Einfach ignoriert

Liebe Kunden,
… auch wenn ich nicht hinter der Theke der Apotheke hinten im Laden stehe sondern vorne im Laden etwas am einräumen, aufräumen oder sogar putzen bin, bin ich trotzdem noch genauso hier arbeitend und Apothekerin.
Mich und mein „Guten Morgen“ dann einfach zu ignorieren, ohne Zurückzugrüssen an mir vorbeizuziehen und schnurstracks nach hinten zu laufen holt ihnen keine Pluspunkte bei mir.
Am Ende läuft es nämlich darauf heraus, dass ich – weil alle anderen auch beschäftigt sind – hinter ihnen herlaufe, vorbeilaufe, um die Theke herum und sie mit dem genau gleichen „Guten Morgen“ nochmals begrüsse.

:-(

Warum macht man das? Tunnelblick? Morgenmüde? Allgemeinmuffel? Ich rede nur mit der Apothekerin?

18 Kommentare zu „Einfach ignoriert

  1. Oh ja, das kenne ich. Als Kinderkrankenschwester auf einer Intensivstation rettet man nicht die ganze Zeit Leben. Es müssen auch mal Auffüll- und Aufräumarbeiten erledigt werden oder etwas muss gereingt werden. So kommt es, dass eine hochqualifizierte Schwester einen Inkubator putzt und sieht das Eltern sich suchend umschauen. Auf die Frage „kann ich Ihnen helfen?“ bekam ich schon häufiger die Antwort „Nein, wir wollen mit einer Schwester sprechen.“ Oder noch besser ist der Satz „Sie können uns mal eine Schwester holen.“ Dann lege ich den Putzlappen hin und gehe zum Waschbecken reinge und desinfiziere meine Hände, drehe mich um und frage noch mal „Kann ich Ihnen helfen?“ Erschreckend finde ich, wie selten die Eltern dann peinlich berührt sind und noch seltener entschuldigen sie sich für ihr Verhalten.

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    1. Das ist wirklich peinlich – also mir wär’s das.
      Kenne das ja auch, wenn ich im Laden (Buchhandel) stand und das Regal wischte, dass Leute einfach an mir vorbei greifen und wenn ich frage, ob ich ihnen was geben oder sonstwie helfen kann, dann sehr überrascht sind, dass ich dazu fähig bin.
      In den hiesigen Krankenhäusern erkennt man das Personal an der Kleidung. Die Schwestern tragen wie die Ärzte weiß und Namensschilder, auf denen auch steht, was sie tun, das „Reinigungsgeschwader“ hat blaue Kittel, dann sind da noch die „grünen Damen“ und wie die Verwaltung gekleidet ist, weiß ich jetzt offen gestanden nicht.

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  2. Ich denke mal, dass dies daran liegt, dass etwa 10-20% der Leute eine etwas übertriebene Anspruchshaltung haben:

    Man redet nicht mit der „billigen Putze“, die ist ja „unter dem eigenen Niveau“ (Wie würde die Apo wohl aussehen, wenn niemand sie reinigen würde?).
    Man redet nicht mit dem „billigen Assistenzarzt“, schließlich ist der Assi-Arzt ja „unter dem eigenen Niveau“ (falls ich mal ins Krankenhaus muss –> Bitte Behandlung durch einen Arzt, der noch am Patienten und am Fach ist, bitte keinen Chefarzt, der überwiegend Büroarbeiten durchführt).
    Und der „dumme Apotheker“ (wahlweise hab ich auch den „dummen Verkäufer“ erlebt) hat ja im Gegensatz zum Arzt sowieso keine Ahnung. Man braucht ja schon etwas „Niveau“, man ist ja schliesslich was besseres. („Bei Ihrer Chefin bekomm ich aber immer noch eine Probe von Widmer mit!“)

    Es gibt da auch Männer, aber es sind zu 70% Frauen, die diese Einstellung haben.

    Ein Blick auf das Rezept verrät dann die gemeine Kassenpatientin, die bei der Kasse versichert ist, bei der jeder versichert ist, der sich noch nicht nach einer vernünftigen Kasse umgesehen hat und verrät die Lebensituation der Kundin: z.B. Gebührenbefreiung aufgrund von längerer Arbeitslosigkeit und als Medikation Antidepressiva, Schlafmittel und die Großpackung Abführmittel.

    Mir tun daher solche Leute irgendwie leid…

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    1. „(wahlweise hab ich auch den „dummen Verkäufer“ erlebt)“

      Genau *g* Warum grüßen, wenn die Kassiererin freundlich „Guten Morgen“ sagt, die ist ja eh unter dem eigenen Niveau. Kassieren kann ja schließlich jeder. Mindestens zwei von uns dummen Kassierern finanzieren damit ihre Promotion – was gerade den unfreundlichen Herrschaften mit Dr.-Titel auf der Kreditkarte gerne mal unter die Nase gerieben wird, wenn sich die Gelgenheit ergibt (und leider ergibt es sich irgendwie jede Schicht wieder) – oder bessern sich ihr Referendarsgehalt auf.

      Ein Hoch auf die Studentenstadt… wir sind überall. Sei nett zu uns, wir vertreten dich vielleicht mal vor Gericht, unterrichten deine Kinder oder sollen dich irgendwo einstellen.

