elektrische Schläge

Das war der Ausdruck, den eine unserer Patientinnen benutzte für ein … immer wieder auftretendes Problem: „Ich habe immer wieder so seltsame elektrische Schläge“. Offenbar eine unangenehme, fast schon schmerzhafte, plötzlich auftretende körperliche Empfindung.

Ich hatte (zum Glück) Zeit und habe sie länger ausgefragt, wann und wie diese elektrischen Schläge dann auftreten und was sie für Medikamente nimmt etc.

Herausgekommen ist dann das:

Sie nimmt Antidepressiva (Paroxetin)- und sie ist unter regelmässiger Arztkontrolle. Dummerweise passiert es regelmässig, dass die Antidepressiva vor dem Termin beim Arzt ausgehen … und anstatt dass sie bei uns in der Apotheke oder beim Arzt mehr verlangt, damit es reicht … nimmt sie dann einfach keine mehr, bis sie wieder ein Rezept dafür hat.

Das plötzliche Absetzen aber macht diese Nebenwirkungen. Antidepressiva sind ganz schlecht, wenn man abrupt damit aufhört.

Ich habe ihr dann erklärt, dass es Möglich sein sollte, die Packungsgrösse oder die Menge so zu wählen, dass es reicht – oder dass der Arzt ihr ein Dauerrezept verschreibt … und dass sie in einem solchen Fall auch bei uns vorbeikommen darf und wir schauen wegen dem Medikament und dem Rezept.

Und für die Zukunft: Auch Antidepressiva sollten (sehr) langsam ausgeschlichen werden – eben um derartiges zu vermeiden.

21 Antworten auf „elektrische Schläge

  1. Das witzige ist ja, sobald ich die Beschreibung der Patientin gelesen habe, kamen mir sofort die Zaps als häufige Nebenwirkung beim schnellen Absetzen von SSNRI in den Sinn und ich habe mich gefragt ob es wohl das ist :)

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  2. Uh… ich nehme die gleichen Antidepressiva und wäre nie auf die Idee gekommen sie einfach nicht mehr zu nehmen. Da rufe ich lieber beim Arzt an und hole in Laufe des Tages ein Rezept ab. Einmal davon abgesehen, dass zumindest bei mir nach den ersten Einnahmen Nebenwirkungen wie Übelkeit etc aufgetreten sind. Das jedes mal zusätzlich aufs neue durchmachen? Nein danke…
    Ich stelle mir gerade vor, dass die Dame wahrscheinlich auch noch relativ viel mg einzunehmen hat… Gerade dann sollte ihr Arzt ihr doch mehrmals eindeutig gesagt haben, dass gerade Paroxetin nicht selbstständig und plötzlich abgesetzt werden sollte.

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    1. Ja – nicht alle haben den gleichen Umgang mit ihren Medikamenten … viele wissen auch nicht genau, was sie nehmen … und wie sich das (nehmen oder nicht-nehmen) auf ihren Körper auswirkt. Interessant fand ich, dass das ein sich wiederholendes Problem war … und weder sie noch der Arzt auf die Idee gekommen sind, woran das liegen könnte …

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      1. Ich finde beides gleich schade… Ärzte, die nicht ausreichend informieren und auch Patienten, die gar kein Interesse daran haben sich zu informieren. Für mich ist es selbstverständlich zumindest rudimentär zu wissen was ich meinem Körper zuführe. Vor allem um auch mitreden zu können wenn es um die Wahl des richtigen Medikamentes geht. Zum Glück ist meine Ärztin ein absoluter Geduldsengel. :-)

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  3. Mir ging es wie Blizzard, schon bei der Beschreibung tippte ich auf das Vergessen / Reduzieren oder kalte Absetzen von Paroxetin oder Fluoxetin. Das Zeug macht leider noch ganz andere Sachen, wenn man damit schludert oder es zu schnell absetzt (Psychosen, Depressionen, Suizidgedanken und im Zweifelsfall sogar epileptische Anfälle, all das auch über Monate hinweg). In den USA ist das bekannt, in Deutschland wird das mehr oder weniger unter den Tisch gekehrt oder behauptet, dass schwere Fälle ganz selten sind. Fakt ist allerdings, dass es auch bei uns zig Foren gibt, in denen es um nichts anderes als diese „Absetzerscheinungen“ geht…

    Bevor ich mich in Rage rede und meine Lebensgeschichte erzähle: Ich habe es – obwohl nicht selbst betroffen – auch gleich erkannt…

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  4. Du hattest ZUM GLÜCK Zeit? Ist das nicht dein JOB? Oder hat die Dame dich privat im Supermarkt angequatscht? Ich erwarte ehrlich gesagt, dass der Apotheker Zeit für mich hat, wenn ich am Counter stehe und mein Problem beschreibe. Unterscheidet euch nicht genau das von den Onlineapotheken? Ich bin ziemlich entsetzt gerade!

