Blog-Archive

EU kippt die Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel – für ausländische Versandapotheken

Weg mit den Privilegien für Apotheker! Schreibt der Spiegel
Das Ende der Apothekerpreise – titelt die Tagesschau

Was ist passiert?

Apotheken in Deutschland haben eine gesetzliche Preisbindung was die rezeptpflichtigen Medikamente angeht. Wer da Rabatte oder Geschenke dazu anbietet, macht sich strafbar. Damit soll verhindert werden, dass Leute vermehrt Medikamente beziehen, nur um an diese „Geschenke“ zu kommen, seien die jetzt monetär oder selber Produkte.
Ebenso ist den Apotheken verboten Rabatte anzunehmen beim Einkauf der Medikamente – das soll verhindern, dass die Apotheken korrumpiert werden und bei ihren Beratungen dann diese Produkte empfehlen.
Sie dürfen also weder reduziert einkaufen, noch irgendwelche Rabatte anbieten
Die Apotheke (nicht nur in Deutschland) ist zwar ein „Detailhandelsgeschäft“ in privater Hand, aber sehr streng reglementiert durch Gesetze – um die Qualität aufrechtzuerhalten und auch um die Kosten im Gesundheitssystem zu dämpfen.

Seit 2004 ist der Versandhandel mit Medikamenten in Deutschland erlaubt. Dabei hat der Gesetzgeber den Online-Apotheken diverseste Ausnahmen von den Vorschriften, denen die Vor-Ort Apotheke unterliegt eingeräumt. Praktisch gesehen ist der Versand Rosinenpickerei:

Die Versandapotheken (speziell die im Ausland)

  • leisten keinen Nacht- oder Notdienst oder Akutversorgung
  • müssen kein Labor haben um Analysen der Grundsubstanzen zu machen,
  • denn sie machen keine Anfertigung von individuellen Rezepturen,
  • geben keine starken Schmerzmittel ab (was unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, darf so nicht verschickt werden),
  • vermieten keine Inhalationsgeräte, Krücken oder Babywaagen,
  • und müssen dafür auch keine teuren „Qualifizierungen“ der Krankenkassen dafür über sich ergehen lassen
  • sie brauchen kein teures Fachpersonal, sondern nur Calldienste
  • haben keine vorgeschriebene Vorratshaltung,
  • haben keine teuren Mieten innerorts,
  • als Apotheken im Ausland zahlen sie keine Sozialabgaben in Deutschland
  • bieten nie so viele familienfreundlichen Arbeitsplätze
  • … und der Staat kassiert bei denen wohl auch nicht die 19% Mehrwertssteuer die in Deutschland bei den Arzneimitteln anfallen.

Und jetzt kommt die EuGH (der Europäische Gerichtshof) und kippt die Preisbindung für Rx Arzneimittel – und erlaubt ausländischen Versandapotheken die Gewährung von Boni auf verschreibungspflichtige Arzneimittel. Die deutsche Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln würde gegen das Unionsrecht verstossen.

Die Begründung dazu liesst sich wie Hohn:

Dass die Arzneimittelpreisverordnung auch für ausländische Apotheken gilt wenn sie Arzneimittel an Kunden in Deutschland versenden, stelle eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des freien Warenverkehrs dar. …
Konkret sei es für die ausländischen Apotheken schwerer, weil Versandhandel für sie ein wichtigeres, eventuell sogar das einzige Mittel darstelle, um einen unmittelbaren Zugang zum deutschen Markt zu erhalten. Zudem könne der Preiswettbewerb für Versandapotheken ein wichtigerer Wettbewerbsfaktor sein als für traditionelle Apotheken. Denn diese seien besser in der Lage, Patienten durch Personal vor Ort individuell zu beraten und eine Notfallversorgung mit Arzneimitteln sicherzustellen, so die Richter.

