Aufruf zur Petitions-Teilnahme

Ein Aufruf an meine Leser – nicht nur die in Deutschland. Bitte unterstützt die Vor-Ort Apotheke indem ihr an dieser Online Petition teilnehmt und sie teilt.

Christian Redman, ein engagierter deutscher Apotheker, hat sie erstellt aus diesen Gründen:

Seit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zur Gültigkeit der Arzneimittelpreisverordnung für rezeptpflichtige Arzneimittel befindet sich die deutsche Apothekerschaft in existenziellen Nöten – so dass in der Folge die gesamte deutsche Gesundheitsversorgung durch Apotheken vor Ort gefährdet sein wird.

Die einzige Option, die sichere, redundante und qualitativ hochwertige Versorgung der Patientenschaft in all ihren Belangen (Individualrezepturen, Nacht- und Notdienste insbesondere an Sonn- und Feiertagen, Spezialversorgungen wie die palliative Versorgung) aufrechtzuerhalten, zu sichern und damit dem gesetzlich verankerten Versorgungsauftrag nachzukommen, stellt ein Versandverbot rezeptpflichtiger Arzneimittel dar sowie die Durchsetzung der Gültigkeit der Arzneimittelpreisverordnung auch für ausländische Versender.

Dies wird weitgehend als konform zum Europarecht gesehen – und muss zeitnah von der deutschen Regierung erarbeitet und beschlossen werden. Apotheker und ihre Teams, zumeist Frauen und insgesamt ca 150.000 Beschäftigte warten nun darauf, dass die Große Koalition diesen Punkt des Koalitionsvertrags aufgreift und mit der Umsetzung beginnt.

Aus diesem Grund fordern wir:

  • das klare Bekenntnis des amtierenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn zum Koalitionsvertrag
  • die zeitnahe Umsetzung des Versandhandelsverbots unter Ausschöpfung aller (europa-)juristischen Möglichkeiten.

Bitte unterstützen Sie ihre Apotheke vor Ort und helfen Sie mit, dass die schnelle Versorgung und eine gute Beratung durch das Versandverbote nachhaltig bestehen bleiben.

Wer mehr zum unsäglichen EUGH Urteil und seinen Folgen lesen will, kann das hier.

Weshalb unterstütze ich das als Schweizer Apothekerin? Einerseits, weil mir mein Beruf sehr am Herzen liegt – und Apotheken gibt es in so ziemlich allen Ländern. Deutschland als Nachbarland mit gleicher Sprache und ähnlichem Gesundheitssystem wird bei uns gern als Vergleich herangezogen … allerdings läuft da seit einigen Jahren ziemlich viel schief – den Krankenkassen wird (in meinen Augen) zu viel Einfluss gegeben und mit dem Zauberwort „sparen“ und Einfluss durch internationale Grossfirmen Gesetze und Vorgaben durchgebracht, die im Endeffekt auch für die Patienten einfach nur schlecht sind. Das mit den ausländischen Versandfirmen und den Rabatten ist nur der letzte (und ziemlich verheerende) Schlag. Wer denkt, dass das ja EU ist und das nie zu uns kommt … liegt falsch. Das hat Auswirkungen. Wehret den Anfängen – sage ich da nur. Unterschreibt die Petition.

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10 Antworten auf „Aufruf zur Petitions-Teilnahme

  1. Ich habe Familie, die ist auf das Versenden von rezeptpflichtigen Medikamenten angewiesen. Wenn du auf dem Land wohnst, nicht Auto fahren kannst, die Apotheke in deinem Dorf schon vor fünfzehn Jahren geschlossen hat, die Krankenkasse keinen Pflegedienst bezahlt und deine Kinder weit weg wohnen, dann ist das häufig die einzige Möglichkeit. Wenn es Apotheken nicht hinkriegen, eine Basisversorgung in solchen Gegenden aufzubauen (ich verstehe, dass das nicht Unwillen, sondern der Markt ist), dann sehe ich nicht, weshalb man den letzten Faden an Basisversorgung (Onlineversand) abschneiden sollte.

