Jetzt haben Sie schon wieder diesen Ton!

Meine Drogistin ist im Moment am Boden zerstört wegen einer Kundin, die sie als „Respektlos älteren gegenüber“ betitelt hat.
Nicht, dass die Kundin sehr alt war.
Oder meine Drogistin respektlos.
Tatsächlich ist es genau die Drogistin, die ich nach Möglichkeit aussuche, wenn bei mir der Geduldsfaden kurz davor ist zu reissen, z.B. wenn ich schon hoch und runter nach dem Makeup gesucht habe, das die Kundin angeblich bei uns bestellt hat – von mir will sie nicht hören, dass es die falsche Drogerie ist, aber meine Drogistin bringt das mit Engelsgeduld rüber … und gibt ihr womöglich noch die richtige Adresse.

Aber die Kundin, die sie bedient hat sie auf dem Kiecker. Nach obiger Aussage:
„Sie sind ziemlich respektlos älteren gegenüber“
hat meine überraschte Kollegin sich rasch entschuldigt: „Entschuldigen sie bitte.“ und sie ruhig weiterberaten – was soll sie dazu auch gross sagen? Sich auf Diskussionen einlassen warum die Kundin jetzt denkt, sie sei respektlos, liesse das Ganze nur eskalieren.

Aber das war noch nicht alles.

Drogistin: „Und diese Grundlage eignet sich speziell für eher trockene, empfindliche Haut …“

Kundin: „Jetzt haben sie schon wieder diesen Ton!“

Drogistin: (baff) „…….“

Die Kollegin hat dann möglichst rasch ihre Beratung beendet, verkauft, was die Kundin wollte … und ich durfte sie nachher wieder moralisch aufbauen.

19 Antworten auf „Jetzt haben Sie schon wieder diesen Ton!

  1. Es ist ein Irrglaube, dass man nur Älteren gegenüber Respekt aufzubringen hat.
    Soll ich jemanden respektieren, nur weil er ein paar Jahre vor mir geboren wurde? Muss ich auf Wunsch der Älteren im Carrée springen, nur weil ich ein paar Jahre jünger bin? Nein.

    Mit 41 fühle ich mich selbst zu alt, um für andere nur aufgrund des Alters einen Bückling zu machen.

    Oh, ich bin höflich, mach den Alten die Tür auf und gebe unaufgefordert meinen Sitzplatz im Bus für sie frei, aber ich erwarte dafür eine ebenso freundliche Behandlung wie ich sie ihnen zukommen lasse und gelegentlich wäre ein einfaches „Danke“ oder Lächeln durchaus angebracht und motivierend. Ich sage ja auch freundlich Danke und verbieg mich nicht dabei.

    Oder muss ich mit dem Respekt für meine eigene Person noch warten, bis bis ich selbst Ende 70 bin und den Freifahrtschein erteilt bekomme, um anderen den gebührenden Respekt zu verweigern und im Gegenzug selbst die respektvollste Behandlung einzufordern?

    Behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
    Das ist mein Motto und das ist es auch, was ich meinen Kindern beibringe.
    Wenn sie sich anständig benehmen, dürfen sie auch anständiges Benehmen von ihrem Umfeld verlangen – egal wie alt es ist.

    Und wenn sie jemand aus der Schlange beim Bäcker wegdrängeln will, nur weil er älter, größer und kiebiger (=frech, gerissen) ist, dann dürfen und sollen sie sich auch höflich, aber bestimmt bemerkbar machen und auf ihren Rechten bestehen.

    Respekt gibts bei mir beim Kennenlernen als Vorschussleistung, aber später muss man sich den verdienen.
    Und einfach nur älter zu sein ist kein ausreichender Verdienst.

