Berufsgeheimnis, Schweigepflicht und Blog

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Gestern beim Hauptstadtsani gelesen: „Klappe zu“: Ein sehr guter Artikel über die Schweigepflicht und das Bloggen. (inzwischen ist der Blog auf privat gesetzt, deshalb habe ich den Link entfernt).

Die Frage ist häufig (und ja, die stelle ich mir auch): Kann ich das im Blog bringen?

Das sagt der Hauptstadtsani:

Der wichtigste Punkt aus Sicht des Bloggers: Man darf durchaus Einsatzerlebnisse, Diagnosen oder Patienteneigenschaften weitertratschen oder veröffentlichen, aber nur, wenn nicht direkt oder indirekt erkennbar ist, wer der Betroffene ist. Neben logischerweise dem Namen kommen zur verbotenen Identifizierung von Betroffenen auch in Betracht:

  • Anschriften („Wir waren heute in der Müllerstraße 123, 3. OG links, bei einer psychisch kranken Frau“)
  • Detaillierte Umschreibungen („wir haben heute den Vorstandsvorsitzenden der größten deutschen Bank behandelt“)
  • Ergänzungen zu öffentlichen Einsatzberichten, wenn die Ergänzung über bereits öffentlich Bekanntes hinausgeht. Bei einem spektakulären Einsatz, über den die Zeitungen oder beispielsweise die Polizei mit einer Pressemitteilung berichtet haben, sollte man also vorsichtig sein, gerade wenn die Identität des Betroffenen durch diese Medien (und nicht einmal durch den Blogger) bekannt gemacht wird („Heute Bild-Zeitung gelesen, von dem Typen, der nackt vom Brandenburger Tor gesprungen ist? Den haben wir behandelt, voll der Psycho!“)
Für Deutschland kann man hier mehr darüber nachlesen: http://th-h.de/infos/jura/schweigepflicht.php
Für die Schweiz gilt ähnliches, wie hier nachzulesen:  http://www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a321.html und in den Gesundheitsgesetzen der einzelnen Kantone. Hier z.B. ein Leitfaden für Bern (in anderen Kantonen ist es sehr ähnlich).
Ich möchte an der Stelle auch noch einmal darauf hinweisen, dass ich hier im Blog die Geschichten auch in dem Sinn anonymisiere, indem ich verschiedenes ändere. Auch wenn ich schreibe „der Mann“ kann es genausogut auch häufig eine Frau gewesen sein. Muss aber nicht 🙂 Ok, manchmal kann ich das auch nicht ändern – Männer haben im Normalfall nicht die Pille auf dem Rezept, oder Frauen Probleme mit dem Penis … aber ich versuche es so zu schreiben, dass es nicht jemandem zuordnenbar ist. Natürlich – wer bei mir in der Apotheke arbeitet, der hat die Geschichte eventuell mitbekommen und weiss eventuell, um wen es sich handelt. Gut nur, dass alle Mitarbeiter auch dem Berufsgeheimnis unterstehen – die werden also auch nicht hingehen und der Person einen Namen oder eine Adresse geben. Und um es noch ein bisschen sicherer zu machen schreibe ich auch nicht, um welche Apotheke es geht. In den allermeisten Fällen meine, aber …. das muss nicht so sein.Die Geschichten sind aber wahr und so (oder so ähnlich) mir (oder einer anderen Apotheke) auch so passiert.