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  2. In Deutschland gibt es nur ein Portal für wirksame Petitionen und zwar das offizielle des Bundestages:
    https://epetitionen.bundestag.de/
    OpenPetition ist zwar ganz nett und öffentlichkeitswirksam, vielleicht bekommt der Initiator noch Kuchen von Jens Spahn – mehr aber nicht. Petitionen beim Bundestag müssen dagegen Kraft Gesetz bearbeitet werden. Eine solche könnte auch vom Deutschen Apothekerverband („Apotheken-Umschau“) unterstützt werden und dann zu einer öffentlichen Anhörung mit Ladung des Initiators vor den Petitionsausschuss führen.

    Zum inhaltlichen müssen sich die „Apotheken vor Ort“ in jedem europäischen Land früher oder später der Realität stellen, genau wie andere Einzelhändler. Durch Gesetze, Verbände und Lobbyarbeit lässt sich der Prozess vielleicht verlangsamen, aber das Ende ist klar. Sinnvoller als pauschal gegen Versand- und Lieferhandel zu kämpfen wäre vielleicht, jede Apotheke zur Erstellung von Rezepturen zu verpflichten – und natürlich für alle die gleichen preislichen Rahmenbedingungen zu erwirken. Die Apotheke vor Ort könnte viel schneller als jede Versandapotheke liefern und dabei noch beraten. Telefonisch erreichbar sind sie ohnehin und mit den Ärzten vor Ort vernetzt. Viel Fantasie braucht es nicht, um daraus echte Wettbewerbsvorteile gegenüber weit entfernten Versandapotheken mit Lieferzeiten >3 Tage (inkl. Rezeptlaufzeit) zu machen.

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    1. Sinnvoller als pauschal gegen Versand- und Lieferhandel zu kämpfen wäre vielleicht, jede Apotheke zur Erstellung von Rezepturen zu verpflichten…
      Das existiert bereits. Mit der Apothekenbetriebsordung. Nur sind die niederländischen Versandapotheken ja gar keine Apotheken nach niederländischen Recht (haben dort keine Zulassung). Pech auch fürs deutsche Gesetz, welches dort nicht gilt!

      …und natürlich für alle die gleichen preislichen Rahmenbedingungen zu erwirken.
      Das existiert bereits. MocDorris hat sich EXTRA in den „Rahmenvertrag zur Aruneimbelieferung“ eingeklagt, weil sie sonst den Herstellerrabatt (den die Apotheken an die Kassen abführen müssen und sich dann vom Hersteller zurückzuholen versuchen dürfen) nicht zurück bekommen hätten. Im Rahmenvertrag ist definiert, dass sich die teilnehmenden Apotheken an das SGB V halten MÜSSEN. Was die niederländischen Versender aber nicht tun. Damit DÜRFEN die Kassen den Niederländern die Verträge kündigen. MACHEN sie aber NICHT. Komisch. Ich frage mich, wieso…?

      Viel Fantasie braucht es nicht, um daraus echte Wettbewerbsvorteile gegenüber weit entfernten Versandapotheken mit Lieferzeiten >3 Tage (inkl. Rezeptlaufzeit) zu machen.
      Gab es schon längst. Wurde von Trullala Schmidt aber im Zuge der gesetzlichen Zulassung des ausländischen Versandhandels ABGESCHAFFT (von „maximal 2 Tage“ auf „in angemessener Zeit“). Damit konnte man wunderbar die Vor-Ort-Apotheken (angemessen <1Tag) gegenüber dem Versand (angemessen: 3 Tage plus Poststreiktage) abgrenzen. „Gleich lange Spieße“ nannte sich dazumal solch Vorgehen…

      Die Kassen WOLLEN den Versand, weil sie meinen, da wie blöde zu sparen. Das wird sich viel später dramatisch rächen, aber so weit mag niemand denken. Siehe USA mit ihren „PharmaBenefitManagern“… Aber bis dahin sind die VorOrtNothilfeDarfNochSeinApoteken abgeschafft, weil der wirtschaftliche Hahn zugedreht wurde bei immer weiter ausufernden bürokratischen Schwachfungsanforderungen und parallele immer weitere Einkürzung des Enderlöses.

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    2. Zum Thema „Rezeptur bei MocDorris“: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/09/25/so-erklaert-docmorris-die-ausnahmen-bei-der-rezepturherstellung

      Mal erklärt man niederländischens Recht für Schuld an der Misere. Mal ist deutsches Recht Schuld. Und mal ist es auch ganz egal, da macht man es dann einfach nicht. Macht ja niemand was dagegen. Wie auch, Gerichte akzeptiert man nur, wenn das Urteil nach dem eigenen Ansinnen ausfällt….

