Die falsche Anwendung (18)

"Ich bräuchte eine neue Packung von diesen, ich weiss nicht, ob die noch gut sind."

So spricht der Mann um die 50 in der Apotheke und hält mir eine Packung hin.

Terbinafin Tabletten. … Aber bevor ich anfange, erst mal sein brennendstes Problem: das Verfalldatum. Das "Exp" ist nächsten Monat.

Pharmama: "Die können sie noch problemlos nehmen. Die sind noch mindestens bis Ende nächsten Monat gut. Es macht auch nichts, wenn sie die ein paar Tage darüber hinaus noch nehmen, die zerfallen nicht magisch am 31."

"Aber …" ich schaue mir die Packung an und ziehe rasch den Blister raus. Nur 3 Tabletten fehlen. Seltsam.

"Wie nehmen sie die denn?"

Mann: "Ach wissen Sie. Ein paar Mal im Jahr fängt da das Problem am Bein an. Dann nehme ich eine Tablette und dann ist meist wieder gut. Aber die laufen bald ab – da hätte ich doch gerne neue."

Pharmama: "Sie nehmen nur eine Tablette und fertig? Wer hat Ihnen das denn so gesagt?"

Mann: "Ich denke der Arzt, wieso?"

Pharmama: "Nun – soweit ich weiss, muss man die Tabletten eine gewisse Zeit lang nehmen, damit Sie richtig wirken können. Lassen sie mich mal nachschauen …"

Ich zeige ihm im Computer die normale Dosierungsanweisung. Es gibt verschiedene Varianten – je nach Problem. Das Mittel ist gegen verschiedene Pilze (Fusspilz, Hautpilz, Nagelpilz) … im Normalfall wenn Salben nicht genügend Wirkung bringen. Es ist wegen der Neben- und Wechselwirkungen und Vorsichtsmassnahmen rezeptpflichtig (mein dringendstes Problem, sobald ich hörte, dass er noch eine Packung will). Und die Mindesteinnahmedauer (bei unkompliziertem Hautpilz) beträgt 2 Wochen.

"Oh." Sagt er. "Dann habe ich das nie richtig genommen."

Ich kläre mit ihm ab, für was er es nimmt. Es ist wirklich gegen einen Hautpilz, am Bein.

Pharmama: "Sie haben das Problem jetzt gerade?"

Mann: "Ja. Es fängt wieder an."

Pharmama: "Vielleicht wäre es dann keine schlechte Idee, das Medikament einmal richtig anzuwenden – vielleicht geht es dann auch so weg, dass es nicht mehr wieder kommt."

"Und wenn es nicht weggeht – dann ist das ein guter Zeitpunkt zum Arzt zu gehen. Der kann schauen, ob Sie etwas anderes brauchen oder gegebenenfalls eine neue Packung aufschreiben."

Aber so wie er es bisher genommen hat: Dosierung = Placebo mit der Wahrscheinlichkeit der Nebenwirkungen des richtigen Mittels. Ungut. Erstaunlich ist es überhaupt besser geworden. 

Mehr nicht wirklich korrekte Anwendungen?  (die meisten kürzer …)

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Mini-Medi-Packungen

Vor ein paar Tagen hatte ich es doch von den Mini-Produkten der Mini-Mania.

Nun stelle ich fest, dass es in der Apotheke so Mini-Produkte schon gibt:

Hier der Beweis: (hinten Originalpackung, vorne Miniatur)

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Zur Erklärung: es handelt sich um die neuen Muster-Packungen. Die sehen inzwischen aus wie die Originalpackungen, enthalten die gleichen Packungsbeilagen und mussten von der swissmedic zugelassen werden – das heisst, sie haben aussen auf der Packung auch die Listung drauf: Liste C oder Liste D. – Also Abgabe nur in Apotheken (C) oder auch Drogerien (D).

Und das für je 2 (oder 3) Tabletten.

Was das wohl wieder kostet. Kein Wunder gibt es kaum mehr Muster.

