Vorbildliche Mutter – nicht.

Das war letztens ein ziemliches Spektakel, das uns eine Mutter da bot, die mit ihrem etwa 4 Jahre altem Sohn in die Apotheke kam. Sie zetterte eigentlich schon vom Eingang her auf dem Weg zu uns hinten auf ihn ein. Der Grund wurde rasch klar, ihr Junge hat im Kaufhaus wieder etwas eingesteckt.

„Das macht er öfter!“ schimpfte sie. „Ich kann ihn keinen Moment aus den Augen lassen, schon hat er wieder etwas eingesteckt.“

Blick zu ihm. „Halt mal, hast Du da schon wieder etwas in der Tasche?“
Grinsend zieht der Junge rasch die Hand aus der Vordertasche der Hosen und zeigt sie ihr: leer. Sie aber sagt: „Los, zieh’ es raus! Sofort!“

Und tatsächlich, aus der Tasche kommt eines der Sonnencrememuster aus der Ausstellung zum Vorschein.
„Leg das sofort wieder hin! Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst nicht einfach Zeug einstecken? Huh? Wenn Du älter bist, dann nennt man das klauen! Und dann kommst Du dafür ins Gefängnis. So wie ich! Ich habe dir schon hundertmal gesagt …“ usw.

Moment mal … das habe ich jetzt schon richtig mitbekommen. ‚Wie ich?!?‘
Na super Vorbild.
Die Mutter löst ihr Rezept ein, in den paar Minuten, die wir brauchen ihr das Medikament zu erklären hat ihr Junge … schon wieder etwas eingesteckt. OK, es ist auch wieder nur Dekomaterial, aber …
Pharmama: „Entschuldige, das lässt Du aber hier, ja?“
… es folgt die nächste Schimpftirade der Mutter, die der Junge halb grinsend halb schuldbewusst dreinschauend über sich ergehen lässt.
Hmpf.

Noch schöner ist, wenn einem die Mutter dann erzählt, dass sie schwanger ist, alle ihr sagen, dass sie das Kind doch abtreiben soll, weil sie angeblich nicht auf ihre Kinder achten kann … ein erstes lebt nicht mehr bei ihr und ihrem Mann, das zweite ist oben erwähnter Junge, der von Amts wegen ins Tagi gehen muss (gibt’s das?) und jetzt ist sie wieder schwanger.

Ich höre mir das alles an und versuche möglichst sparsam dreinzuschauen. Meine Meinung dazu brauche ich ihr nicht zu sagen und Erziehungstipps … ihr Junge ist älter als meiner.

Aber ich hoffe doch, dass ich es besser mache.

29 Kommentare zu „Vorbildliche Mutter – nicht.

  1. Wenn das Kind trotz Predigt immer wieder etwas einsteckt, dann wirkt die Predigt nicht. Wenn es dazu noch grinst….

    Evtl. macht es das nur, weil es es Lustig findet, wenn die Mutter ausflippt? Ansonsten findet es aber klauen doof?

    Hat die Mutter einen Erziehungsfehler gemacht und das Kind klaut des Klauens wegen?

    Oder sind die Gene Schrott und es ist nun halt mal ein AK?

    Fernsehverbot? Lieblingsspielzeug-Entzug? Körperliche Züchtigung? Wo hört die Erziehung auf, wo fängt die Kindesmishandlung an?

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    1. In solchen Faellen ist das erstmal nicht unbedingt ein Erziehungs- sondern Beziehungsproblem. Strafen oder sowas hilft da auch nicht. Das geht tiefer.

      Die Mutter dringt zu ihrem Sohn nicht durch und der Junge freut sich ueber die Aufmerksamkeit die er von seiner Mutter bekommt, auch wenn er ausgeschimpft wird. Es wird wohl nicht reichen, wenn der Junge den Kindergarten besucht. Die Mutter braucht auch Unterstuetzung. Das mit der Kindererziehung ist schliesslich auch ein Lernprozess.

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    1. Genau gesagt habe ich den Ausdruck das erste Mal wohl beim Bestatterweblog gelesen … und irgendwie finde ich das eine so zutreffende Beschreibung für den Gesichts-Ausdruck den man wohl macht, wenn man möglichst keinen Ausdruck machen will :-)

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    2. Bei uns im südwestlichen Niedersachsen ist das ein ganz gängiger Ausdruck (wie viele im Bestatterweblog ;) )… Vielleicht liegt das mal wieder an den regionalen Unterschieden.