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  3. Naja, als ich noch in Deutschland ansässig war, wurde in Ärztekreisen gerne mal über die sog. „Apothekenschwemme“ geklagt. Welche wie folgt aussehen sollte: ein Apotheker macht sich selbstständig, baut mit einem Kredit der Apobank ein Ärztehaus, in dessen Erdgeschoss er seine Apotheke einrichtet und die oberen Etagen günstig an Ärzte vermietet, deren Rezepte er dann gleich einlösen kann.

    Keine Ahnung, ob das tatsächlich ein funktionierendes Geschäftsmodell ist, aber so wurde es bei ärztlichen Fortbildungen immer wieder kolportiert. Und in so manchem Neubaugebiet konnte man genau das in den Nuller-Jahren auch immer wieder beobachten.

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    1. Ich bin sicher, das hat mal funktioniert – macht ja auch Sinn, wenn Arzt und Apotheke zumindest in der Nähe sind. Zusammenarbeit. Heute … gibt es Ärztemangel in den Dörfern und beim Weggang oder Abgang sterben auch die Apotheken. Und die Banken geben heute für Neugründungen von Apotheken kaum mehr Kredite – weil zu unsicher, dass das Geld wieder zurückkommt.

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    2. An sich hat das mal funktioniert. Eine „Schwemme“ gab es aber nie wirklich, was man schon an der durchschnittlichen Apothekenanzahl pro 100.000 Einwohner im Europavergleich feststellen kann. Da lag und liegt D immernoch im Mittelfeld Europas (im Gegensatz zu den Aussagen, die immer gern mal in der Presse verbreitet werden.)

      Ein wirklich großes Problem ist aber, dass jüngere Ärzte das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis immer mehr scheuen, und dass deswegen „aufgebende“ Ärzte kaum Praxisnachfolger finden. Der Effekt ist dann, dass die „in Abwicklung befindlichen“ Arztpraxen dann von MVZs aufgekauft werden und sich die letzten Jahre anstellen lassen; und wenn sie dann aufhören haben die MVZs die Kassenplanstelle und verlegen diese im gleichen Landkreis vielleicht 80km näher an die nächste Großstadt. So kommt es z.B., dass innerhalb der letzten 18 Jahre hier in Klein(kreis)stadt 3 gKV-Dermatologen-Plan-Stellen „aufgekauft“ und ca. 60km dichter an Großstadt verlegt wurden – Luftlinie. Mit dem Auto sind dies dann aber wegen Streckenführung locker 100km. Kleinstadt hat nur noch einen privaten Hautarzt (weil er wegen „Überplanung“ keine gKV-Stelle bekommt), denn schließlich gibt es ja genug Hautärzte, bloß dass sie nicht (mehr) für den Durchschnittsbürger erreichbar sind. Der nächste Dermatologe ist 15km (auch MVZ) weit weg, der übernächste dann 30km… Gemäß Kassen-Planung existiert hier aber eine „Überversorgung“, da durch die Zusammenlegung flächenmäßig großer Landkreise ja der Ärztedurchschnitt auf 2.000km² erfüllt ist, auch wenn sich (fast) alle Stellen auf 5km² in einem Randgebiet drängen.

      Es ist wie mit jeden Durchschnitt: Wenn mein Nachbar 10.000.000,-€ besitz, und ich 1,-€, sind wird im Durchschnitt beide mehrfache Millionäre…

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  4. Ich will das Argument von Sebastian oben aufgreifen und als „Advocatus Diaboli“ nachfragen:
    Auch meines Wissens ist die Petitionsseite des Bundestags die einzige Petitionsseite, die politisch relevant ist.

    Was KONKRET ändert sich, wenn auf „Openpetition.de“ das Quorum von 50.000 Unterzeichnern erreicht wird?

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    1. Klick auf das (?) hinter „Quorum“, dann kommt: „Das Quorum gibt an, wie viele Unterschriften nötig sind, damit openPetition von den zuständigen gewählten Vertretern eine Stellungnahme zur Petition einholt.“
      d.h. wenn 50.000 Unterzeichner zusammenkommen, schreibt openpetition eine Email an das Gesundheitsministerium.

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