Absoluter Notfall

Es ist abends, 6 Uhr 45, kurz vor Ladenschluss.
Telefon.
Eine Frau – im Hintergrund andauerndes Kindergebrüll.
Ich höre zu, was sie zu klagen hat. Im folgenden meine Seite des Gespräches:

„Ja, das ist schon tragisch, was ihnen als alleinerziehende Mutter da so spät abends passiert ist – dass der Sohn den Flaschentrinkaufsatz kaputtgebissen hat und sie jetzt keinen mehr haben. Aber: Nein, ich kann jetzt niemanden vorbeischicken einen bringen.“

„Warum? – es ist kurz vor Ladenschluss, wir sind nur noch zu zweit, und sie haben gesagt, sie wohnen wo? 3, 4 Quartiere weiter. Ah, ja.“

„Da gibt es aber auch Apotheken und Drogerien und andere Geschäfte, oder?“

„Nein, sorry. Auch wenn ihr Kind jetzt schon im Pyjama ist und sie nicht aus dem Haus können und keinen haben, den sie schicken könnten. Das muss jetzt leider warten bis morgen.“

„Was? Verdursten? Nein – das glaube ich eher nicht. Haben sie es schon mit einer Tasse versucht?“

„Doch, ich bin auch selbst Mutter und ich verstehe, dass das unangenehm ist. Daran lässt sich im Moment aber nichts ändern. Tut mir leid.
Gute Nacht!“

Sollte ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?

Voltaren wird 25 Jahre alt

… aber wisst ihr eigentlich, woher der Name „Voltaren“ kommt?

Ganz einfach: dem Ciba-Geigy Mitarbeiter in Basel fiel nichts gescheites ein, wie man die Medikamente mit Diclofenac nennen sollte …   also kombinierte er den Platz vor der Firma – den Voltaplatz mit Renus (eigentlich Rhenus) – dem lateinischen Namen für den Rhein, der ja auch durch Basel fliesst.

Und seither geht seine Namenskreation um die Welt.

Beratung per Telefon

Jedesmal, wenn ich diesen Witz höre, muss ich daran denken, warum ich die Gesundheitsberatung per Telefon nicht so ideal finde …

Zwei Jäger gehen auf die Jagd und wandern durch den Wald. Plötzlich greift sich der eine an die Kehle und stürzt zu Boden. Der andere Jäger gerät in Panik und ruft den Notarzt an: „Ich glaube mein Freund ist tot, was jetzt?“
Der Arzt sagt: „Beruhigen Sie sich! Zunächst einmal müssen Sie sichergehen, dass Ihr Freund wirklich tot ist.“
Kurze Pause, dann ein Schuss.
Dann kommt er wieder ans Telefon. „OK, erledigt, und was jetzt?”

Missverständnis (6)

Die Patientin kommt retour, nachdem sie ein paar Stunden vorher Diflucan auf Rezept bekommen hat. Das ist tatsächlich eine Packung mit nur 1 Kapsel darin, die man zur Behandlung unkomplizierter Pilzinfektionen nimmt.

Sie kommt also und fängt an zu toben, dass sie ihr Geld zurück will (es war auf Rezept), dass das Produkt fehlerhaft sei, etc.
Also fragt sie die Apothekerin was genau das Problem war.
Sagt die Patientin: „Jedesmal, wenn ich die Diflucan Kapsel in die Vagina einführe, kommt sie gleich anschliessend wieder raus. Ich will mein Geld zurück!“
Apothekerin (versucht ein seriöses Gesicht zu machen) erklärt ihr, dass die Kapsel oral eingenommen, das heisst geschluckt wird, und nicht als Vaginaltablette angewendet.

Frau wird dunkelrot und geht wieder  -nachdem sie noch eine Packung bekommen hat.

Noch mehr Missverständnisse.

Vivotif Kapseln: Pufferlösung für Kinder

Es wird Sommer – das ist auch Reisezeit und dafür braucht es für manche Länder etwas Vorbereitung. Impfungen zum Beispiel.

Auf Rezept des Kinderarztes:

Vivotif Kaps
+ Puffer

Puffer? Ja. Das Problem: die Vivotif Kapseln enthalten einen Lebendimpfstoff gegen Typhus (Lebendkeime von Salmonella enterica serovar Typhi des abgeschwächten Stammes Ty21a.)
Die Kapseln sind magensaftresistent, damit die Keime unbeschadet durch den Magen kommen – viele Bakterien sind säureempfindlich. Wenn man sie öffnet, ist der Schutz aber weg.
Nun haben kleine Kinder oft Probleme damit Kapseln zu schlucken. Und die Sachets von Vivotif gibt es nicht mehr.

