Mal wieder: die Pille d-a-n-a-c-h

Kundin: „Ich komme zwar gerade vom Arzt, aber ich habe vergessen zu fragen wegen der Pille danach. Bekomme ich die auch in der Apotheke?“

Pharmama: „Ja, nach einem Gespräch mit mir. Sie wissen aber, dass die wirklich für danach ist? Davor kann ich sie nicht geben.“ *

Kundin (winkt ab): „Ah, ja schon klar, ich brauche sie.“

Beim Gespräch, 2. Frage: „Wie verhüten Sie normalerweise?“

Kundin: „Mit der Drei-Monatsspritze, jetzt aber nicht mehr und bis mein Mann sich unterbinden lässt habe ich nichts.“

Pharmama: „Wann war der ungeschützte Geschlechtsverkehr?“

Kundin (überlegt): „Das war also vor den Spritzen… vor etwa 6 Jahren.“

Pharmama: „Ich meinte eigentlich jetzt – weshalb sie die Pille danach jetzt brauchen.“

Kundin: „Ah, nein, wir haben noch nicht …“

Pharmama: „Dann wollen sie die Pille danach  nur für den Fall, dass?“

Kundin: „Ja … wieso?“

Pharmama: „Weil ich vorher genau das schon gesagt habe: Ich kann die Pille danach nicht vor dem Vorfall geben. Wenn Sie die auf Vorrat wollen, dann brauchen Sie dafür ein Rezept vom Arzt.“

Dann hielt ich noch eine kleine Rede über die Wirksamkeit und dass die Pille danach eben nicht so wirksam ist wie zum Beispiel die normale Pille, oder wie Kondome und von wegen der Nebenwirkungen … und dass sie doch, bis er die Unterbindung hatte, Kondome benutzen.

Als die Kundin rausgeht, hat sie noch eine letzte Frage: „Wie lange habe ich danach denn Zeit, sie zu holen?“

Pharmama: „Bis 72 Stunden“.

Kundin: „Oh, gut. Dann bis später!“

Äh ….. Wiedersehen?

 

*Nein, ich weiss nicht genau, warum ich genau da so deutlich darauf hingewiesen habe. Bauchgefühl mal wieder.

Apotheken in aller Welt, 220: Wetzlar, Deutschland

Danke an Beate für ihren Beitrag!

ich bin eine treue Mitleserin deines Blogs und amüsiere mich immer wieder königlich darüber was du so alles in deiner Apotheke erlebst. Ich komme aus Wetzlar und wir haben neben historischen Schmankerln- hier lebte Goethe einen Sommer lang, verliebte sich in Charlotte von Buff, die ganze Geschichte was er im Wetzlarer Sommer erlebte inspirierte ihn zu seinem „Werther“ -einer allgemein hübschen Altstadt und zwei hübsche historische Apotheken.
Die Hauptapotheke gibt es seit 1703, hat eine sehr hübsche antike Inneneinrichtung- ich konnte leider keine Fotos von innen machen weil es Sonntagnachmittag war.. Aber das dritte Bild gibt dir sicher einen hübschen Eindruck was drinnen steht.. :-)
Falls du weitere Informationen haben willst: http://www.haupt-apo.de/index-Dateien/Page361.htm

Die Schwanenapotheke hat leider geschlossen als ich noch ein kleines Kind war, seit etlichen Jahren ist in den Räumen ein Gardinengeschäft.. Also zählt es nur noch halb als Apothekenbild.. ;-)

Keine Hilfe

Telefon.

Frau: „Ich habe hier 2 wirklich alte Packungen Amoxicillin und sie riechen auch nicht besonders gut – die Tabletten, meine ich. Kann ich sie trotzdem nehmen?“

Pharmama: „Ich würde das nicht machen, nein.“

Frau: „Aber, mein Arzt hat sie mir damals aufgeschrieben!“

Pharmama: „Wenn sie über dem Verfall sind und sie nicht sicher sein können, dass das das richtige Antibiotikum ist – nochmals, Nein, ich kann ihnen nicht empfehlen, dass sie die nehmen sollen.“

Frau: „Sie waren mir nicht gerade eine Hilfe.“

Sagt’s und hängt auf.

Bitte.

Bin ich denn nur eine Hilfe, wenn ich sage, was sie hören wollen?

