarbeiter im Team und jeder Einzelne hat Stammkunden, die ausnahmslos vom entsprechenden Mitarbeiter bedient werden und/oder bedient werden wollen.
      Persönliche Bindung zum Patienten hat nichts mit Lage oder Größe der Apotheke, sondern etwas mit der Motivation der Mitarbeiter zu tun.
      Und zum Thema Vertrauliche Beratung: In Deutschland ist jede Apotheke verpflichtet vertraulich zu beraten und auch abgetrennte Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
      Sollte Ihre Stammapotheke dies nicht tun und eine wie Sie schreiben eine Medikamenten-Ausgabe-Stelle sein, sollten Sie einfach die Apotheke wechseln.

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  5. Ich verstehe schon, dass das ein Problem ist. Ich als Patientin will aber dringend über alles genau informiert sein, was ich nehmen muss. Ich lese auch bei allen Medikamenten die Packungsbeilage. Mir die Informationen vorzuenthalten empfinde ich persönlich als einen Vertrauensbruch.
    Am Ende ist es meine Eigenverantwortung, wichtige Medikamente auch einzunehmen. Kann ich das nicht mehr leisten und mich nicht mehr selbst um mich kümmern, dann müssen wohl leider andere für mich entscheiden. Vorher möchte ich das aber bitte selbst und informiert.

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    1. Niemand hält dir die Packungsbeilage vor oder zwingt dich etwas zu nehmen oder nicht. Und ich würde mich hüten, auf eine direkte Frage nicht zu antworten oder zu lügen.
      Aber im Endeffekt ist es ein Abwägen von Nutzen – und Risiko.
      Und ich denke, der Arzt ist dafür der geeignete Ansprechpartner. Als Patient hat man Mitspracherecht bei der Entscheidung der Medikation und sollte Bedenken früh genug anbringen.
      Ich gebe meine Bedenken allerdings auch an … wenn es geht hier aber erst mal an den Arzt – aus oben genannten Gründen.

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    2. Sehr geehrte Juliane, ich bin mir jetzt nicht schlüssig, ob sich das wirklich vergleichen lässt, aber in diesem sehr speziellen Fall wird über psychisch erkrankte Patienten gesprochen. Wenn man sich z.B. einmal mit einer manisch-depressiven Erkrankung auseinandersetzt, so findet man Fälle, in denen manische Patienten (und ich rede jetzt von „in jeder Kneipe zu jedem Anlass nackt auf dem Tisch tanzen“) allein deshalb nach Abklingen der manischen Phase in eine depressive Phase fallen, weil ihnen klar wird, was sie da die letzten Wochen gemacht haben, und weil (Zitat eines Patienten) „niemand sie davon abgehalten hat!“. Aber wenn man versucht, einen manischen Patienten mit normalen Maßstäben zu überzeugen, wird man gewöhnlich scheitern. Ich bin kein Psychologe/Neurologe/Psychiater, aber ich traue mir nicht zu, einen psychisch erkrankten Menschen zu verstehen.
      Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass eine ungefragte, allumfassende und (für diesen Patienten) geradezu paranoide Aufklärung über alle möglichen und unmöglichen Neben- und Wechselwirkungen dem Therapieerfolg…. naja, zumindest nicht immer zuträglich sind. Man sollte nicht den Fehler begehen, psychisch erkrankte Menschen als „ganz normal“ abzutun, genausowenig wie jeder psychisch erkrankte Mensch „reif für die Klapse“ ist. Ein halbwegs sinnvoller Vergleich wäre festzustellen, dass „Frauen und Männer ja Menschen, also per Definition völlig gleich sind“.

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      1. Hallo Gedankenknick,