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    1. Schön geschrieben! Ich finde Respekt sehr, sehr wichtig! Aber ich erwarte auch, dass er von beiden Seiten kommt. Manchmal finde ich es wirklich unverschämt, dass die Leute annehmen, sie können sich alles herausnehmen und werde dann selbst sicher noch respektvoll behandelt.
      Respekt ist etwas gegenseitiges. Man muss niemanden mögen, um ihn zu respektieren, es ist einfach ein kultiviertes, höfliches miteinander!

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  2. Ich habe oft erlebt, dass ältere Menschen mich respektlos behandelten, und das vermutlich nur, weil ich wie 15 aussehe ( bin 22)
    z.B. wollte ich in die S-Bahn einsteigen. Natürlich wartet man erst, bis alle ausgestiegen sind. So, Es war dann nur noch eine Person, die aussteigen wollte, ich ging einen Schritt vor und wurde von einem Mann an der Schulter festgehalten und er meinte, ich solle doch erstmal warten. Und das hat er natürlich nicht nett gesagt.
    Seitdem bin ich eigentlich nur noch freundlich, wenn man auch zu mir freundlich ist.

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    1. Ich verstehe zwar Deine Einstellung, aber – im Normalfall macht es das Leben einfacher, wenn man freundlich ist -auch wenn das Gegenüber das im Moment vielleicht nicht ist. Ich halte das wie Liz: etwas Vorschuss und den Rest, den muss man sich verdienen.

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  3. Als Abwandlung einer alten Weisheit: „Wer verkaufen will, muss freundlich sein.“

    Dennoch, wer sich so daneben benimmt wie diese Kundin und schon mit persönlichen (nichts anderes sind diese Aussagen) Angriffen loslegt, sollte die freundlich und höflich vorgetragene Empfehlung vorgetragen bekommen, künftig woanders seine Waren zu beziehen.

    Dass das Alter keine automatische Garantie für Respekt ist, sollte ebenso klar sein. Lediglich eine gewisse Rücksichtsnahme auf altersbedingte Gebrechen darf erwartet werden. Diese aber auch nur, wenn sie von den betroffenen Personen gewürdigt wird, z.B. mit einem freundlichen „Danke“.

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  4. Interessant, dass bisher alle Kommentare auf das „Respekt vor Älteren“ abzielen.
    Mich irritiert viel mehr, dass die Kundin sich angepisst fühlt, wenn man ihr erklärt, dass ein bestimmtes Produkt für trockene und empfindliche Haut geeignet ist. Erstmal ist es doch gut, alle Produkte, die im Angebot sind, zu kennen/verstehen – was sie dann für sich aussucht, ist ja ihre Sache.
    Aber abgesehen davon, hat das mit der Haut ja mal absolut nichts mit dem Alter zu tun. Ich suche, seit ich überhaupt Hautpflegeprodukte oder Kosmetika verwende (seit ich 12/13 bin?), NUR nach solchen Produkten, weil ich Neurodermitis hab (nicht immer sichtbar und mittlerweile nichtmal mehr im Gesicht) und schon von normaler Nivea-Gesichtscreme meine Haut anfängt zu brennen, dass es nicht mehr feierlich ist.
    Manche WOLLEN sich doch einfach nur beleidigt fühlen…

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  5. In unserer Kanzlei sind wir aufgrund genau solcher Vorkommnisse zur der Erkenntnis gekommen: „Es gibt Kunden die sollte die Konkurzen haben.“ Man darf sich nicht scheuen die Personen aufzufordern jemand anderen zu belästigen. 100x sind wir freundlich, nett und zuvorkommend ….. ab 101 ändern wir die Taktik. Gegangen ist aber trotzdem noch niemand. Genau DIESE Personen werden plötzlich selber höflich, wenn man ihnen unhöflicher entgegen kommt. Wir vermuten die brauchen das. Aber wir könnten alle drauf verzichten.