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    1. Tatsächlich ist häufiger das Problem, dass die Leute mir die Zeit für eine ausgiebige Beratung / Abklärung nicht geben, weil sie denken, ich gebe Medikamente ab- wie die im Starbucks Kaffee abgeben. zack, zack und alles was ein paar Minuten länger dauert ist schon zu viel für sie. Also: Ja, ich hatte zum Glück Zeit für die Beratung.

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      1. Dann ist das sehr unglücklich formuliert, wenn du eigentlich ausdrücken wolltest, dass der Patient für dich Zeit hatte. Und das ist mal kein Dialektding…

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  5. ja sowas ähnliches hatte mir mal ein bekannter bei einem trizyklischen erzählt, keine ahnung mehr welches es war
    er erzählte von brennen auf der haut, hautausschlag und diesen zaps

    ich konnte hingegen ein snri (cymbalta) ohne probleme absetzen (nicht nachmachen, kann auch anders enden)

    das ärzte dies oft leugnen und ich das ganz klar als entzugssymptome wie bei drogen ansehe finde ich katastrophal

    naja, die meisten können ja nichtmal erklären was die medis machen oder welche nebenwirkungen sie haben hass

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  6. Es ist wirklich so, dass es eine Reihe von Absetzerscheinungen bei SSRI gibt, darunter vor allem diese ZAPs, die Deine Kundin beschreibt, und dass in Deutschland kaum ein Psychiater diese Absetzerscheinungen kennt. Die Patienten und die Foren berichten aber davon. Ich werde den Artikel gleich mal verlinken…

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    1. Die meisten Psychiater kennen die Erscheinungen, sagen aber, dass sie nach ein paar Tagen verschwunden sein müssen und bestreiten, dass es sie in extremer Form gibt. Wahlweise wird behauptet, dass die Grunderkrankung zurück ist – nun kenne ich zufällig einen Fall ohne Grunderkrankung (SSRIs im Offlabeluse), der seit Monaten mit schlimmsten Absetzerscheinungen kämpft. Die Diagnosen dafür reichen von Schizophrenie über Depression bis hin zu Epilepsie. Tatsächlich trat das Problem 4 Tage nach dem Absetzen (kaltes Absetzen auf Anraten des Psychiaters!) auf und in Folge bei jeder Dosisreduzierung…

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  7. Die typischen Stromschläge oder Zaps kenne ich leider aus eigener Erfahrung. Die können über mehrere Wochen oder Monate anhalten (nebst anderen Nebenwirkungen) und sind nur schwer zu ertragen. Deshalb ist der Beratungshinweis, Antidepressiva gaaaanz langsam abzusetzen enorm wichtig. Eine Abdosierung von maximal 10% ist erträglich.

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  8. edit: Auch mein Psychiater sagte: „Das ist die Grunderkrankung“ und „Das geht in wenigen Tagen vorbei“. Fazit: Der Arzt hat null Ahnung (wie leider auch viele andere). Ich selbst bin PTA und hab zum Glück etwas Hintergrundwissen, um mich dem Arzt gegenüber durchzusetzen.

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  9. Ich habe die Stromschläge, sobald ich (mit Arzt besprochen) nach Jahren versuche, Citalopram abzusetzen. Egal, wie langsam dies geschieht. Bei Unterschreitung von 5mg/Tag fangen Stromschläge an, die vom Kopf in beide Arme gehen. Diese kann ich dann auslösen durch Kopf oder Augenbewegungen. Längste Zeit, die ich mal gewartet habe, ob das wieder weg geht, war zwei Wochen. Keine Änderung in dieser Zeit. 5 Stunden nach erneuter Einnahme von Citalopram hört das Problem dann auf. Jemand Erfahrungen, wie lange man warten muss?

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  10. uh, die stromschläge hatte ich beim absetzen von venlafaxin auch, nebst anderer unschöner begleiterscheinungen. trotz sehr sehr langsamer dosisreduktion war es zeitweise kaum auszuhalten, und auch nach der allerallerletzten einnahme dauerte es wochen, bis es ganz aufhörte.

    interessant fand ich, dass die stromschläge bei mir irgendwie mit der bewegung der augen verbunden waren: wenn ich die augen ruhig hielt, gab’s keinen stromschlag. sobald ich die augen jedoch bewegte (und sei es nur ein winziges zucken) gabs zur strafe strom quer durch den körper…

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    1. Hey Sternenpfad! Du weißt gar nicht, wie froh ich bin, dass bei dir auch die Stromschläge von Augenbewegungen ausgelöst wurden. Wie bei mir, siehe 30.10.14 16:52 mein Eintrag hier. Mein Psychiater konnte es sich nicht erklären. Bei mir ging es um Absetzen von Citalopram.

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