        ich bin mir gerad nicht sicher, worauf du hinaus willst. Ich erwarte in der Apotheke sicherlich nicht, dass mir die Packungsvorlage genaustens vorgekaut wird, aber wenn es schwerwiegende Wechselwirkungen oder starke Nebenwirkungen geben kann, dann möchte ich das gern wissen. Panikmache wäre, mir unter die Nase zu reiben, dass Antidepressiva zu Suizidversuchen führen können. Da sollte aber auch der Therapeut oder der behandelnde Psychiater ein Auge drauf haben. Blöd sind die Fälle, wo mal wieder nur Medikamente verschrieben worden sind aber keine therapeutische Behandlung parallel stattfindet (ich weiss ncht wie es in der Schweiz ist, aber in Deutschland kommt der Patient eher an Antidepressiva, als an einen Therapieplatz).
        Ich bin selbs an einer Depression erkrankt (würde mir trotzdem nicht rausnehmen, dass ich wisse, wie jemand anderes sich damit fühlt), trotzdem habe ich Eigenverantwortung für mich. Das bedeutet auch, dass ich informiert entscheiden muss, ob ich Medikamente einnehme, oder nicht. Ich weiss, dass nicht jeder so vernünftig ist wie ich und das dann auch nimmt, wenn das mit dem Arzt so abgesprochen ist. Jemandem aber wirklich wichtige Informationen vorzuenthalten finde ich einen Vertrauensbruch. Wenn mir die Apotheke als sagen würde sie bestellt das Medikament und dann verschreibt mein Arz mir ein anderes, dann ist das Vertrauensverhältnis empfindlich gestört, weil mir niemand gesagt hat, was besprochen wurde.
        Sagt mir aber der Apotheker, dass er noch kurz mit dem Arzt Rücksprache halten muss, ob das Medikament in der Kombination unbedenklich ist, dann kommt hoffentlich entweder ein ja, oder ein nein dabei raus und ich weiss, woran ich bin. Je mehr Vertrauen ich habe, desto wahrscheinlicher nehme ich die Medkamente auch ein.
        Was Depressionen und „normal“ betrifft: Ich persönlich wünsche mir, ganz normal behandelt zu werden und so weit es geht am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Je mehr ich als Sonderfall und als Kranke behandelt werde, desto schlimmer werden meine Symptome. Natürlich kann niemand von mir Hochleistungen erwarten, wenn ich in einer depressiven Phase bin, das kann man aber von Menschen, die von natur aus nicht so stark sind auch nicht. Menschen sind verschieden.

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        1. Ich wollte tatsächlich genau darauf hinaus, dass die Menschen einfach verschieden sind. Insofern sind wir uns völlig einig.
          Das Problem besteht darin, dass man als pharmazeutuisches Personal in einer sehr geringen Zeitspanne einschätzen muss, in wie weit der vor einem stehene Patient mit dem Problem „belastet“ werden kann – und will. Das geht von Patienten, denen man sagt: „Achten Sie bitte auf dies und das…“ und es funktioniert wunderbar. Und die Spanne reicht bis zu Patienten, die schreiend die Apotheke verlassen, wenn man ein Wort wie „Nebenwirkung“ oder „Wechselwirkung“ auch nur andeutet.
          Es ist ein schmaler Grad, auf dem man sich bewegt, um es jedem einzelnen Patienten „Recht“ zu machen. Oft klappt es – manchmal klappt es nicht so gut. (Manchmal arbeitet der Patient auch aktiv gegen Arzt und Apotheker – dann staunt das Fachpersonal nicht schlecht…)

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          1. Ich denke ich habe verstanden, was du meinst. Und ja, nicht jeder möchte gern mit so viel Wissen belastet werden wie ich. Ich hoffe nur, dass das dann nicht ganz allgemen für alle angenommen wird und ich auch nichts mehr erfahre.

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  6. ein wenig – aber dann doch nicht – passend zum thema wechselwirkungen: grapefruit, grapefruit über alles: http://wien.orf.at/radio/stories/2556850/ – wenn’s doch sogar der öffentlich-rechtliche rundfunk, und ein professor im internet, und so, sagen und schreiben. und dann kommen da so verkäufer in der apotheke daher und warnen. ts.

    ich krieg bei solchen artikeln immer leichte atembeschwerden. und ich wage nicht darüber nachzudenken wieviel unheil so ein blöder artikel anrichten kann. demnächst womöglich: essen sie bei jeder medikamenteneinnahme eine grapefruit, dann können sie beruhigt auch nur die hälfte der verschriebenen zytostatika einnehmen, den rest macht die natur. steht ja auch im internet.

    beipackzettel mit warnhinweisen sind ja nur eine erfindung der blöden pharmaindustrie, damit die sich rechtlich absichern. meine nerven.

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    1. Oh ja. Alles was da hängen bleibt ist: Grapefruit ist gesund. Immer. Da steht ja auch nichts drauf von Risiken und Neben-(oder eben: Wechsel-)Wirkungen

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  7. Ich verstehe deine Bedenken und ich meine es ist sogar noch schwieriger als du es schilderst.
    Aus meiner Perspektive würde so ein heimliches Telefonat mit dem Arzt einen Vertrauensbruch darstellen, ja ich würde den Grund für den Anruf verstehen aber ich möchte bitte vorher gefragt werden und es wäre sehr unwahrscheinlich das ich nein sagen würde. Wenn er dann noch mit so einer (Not)Lüge geschehe wäre ich ziemlich sauer …und wenn du es austauschen mußt käme es ja sicher raus.
    Und das ohne psychische Erkrankungen. Mit könnte sich das noch steigern in du versuchst den Patienten zu entmündigen oder in beleidigte Verweigerung überhaupt noch was einzunehmen und ähnliches.
    Ich würde ehrlich sein, ja es kann schiefgehen aber irgendwie empfinde ich das heimliche schlimmer.