      Selbst ich Morgenmuffel (vor 11 ist mit mir eigentlich nichts anzufangen – außer es muss sein, also während der Arbeit) lächel zumindest freundlich, wenn ich einen Laden betrete und ringe mir ein halbwegs freundliches „Guten Morgen“ ab. Und das hab ich schon weit vor der Einzelhandelserfahrung. Kinderstube nennt sich das.

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      1. Das mit der Kinderstube wird wohl anscheinend allgemein überschätzt!

        Und ein Doktortitel sagt wenig über die fachliche (und v.a. menschliche) Qualifikation eines Menschen aus, selbst wenn es ein richtiger Doktortitel ist (> 3 Jahre). Da gibt es verdammt viele dumme Menschen, die einen Doktortitel haben.
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        Und viele Putzfrauen und Kassiererinnen, die was auf dem Kasten haben…

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        1. In der Tat… und so mancher hochnäsige Herr Doktor hat möglicherweise vergessen, wie er selbst sein Auskommen während des Studiums finanziert hat.
          (…oder man erkennt daran jene, die es sich eben *nicht* selber finanzieren mussten, sondern sich regelmäßig von Paps ein paar Scheinchen abgeholt haben)

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  3. Ich würd sagen : mangelnder Respekt vor anderen Berufen/Dummheit. Als ich im Krankenhaus gearbeitet habe gab es einen Arzt, der mich immer blöd angeguckt hat wenn ich die Putzfrauen gegrüßt habe…(muss aber zur Ehrenrettung der Ärzte sagen, dass das aber auch wirklich der einzige Arzt in diesem KH war, denn ich kannte und der so arrogant war)

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  4. Freundlichkeit und vor allen Dingen gute Manieren sind heute vielen fremd. So etwas hätte es früher nicht gegeben und würde mir auch nie in den Sinn kommen. Ich grüße meist von allein und würde nie ein freundliches „Guten Tag“ etc. ignorieren.

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    1. öhm… Oh doch, sowas gabs früher auch…. vielleicht sogar noch schlimmer als heute, da das Standesdenken noch viel ausgeprägter war….

      Ich hasse diese „früher war alles besser“ Sätze, echt jetzt…. ;o)

      Übrigens, um zum Thema zu kommen: Die Gründe für das Nichtgrüßen können vielfältigst sein – vom unfreundlichen „Ich red doch nich mit der Putze“ bis zum schusseligen „Wie? Da stand jemand? Hab ich nich gesehen und nich gehört“. Und auch nicht jeder, der sich hinterher nicht tausendmal untertänigst entschuldigt, ist deswegen versnobbt. Manchen ist das dann so peinlich, dass sie in einer Art Übersprungshandlung so tun, als wär der Vorfall nie passiert…

      Man kann den Leuten nicht in den Kopf gucken, und ich finde das Leben wesentlich entspannter, wenn ich tendenziell eher vom Positiven als Negativen ausgehe… selbst wenn ich damit falsch liegen sollte, so lasse ich mir durch sowas dann wenigstens nicht den Tag vermiesen ;o)

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  5. Ich habe eins schnell gelernt, jeder Mensch ist irgendwie wertvoll, manchmal sogar als schlechtes Beispiel.
    Aber gerade Putzfrauen und Co. sind mit die wichtigsten Personen auf vielen Ebenen. Denn sie halten ein Grundgerüst von Sauberkeit und Ordnung aufrecht. Wenn sie wegfallen würden, würde mancher aber dumm aus der Wäsche schauen. Dann sieht die schnieke Kanzlei schnell schmuddlig aus und im Krankenhaus…. naja ihr wisst schon.
    Und auch wenn jemand qualifiziertes Personal ist, so darf er sich schlußendlich nicht scheuen auch mal nen Putzlappen anzufassen, denn heutzutage gehört das irgendwie zu den meisten Berufen als Nebebtätigkeit einfach dazu. Ist ja auch leichter wenn mal einer über das Regal wischt, wenn es grad nötit ist, als wenn man 3 Tage wartet bis die Putzangestellte kommen kann.
    Da bricht keinem ein Zacken aus der Krone und jeden Menschen zu begrüßen, der mich begrüßt ist sowieso Pflicht.

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  6. Ach Pharmama, es können ja nicht alle soooo nett und freundlich sein, wie du und deine Blogleser *gg*
    Sollte ich jemals deine Apotheke betreten (was nahezu unwahrscheinlich ist) werde ich dich selbstverständlich ganz freundlich zurückgrüßen.
    Genauso, wie ich es immer mache, wenn ich einen Laden betrete und die Verkäuferin/Inhaberin/Apothekerin/PTA/… mich begrüßt.

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    1. …. und natürlich grüße ich auch VerkäufER/InhabER/ApothekER/…
      Ich bin ja nett und mache keine Unterschiede bei den Geschlechtern ;-)

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  7. Mir ist sowas auch schon passiert, war allerdings keine böse Absicht, dass ich nicht zurückgegrüßt habe, sondern eher die spätere Erkenntnis „Oh, ich war gemeint? Ups.“ Kann mir grade morgens passieren, wenn ich fast noch im Halbschlaf unterwegs bin ;)

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      1. Nee, leider nicht. Ich rieche ihn zwar unglaublich gerne, aber ich mag ihn nicht trinken. Aktuell versuche ich es mit schwarzem Tee.

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  8. Danke vielmals für eure netten Kommentare! Das ist schon etwas anderes, als wenn man (an anderer Stelle) als „borniert und engstirnig“ bezeichnet wird.

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