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  2. FÜr mich wäre eine logische Konsequenz, wer klaut, der darf eben nirgendwo mehr mit hin wo man klauen kann. Da das Kind in den Tagi geht kann sie erledigungen aller Art ja dann machen und ansonsten darf das Kind leider in keinen Laden mehr usw.

    Schwierig. Bei manchen wäre eine Erziehungberatung oder -begleitung sehr angebracht. Sehe ich immer mal wieder. Die machen das nicht aus Faulheit oder Böswillen falsch sondern einfach weil sie es nicht besser wissen.

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    1. Vorsicht Ironie ;-): Zitat „darf das Kind leider in keinen Laden mehr“: Keine schlechte Idee, darf man Kinder vorm Laden ‚anleinen‘? *duckundwech*

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  3. Wenn Muttern selbst noch klaut, woher soll der Kleine wissen, dass das falsch ist? Da er nur dazu grinst, hat er wohl auch nichts von Muttern zu fürchten. Wie wird das dann erst in ein paar Jahren sein? Mag ich lieber nicht dran denken. Meine Kids klauen nicht. *schwerhoff* Sonst gäb es mit Sicherheit Ärger

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  4. Ich hab jetzt keine Kinder, aber man wird als Elternteil doch dem Kleinen ja wohl irgendeine Strafe fürs Klauen geben können:
    * Stubenarrest
    * Entzug des Fernsehers, Playstation, etc.
    * Entzug des Taschengelds
    * Ohne Essen ins Bett
    * Kein Treffen mit Freunden für 2 Wochen
    * etc..

    Es sollte doch möglich sein, seinem Kind zu vermitteln, dass es für Ihn nur Nachteile hat, wenn es klaut.
    Das ganze gepaart mit dem Satz: „Klau nochmal und wir wiederholen diese Strafe!“ Und dabei dann nicht schreien, sondern das Ganze komplett nüchtern dem Kind formulieren.

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    1. Das wird so nicht funktionieren. Im besten Fall lernt das Kind, sich nicht mehr erwischen zu lassen, im schlimmeren wendet es mehr oder weniger subtile Bestrafungen auch in seiner Umgebung an, zum Beispiel bei den Kindern im Kindergarten. Das Problem liegt ja, wenn man kühn ferndiagnostizieren will, nicht in einzelnen Verhaltensauffälligkeiten, sondern in einer grundlegenden Falscheinschätzung der Welt und ihrer Spielregeln, die (wohl nicht nur) von der Mutter einsozialisiert wird, da helfen einzelne Interventionen nicht.

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      1. Einzelne Interventionen helfen sicherlich nicht. Wahrscheinlich hat besagtes Kind auch sonstige Auffälligkeiten. Insbesondere wenn die Mutter selbst schon mal im Einzelhandel geklaut hat, nehme ich an, dass auch die Mutter selbst sozial nicht angepasst ist.

        Persönlich haben meine Freundin und ich noch keine Kinder. Wenn ich aber entdecken würde, dass mein Kind klaut, würde ich mich als erstes selber fragen, wo ich in der Erziehung meines Kindes etwas falsch gemacht habe und würde versuchen meinem Kind zu erklären, warum es sich falsch verhalten hat. Anschließend würde ich ihm sagen, welche Strafe ich ihm für sein Fehlverhalten geben werde und würde versuchen, ihm auch den Grund dieser Strafe zu erklären.
        Die oben angegeben Strafen finde ich im Rahmen einer Erziehung eines Kindes akzeptabel.

        Aber – wie gesagt – wir haben noch kein Kind.

        Und insoweit gebe ich meinen Eltern auch gerne recht, die mir vor 15 Jahren als Jugendlichem auch gesagt haben: „Warte mal ab, bis Du Kinder hast, Du kannst es dann besser machen als wir es gemacht haben.“

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  5. mhh… der ganzen situation nach würd ich eher denken da schreit wer nach aufmerksamkeit. ein kind in dem alter klaut wohl kaum des klauens willen (vor allem da es ja auch keine für kinder interessanten dinge sind) die aussage das ein kind schon nicht bei ihr lebt, dieses ins tagi muss etc. lassen eher darauf schließen, dass die fürsorge der mutter nicht die beste ist. aber jedes kind will von seiner mama beachtet werden. und wenn es durch schimpfen ist.

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    1. Wenn Pharmama im Gefängnis gewesen wäre, hätte sie sicherlich (auch in der liberalen Schweiz) keine Approbation (=Zulassung) als Apotheker mehr… ;-)

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      1. Nein, im Gefängnis war ich nie …
        und es stimmt: für die Zulassung musste ich einen aktuellen Strafregisterauszug abliefern, (ziemlich viel Geld für so ein kleines Blatt Papier).