    Ich habe bislang ganz vesäumt dir für dein tolles Blog zu danken. Der Mix aus Informativen, Unterhaltsamem, Ernstem und Komischem wobei dir noch dazu ein gutes Gleichgewicht zwischen persönlich und professionellem gelingt ist echt klasse. Danke dafür und hoffentlich magst du noch lange weiterbloggen!

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  8. Ich arbeite noch nicht lange in der Apotheke, aber mir ist das mit den schwerwiegenderen NW auch schon ein paar mal passiert. Ich frage den Kunden dann meistens, wie lange er diese Medikamente schon so nimmt und sage dann, dass man vorsichtig sein muss, wenn man diese zusammen nimmt (ohne näher auf die WW einzugehen) und dass ich das gerne noch einmal mit dem Arzt abklären möchte. Bei den Kunden bin ich mit der Vorgehensweise immer auf positive Resonanz gestossen, alle waren dankbar, dass sich jemand kümmert. Bei den Ärzten sah das durchweg ganz anders aus. Da musste ich mir schon so einiges anhören, über: natürlich weiss ich das, ich bin schliesslich Arzt bis zu: was sind sie eigentlich: helferin, pta? und einer ausführlichen Erklärung warum welches Medikament genommen wurde, gespickt mit möglichst vielen Fachwörtern… Sowas verdirbt mir schon die Laune daran, mich um solche Dinge zu kümmern.

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  9. Ich finde es gut, wenn man auf Wechselwirkungen hingewiesen wird – ich habe nämlich eher das Problem, dass die Ärzte auf meine Frage nach Wechselwirkungen sofort den Kopf schütteln (ich fürchte, dass der eine Hausarzt, wo ich neulich war, weil ich am Wochenende zum Notdienst musste, noch nicht mal wusste, was mein eines Medikament überhaupt ist :roll: – es ging um Codein und ich wollte mich absichern, da ich noch mehr zentral wirksame Medikamente nehme; eine Liste hatte ich ihm extra mitgebracht). Wenn man Glück hat, schauen sie dann immerhin mal kurz auf die Liste an Medikamenten – wohlweislich informiere ich meinen Hausarzt und auch meinen Psychiater darüber, was ich gerade so alles nehme.
    Trotzdem kommt es vor, dass ich ein Rezept bekomme, in die Apotheke gehe und dann daheim feststelle, dass im Beipackzettel doch Wechselwirkungen mit einem meiner Medikamente stehen – was mache ich dann? Als Aspergerautistin scheidet in der Praxis anrufen aus… am ehesten nutze ich dann den Service meiner Krankenkasse, die ein 24 Stunden am Tag erreichbares Facharztzentrum hat, und schreibe dorthin eine Mail. Dennoch kann ich denen natürlich nur schreiben, was ich gerade nehme, sie kennen nicht mich oder den Verlauf oder meine Blutwerte… eine Einschätzung _meines_ Arztes bzgl. mir als konkreter Patientin hätte ich dann schon gerne. Zumal im Beipackzettel ja oft nicht steht, was die Wechselwirkung sein könnte – wenn ich weiß, dass die WW „nur“ in potentiellem schwächeren Wirken besteht, ist das ja was anderes, als wenn die Kombi zu Herzrhythmusstörungen führen kann…
    Durch einen Umzug hatte ich hier auch noch keine Stammapotheke, seit neuestem schon und dort wird gesammelt, was ich bekomme (wollte ich allein schon deshalb, weil ich dann am Ende vom Jahr einen Ausdruck bekomme, was ich alles zugezahlt habe).
    Wissen möchte ich es auf jeden Fall, was Sache ist – auch wenn die Apotheke dank meinen Medikamenten von einer psychischen Erkrankung ausgehen muss. Das Angebot der Apotheke, selbst beim Arzt nachzufragen, fände ich aber super.

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  10. Beim nächsten Mal würde ich an deiner Stelle vorbeugend den Arzt von dem Verlauf des Kundengesprächs informieren. Wer zuerst malt, bestimmt die Grundfarbe… und dann kommt eure Darstellung eben vor der der Kundin.

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