Medikamente, Alkohol und Fahrtüchtigkeit

Ein Kunde kam vor ein paar Tagen in die Apotheke und erzählt diese Geschichte:
Er hatte einen Auto-Unfall vor 4 Monaten … und zwar hat er morgens eine Tablette, die er von uns bekommen hat geschluckt – Name unbekannt, es sei aber eine grüne Packung gewesen- dann habe er nach 6 Stunden 2 Bier getrunken und bei der anschliessenden Rückfahrt mit dem Auto einen Unfall mit Totalschaden gemacht.
Von uns will er jetzt wissen, wann er das Medikament bezogen hat.
Was er uns hinhält ist eine leere Packung Codein Knoll Tabletten.

Ja. Hmmm.
Klar kann ich ihm einen Auszug machen – nur denke ich, wenn ich seine bisher bezogenen Medikamente anschaue, dass das Problem weniger bei den Codein Knoll (Hustentabletten), als bei den Sirdalud Kapseln (Muskelrelaxans mit Tizanidin) liegt. Die machen erstens mehr müde und zweitens steht da ausdrücklich in der Packungsbeilage drin, dass in Kombination mit Alkohol die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt ist. Ausserdem: das wäre im Gegensatz zu den Codein eine (leicht) grüne Packung.

Aber: Stimmt seine Geschichte auch? Denn die Medikamente – sowohl das Codein als auch die Sirdalud wurden einige Monate vor dem Unfall bezogen! Gut, vielleicht hatte er nach der Behandlung ein paar übrig und als er wieder Husten oder Muskelschmerzen bekommen hat gedacht, er nimmt einfach von den Tabletten, die er zuhause hat.

Noch ein Problem: das Codein würde in einem Drogen-Test als Opiat angeben – vielleicht versucht er auch nur da etwas zu erklären. Die Menge spielt da keine Rolle, im Gegensatz zum Alkohol existieren keine Grenzwerte.

Die Versicherung kann übrigens bei einem Unfall wegen Grobfahrlässigkeit – also auch bei Drogen und Alkohol am Steuer -die Leistungen kürzen, so zahlt also Beispielsweise die Vollkaskoversicherung den Schaden am Fahrzeug nur teilweise oder gar nicht. … Und die Haftpflichtversicherung fordert in so einem Fall einen Teil der Kosten zurück.

Eine sehr gute Seite zum Thema Alkohol und Drogen / Medikamente am Steuer findet sich hier: http://www.fachstelle-asn.ch/de/fiaz.php

auf der Seite steht auch:

Da es bei Medikamenten eben keine Grenzwerte gibt und geben kann, gilt die Eigenverantwortlichkeit. Die Apotheker und Ärzte wissen um verkehrssichere Alternativpräparate, sie müssen aber spezifisch danach befragt werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass auch rezeptfreie Medikamente die Fahrfähigkeit negativ beeinflussen können. Deswegen sollte die Packungsbeilage sorgfältig gelesen und die vorgeschriebene Einnahmedosis nicht überschritten werden.

Nun, wir sagen es den Patienten im Normalfall, wenn wir etwas abgeben, was die Fahrtüchtigkeit sehr beeinträchtigt. Aber … trotzdem … :-(

Problematische Medikamente sind übrigens:
Schmerzmittel, Hustenmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antiallergika, Psychopharmaka, Muskelrelaxantien, ausserdem Mittel gegen Bluthochdruck (v.a. bei der Einstellung), Diabetes (wegen Unterzuckerungsgefahr), Augentropfen (wenn sie die Sehstärke herabsetzen) …

Andererseits ist es oft ebenso problematisch die Medikamente nicht zu nehmen.

Darum: bitte vor dem Autofahren schauen, ob bei den Medikamenten etwas steht und auf jeden Fall auf die Kombination mit Alkohol verzichten!

16 Antworten auf „Medikamente, Alkohol und Fahrtüchtigkeit

  1. Sorry, aber mit 2 Bier (nicht mal mit 1) fährt man nicht mehr Auto. Egal, ob man vorher irgendwelche Medikamente genommen hat oder nicht.
    Don’t drink and drive. Das ist zumindest meine Einstellung.