Also grundsätzlich funktioniert das mit den Apotheken vor Ort, aber das diskriminiert offensichtlich die Versandapotheke.
Aber: besser? Da sind Vorschriften, die wie oben geschrieben nur für die ortsansässigen Apotheken gelten! Aufwändig, kostenintensiv … das meiste wollen die Versandapotheken doch gar nicht, selbst wenn sie es könnten, oder müssten wie die hiesigen Apotheken.

Aber es geht noch weiter
Insbesondere sei nicht nachgewiesen worden, inwiefern durch die Festlegung einheitlicher Preise eine bessere geografische Verteilung der traditionellen Apotheken in Deutschland sichergestellt werden könne. Die Richter meinen sogar, dass einige eingereichte Unterlagen im Gegenteil nahelegen, dass mehr Preiswettbewerb unter den Apotheken die gleichmäßige Versorgung mit Arzneimitteln fördern würde. Denn so würden Anreize zur Niederlassung in Gegenden gesetzt, in denen wegen der geringeren Zahl an Apotheken höhere Preise verlangt werden könnten.

Also geben sie hier den Tipp: Apotheken, lasst euch in abgelegenen Gebieten nieder, wo keine anderen Apotheken sind … und erhöht die Preise für die Arzneimittel, bis es sich lohnt. Angebot und Nachfrage spielen lassen!
Dass es dort jetzt schon zunehmend keine Apotheken mehr hat, weil es sich für die Apotheken als unrentabel herausgestellt hat (im jetzigen, streng reglementierten System, wo die Arzneimittelpreise auch deshalb niedrig gehalten werden, damit das Gesundheitssystem nicht belastet wird) ignorieren sie. Genauso, wie es, wenn genug Patienten mit Geiz-ist-geil-Mentalität zu den Rosinenpickern Versandapotheken abwandern hier ganz allgemein noch weniger Apotheken geben wird.

Hauptsache freier Warenverkehr. Eigentlich kann man Arzneimittel nicht mit sonstigen Waren vergleichen, der EuGH tut es aber.
Wer wissen will, wie das mit Angebot und Nachfrage bei den Medikamentenpreisen funktioniert, der schaue mal zu den USA, wie gut das dort geht… es gibt kein Gesundheitssystem, das teurer ist und Pharmafirmen können überrissene Preise für ihre Medis verlangen, darauf haben dann auch die Krankenkassen und Versandapotheken keinen Einfluss mehr.

Die kleinen Apotheken in den ländlichen Gebieten werden zuerst gehen. Dann folgen die mittleren. Überleben werden vielleicht ein paar wenige, die zusätzlich auch hauptsächlich Versandapotheke sind. Erst wenn der Patient nur noch eine Apotheke im Umkreis von 50km hat, merken es wohl auch die letzten, dass das mit dem Bevorteilen der Versandapotheken keine gute Idee war.

DocMorris (die ihre Anwälte während der Verhandlung am Gerichtshof hatten) hat bereits reagiert und die Werbung angepasst. Ab sofort gibt es bis zu €12 Bonus pro Kassenrezept.

Eine (grosse) deutsche Versandapotheke reagiert auch schon: sie fordert die Aufhebung der Arzneimittelpreisbindung auch für sich selber: da liegt noch etwas drin! (ja – bei denen vielleicht schon?).

Wie reagieren die deutschen Apotheker?

Sie sind entsetzt von diesem Urteil. Bin ich auch. Und ihr solltet das auch sein! Das Urteil sabotiert de facto das deutsche Gesundheitssystem. Apotheken sind nicht nur Medikamenten-Dispenser, sie sind auch erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. (Immer noch) leicht erreichbar und die wohl zugänglichsten Medizinalpersonen. Nimm sie weg und Du hast vielleicht noch die (überlaufenen) Notfallstationen der Spitäler. Die Versandapotheken können nicht die Aufgaben übernehmen, die die Vor-Ort Apotheke täglich leistet. Die haben keinen direkten Kontakt zu den Patienten zu den Menschen hinter der mit Medikamenten zu behandelnden Krankheiten.