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18 comments on “Berufsgeheimnis, Schweigepflicht und Blog

  1. Heute in Italien hat man den Zensurhackmesser heruntergelassen: das Parlament hat ein Gesetzesdekret verabschiedet, das praktisch meint, man darf nicht mehr frei schreiben.
    Einfach gesagt: du schreibst irgendwas, das ich fuer mich als beleidigend fuehle, ich schreib‘ dir, du musst das wegschaffen. Bzw ich kann dich anzeigen.
    Es ist nicht so ganz klar, wie es funktioniert: du hasst 48 Stunden Zeit, um alles zu erklaeren, dann kann ich dir anzeigen. Aber musst du veroeffentlichen, was ich dir schreibe und dann antworten mit Erklaerungen?
    Blogs scheinen etwas aufheben zu koennen, aber es ist mir nicht klar in wiefern: wahrscheinlich ist dieses Dekret eher fuer registrierten Seiten.
    Was sicher ist, ist dass Italienische Wikipedia zu gemacht hat: es gibt keine Gedanken- und Pressefreiheit mehr.
    Ich weiss, ich habe es schlecht erklaert, aber ich bin immer mehr fuer mein Land besorgt: in Kurzem wird niemand mehr den Mut haben, auf bestimmten Themen zu schreiben.
    Was du in diesem Post schreibst, bin ich damit einverstanden. Aber bei mir zu Hause hat man wirklich ueberstiegen.

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  2. kinderdok sagt:

    italien: na prima. berlusconi arbeitet weiter an seiner duce-manie.

    zum thema: jaaa. großes problem. treibt mich sehr um. mir geht es wie pharmama – werde dazu demnächst auch etwas posten. die heldin ist daran mit ihrem blog gescheitert.

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    • Kinderdok: Ja. Und ich schaeme mich.

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      • Liz sagt:

        Armes Italien. Sowas hatten wir in Deutschland, Österreich und in Italien schon einmal, dass die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit eingeschränkt und dann gleichgeschaltet wurde, bis nur noch das berichtet wurde, was den politischen Führern angenehm war. Das endete dann damit, dass wir in Europa den zweiten Weltkrieg hatten.

        Ich muss gestehen, ich weiß zuwenig über Italien, aber gibt es bei Euch keine Demokratie und keine Opposition mehr, um den Berlusconi abzuwählen?

        Hier in Deutschland wird natürlich auch auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte geachtet, was ich auch gut finde. Aber gleichzeitig wird das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit gewahrt und geschützt, weil der Verlust dieser Freiheiten der erste Schritt Richtung Faschismus wäre.

        Ich wünsche Dir von Herzen, dass Ihr Italiener (und alle anderen Völker dieser Erde) diese Freiheiten bewahren könnt.

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        • Danke, Du hast das Problem begriffen!

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        • Rena sagt:

          Gab es nicht vor kurzem die Möglichkeit, Berlusconi abzuwählen und er wurde wieder gewählt? Oder täsuche ich mich da? Oder hat sich in der Zwischenzeit so viel geändert, dass er doch abgewählt werden soll?

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          • Leider gab es nur Provinz- und Gemeindewahle und womoglich hat man links gewaehlt (das Problem ist: wir haben keine gute Alternative, rechts oder links, sind fast dasselbe).
            Zweitens sagt jeder, den du fragst: „Nein, ich hab‘ ihn nicht gewaehlt“. Irgendwie hat er immer die Mehrheit (aber wir wissen, er haelt sich fuer den Gesalbten)…
            Andere Laender haetten reagiert. Wir sind Feige.

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  3. Pharmama sagt:

    Gerade gelesen: http://www.20min.ch/digital/webpage/story/Italienisches-Wikipedia-geht-offline-21272343
    – demnach ist das Gesetz gerade in Vernehmlassung und Wikipedia noch nicht definitiv abgestellt, nur aus Protest „versteckt“.
    Trotzdem übel. Ich hoffe, das kommt nicht durch.

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  4. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Zwar unterliege ich gesetzlich keiner direkten Schweigepflicht, jedoch steht in meinem Vertrag eine, pimär aber eher auf Geschäftsgeheimnisse bezogen.

    Grundsätzlich ist es in meiner Branche wie in deiner wichtig, dass man das Vertrauen und die Seriösität bei den Kunden nicht verspielt. Und daher sind wir gehalten, die Dinge eben zu verschleiern. Trotzdem werden sich viele vermeindlich wiedererkennen, obwohl das Erlebnis gar nicht auf sie zutrifft, weil viele Anekdoten doch so gewöhnlich sind, dass sie sich tausendfach bei den Menschen wiederholen. Und die ungewöhnlichen Geschichten kann man mit sinnvollem zeitlichen Abstand und ein wenig Modifikation der Schilderungen auch entsprechend anpassen, dass kein direkter Bezug besteht.