Aus den Medikamentenretouren

Hmmm, nicht sicher woher *die* jetzt kommen. Arztpraxis? andere Apotheke? Pflichtlager?

Das sind über 20 Packungen Tamiflu. Da liegen – wenn man sie noch brauchen könnte – Medikamente im Wert von an die 2000 Franken.

tamiflurest

Ablaufdatum alle 2011 – da hat sie jemand noch behalten für den Fall einer Pandemie, denn laut der Swissmedic wurde für den Fall die Haltbarkeit respektive die Anwendbarkeit „verlängert“.

1) Verlängerung der Haltbarkeit von Relenza und Tamiflu (nur Kapseln):
Treten im Epidemie-/Pandemiefall Versorgungsengpässen mit Relenza und Tamiflu Kapseln auf, dürfen diese Präparate während 2 Jahren über das auf der Packung ausgewiesene Verfalldatum hinaus verwendet werden. Dabei ist es wichtig, dass die entsprechenden Lagerbedingungen zuverlässig eingehalten werden.

http://www.swissmedic.ch/aktuell/00003/01032/

Kommen tun die aber von vorher – ich schätze mal von der Vogelgrippe- und Schweinegrippe– Panik 2005 und 2009. 2009 eher – vom Verfalldatum her.

Dabei … ist auch das nicht ein Wundermittel und nicht die Antwort auf die Grippe.

Von der schon seit jeher eher „bescheidenen“ Wirkung – ehrlich, dass es die Dauer der Grippe herabsetzt um 1 bis 2 Tage … und neuere Studien sprechen sogar von nur 21 Stunden) ist schon nicht berauschend. Dann muss man es innert der ersten 48 Stunden nach Auftreten der Symptome nehmen – und vorbeugend (in der empfohlenen Dosis) bringt es offenbar gar nichts. Das neuste ist, dass es inzwischen schon vereinzelt Resistenzen dagegen gibt.

Soviel zur Grippe-behandlung. Aber … es gibt ja noch vorbeugend die Grippe-impfung.

Hoffen wir, dass sie es dieses Jahr mit den darin enthaltenen Stämmen etwas besser getroffen haben.

Sichergestellte Beratung

Es ist Samstag und eine Frau kommt in die Apotheke – sie knübelt eine Medikamentenpackung aus der Handtasche: „Ich hätte dazu eine Frage.“

„Ja?“ sage ich, als ich die Packung in die Hand nehme und sie einmal um die Achse drehe – wobei mir nicht entgeht, dass die grosse Packung Stugeron (Wirkstoff Cinnazerin) die sie mir entgegenhält eine Etikette von der „Apotheke zur Rose“ trägt. Eine Versandapotheke.

„Ich habe die hier vom Arzt bekommen wegen meinem Schwindel. Aber wenn ich die nehme … dann stehe ich irgendwie neben mir.“

„Seit wann nehmen Sie die?“

„Seit 2 Tagen. Der Arzt meinte ich sollte das ausprobieren, weil mir immer so schwindelig ist.“
… und dazu schreibt er gleich eine grosse Packung auf – denke ich. Es gibt 25er zum probieren, aber … ookay.

„Wie nehmen Sie die?“ frage ich – es steht zwar auf der Packung, aber … manchmal interpretieren die Leute das auch falsch.

„Morgens und abends je eine Tablette“.

Okay – das ist durchaus in der Norm.

„Das Medikament kann tatsächlich machen, dass man müde wird oder benommen. Manchmal treten Nebenwirkungen auch vermehrt am Anfang der Einnahme auf. Heute ist Samstag … ich würde die Tabletten noch bis Montag weiter-nehmen und schauen, ob es besser wird. Wenn nicht, dann rufen Sie am Montag dem Arzt an und teilen ihm das mit.“

„Okay.“

„Und fahren Sie im Moment nicht selber Auto.“

„Mache ich sowieso nicht. Danke.“

Sie packt das Medikament wieder ein.