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    1. Schön wärs, wenn das für alle so selbstverständlich wäre…
      Meine Dauermedis stehen leider auch auf der Liste der Problemfälle, von daher bin ich auch gelegentlich betroffen. Aber entweder ich haben einen „antialkoholischen“ Fahrer, oder es geht halt einfach nicht. Punkt.

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      1. Manchmal ist es auch so, dass sich der Körper nach einer gewissen Zeit der Einnahme anpasst – dann machen Antiepileptika oder Schmerzmittel nicht mehr so müde. Dann ist es oft wieder möglich zu fahren. Das heisst, sobald die Therapie eingestellt ist.

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  2. Ich kenne das Problem von meinen Migränemedikamenten:

    Triptane: In der Packungsbeilage steht, dass diese zu „Mißempfindungen“ führen können. Genauer ausgeführt ist das nicht. Was ich schon erlebt habe: Ein starkes Kribbeln in den Händen bei externem Reiz, z.B. beim Händewaschen. Das ging sogar so weit, dass ich beim Tackern eines Blatt Papiers das Gefühl hatte, von einem Blitz getroffen worden zu sein, und den Tacker fallen lies. Nicht auszudenken, wenn einem soetwas mit dem Lenkrad passiert wäre.

    MCP: In der Packungsbeilage steht: „Kann zu Rastlosigkeit führen“. Konkret bedeutet das, dass man das Gefühl hat, von der Tarantel gestochen worden zu sein, keinen klare Gedanken mehr fassen kann und total aufgekratzt ist. Dazu kommen Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Ist bestimmt auch total klasse beim Autofahren.

    Fazit: Beides nicht nehmen, wenn man Auto fahren muss.

    So, was aber tun, wenn man mitten bei einer Fahrt einen Anfall hat? Dies ist mir einmal passiert, auf dem Rückweg von einem Kunden auf der Autobahn, nachts um Zwölf, mitten im nichts. Stehenbleiben ist da auch keine Alternative. Was dann funktioniert hat, war sich auf Ibuprofen zu beschränken, sich eine halbe Stunde hinzulegen, dannach viel Redbull und dann *langsam* nach Hause fahren.

    Viele Grüße,

    Marcel

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  3. Ich bin Schmerzpatient und nehme mehr oder weniger regelmässig Oxycontin (je nach Intensität mal alle paar Tage, dann wieder 2-3 Wochen lang täglich). Wie sieht es jetzt nicht bei einem Unfall (da bin ich wohl so oder so am ***, wie bei Alkohol unter 0.5 wird dir wohl trotzdem was angehängt), sondern bei einer „normalen“ Kontrolle mit Test auf Opiate (z.B. wenn ich mal nachts unterwegs bin oder so)? Die Aussage vom Arzt ist, wenn ich mich fahrtauglich fühle, dann sei fahren auch nach Einnahme OK. Die Warnung „kann Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen“ ist für den Kunden nutzlos, sie verbietet das Fahren ja eigentlich nicht ausdrücklich. Wenn ich es aber doch als komplettes Verbot interpretiere, schränkt dies mich als Schmerzpatient sehr sehr stark ein, obwohl das bei einer tatsächlich schmerzbedingten und gut eingestellter Opiateinnahme völlig unnötig ist. Wie siehst du das, laufe ich auch ohne Unfall Gefahr, dass mir der Ausweis weggenommen wird? Gibt es sowas wie eine Bestätigung, dass ich die ärztlich verschrieben bekomme, damit ich nicht irgendwann mal nachts um 2 wegen einem angeblichen BG-Verstoss ein paar Stunden bei der Polizei verbringe?