Apotheker in Deutschland: steht auf! Ihr müsst den Leuten zeigen, was sie an Euch haben!

  • Erklärt der Öffentlichkeit, weshalb ihr besser seid als die Versandapotheke (siehe oben)!
  • Streikt, dann merken sie vielleicht auch, was passiert wenn ihr nicht mehr da seid (Eine Apotheke auf 50km könnte ja noch „Notdienst“ schieben, dann simuliert man auch schön die eventuelle zukünftige Situation.)
  • Aktiviert eure Verbindungen in die Politik, damit endlich mehr auf die aktuelle Situation der Apotheker aufmerksam werden – viel zu viele in der Öffentlichkeit denken immer noch, dass die Apotheke eine Goldgrube ist. Das ist sie nicht mehr. Schon seit längerem.
  • Ladet sie ein in die Apotheke, zeigt ihnen nicht nur Eure Arbeit, sondern auch Euren Umsatz und wie ihr als Arbeitgeber, Steuerzahler und Leister von Sozialabgaben dem Staat (und damit der Öffentlichkeit) dient.
  • Geht gegen den Versandhandel von Rx-Medikamenten vor. Den kann man nämlich gesetzlich verbieten (im Gegensatz zu den OTC Produkten).
  • Macht Eure Arbeit öffentlich!

Wenigstens ehrlich …

Mann in der Apotheke mit einer Frage an den „Chef“. Ihn habe ich schon ein, zwei Mal gesehen, weil er Fragen hatte zu Medikamenten, er hat auch etwas gekauft, aber mit Rezept habe ich ihn noch nicht gehabt.

Mann: „Ich hätte da eine Frage … sie rechnen ja auch mit der Krankenkasse ab?“
Pharmama: „Ja?“
Mann: „Ich habe da eine Krankenkasse wo ich eigentlich in der Apotheke bezahlen muss und das einschicken. Aber bei der Kreuz-Apotheke habe ich eine Abmachung, dass sie das direkt mit der Krankenkasse abrechnen.“
Pharmama: „Eine Forderungsabtretung.“
Mann: „Ja genau. Machen Sie das auch?“
Pharmama: „Hmmm. Eigentlich nur bei langjährigen Stammkunden, die wir gut kennen.“ (Ungesagt: das ist er nicht). „Und bei Neuen verlangen wir vorgängig einen aktuellen Auszug aus dem Betreibungsregister.“
Mann: „Oh. (macht er – und deutet mit den Händen einen Abstand von einem halben Meter an) … der ist sooo lang.“
Pharmama: „Oookay, … dann brauchen Sie ihn nicht zu besorgen, dann machen wir das nicht.“
Mann: „Ich wäre jetzt gerne zu ihnen gekommen …“
Pharmama: „Nun .. Danke?“
Mann: „Und ich hätte ihnen so monatlich etwa 600 Franken gebracht!“
Pharmama: „Nun, ja. Das sind 600 Franken Umsatz, (nicht Gewinn! der wäre einiges niedriger), der uns dadurch leider entgeht. Allerdings … wenn es irgendwann ein Problem zwischen Ihnen und der Krankenkasse gibt, dann zahlt uns die Krankenkasse gar nichts – und dann habe ich 600 Franken Verlust real. Das ist ein Risiko … das möchte ich momentan nicht eingehen.“
Er nickt verständnisvoll und geht.

