Wie kommt man zu dem Medikamentennamen? Früher …

Unsere Medikamente haben Namen. Verschiedene Namen. Die Wirkstoffe haben einen wissenschaftlichen Namen – und einen (manchmal davon abgeleiteten) Trivialnamen.

Beispiel: wissenschaftlicher Name: 7-Chlor- 1-methyl- 5-phenyl- 1,3-dihydro- 1,4-benzodiazepin-2-on … Trivialname: Diazepam (von dem ein Apotheker wegen der Endung -am schon ableiten kann, dass es sich um ein Benzodiazepin handelt) – Medikamentenname: Valium.

Der Markenname des Medikamentes (in dem Fall Valium) ist bei einem Erst-Medikament etwas meist „originelles“, das aber nur selten etwas mit dem Inhaltsstoff zu tun hat – vielleicht noch mit der Wirkung. – Über Beispiele und warum die Medikamente so heissen habe ich hier geschrieben.

Generika haben häufig Namen aus der Kombination des (trivial-) Wirkstoffnamens mit dem Namen der Firma: XYZ-Sandoz, ABC-Mepha, EFG-Ratiopharm …

Hier ein paar Beispiele, wie heute bekannte Mittel zu ihren Namen gekommen sind:

Aspirin

Der Grundstoff für das wohl bekannteste Schmerzmittel dafür ist ursprünglich natürlich. Er kommt von der Weidenrinde. Die Weide (Salix) ist ein Baum, den man heute noch oft in der Nähe von Gewässern sehen kann. Tee aus der Rinde war schon seit Urzeiten ein Schmerzlinderndes Mittel.

Der Name setzt sich zusammen aus ‘A’ (für die Acetylgruppe), -’spirin’ (für den Inhaltsstoff der Spire, dem Mädesüss, einer ebenfalls Salicinhaltigen Rosengewächs). Mehr über Aspirin findet ihr bei mir hier und hier

KY-Gel

Das Gleitmittel begann sein Leben 1904 als chirurgische Schmiere. Weil es auf wässriger Basis war, war es sehr beliebt beim medizinischen Personal, da es viel einfacher wegzuputzen war als die Petroleum-basierten Schmiermittel der Mitbewerber. Obwohl das Produkt sehr bekannt wurde, ist niemand sicher, für was die Initialen K und Y stehen. Nicht einmal Johnson und Johnson, die Vertreiber. Auf ihrer Website schreiben sie: Niemand kennt den Ursprung der Marke KY. Zwei populäre Mythen erklären, der Name käme daher, dass es in Kentucky erfunden wurde oder dass die Buchstaben für die Hauptinhaltsstoffe stehen. Beides stimmt aber nicht.

Listerine

Das Mundwasser trägt den Namen des berühmten Chirurgen Joseph Lister – aber erfunden hat er das Mittel nicht. Gefunden wurde es von Dr. Joseph Lawrence und Jordan Wheat Lambert in St. Louis – eigentlich wollten sie ein allgemeines Desinfektionsmittel erfinden. Sie nannten es nach Lister, der ein Fürsprecher für sterile chirurgische Eingriffe war. Zum Mundwasser wurde es 1895 – und auch als das war es nicht von Anfang an der Hauptgewinn. Im Laufe der Geschichte wurde es als Bodenreiniger, Mittel gegen Gonorrhe, gegen Schnupfen, Schuppen und als Aftershave vermarktet.

Tylenol

Der wissenschaftliche Name für den Wirkstoff von Tylenol ist – „N-acetyl-para-aminophenol“ – oder N-aceTYL-para-aminophENOL. Der Trivialname dafür ist in Amerika Acetaminophen – bei uns heisst das lustigerweise (und mir unbekannterweise wieso?) anders: Paracetamol. Panadol wäre demnach eine Mischung aus Trivial- und wissenschaftlichem Namen.

Vicks

Der Hersteller von Vicks VapoRub und Vicks MediNait hat seine Wurzeln in Greensboro, NC in den 1890ern. Der Apotheker Lunsford Richardson begann in seinem Laden Hausmittel zusammenzumischen, aber er brauchte noch einen Namen um seine Mittel zu vermarkten. Nachdem er eine Werbung gesehen hat für Vick’s Samen entschied er sich dazu sie „Vick’s Familien Heilmittel“ zu nennen auch in Andenken an seinen Schwager Dr. Joshua Vick. Anfangs verkaufte er 21 verschiedene Hausmittelchen, eine davon wurde sehr beliebt: „Vicks Croup and Pneumonia Salve“ wurde schliesslich zu unserem Vicks VapoRub … oder Wicks Vapo Rub in Deutschland :-)

Voltaren

Noch ein Schmerzmittel – eines, das es nicht nur zum Schlucken, sondern auch zum Einreiben gibt. Der Wirkstoff ist Diclofenac (auch hier vom wissenschaftlichem Namen abgeleitet: von 2,6-Dichlorphenylamino)phenyl]acetat). Dem Ciba-Geigy Mitarbeiter in Basel, der dem Medikament einen Namen geben durfte, fiel nichts gescheites ein, …   also kombinierte er den Platz vor der Firma – den Voltaplatz mit Renus (eigentlich Rhenus) – dem lateinischen Namen für den Rhein, der ja auch durch Basel fliesst.

