Nichtverstahn

Nachdem wir in der Apotheke wiederholt Telefonanrufe auf Englisch bekamen – immer Werbeanrufe von Firmen für irgendwelche Aktien, hatte ich gestern einfach genug. Ich habe das Telefon in einer hektischen Zeit über Mittag abgenommen, wo wir sowieso weniger Leute sind. Ich hatte wirklich keine Lust und keine Zeit dem Menschen zu erklären, dass der Inhaber praktisch nie anwesend ist, er woanders anrufen müsste, aber das nichts bringt, da die sicher keine Aktien am Telefon kaufen würden. Und das noch auf Englisch. Also … habe ich mal eine andere Taktik versucht:

Mann mit üblem Akzent: „This is (murmelnuschelirgendwas) from (nuschelmurmelwasanderes), could I please speak with the owner of your firm?“

Pharmama: „I am sorry, nobody here speaks english.“

Mann: „Nobody understands englisch?“

Pharmama: „That’s right. I am sorry.“

Mann: „Oh, okay.“ (Hängt auf.)

:-)

…

Übersetzung:

„Hier ist (murmelnuschelirgendwas) von (nuschelmurmelirgendwasanderes), könnte ich bitte mit dem Inhaber ihrer Firma sprechen?“

Pharmama: „Tut mir leid, niemand hier spricht Englisch.“

Mann: „Niemand versteht Englisch?“

Pharmama: „Das ist richtig. Niemand.“

Mann: „Oh, okay.“ (Hängt auf)

…

Und: Nein, ich habe mich nicht bemüht so zu sprechen, als könnte ich kein Englisch.

elektrische Schläge

Das war der Ausdruck, den eine unserer Patientinnen benutzte für ein … immer wieder auftretendes Problem: „Ich habe immer wieder so seltsame elektrische Schläge“. Offenbar eine unangenehme, fast schon schmerzhafte, plötzlich auftretende körperliche Empfindung.

Ich hatte (zum Glück) Zeit und habe sie länger ausgefragt, wann und wie diese elektrischen Schläge dann auftreten und was sie für Medikamente nimmt etc.

Herausgekommen ist dann das:

Sie nimmt Antidepressiva (Paroxetin)- und sie ist unter regelmässiger Arztkontrolle. Dummerweise passiert es regelmässig, dass die Antidepressiva vor dem Termin beim Arzt ausgehen … und anstatt dass sie bei uns in der Apotheke oder beim Arzt mehr verlangt, damit es reicht … nimmt sie dann einfach keine mehr, bis sie wieder ein Rezept dafür hat.

Das plötzliche Absetzen aber macht diese Nebenwirkungen. Antidepressiva sind ganz schlecht, wenn man abrupt damit aufhört.

Ich habe ihr dann erklärt, dass es Möglich sein sollte, die Packungsgrösse oder die Menge so zu wählen, dass es reicht – oder dass der Arzt ihr ein Dauerrezept verschreibt … und dass sie in einem solchen Fall auch bei uns vorbeikommen darf und wir schauen wegen dem Medikament und dem Rezept.

Und für die Zukunft: Auch Antidepressiva sollten (sehr) langsam ausgeschlichen werden – eben um derartiges zu vermeiden.

Zwei Dinge …

Zwei Dinge, die ich von den Erzählungen eines Freundes von seiner letzten Reise gelernt habe: Man kann sich offensichtlich auch in Dubai eine üble Lebensmittelvergiftung zuziehen. Mit einer Pizza notabene.

Und: der Bordarzt auf einem Kreuzfahrtschiff kann eine Grippe auch nur mit NeoCitran und Paracetamol behandeln …

Ferien zwischen 2 Krankheiten – es gibt schöneres.

Die falsche Anwendung (19)

Nicht von uns, aber … bemerkenswert:

Als die Scopolamin Pflaster vor ein paar Jahren ausser Handel gingen war da ein Patient, der fragte, was er sonst benutzen kann auf seiner Kreuzfahrt. Die Apothekerin empfahl ihm Kapseln mit Doxylamin. Als sie den Patienten nach den Ferien wieder sieht und ihn fragt, wie es gegangen ist, sagt der: „Schrecklich. Die Kapseln haben nicht gewirkt.“

Stellt sich heraus, dass er sie hinter das Ohr geklebt hat – wie vorher die Pflaster.

…

Mehr nicht wirklich korrekte Anwendungen?  (die meisten kürzer …)

Die falsche Anwendung 1, Die falsche Anwendung 2, Die falsche Anwendung 3,

Die falsche Anwendung 4, Die falsche Anwendung 5, Die falsche Anwendung 6,

Die falsche Anwendung 7,  Die falsche Anwendung 8,  Die falsche Anwendung 9,

Die falsche Anwendung 10, Die falsche Anwendung 11, Die falsche Anwendung 12,

Die falsche Anwendung 13, Die falsche Anwendung 14, Die falsche Anwendung 15,

Die falsche Anwendung 16, Die falsche Anwendung 17, Die falsche Anwendung 18

Apotheken aus aller Welt, 523: Ürümqui und Xiahe, China

Danke an Nadya, die inzwischen aus China zurück sein sollte – meine Eltern sind übrigens im Moment grad dort, drum passt das hier gut – auch wenn sie wegen der Zensur das wohl erst nach ihren Ferien sehen werden …

letztes Jahr schickte ich dir ein Apotheken-Bild aus der Stadt, in der ich gerade meinen Freiwilligendienst absolviere (Jiuquan, Gansu-Provinz, Nordwestchina). Ich weiß also, dass du schon Bilder aus China hast, liefere Dir heute aber dennoch zwei weitere:

Eins aus Ürümqi, Hauptstadt der autonomen Provinz Xinjiang; eins aus Xiahe, heute Gansu-Provinz.

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Ürümqi dürfte durch die dort lebende Minderheit, den Uiguren, und zahlreichen Anschlägen auf öffentliche Plätze bzw. Bahnhöfe, wie z.B. auf dem Platz des Himmlischen Friedens, in Kunming, Guangzhou oder Ürümqi selber, bekannt sein.
Der obere Schriftzug ist Uigurisch, einer türkisch-stämmigen Sprache, und der untere Chinesisch (Mandarin).

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Xiahe ist eine Klosterstadt, in der viele Tibeter leben, und ein bedeutender Pilgerort für tibetische Buddhisten. Der rote Schriftzug ist Tibetisch, der mittlere Mandarin. Unten steht pinyin.

Wieso die beiden Bilder? Ürümqi gehört zu China, Xiahe auch, aber dennoch taucht man dort in ganz anderen Kulturen und Sprachen unter. Das Bild des Chinesen, das man in Deutschland hat, ist das eines Han-Chinesen. Die Uiguren und Tibeter sind beides Minderheiten, die per Definition auch Chinesen sind, sich aber selber selten als solche definieren. In beiden Orten musste ich feststellen, dass viele Leute kein Mandarin sprechen – dabei war ich doch immer noch in China.