    Ich erlebe auch immer wieder, dass die Menschen gerade die Schilderungen für bare Münze nehmen, die hochgradig dazugedichtet sind, während die nüchterne Schilderung nackter Fakten, die noch am ehesten geeignet sind eine Wiedererkennung zu ermöglichen, als pure Fiktion abgetan werden.

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  5. […] lese ein großes Thema zu sein. Vor allem was man in einem Blog veröffentlichen darf (Zum Beispiel hier) Ich muss zugeben, dass ich eher Angst habe, dass mich Freunde finden über die ich mal geschrieben […]

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  6. Das Problem ist ja auch, findet der Chef erst mal deinen Blog, ist es trotz allen anonymisierens meist vorbei mit dem bloggen. Denn, und da machen wir uns nichts vor, der wird irgendwie schon was finden, um einen klar zu machen, entweder Kündigung, oder man schließt den Blog. Und man sieht das gerade bei Med. Blogs im Moment wieder sehr häufig.

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  7. makarius sagt:

    Ich finde das gut, wie Du das handhabst, meine Frau ist Ärztin und erzählt mir auch nur anonymisierte Sachen aus dem Krankenhaus – und nur von Leuten, die ich nicht kenne. Das jemand uns bekanntes im Krankenhaus war, merke ich höchstens, wenn die Person sie in meiner Gegenwart drauf anspricht.

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  8. Rose sagt:

    Um meine eigene Privatsphäre zu schützen versuche ich so wenig wie möglich Anhaltspunkte zu geben, wo ich wohne. Als Beispiel. Auch wenn ich über Freunde/Bekannte erzähle, dann nur ohne Namensnennung.

    Wenn jemand einem Blogger an den Karren fahren will, findet die Person immer irgendwas. Egal, ob gerechtfertigt oder nicht.

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  9. Stefan sagt:

    Ist ein sehr wichtiges Thema – und das macht es zum Beispiel in einem Blog wie meinem, das ganz klar einer Apotheke zugeordnet ist, schwieriger, aus dem Alltag zu berichten… Obwohl vieles passiert, was man gerne anonymisiert schreiben würde, weil es einfach den Alltag in der Apotheke gut beschreibt. Ich löse das in Fällen, die trotz Anonymisierung doch eine Identifizierung möglich machen würde, so, dass ich den Kunden / die Kundin um Erlaubnis bitte, das Geschehene anonymsiert zu veröffentlichen.

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  10. Ich habe alles anders nominiert: z.B. die Stadt heisst nicht „Meer&Berg“, aber wenn man gut aufpasst, kann man genau wissen, wo ich wohne.
    Manche berufliche Erzaehlungen sind mir oder anderen passiert, heute oder vor ein paar Jahren, aber ich stimme dem Kommentar zu, der sagt: wenn man will, findet man immer ein Punkt zu greifen.

    Jedenfalls, ich haette eine Frage fuer Nicht-Italiener: passiert es auch in eurem Land, das manche Blogs so beruehmt werden, dass es davon einem Buch veroeffentlicht wird?

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    • McCloud sagt:

      Das gibt es. Allerdings haben sich da die Blogbetreiber normalerweise selbst entschlossen, ein Buch aus ihrem Blog zu machen. Ein Beispiel dafür ist http://www.belauscht.de, welches mitgehörte lustige Gespräche aufzeichnet und aus welchem bereits 2 Bücher und ein Hörbuch gemacht wurden.

      Ansonsten hat auch Medizynicus bereits ein Buch geschrieben, wenngleich das separat von seinem Blog zu sehen ist (eigentlich sind es ja bereits zwei Bücher).

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