Ich bin sicher, es gibt noch mehr Geschichten, woher ein Medikament seinen Namen hat. Wenn ihr eine kennt, lasst sie hören!

Dass sich manche Kunden und Patienten die Namen nicht merken können ist so (es ist auch für uns selbst nicht einfach – auch wenn wir manchmal Eselsbrücken haben von der Wirkung oder sie merken können, weil wir halt viel mehr damit zu tun haben.

Hier sind noch ein paar lustige Benamsungen:

Medikamentennamen sind schwierig (1): freiverkäufliches

Medikamentennamen sind schwierig (2): rezeptpflichtiges

Apotheken aus aller Welt, 221: Berlin, Deutschland

Niels vom kenHub-Team (bei denen man Anatomie lernen kann) schickt mir dies:

hier ist unser Beitrag zu deiner Bildreihe „Fotos von Apotheken aus aller Welt“.
Es handelt sich um eine Apotheke in Moabit, die „Paracelsus-Apotheke“ (Huttenstr. 68, 10553 Berlin). Umgebung und Front der Apotheke sind nicht so schön (vor allen Dingen, weil momentan gebaut wird). Aber sie ist innen wunderbar nostalgisch eingerichtet mit altem Mobiliar. Nebenan ist übrigens der wohl leckerste Vietnamese von Berlin. Zumindest hat er das beste Preis-Leistungs-Verhältnis!

Ja, so Baustellen vor dem Geschäft sind nicht nur unschön, sondern oft wirklich störend.

Hoppla. Mein Fehler!

Ein junger Mann kommt in die Apotheke und fragt nach: „dem Gel, das wärmend ist bei Hautkontakt.“

Die Pharmaassistentin denkt an das neue wärmende Gleitmittel für das im Moment so Werbung gemacht wird und bringt ihn zu den Kondomen und Gleitmitteln.

Mann: „Oh, nein. Meine Grossmama braucht das nicht, sie braucht ein Gel gegen Schmerzen und Arthritis.“

Oh ….

Kommt sofort!

7up – Lithiated Lemon Soda

Darüber bin ich gestern gestolpert: 7up hiess am Anfang einmal „Bib-Label Lithiated Lemon-Lime Soda“

Unpraktischer Name. Kein Wunder haben sie ihn gewechselt. Erst mal auf „7up Lithiated Lemon Soda“ und dann auf nur noch 7up.

Aber … Moment … „Lithiated“? 

Tatsächlich: 7up enthielt von seiner Entwicklung 1929 bis 1950 Lithium citrat – ein natürlich vorkommender Stoff, gefunden in kleinsten Mengen vor allem im Wasser von Quellen aus der Tiefe, von dem man sich gesundheitsfördernde Eigenschaften erhoffte.

Lithium hat Wirkung auf …. wenn nicht die Gesundheit, so doch zumindest die Psyche. Heute wird es in Medikamenten verwendet gegen starke Stimmungsschwankungen wie sie bei manisch-Depressiven auftreten. Aber es absichtlich einem Soft-drink zuzusetzen (und das zu einer Zeit, wo man noch nicht so genau wusste, was genau das bewirkt ..) finde ich … bedenklich.

Quellen: snopes, wikipedia,

Ich sollte ja nicht so überrascht sein. Immerhin hat Coca Cola am Anfang auch Extrakte der Coca-Blätter enthalten – allerdings nur bis 1929 … was lustigerweise das Erscheinungsdatum von 7up ist. Nach dem Aufputschen das Beruhigen?

Und nicht zu vergessen: Lithium findet sich auch heute noch teilweise in unserem Trinkwasser – und wo es vorkommt sei die Selbstmordrate niedriger, sagen ein paar Wissenschaftler.

Kunst: Apotheke

Apotheken in der Kunst? Erbärmlich wenig. Aber als ich über dieses Bild gestolpert bin,da dachte ich… *das* kommt mir jetzt bekannt vor.

Es ist „Drug store“ von Edward Hopper. Gemalt 1927

Beschreibung: Um die Apotheke ist eine Leere, sind ausgeblichene Farben, aber das hell beleuchtete Schaufenster hat rote und blaue Dekoration und die traditionellen grossen Gefässe mit farbiger Lösung, die aussehen wie Portwein und Crème de Menthe. Ein Idealer Platz für einen Alkoholschmuggler (es ist die Zeit der Prohibition). Oben am Fenster ist Werbung für Ex Lax – nötig für viele Amerikaner, deren Diät zu wenig Ballaststoffe enthielt und für die es enorm wichtig ist regelmässig zu können …

Das Bild hängt in einem Museum in Boston – das habe ich also noch nicht direkt gesehen, aber … an was erinnert es mich? Ach ja, genau. An dies:

Und kein Wunder, das Bild ist vom selben Maler (Hopper): „Night Hawks“ (1942) und wohl eines seiner bekanntesten – und meist kopierten.

Nacht. Dieselbe Art Beleuchtung … irgendwie … magisch.