Nichts Falsch zu machen – oder?

kleiner Gastbeitrag von PTA Barbara – von der wir auch das Foto einer Apotheke heute nachmittag bekommen haben:
Wir haben eine Kundin, von der wir wissen, dass sie etwas dement ist. Sie hat ein Kundenkonto bei uns, so können wir kontrollieren, dass sie nicht zu viele Tabletten kauft/ einnimmt auf Grund Ihrer Demenz.
Sie kommt regelmäßig und holt sich Schmerzsalben, mal auch Kopfschmerztabletten oder so. Unter anderm kauft sie regelmäßig ein Shampoo. Bei dem Shampoo dachten wir bis vor kurzem, dass man eigentlich nichts falsch machen kann …
…. Nur vor kurzem war der Sohn der Dame bei ihr zu Besuch und stellte fest, dass seine Mutter das Shampoo Teelöffel-weise einnimmt!
Autsch.

Gratis gibt’s nicht.

Ein Teil der Medikamente des Rezeptes wird von der Krankenkasse nicht übernommen. Es kommt zu folgendem Austausch:

Pharmama: „Wenn sie das wollen, müssen sie es selbst bezahlen.“

Kunde: „Was? Es ist nicht gratis?“

Grumpf. Nichts ist gratis. Irgendjemand bezahlt immer dafür.

Sie direkt, indirekt via Krankenkassen-prämien, ich (und alle) via Prämien, via die Steuern.

Nichts ist gratis. Auch nicht im Gesundheitswesen.

Gratis gibt es nicht.

Das ist etwas, das jeder lernen sollte und zwar so früh wie möglich – es ist so einfach wie wahr. Nichts im Leben ist wirklich gratis. Gratis ist ein Mythos und es kostet alles etwas.

Was meine Eltern mir schon früh beibrachten ist, dass Geld einen Wert besitzt und dass man es verdienen muss und es nicht verschwendet werden soll. Wenn ich etwas wollte, musste ich es mir selbst kaufen. Taschengeld ist zwar ein guter Start, aber wenn man es einfach wöchentlich oder monatlich bekommt, lernt man seinen Wert nicht unbedingt kennen. Mehr, wenn man etwas dafür machen muss (Zimmer aufräumen zum Beispiel).

Das gilt auch umgekehrt: wenn ich mir etwas gekauft habe, dann hatte das Wert für mich, eben weil es Geld gekostet hat – auch wenn es sich dabei um so etwas blödes wie grüne Stülpen handelte.

Ich weiss noch, wie ich Ferienjobs gemacht habe und bei manchen Dingen, die ich gerne haben wollte dachte „das sind 5 Stunden Arbeit“ oder „das sind 10 Tage Arbeit wenn ich das haben / kaufen will.“

Ich denke ein grundsätzliches Problem auch mit unserem Gesundheitssystem ist, dass die Leute oft nicht sehen, wie viel etwas wert ist. Wenn die Medikamente alle über die Krankenkasse gehen und der Kunde nicht einmal sieht, wie viel die jetzt kosten .. oder wenn der Spitalaufenthalt auch direkt mit der Krankenkasse verrechnet wird, ohne dass man eine Chance erhält, vorher einen Blick darauf zu werfen (was auch noch wichtig wäre, weil man sonst nie sieht, *was* denn da alles auf der Rechnung steht – Kontrolle irgendwer?)

Und dann ist es so, dass die Leute denken: „Wenn ich schon Prämien monatlich einzahle, dann will ich auch etwas dafür bekommen – möglichst gleich.“

Und wenn man Medikamente und Leistungen etc. einfach überreicht bekommt, ohne den wahren Wert dahinter zu sehen, dann sind Probleme vorprogrammiert.

Ich behaupte auch, dass Missbräuche eher vorkommen, wenn man selbst die finanziellen Konsequenzen solcher Handlungen nicht sieht und nicht zu tragen hat.  Zum Beispiel wenn man immer gleich zum Arzt rennt wegen Bagatell-beschwerden – gut, dass ist bei uns in der Schweiz weniger das Problem, weil wir für jeden Arztbesuch erst die Rechnung vom Arzt bekommen, hier rechnen viele noch nicht direkt mit den Kassen ab. Oder wenn man wegen Erkältungen in den Notfall geht, oder wenn man verschriebene Medikamente zuhause hamstert –die man dann bei einem Wechsel der Medikation nur noch entsorgen kann.

Und dazu kommt häufig die Grundeinstellung, dass das Gesundheitssystem „gratis“ zu sein hat. Unsere Dienstleistungen in der Apotheke inklusive. Was wir machen hat Wert – und die Leute müssen das lernen. Wir sollten unsere Leistungen, unsere Arbeit auch nicht „gratis“ geben, das unterstützt solches Verhalten nur. Trotzdem … tun wir das noch häufig.

Aber der Wandel kommt.