Tell me what you want, what you really, really want

Kommunikation als Informationsaustausch ist so wichtig. Auch in der Apotheke. Vom Personal und von den Kunden.

Hier zwei Beispiele, wie es nicht gemacht wird.

Die Pharmaassistentin bringt mir verschiedenes vom Dauerrezept nach hinten zum kontrollieren, das die Patientin bei ihr vorne verlangt hat. Aspirin cardio, Magnesiumbeutel ohne Zucker, Cholesterinmittel, Schmerzmittel. Alles angeschrieben. Ich kontrolliere, visiere und sie geht es abgeben.
Eine Minute später ist sie wieder da, mit einer Packung Magnesiumbeutel ohne Zucker (angeschrieben) und dem Rezeptausdruck: „Sie will zwei Magnesium.“
Okay. Kontrollieren, visieren, sie geht wieder nach vorne.
Zwei Minuten später kommt sie wieder. Mit 2 Packungen Magnesiumbeutel mit Zucker, angeschrieben und dem Rezeptausdruck. „Sie will jetzt die mit Zucker. Ich habe es auf dem Dauerrezept geändert. Sie will keine künstlichen Süsstoffe.“ Gesagt mit etwas Augenverdrehen.
„Wir können das ersetzen.“
„Ja, ich weiss – mich nervt nur … ich bin jetzt wegen ihr drei Mal hier und muss jedesmal im Computer das ändern, raussuchen, anschreiben, auf dem Rezept anschreiben und kontrollieren gehen. Das wäre in einem Mal und 5 Minuten weniger lang gegangen.“
Das ist übrigens nicht das erste Mal bei der Patientin. Bei ihr habe ich manchmal das Gefühl, sie macht das absichtlich.

Photo by Bruno Thethe on Pexels.com

Oder der Herr Freitag Abend.
Wir sind nur noch zu zweit, als er in die Apotheke kommt. Ich begrüsse ihn freundlich und er schaut mich an und sagt. „Pflaster für Knie“ (keine weitere Info. Ok.)
Ich bringe ihn zu unserem Pflaster und Wundmaterial-Sortiment und zeige ihm die Pflaster, die speziell für Wunden am Knie sind …
„Ist es für sie selber?“
„Ja.“
„Das hier sind Pflaster für Schürfwunden und derartiges am Knie, sie sind speziell geformt, elastisch, damit man sich damit auch bewegen kann und man kann sie, wenn die Wunde sauber ist, auch 2-3 Tage drauf lassen.“
„Krankenkasse?“
„Ah, ich glaube nicht, dass die Krankenkasse die zahlt.“
„Ich habe ein Rezept.“
Wortkarg, der Herr, aber mir dämmert langsam etwas.
„Sie haben ein Dauerrezept?“
„Ja.“
„Wie ist der Name?“ – ich suche es heraus aus dem Computer und schaue, was er zum wiederholen hat das „Pflaster für Knie“ sein könnte.
„Die Flector?“ (Diclofenac Pflaster – gegen Schmerzen).
„Ja.“
Ich hole sie, schreibe sie an, gebe sie ihm.
Er: „Das ist für den Tag, wo die für die Nacht?“
Okay, nochmal Patientendossier aufgemacht. Liste durchschauen. Weiter unten werde ich fündig.
„Die Neurodol?“ (Pflaster mit Lidocain, einem lokal betäubenden Mittel)
Er zuckt die Schultern.
„Weisse Packung?“
Ich bringe sie ihm und es ist das richtige. Wiederholen, anschreiben, abgeben.
Er: „Ja. Blaue Packung für Tag, Weisse Packung für Nacht. Für Knie.“
„Genau. Könnten sie das nächste Mal das hier mitbringen?“ (Ich zeige auf die Dosierungsetikette der Packung) „Damit finde ich viel schneller, was sie brauchen.“
Er lächelt, nickt und wir verabschieden uns freundlich.
Hoffentlich geht das das nächste Mal besser.

4 Kommentare zu „Tell me what you want, what you really, really want

  1. Diclofenc-Pflaster? Lidocain? Womöglich noch in hoher Dosierung? Mensch, habt ihr Schweizer es gut!
    Ich kam mal mit heftigen Nackenschmerzen (habe da ein Knochenproblem) an einem Samstag in eine deutsche Apotheke und wollte Diclofenac 75 mg retard. Geht nicht ohne Rezept, aber 20 mg Voltaren (ist auch Diclofenac) geht rezeptfrei. Pragmatischer Ratschlag der Apothekerin: „Dann nimmst halt drei.“

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    1. Psssst – aber nicht weiter sagen bitte: Der Patient im obigen Artikel hat ein Dauerrezept, und daher sind sowohl die Diclofenac-Pflaster als auch die Lidocain-Pflaster verordnet und werden (zimindest teilweise) durch die Versicherung übernommen. Davon abgesehen gibt es in der Schweiz gesetzliche Regelungen wie „Vorbezug“, wo unter besonderern Umständen und mit viel Dokumentation eine Apotheke ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel auch ohne Rezept abgegeben werden darf, was deutschen Apotheken schlicht per Gesetz verboten ist.

      Derweil gibs seit Jahren auch apothekenpflichtige Diclofenac-Pflaster in Deutschland, was gleichzeitig rezepfrei bedeutet. „Voltaren Schmwerzpflaster“ & „Diclofenac-Schmerzpflaster Ratiopharm“. [Keine Werbung, bin nicht verwandt oder verschwippschapjägert.]

      Lidocain gibs als Salbe (mit beiliegenden Occlusionspflastern) in Deutschland auch apothekenpflichtig zu kaufen – das Schlagwort lautet „Emla“ [Wieder keine Werbung, aber die anderen Firmen haben keine Pflaster.] Andere Lidocain-Pflaster wären z.B. „Versatis“, die haben aber eine ganz andere Indikation, sind verschreibungspflichtig und ziemlich teuer. Nebenbei glaube ich aber weniger, dass Lidocain-Pflaster gegen Nackenschmerzen helfen werden (die häufig genug aus Verspannungen im Schultermuskelbereich rühren), es sei denn, Sie wollen sich nach Anwendung an dieser Stelle tattowieren lassen.

      Und nun noch flink zur Verschreibungspflicht von Diclofenac. Dieser Wirkstoff ist derjenige in Deutschland mit dem höchsten Nebenwirkungspotential aller apothekenpflichtigen Schmerzmittel. Daher ist sowohl die Abgabemenge als auch die Tageshöchstdosis stark reglementiert. (Und nebenbei, die pragmatische Herangehensweise ist die letzte Reißleine, die der Apotheke bleibt, vor „Ham wa nich, ab zum Arzt!“)

      Nichts für ungut… ;-)

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