Also was tun? Man öffnet die Kapseln und suspendiert den Inhalt zum trinken in einer Pufferlösung, in der Hoffnung, dass sie so die Magenpassage überstehen.

Laut dem Infovac-Bulletin Nr.9/ 2002 dürfen Kinder ab 2 Jahren Vivotif® erhalten, sofern der Inhalt der Kapseln in einer gepufferten Lösung verabreicht wird.

Herstellung der Pufferlösung:
2,65 g Natriumbicarbonat,
1,65 g Ascorbinsäure
0,2 g Lactose
Diese Pulvermischung wird in 100 ml Leitungswasser aufgelöst, bevor der Inhalt einer Kapsel zugefügt wird.

Achtung: Man muss für jede Behandlung 3 solcher Puffer-mischungen herstellen, es sind ja auch 3 Kapseln, die an den Tagen 1, 3 und 5 nüchtern (das heisst 1 Stunde vor dem Essen) eingenommen werden müssen.

Die Kapseln sind aber recht klein – und mit dem richtigen Anreiz, z.B. einem Schluck vom Lieblingsgetränk – eigentlich gut schluckbar. Mein Junior musste in Afrika 2 Wochen lang täglich eine Malariatablette einnehmen, das ging mit einem Schluck „ausnahmsweise“-Cola sehr gut. Und er war dort auch erst knapp  3 Jahre alt. Es ist also oft auch so möglich.

Tyramin und MAO-Hemmer

Achtung: Überarbeitet!!

Tyramin entsteht bei der Zersetzung von Eiweißen aus der Aminosäure Tyrosin und ist enthalten in Nahrungsmitteln, zu deren Fertigung Schritte wie Gärung oder Fermentation gehören, so z. B. viele Käsesorten, Rotweine oder Schokolade. Es ist des Weiteren Inhaltsstoff von Bananen und Misteln – in den Beeren letzterer sogar in giftiger Konzentration.

Tyramin wirkt Kreislaufanregend, Herzfrequenz steigernd und kann Migräne auslösen.

Bei einer gleichzeitigen Behandlung mit MAO-Hemmern wie im Antidepressivum Moclobemid (Aurorix, MocloA) oder den Parkinsonmitteln Selegilin (Jumexal) und Rasagilin (Azilect) könnte es wegen der Hemmung des Abbaus des Tyramins -eben durch die Monoaminooxidase- zu einer Anreicherung mit gegebenenfalls stark ausgeprägter Kreislaufwirkung bis hin zur Bluthochdruck-Krise, unter Umständen mit fatalen Folgen (Hirnblutung), führen. Man spricht dann vom sogenannten „Cheese-Effect“.

Tatsächlich steht in der Packungsbeilage von Aurorix dies:
Die Behandlung mit Aurorix erfordert keine Diätrestriktionen bei Patienten mit normalen Essgewohnheiten. Patienten wird geraten, auf die Einnahme grosser Mengen tyraminreicher Nahrungsmittel zu verzichten.

Und bei Selegilin, der ja ein selektiver MAO-B Hemmer ist, wenn auch ein irreversibler, steht gar dies:
Während der Selegilin-Behandlung in den empfohlenen Dosen wurde über keine hypertensive Reaktion (‚Cheese Effect‘) beim Verzehr von tyraminhaltigen Lebensmitteln berichtet. Diätetische Einschränkungen sind daher nicht erforderlich.

Trotzdem hier die Lebensmittel, die bedenkliche Wechselwirkungen in Kombination mit MAO-Hemmern zeigen können, sind nicht nur solche mit Tyramin, sondern auch mit Histamin und Tyrosin (Auswahl):

  • Ananas (Tyramin),
  • Bananen (Tyramin),
  • Beeren – u. a. Blaubeeren etc. (Histamin),
  • Erdbeeren (Tyramin),
  • Chianti-Wein (Tyrosin),
  • Dill (Tyrosin)
  • Feigen (Tyramin)
  • Fenchelöl (Tyrosin)
  • Fisch (Tyrosin),
  • geräucherter Fisch (Histamin),
  • Geflügelleber (Tyrosin),
  • Joghurt
  • Käse (Tyramin & Histamin),
  • Muskatnuss (Tyramin)
  • Petersilie, (Tyramin),
  • Pferdebohnen (Tyrosin),
  • Rosinen (Tyramin)
  • Rotwein (Histamin),
  • Sauerkraut (Histamin),
  • Schinken (Histamin)
  • Schokolade (Tyramin),
  • Soja-Sauce (Tyramin)
  • Tomaten (Tyramin),
  • alkoholhaltige Speisen und Getränke (Bier, Wein etc.)(Tyramin)