„Wenn ich noch etwas sagen darf, bevor Sie gehen … ich bin gerne für Sie da und beantworte Ihre Fragen zu Medikamenten … aber: Ich wäre dafür auch sehr dankbar, wenn Sie die Medikamente dann auch bei uns beziehen würden.“ ich schenke ihr ein aufmunterndes Lächeln. 

„Oh – das … ja.“

Ich weiss, dass das ein Problem ist, denn: ihr Arzt wird ihr diese Art der Medikamentenbeschaffung „empfohlen“ haben … wenn er nicht grad einfach gesagt hat: „Ich habe ihnen etwas aufgeschrieben, es wird ihnen morgen zugeschickt, das ist doch viel einfacher für Sie.“

Und sich dagegen zu wehren – ja, das ist schwierig.

Nur zur Info: der Arzt bekommt etwas für die Medikamente, die er via der „Zur Rose“ schicken lässt. 

Soviel zur sachgemässen Beratung, die sichergestellt sein soll bei der Abgabe von Medikamenten – aber: ich vergass: für Versandapotheken gelten ja andere Voraussetzungen, da reicht es, wenn man per mail oder Telefon erreichbar ist.  Montags bis Freitags –  7.30-18.00 Uhr

Zu blöd ist Samstag.

unspektakuläre Rettungen

Die Patientin kommt mit einem Rezept für Zaldiar gegen ihre Arthritis-Schmerzen.

Das Problem: sie hat eine Allergie gegen Paracetamol, einem der beiden Wirkstoffe im Zaldiar (so festgehalten bei uns im Dossier) und nimmt regelmässig Marcoumar als Blutverdünner – was das Finden eines geeigneten Schmerzmittels etwas einschränkt.

Und sie geht zu verschiedenen Ärzten, die das verschreiben.

Was sie aber richtig macht: Sie kommt eigentlich immer zu uns, ihre Medikamente einlösen. Darum wissen wir ja auch diese Sachen: Patientendossier sei Dank.

Wir rufen dem das Zaldiar verschreibendem Arzt an wegen einem Austausch. Bei ihr empfiehlt es sich gleich Tramadol zu nehmen – wegen der Allergie und möglicher Wechselwirkung, die die anderen NSAID machen.

Der Arzt ist einverstanden und schickt ein neues Rezept.

Vielleicht haben wir ihr hier gerade unspektakulärerweise das Leben gerettet.

Und das ist der Grund, warum man sich eine Hausapotheke suchen sollte und bei ihr bleiben.

Yay!

Ich werd‘ auch bald Mini-manisch!

Schweizer werden das hier kennen:

minimania

*das* ist die neuste Aktion eines hiesigen Grosshändlers und nennt sich Mini-Mania. Die Mini-Produkte (alles Hauslinien) gibt es bei einem Einkauf ab X Franken dazu.

Wir kaufen kaum bei dem Grosshändler ein – aber auch wir kommen nicht um den ganzen Rummel drum rum: Junior bekommt im Tagi die Dinger geschenkt. Jetzt haben wir schon eine Mini Packung Pommes, eine Mini-Packung Schokolade mit Nüssen, Eistee und Zahnpasta … und Junior will natürlich mehr! Dabei spielt er gar nicht so gerne „Lädele“.

Es gibt einige Diskussionen darüber: Man redet von früher Indoktrination und Prägung auf die verschiedenen (deutlich identifizierbaren) Produkte. Früh übt sich und so. Andere finden das gar nicht so schlimm.

Ich frage mich, was die dazu sagen würden:

minimaniaapo

Ja: ich habe mir erlaubt etwas mit meinem Bildbearbeitungsprogramm herumzuspielen – und Nein: das soll hier keine Werbung sein, die Produkte wurden auch nicht nach Wirksamkeit oder zur Empfehlung herausgesucht, sondern rein auf „Wiedererkennbarkeit“. Ausserdem sind Medikamente keine Konsumgüter (und ganz sicher kein Spielzeug).

Trotzdem die Frage: das sind auch Markenartikel. Wenn das nun frühe Beeinflussung wäre – ist das andere mit den Lebensmittelmarken das nicht auch?

Und: Wie verwerflich ist das?