Medikamentennamen sind schwierig (4)

Frau in der Apotheke: „Ein Aspegic und ein Actimel, bitte.“

Pharmaassistentin: „Actimel … wie das, was man am morgen trinkt?“

Frau: „Nein, meine Tabletten!“

Sie meinte dann Actonel, das hat sie auf ihrem Rezept.

Und wenn wir schon dabei sind:

Weiss jemand, was Psychologische Lösung ist? :-)

Medikamentennamen sind schwierig (1) freiverkäufliche

Medikamentennamen sind schwierig (2) rezeptpflichtige

Medikamentennamen sind schwierig (3) mehr ..

Wie kommt man zu dem Medikamentennamen? Heute …

Als ich angefangen habe in der Apotheke zu arbeiten, war ich fasziniert von den Namen der Medikamente. Aspirin, Panadol, Voltaren, Valium, Eltroxin, Tonopan, Sortis … die Namen haben etwas exotisches und dahinter verstecken sich die unterschiedlichsten Wirkungen und Anwendungen, die ich alle lernen musste.

Bei den einfacheren (und oft freiverkäuflichen) sind praktisch 2 Beschreibungen zusammengehängt. Derma-calm zum Beispiel. Von Derma = lateinisch für Haut und calm = ruhig.

Oder man hat einen Teil des Wirkstoffes genommen und hängt eine Beschreibung dran: Rhino-cort (Cortisonhaltiges Schnupfenmittel).

Beispiele und Erklärungen für diese finden sich hier.

Und dann gibt es reine Fantasienamen. Ich habe schon ein Post geschrieben, woher manche der älteren Medikamentennamen kommen (siehe gestern).

Von einem Apotheker in der Pharmaindustrie habe ich schon gehört, dass teilweise Brainstorming gemacht wurde, um möglichst viele Medikamentennamen zu finden, die dann erst mal registriert und erst (viel?) später einem wirklichen Medikament zugeordnet werden.

Heute zahlen Firmen grosse Summen an Branding-Spezialisten und der aktuelle Trend unter diesen „Experten“ ist es offenbar kurze, zackige Namen vorzuschlagen. Diese enthalten oft die Konsonanten X oder Z oder gar beide.

Man denke an Xarelto, Xanax, Xyzal, Zantic, Zocor, Zomig, Zyprexa, Zyrtec….

Warum?  Offenbar assoziiert man diese Buchstaben mit fortgeschrittener Technologie und Forschung. Und angeblich hinterlassen sie gedruckt einen starken Eindruck (man kann sie sich besser merken).

Ein gut gewählter Brand-Name hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei Arzt und Patient – und wird lieber gewählt als ein generischer.

Auch darum werden uns die „originellen“ Medikamentennamen nicht so bald ausgehen.  Auch wenn da eine erhöhte Verwechslungsgefahr besteht bei ähnlich klingenden Namen und es unsere Arbeit nicht wirklich einfacher macht.

Zu den Bildern: Da hat sich die Firma sozusagen selber „übertroffen“. Zyrtec ist das Original mit Cetirizin (Generika gibt es inzwischen eine Menge). Xyzal wurde aus dem Original weiterentwickelt. Es enthält Levocetirizin – ob es als Mittel wirklich besser ist, lasse ich mal dahingestellt. „Z“ ist aber schon der letzte Buchstabe des Alphabetes. Was macht man? Man nimmt die drei letzten (XYZ) und macht daraus den neuen Medikamentennamen. Clever.

Wie kommt man zu dem Medikamentennamen? Früher …

Unsere Medikamente haben Namen. Verschiedene Namen. Die Wirkstoffe haben einen wissenschaftlichen Namen – und einen (manchmal davon abgeleiteten) Trivialnamen.

Beispiel: wissenschaftlicher Name: 7-Chlor- 1-methyl- 5-phenyl- 1,3-dihydro- 1,4-benzodiazepin-2-on … Trivialname: Diazepam (von dem ein Apotheker wegen der Endung -am schon ableiten kann, dass es sich um ein Benzodiazepin handelt) – Medikamentenname: Valium.

Der Markenname des Medikamentes (in dem Fall Valium) ist bei einem Erst-Medikament etwas meist „originelles“, das aber nur selten etwas mit dem Inhaltsstoff zu tun hat – vielleicht noch mit der Wirkung. – Über Beispiele und warum die Medikamente so heissen habe ich hier geschrieben.

Generika haben häufig Namen aus der Kombination des (trivial-) Wirkstoffnamens mit dem Namen der Firma: XYZ-Sandoz, ABC-Mepha, EFG-Ratiopharm …

Hier ein paar Beispiele, wie heute bekannte Mittel zu ihren Namen gekommen sind:

Aspirin

Der Grundstoff für das wohl bekannteste Schmerzmittel dafür ist ursprünglich natürlich. Er kommt von der Weidenrinde. Die Weide (Salix) ist ein Baum, den man heute noch oft in der Nähe von Gewässern sehen kann. Tee aus der Rinde war schon seit Urzeiten ein Schmerzlinderndes Mittel.

