Der nächste Kunde

Es gibt so Momente, da will man den nächsten Kunden einfach nicht übernehmen. Man sieht, wer in die Apotheke kommt, denkt „Oh, nein“ und schaut sich um, ob eventuell nicht doch jemand anders frei und willig ist, die die Person nehmen kann. Und dann, weil es unvermeidbar ist, strafft man die Schultern, setzt ein Lächeln auf und stellt sich dem Kunden.

Es ist die Kundin (oder der Kunde), der man schon zum Xten Mal dasselbe gesagt hat:
„Das Dulcolax ist nur für eine kurzzeitige Einnahme gedacht.“
„Der Nasenspray darf nur eine Woche am Stück angewendet werden.“
„Sie meinen das Benocten.“ (ein freiverkäufliches Schlafmittel – die Kundin tut immer so, als wüsste sie den Namen nicht und hat doch das Geld schon abgezählt bereit).
„Ist es für einen trockenen oder einen verschleimten Husten?“ – und die Antwort „Reizhusten, ich nehme es nur auf die Nacht“ kennt man auch schon.

All diesen habe ich das schon X mal gesagt und sie auf ihr Verhalten hingewiesen, mit ihnen geredet, sie auf Alternativen hingewiesen … und trotzdem kommen sie wieder mit demselben.

Oder es ist die säuerliche Kundin, der man einfach nichts recht machen kann. Man empfiehlt ihr etwas – und sie nimmt etwas anderes, was die Nachbarin ihr geraten hat. Man erklärt ihr ausführlichst ein Produkt – und am Schluss kauft sie es doch nicht -oder zumindest nicht hier. Das einzige was sie mit einem verkappten Lächeln annimmt sind die Müsterchen. Und nach denen fragt sie nicht nur, die verlangt sie.

Das sind die Kunden, wo ich etwas resigniert habe.

Aber: nach dieser Kundin, da kommt jemand neues – und jemandem , den ich wirklich beraten und wirklich helfen kann.

Und darum stehe ich wieder hier – und lächle. Gerne diesmal.

9 Kommentare zu „Der nächste Kunde

  1. Kenne ich. Andere Branche (Taxi), aber wahrscheinlich in solchen Momenten ähnliches Gefühl.
    „Der Nächste wird es zu schätzen wissen – oder der übernächste!“
    Es sind ja nicht alle Kunden undankbar oder schwierig :)

    Ach ja, worüber ich mich mal freuen würde:
    Ein paar Worte zu „Magaldrat“
    Ich hab einen säureempfindlichen Magen und nehme die sehr zufrieden recht oft und wollte mal nachfragen, ob es da nennenswerte Probleme mit geben kann. Vielleicht passt es ja mal in einen Artikel zu Wechselwirkungen oder so.

    Ansonsten: Gute Arbeit! Weitermachen :D

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    1. Ja, zum Glück gibt es genug andere Kunden, die das kompensieren. Etwas blöd ist es, wenn sie (die im Post genannten) gehäuft auftreten … was meist damit zusammenhängt, dass man sich an dem Tag sowieso nicht so toll fühlt. Da zieht man sie an wie das Licht Mücken.

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      1. Ist halt so, die riechen das wie Hunde deine Angst. An solchen Tagen vielleicht einfach mit Helm arbeiten (besser für Kopf -> Tisch)

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      2. Nö, objektiv betrachtet sind „die“ an „diesen“ Tagen auch nicht häufiger – nur: wenn man eh nicht gut drauf ist, kommt man schlechter mit ihnen klar.
        Geht zumindest mir so.

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  2. Kann dieses Gefuehl so gut nachvollziehen. Am Liebsten wuerde man dann schnell auf’s Klo rennen koennen, aber das geht nicht, da der ganze Laden voll steht und man seine Kollegen ja nicht im Stich lassen kann. „Augen zu und durch“.

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  3. Ohja, das habe ich am Wochenende im Tretbootverleih (Aushilfsjob) auch wieder erlebt! Ganz gemein sind allerdings die Problemkunden, denen man das „Problem sein“ vorher nicht ansieht…

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  4. Ein toller Beitrag :)
    Ich war vor kurzem wegen einer etwas verschleppten Erkältung und Husten drei Mal in der Apotheke (vor, kurz nach und einiges nach dem Arztbesuch). Jedes Mal wurde ich super beraten und zwar sogar so, dass ich nach der Beratung nicht mal etwas gekauft habe. Ist natürlich schade für die Apotheke, aber ich für mich weiß jetzt auf jeden Fall drei Apotheken, zu denen ich gerne wieder gehe, wenn ich etwas einzukaufen habe (je nachdem, wo ich bin).

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  5. Was ich in dem Zusammenhang nicht verstehe, warum Leute, die Medikamente offensichtlich mißbrauchen, das nicht auf unterschiedliche Apotheken verteilen. Das ist doch in grösseren Städten überhaupt kein Problem.

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