Na, wenigstens war er ehrlich. Auch bei Leuten mit „sauberem“ Betreibungsauszug ist es im übrigen nicht garantiert, dass das danach immer klappt. Von einer anderen Apotheke habe ich letzens von einem Fall gehört, der nach der Kontrolle und Ausstellen des Vertrages das 1 Jahr problemlos gegangen ist … und dann hat er offenbar bei der Krankenkasse seine Prämien nicht mehr bezahlt und sich gleichzeitig in der Apotheke noch auf Vorrat Medikamente besorgt. Dann ist er weggezogen. Die Apotheke bekam die Aulagen nicht von der Krankenkasse zurück (in dem Fall fast 3000 Franken). Erst danach hat sich herausgestellt, dass der Mann kurz vorher zugezogen ist – und im alten Wohnkanton offenbar dasselbe abgezogen hat. Der Betreibungsauszug ist kantonsabhängig. Man „nimmt“ ihn nicht mit …. und wenn man das nicht weiss und auch vom alten Wohnort (oder Wohnorten) einen verlangt (und dann wird das ziemlich aufwändig), dann kann man bei so etwas reinlaufen. Schweizer Kantönligeist – nicht immer eine gute Sache.

Was darf ein Medikament kosten? Die andere Seite.

Und jetzt mal andersherum:
sovaldi

Was ich da in der Hand halte ist das Medikament Sovaldi. Es sind 28 Tabletten und eine Packung kostet CHF 19’208.50.- (Stand September 2015*). In Worten: Neunzehntausend-zweihundertacht Franken und 50 Rappen.

Sovaldi ist ein neues, einzigartiges Mittel gegen Hepatitis C – das ist eine Leberentzündung, durch ein Virus verursacht, das man sich durch Sex, beim Piercen, Nadeln tauschen oder Tätowieren holt, das die Leber kaputt macht, was letztlich lebensgefährlich ist. Viele Menschen sterben daran,

Das besondere ist, dass dieses Medikament in einem Grossteil der Fälle (97 von 100) in der Lage ist, Hepatitis C zu heilen (!) – und das im Gegensatz zu bisherigen Therapien mit wenig Nebenwirkungen. Aber es kommt mit einem Preis – im wahrsten Sinne des Wortes . Die Behandlung dauert 3 Monate, also an die 80’000 Franken. Pro Patient.

In der Schweiz sind etwa 0.7 – 1% der Bevölkerung mit Hepatitis C infiziert. Das sind Tausende Patienten. Weltweit liegt die Rate bei etwa 3%. Das gehört nicht unbedingt zu den „seltenen Erkrankungen“, für die oft hohe Preise der Medikamente gerechtfertigt werden. Andererseits ist es lebensrettend und eine Behandlung von 3 Monaten reicht dafür. Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung – aber bisher nur unter speziellen Voraussetzungen, das heisst, die Leber muss schon ziemlich geschädigt sein.

Aber ich stelle wieder die Frage: Wieviel ist dir das Medikament wert? Was hier direkt an diese Frage grenzt: Wieviel ist dir ein Menschenleben wert? … Wenn Du oder jemanden den Du kennst selber betroffen bist? Wenn es irgendeine andere Person ist?

In diesem Fall zahlst Du das in der Schweiz (oder in Deutschland) erst mal nicht selber – das übernimmt die Krankenkasse (könntest Du das ohne Versicherung zahlen???) … Aber die kann das auch nicht, wenn das zu viele in Anspruch nehmen. Das wäre ein Grund, die Prämien für alle zu erhöhen … all das Geld muss von irgendwo kommen. Die moderne Medizin kann enorm viel … und das kostet.

Was aber wäre ein guter Preis für das Medikament? – Hier auch für die Pharmafirma, die das entwickelt hat … was viel Geld kostet (ab 1,3 Milliarden Franken für die Entwicklung von einem neuen Medikament). Solange das Patent läuft hat sie Zeit sich ihr Geld wieder zurückzuholen, danach wird es mit Aufkommen der Generika-Konkurrenz schwierig. Wenn sich das nicht lohnt, dann werden auch keine neuen Medikamente entwickelt …