Der Name setzt sich zusammen aus ‘A’ (für die Acetylgruppe), -’spirin’ (für den Inhaltsstoff der Spire, dem Mädesüss, einer ebenfalls Salicinhaltigen Rosengewächs). Mehr über Aspirin findet ihr bei mir hier und hier

KY-Gel

Das Gleitmittel begann sein Leben 1904 als chirurgische Schmiere. Weil es auf wässriger Basis war, war es sehr beliebt beim medizinischen Personal, da es viel einfacher wegzuputzen war als die Petroleum-basierten Schmiermittel der Mitbewerber. Obwohl das Produkt sehr bekannt wurde, ist niemand sicher, für was die Initialen K und Y stehen. Nicht einmal Johnson und Johnson, die Vertreiber. Auf ihrer Website schreiben sie: Niemand kennt den Ursprung der Marke KY. Zwei populäre Mythen erklären, der Name käme daher, dass es in Kentucky erfunden wurde oder dass die Buchstaben für die Hauptinhaltsstoffe stehen. Beides stimmt aber nicht.

Listerine

Das Mundwasser trägt den Namen des berühmten Chirurgen Joseph Lister – aber erfunden hat er das Mittel nicht. Gefunden wurde es von Dr. Joseph Lawrence und Jordan Wheat Lambert in St. Louis – eigentlich wollten sie ein allgemeines Desinfektionsmittel erfinden. Sie nannten es nach Lister, der ein Fürsprecher für sterile chirurgische Eingriffe war. Zum Mundwasser wurde es 1895 – und auch als das war es nicht von Anfang an der Hauptgewinn. Im Laufe der Geschichte wurde es als Bodenreiniger, Mittel gegen Gonorrhe, gegen Schnupfen, Schuppen und als Aftershave vermarktet.

Tylenol

Der wissenschaftliche Name für den Wirkstoff von Tylenol ist – „N-acetyl-para-aminophenol“ – oder N-aceTYL-para-aminophENOL. Der Trivialname dafür ist in Amerika Acetaminophen – bei uns heisst das lustigerweise (und mir unbekannterweise wieso?) anders: Paracetamol. Panadol wäre demnach eine Mischung aus Trivial- und wissenschaftlichem Namen.

Vicks

Der Hersteller von Vicks VapoRub und Vicks MediNait hat seine Wurzeln in Greensboro, NC in den 1890ern. Der Apotheker Lunsford Richardson begann in seinem Laden Hausmittel zusammenzumischen, aber er brauchte noch einen Namen um seine Mittel zu vermarkten. Nachdem er eine Werbung gesehen hat für Vick’s Samen entschied er sich dazu sie „Vick’s Familien Heilmittel“ zu nennen auch in Andenken an seinen Schwager Dr. Joshua Vick. Anfangs verkaufte er 21 verschiedene Hausmittelchen, eine davon wurde sehr beliebt: „Vicks Croup and Pneumonia Salve“ wurde schliesslich zu unserem Vicks VapoRub … oder Wicks Vapo Rub in Deutschland :-)

Voltaren

Noch ein Schmerzmittel – eines, das es nicht nur zum Schlucken, sondern auch zum Einreiben gibt. Der Wirkstoff ist Diclofenac (auch hier vom wissenschaftlichem Namen abgeleitet: von 2,6-Dichlorphenylamino)phenyl]acetat). Dem Ciba-Geigy Mitarbeiter in Basel, der dem Medikament einen Namen geben durfte, fiel nichts gescheites ein, …   also kombinierte er den Platz vor der Firma – den Voltaplatz mit Renus (eigentlich Rhenus) – dem lateinischen Namen für den Rhein, der ja auch durch Basel fliesst.

Ich bin sicher, es gibt noch mehr Geschichten, woher ein Medikament seinen Namen hat. Wenn ihr eine kennt, lasst sie hören!

Dass sich manche Kunden und Patienten die Namen nicht merken können ist so (es ist auch für uns selbst nicht einfach – auch wenn wir manchmal Eselsbrücken haben von der Wirkung oder sie merken können, weil wir halt viel mehr damit zu tun haben.

Hier sind noch ein paar lustige Benamsungen:

Medikamentennamen sind schwierig (1): freiverkäufliches

Medikamentennamen sind schwierig (2): rezeptpflichtiges

Voltaren wird 25 Jahre alt

… aber wisst ihr eigentlich, woher der Name „Voltaren“ kommt?

Ganz einfach: dem Ciba-Geigy Mitarbeiter in Basel fiel nichts gescheites ein, wie man die Medikamente mit Diclofenac nennen sollte …   also kombinierte er den Platz vor der Firma – den Voltaplatz mit Renus (eigentlich Rhenus) – dem lateinischen Namen für den Rhein, der ja auch durch Basel fliesst.

Und seither geht seine Namenskreation um die Welt.

Medikamentennamen sind schwierig (3)

Was Patienten sagen – und was sie meinen:

Disco-nac – Diclofenac
Carbo Velours – Carbolevure
Elektroxin – Eltroxin
Hydrovit forte oder Hyundai forte– Hirudoid
Turmalix – Traumalix
Monitor – Mannitol
Terestra – Mischung von Temesta und Seresta
Lanzarote – Lansoprazol
Metamorphin – Metformin
E-‚pip‘-en – Epipen

auch herzig: Gibt es von dem schon ein Generetikum? (statt Generikum)

Mehr?:

Medikamentennamen sind schwierig (2)

Medikamentennamen sind schwierig (1)