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    1. Auf jeden Fall würde ich mir vom Arzt eine Bescheinigung ausstellen lassen, dass das Opiat in Medikamentenform eingenommen wird – dann ist man zumindest schon mal aus der Illegalität draussen. Wenn die Einnahme nur Kurzfristig ist und man muss einen Bluttest machen, würde ich vielleicht gleich noch einen Haartest fordern – darin sieht man, dass es keine regelmässige EInnahme ist.
      Man kann auch mit so starken Schmerzmitteln fahren – aber nicht zur Beginn der Therapie, sondern erst, nachdem man eingestellt ist und der Körper sich etwas daran gewöhnt hat.

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    2. Ich bin auch Schmerzpatientin und bekomme Buprenorphin-Pflaster, Tetrazepam, Cymbalta, Zopiclon, etc. Alles Medikamente, nach deren Einnahme man nicht fahren darf.
      Mein Arzt hat gesagt, dass ich mir von ihm einen Opiatausweis ausfüllen lassen kann. Damit „darf“ man dann fahren. Ich kann selbstständig entscheiden, ob ich mich fit genug fühle, um ins Auto zu steigen. Da ich aber einen kleinen Sohn habe und wir eh nicht auf das Auto angewiesen bin, lasse ich es komplett sein, weil IMMER etwas passieren kann.
      Meiner Meinung nach sollte man mit solchen Medikamenten nicht mehr ins Auto steigen. Schon alleine im Interesse der anderen Verkehrsteilnehmer.

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  4. Ich sehe auch mehr das Problem beim Alkohol, genau wie Rose.

    Oder sind die Schweizer so drauf wie die Bayern, dass das Bier zB zum Essen nicht „zählt“?!

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    1. Für den in der Geschichte hat es sicher nicht gezählt …. naja, bis die Polizei dann kam.
      Ich bin übrigens auch der Meinung: don’t drink and drive! – und eben: mit Medikamenten verträgt sich das auch nicht.

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      1. Um das mal klar zu stellen:
        Ich bin ein absoluter Gegner, dass jemand mit 2 Litern Bier noch ein Fahrzeug bedient.

        Was ich zitiert habe, war der ehemalige Ministerpräsident von Bayern, Herr Beckstein, der sich ernsthaft hingestellt hat, dass man nach 2 Litern Bier noch Auto fahren könne.

        Dem widersprechen in dem von mir zitierten Artikel der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei und diverse Oppositionspolitiker.

        Was ich meinte, war folgendes: Auch ein Ministerpräsidentstitel bewahrt nicht davor, komplette Scheisse zu reden!

        Persönlich definitives Statement: Wer Alkohol getrunken hat (alles über einer Radler), fährt nicht!

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        1. Oder um es wie der Oberbürgermeister der Stadt München, Herr Ude, zu sagen, der beim Anstich des Oktoberfests im Beisein von Herrn Ministerpräsident Beckstein – als Antwort auf dieses Statement – formuliert hat:
          „Wir trinken a Mass, no a Mass und no a Mass, aber dann lass ma das Auto stehen.“

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  5. Oh ja, Gewohnheit.. Hab überhaupt kein Problem, mit Novamin intus zu fahren, auch wenn da, wenn ich mich nicht irre, eventuelle Beeinträchtigung drin steht.
    Aber mit dem Relaxantium würde ich nicht fahren, einmal ausprobiert und schwankend gegen ne Tür gelaufen..

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  6. Ich hätte nicht gedacht, dass eine Apothekerin den Begriff Droge verwendet. Und dazu noch in der Phrase „Alkohol und Drogen“. Alkohol ist eine Droge, diese Begriffe können nicht voneinander getrennt werden. Somit müsste es heißen „Drogen, wie z.B. Alkohol“. Aber wissenschaftlich gesehen sollte man diese Stoffe nicht Drogen nennen, sondern psychoaktive Substanzen oder auch Suchtmittel, wenn man Internet, Glücksspiel und Shopping miteinschließen will. Mit Droge bezeichnet man eigentlich getrocknete Pflanzen.

    Sobald ein Medikament die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen kann, muss man auch von einer psychoaktiven Wirkung ausgehen und könnte es umgangssprachlich als Droge bezeichnen.

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