*Inzwischen ist der Preis schon etwas nach unten gegangen: auf CHF 16’102.50.-

Was darf ein Medikament kosten – Auflösung

Also. Nach Euren Angaben (Stand bis Mittwoch 9 Uhr) haben wir diese Verteilung: (bei Reichweitenangaben wurde der Mittelwert genommen und Angaben jeweils von X,0 bis Y,9)

dafalgan

0-1 IIII (darunter auch die, die es überflüssig finden, aus was für Gründen auch immer)

2-3 II

3-4 IIIII IIII

5-7 IIIII  IIIII  IIIII  IIIII I

8-10 IIIII  IIIII  IIII

11-15 IIIII

16-30 II

zur Auflösung: der Sirup kostet im Verkauf CHF 2.25.- (das wären momentan in Euro: 2,50). Das kann verschrieben werden und wird dann von der Krankenkasse bezahlt, man bekommt es aber (zum gleichen Preis) auch ohne Rezept. 2 Franken 25 Rappen.

Ich finde das wahnsinnig wenig. Ich finde das so wenig, dass ich mich frage, wie die Firma sich noch leisten kann das herzustellen. Die Antwort darauf ist wahrscheinlich: kann sie sich nicht. Jedenfalls nicht in Europa. Ganz sicher nicht in der Schweiz oder Deutschland. Das kommt also wohl aus Asien (China oder Indien) … und mich persönlich beunruhigt das, wenn ich von den Arbeitsbedingungen dort lese und wie die Firmen es mit dem Umweltschutz halten (was ist das?) und (immer wieder) auch wie es teils um die Qualität der Produkte dort steht.

Bei diesem Beispiel Paracetamol-Sirup höre ich natürlich: der Wirkstoff ist super-günstig! Klar. Aber es geht nicht nur um den Wirkstoff (der ganz sicher aus Asien importiert wird), es geht auch um die Galenik: den Wirkstoff in eine gut einnehmbare und haltbare flüssige Form zu bringen. Natürlich gibt es Paracetamol günstig in Tabletten und in Zäpfchen. Die sind einfacher herzustellen … wobei ich hier anmerken möchte: die Wirkung kann davon abhängen, wie die Tabletten hergestellt sind: im Film, den ich vor ein paar Tagen hochgeladen habe, habe ich sowohl Dafalgan Tabletten als auch Panadol Tabletten zerfallen lassen … und die Dafalgan haben ewig gebraucht. Bei Schmerzmitteln kann sowas relevant sein – ob man jetzt 20 Minuten auf die Wirkung wartet oder 1 Stunde. Man „muss“ natürlich keine Schmerzmittel nehmen … aber ICH bin froh, dass es die gibt. Junior wohl auch, der leidet gelegentlich auch unter Kopfschmerzen … und Zäpfchen mag er gar nicht mehr. Wer schon einmal eine Panadol Tablette einfach in Wasser suspendiert hat, weiss auch, dass die nicht gut schmeckt. Scheusslich eigentlich … und wenn einem schon fast schlecht ist wegen Kopfschmerzen ist das auch ungeschickt. Also Sirup.

Jemand fand, wenn das ein „No-Name-Produkt“ ist und kein „Brand“, dann wäre er nicht bereit so viel dafür zu zahlen. Dazu möchte ich das sagen: Das wäre mir egal. Generika sind (sollten sein) gleichwertig wie das Original. Und Paracetamol Sirup gibt es in der Schweiz gar nicht mehr als Orignalprodukt (das wäre wohl Panadol oder Tylenol) … tatsächlich gibt es das nur von Brystol-Meyers-Squibb (das Dafalgan) oder von Nutrimed (das BenURon – das 200mg/5ml enthält, also anders dosiert ist und für 100ml CHF 5.10.- kostet). 2 Sorten. Das wars.