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  6. Ja, die Kunden-Verkäufer-Beziehung ist ein spezielles Kommunikationsmodell, bei dem das, was „gewaltfreie Kommunikation“ eigentlich bedingt, nicht erlaubt ist: rechtzeitig zu sagen, wann das Gegenüber Grenzen überschreitet.
    Ich bin zwar nicht dafür, daß wir die Kommunikation zwischen Kunde und Verkäufer ändern, denn wer möchte das Gefühl, König zu sein, schon missen?
    Aber man kann sich insofern trösten, als daß die meisten Kunden, die sich unberechtigt angepißt fühlen, genau wissen, daß der Verkäufer unter Zugzwang steht und gar nichts entgegnen darf.
    Also, so leid es mir tut: wer was verkaufen will, wird derartiges auch weiter erdulden müssen oder den Job wechseln. Aber hinter vorgehaltener Hand darf man sich auch ruhig mal auskotzen – solange man es nicht ständig tut und ein durchweg schlechtes Bild von seiner Kundschaft bekommt. Wir sind alle Menschen außer die Leute hinter der Verkaufstheke – die müssen nunmal so ne Art Übermenschen sein.

    Angesichts rückläufigen Umsatzes im Einzelhandel tut dies auch Not:

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2009/12/20/brainwashing-auf-tagesschau-de/

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  7. Ganz gut sind auch immer diejenigen, die wutentbrannt aus dem Geschäft stürmen „Zu Ihnen komme ich nie mehr!“.
    Und man weiss genau, spätestens in einer Woche kommen sie wieder vorbei. Obwohl man doch gut auf sie verzichten könnte..

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  8. Mir fällt noch was ein: ist evtl. die Kundin vom „Daig“ und die Drogistin „nid vo hier“? Ich habe damals innerhalb von 12 Monaten meinen Dialekt komplett umgestellt, weil mir unterstellt wurde (von Kundenseite), ich würde die Kunden duzen. Nur weil ich Berndeutsch „Ihr“ bzw. „Dir“ gesagt habe… Seither rede ich „Oltner Bahnhofsbuffet-Sprache“, da fühlt sich wenigstens keiner mehr geduzt.

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    1. Das wäre zwar eine Erklärung _ sozusagen ein Missverständnis aufgrund (leicht) unterschiedlichem Dialekt. Das kommt vor.
      Allerdings war das gerade da nicht der Fall – so ich hören konnte, kamen beide Beteiligten (Drogistin und Kundin) aus der gleichen Gegend.

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  9. Ach Kunden ;)

    Ich würde die Kundin wahrscheinlich noch eine Spur freundlicher anlächeln – und dann sagen, dass ich diesen Ton immer draufhabe. Und ganz freundlich dabei lächeln. Und mich innerlich amüsieren.

    Auch Kunden können mal einen schlechten Tag haben. Auch wenn es immer der Tag ist, an dem sie bei dir einkaufen. Einfach nix weiter zu denken. Irgendwann werden auch die freundlicher.

    So waren zumindestens meine Erfahrungen mit Kunden.

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  10. Ich hab schon mal jemand aus dem (Amts-)Büro gebeten, weil er meinte, mir mitteilen zu können, dass ich ja nur den ganzen Tag mir den Hintern im Büro breitsäße, und vom richtigen (= seinem) Leben keine Ahnung hätte. Wäre ich, wie er, auf dem Bau tätig, so wüsste ich besser, was der Euro wert sei… das Ganze dann gefolgt von ein paar wohlfeilen Beleidigungen, die sich auf Beamte bezogen- und so gern ich selbst Beamtenwitze reiße, so übel ist mir das an dem Tag bekommen. Mit diesem Menschen hatte ich vorher schon meine Schwierigkeiten. Nach dem Rausschmiss rief er dann an und entschuldigte sich. Ich mich auch, und danach waren wir dann beste Freunde… Aber ich saß irgendwie schon am längeren Hebel, da man sich in der Regel zwar die Drogerie, nicht aber die Behörde aussuchen kann. Mein Mitgefühl für alle die, die mit der Faust in der Tasche lächeln müssen.

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