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        1. Ja, das ist in D genauso…
          Das kleine Blatt Papier kostet auch hier ganz gut Geld und man muss – neben einer ärztlichen Bescheinigung (keine Sucht oder ähnliches) – auch hier einen Strafregisterauszug (=amtliches Führungszeunis) vorlegen.

          Persönlich hab ich auch ein Praktikum in einem Klinikum absolviert. Hier wollte man von der Personalabteilung ebenfalls ein amtliches Führungszeugnis, welches nicht älter als vier Wochen ist…

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        2. In D ist sie zur Beantragung der Approbation Pflicht.
          Man muss nachweisen, dass man „zur Ausübung des Apothekerberufs körperlich geeignet ist“, sprich: der Arzt muss Dir per Attest nachweisen, dass Du weder Krüppel noch Junkie/Spriti bist.

          Realistischerweise war das ein Besuch beim Hausarzt, der mich als Person und auch meine Blutwerte kennt und mir dann das Attest gegen die Zahlung von ca. 20 Euro ausgestellt hat.

          Macht aber durchaus Sinn, nachdem in einer Apotheke im Tresor ja durchaus Morphin & Co. lagert und in den Schubläden ja auch durchaus einige Substanzen drin sind, mit denen man bei einem handelsüblichen Bahnhof ganz gut Geld verdienen könnte… ;-)

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        3. Damit das nicht falsch rüber kommt:
          Die 20 Euro waren für das ärztlich abrechenbare Attest, also keine Schmiergelder oder so… ;-)

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  6. Schon mal was von Kinder- und Jugendpsychiatrie gehört? Diese Thematik ist Kern-Arbeitsbereich solcher Fachleute. Ohne Anamnese bleibt das doch alles Klönschnack.

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    1. Sie sind ihrem Blog gemäß ca. 60 Jahre.
      Haben Sie Kinder? Würden Sie diese wirklich in die Psychiatrie schicken?

      Ich bin ein paar Jahre jünger als Sie und wir haben noch keine Kinder, planen aber ein…
      Mein Statement:
      Ich würde das mit der Psychiatrie mit meinen Kindern nur dann machen, wenn WIRKLICH alles andere nicht mehr hilft. Ich würde das nur dann machen, wenn ich mir selber eingestehen müsste, dass ich bei der Erziehung meines Kindes komplett versagt habe.

      Sie reden da stets so verdammt leicht und haben feste unabänderliche Meinungen, insbesondere wenn ich mir Ihr Blog so ansehe.

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  7. ahja… wenn ich mir manche Kommentare so durchlese, sollten wohl Frauen, die wohl wegen Diebstahl im Knast waren, nie Kinder bekommen? Wo steht da geschrieben das die Mutter immer noch klaut? Mal wieder alles quergelesen?

    Wie vorne geschrieben, macht es dem Jungen wohl spass Mama zu ärgern, nichts besonders in dem Alter. Leider hat er was rausgefunden was nicht so dolle ist.

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    1. Was sie im Moment macht, ist das Kind nur noch im Buggy angeschnallt mitzunehmen – keine Chance, dass er da was nimmt (ausser er steht zu dicht dran) – aber irgendwie … finde ich das auch keine Lösung auf Dauer.

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      1. Immerhin bemüht sie sich, und die Idee finde ich auch nicht schlecht, sondern recht pragmatisch. Auf Dauer würde ich hoffen, daß der Knabe die Angewohnheit wieder ablegt…

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      2. Ist natürlich eine Idee, klauen wird er im Buggy so nicht können…

        Für die Erlernung von *Sozialverhalten* finde ich das aber eher etwas suboptimal.
        Das Kind kann sie nicht ewig im Buggy festschnallen. Das Kind sollte schon lernen, dass es falsch ist, was es da tut.

        Kann man einem Kleinkind als Elternteil nicht zumindest versuchen zu erklären, warum es gewisse Dinge nicht tun darf? Das ganze nüchtern und sachlich und ohne gleich mit Gefängnis oder dergleichen zu argumentieren, sondern einfach damit, dass das Kind ja auch nicht möchte, dass man ihm selber Dinge wegnimmt.

        Kinder sind Kinder und machen Fehler, aber gerade bei einem Kleinkind sollten die Eltern doch gewisse Einflussmöglichkeiten haben, insbesondere wenn man das Kind als Elter respektiert und ihm erklärt, warum seine Verhaltensweise falsch ist. Kinder sind doch auch nicht blöd…

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