Double Trouble

Eine nette ältere Frau in der Apotheke, nachdem sie von mir ihr Medikament auf Rezept bekommen hat (eine total alltäglich Transaktion) habe ich etwas Zeit und frage sie, wie es ihr geht. Irgendwie scheint sie mir etwas … neben den Schuhen zu stehen.

Da bröckelt ihre bis dahin gut aufrechterhaltene Fassung. Ihre Augen werden tatsächlich etwas feucht, als sie mir das erzählt:

„Nicht so gut. Gestern wurde mir das Portmonne geklaut auf der Strasse und als ich dann zu Hause war habe ich das gemerkt. Ich dachte erst, ich hätte das verloren und habe es gesucht.“

Pharmama: „Ja, das kenne ich, da bekommt man wirklich einen Schreck.“

Frau: „Und dann habe ich einen Anruf bekommen von der Polizei.“

Pharmama: „Wegen dem Portmonee?“

Frau: „Das dachte ich Anfangs. Er hat gesagt, er sei von der Polizei (Kanton) und dass mein Geld bei mir nicht sicher sei …“

Pharmama: „Uh …“

Frau: „Da habe ich ihm gesagt: das habe ich gemerkt, mein Portmonee mit dem ganzen Geld von der AHV drin wurde mir gerade geklaut! Davon wusste er aber nichts. Ich habe gefragt, ob ich bei ihm grad die Anzeige machen kann …“

Kleiner Einschub: Die Polizei ruft einen nicht an, um zu sagen, dass das Geld bei einem nicht sicher ist … und empfiehlt dann ihnen das Geld zur Sicherheit persönlich zu übergeben. Das wäre wahrscheinlich als nächstes gekommen. Es ist eine Betrugsmasche, von der ich schon gelesen habe.

Frau: „Aber er hat gesagt, das könne ich nicht! Dann hat er einfach aufgehängt! Dann bin ich auf den Polizeiposten. Die haben gesagt, von ihnen hat niemand angerufen und dass so Anrufe auch nicht von ihnen kommen.“

Au ja. So wie es sich anhört, hat derjenige, der da angerufen hat, gemerkt, dass da (diesen Monat) nichts mehr zu holen ist und es deswegen aufgegeben. Oder er hat sein Gewissen gefunden … Die Polizei scheint sie aber aufgeklärt zu haben. Nicht dass sie da nochmals Opfer wird.

:-(

 

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5 Antworten auf „Double Trouble

  1. *Oder er hat sein Gewissen gefunden … *
    Das glaube ich nicht. Ich denke, es war genau der selbe Mensch, der auch die Brieftasche geklaut bzw. die verlohrene Brieftasche gefunden hat. Solche Menschen haben ihren Opfern gegenüber kein Gewissen, alles andere wäre unvereinbar mit ihrer Lebensweise. Wird diese Masche organisiert (z.T. in Großfamilien und ländergrenzenübergreifend) umgesetzt, werden die Durchführenden auch passend indoktriniert, um keine Gewissensbisse zu haben.

    Aufgegeben (und aufgelegt) wurde m.E., weil sich diejenige Person zu wenig mit Polizeiarbeit auskennt, um die Fassade aufrecht zu erhalten. In D kann m.W.n. gar keine Anzeige telefonisch machen, da man das Protokoll unterschreiben muss. Demjenigen dürfte aber spontan klar gewesen sein: wenn ich jetzt durschaut bin und mein Opfer die Polizei verständigt, die dann bei der „Geld-Sicherungs-Übergabe“ auf mich in der Wohnung wartet, hat es sich mit meiner derzeitigen Lebensführung. Das Auflegen war also m.E. reiner „Selbstschutz“.

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    1. Da möchte ich widersprechen – ich gehe eher davon aus, dass es ein ziemlich blöder Zufall war, dass Diebstahl und Betrugsanruf am selben Tag kamen. Üblicherweise wird das Opfer bei dieser Betrugsmasche in der Bank beobachtet und dann bis nach Hause verfolgt, so dass der Täter den Namen und die Adresse kennt. Der Anruf soll dann zur Übergabe des abgehobenen Geldes verleiten.

      Warum sollte jemand den Anruf noch tätigen, wenn er das Geld schon längst geklaut hat? Nee, da wird der Anrufer schlichtweg gemerkt haben, dass ihm jemand zuvorgekommen ist.

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      1. Warum sollte jemand den Anruf noch tätigen, wenn er das Geld schon längst geklaut hat?
        Die Verunsicherung des Opfers ausnutzen, um noch mehr aus dem Vorgang heraus hohlen zu können? Vielleicht mit nem Kumpel gleich noch die Masche gemäß „Enkeltrick“ durchziehen, und während man in der Küche die „sichere Geldübergabe“ praktiziert, inspiziert der Mitarbeiter das Schlafzimmer nach Schmuck?

        Kann durchaus Zufall sein. Kann aber auch durchaus ein geskrpteter Versuch gewesen sein.

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  2. hatte auch kurz gedacht, dass von dem jetzt was kommt wie „bei mir können Sie auch direkt Ihre Karte sperren lassen. Dafür brauche ich nur einmal die PIN…“ Das wäre wirklich perfide.

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