Das ist auch so etwas, das mir Angst macht: wenn sich das für die Firma nicht mehr lohnt das herzustellen, dann kann es gut sein, dass sie das dann auch nicht mehr machen. Gut, beim Paracetamol kann man noch ein bisschen etwas über die Riesen-Menge die verkauft wird auffangen, und Ihr denkt jetzt sicher auch: „Ach was, kann nicht sein: etwas so grundsätzliches wie ein Paracetamol-Sirup kann man doch nicht einfach nicht mehr anbieten.“ Was denkt ihr bei etwas so grundsätzlichem und wichtigem wie einem Antibiotikum-Sirup? Auch nicht?

Aber genau das hatten wir schon. Beim Nopil-Sirup

nopil2

Der Sirup Nopil wurde von uns .. aus dem Markt gezogen da die vom BAG verordneten ex-factory-Preise unter den Herstellungskosten lagen …

Ja – ich habe in einem Blogpost am Rande davon berichtet (hier: by proxy). Erst ging der Bactrim Sirup ausser Handel (das „Original“), dann mit Nopil von Mepha auch noch das letzte Generikum in flüssiger Form mit dem Wirkstoff. Damals ohne Kommentar weshalb – nun ist mir das klar. Offenbar hatte das BAG ein Einsehen und der Preis dafür wurde wieder angehoben (auf wahnsinnig hohe CHF 9 -, exklusive Checks, die da noch draufkommen, da rezeptpflichtig und kassenpflichtig). Das Antibiotikum ist als Wirkstoff noch wichtig, wird aber nicht sehr häufig gebraucht, dann Preissenkung … Und weg war es.😦

Im Spital haben sie das Problem übrigens schon länger: wenn die für ihre Patienten auf der Station nach Antibiotika suchen, die noch wirken, müssen diese heute häufiger aus dem Ausland importiert werden … weil es in der Schweiz einfach nicht mehr alle Wirkstoffe im Handel gibt! Und momentan importieren wir also sogar Nopil-Sirup, aus Deutschland, hergestellt in keine Ahnung wo …

Ein paar von Euch fanden, sie würden sowieso keinen Paracetamol-Sirup nehmen/kaufen, da der Ibuprofen-Sirup so viel besser ist. Das war auch nur ein Beispiel das ich hier bringe. Ich widerspreche nicht … ich empfehle den auch ab 6 Monaten Alter (vorher gibt’s halt nur Paracetamol), er wirkt entzündungshemmend, hat (etwas) weniger Nebenwirkungen, schmeckt besser. Und in der Schweiz gibt es genau eine (Eine!) Marke: Algifor Sirup (Bitte lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie ihre Apothekerin). Der kostet frei-verkäuflich etwa 12 Franken für 200ml, was ich dafür auch sehr günstig finde.

Es geht im Grunde immer darum, was etwas einem Wert ist. Mir ist ein Mittel, das mich von meiner Migräne-Attacke befreit sehr viel mehr wert als ein Kaffee. Und dabei brauche ich das noch weniger – wenn ich den Preis (kumuliert) von 1 Tasse Kaffee pro Tag vergleiche mit den vielleicht 3 Packungen Schmerzmittel pro Jahr … aber so weit denken die meisten Leute nicht.

Die Leute schreien immer wegen der Medikamentenpreise (ja, auch hier in den Kommentaren), hauptsächlich mit Argumenten wie: in XY ist es viel günstiger, da bekomme ich 20 Tabletten für unter einem Euro … Dabei vergessen sie oft was da dahintersteckt. Der Wirkstoff, die Herstellung, die Verpackung, Transport, Lagerung Verkauf durch Fachpersonal (mit Paracetamol kann man sich wunderbar umbringen, auch unbeabsichtigt, das geht schneller als man denkt … sollte das wirklich im Discounter im Regal stehen??) …. da kann man nicht mit dem Preis immer nach unten, irgendwann bringt selbst das Einkaufen des Wirkstoffes beim Billigst-Anbieter in Asien und das Auslagern aller Arbeitsschritte in den fernen Osten nicht mehr die nötige Ersparnis, dass sich der Vertrieb noch lohnt.

Und dann?

Bestellen wir dann alles im Internet oder kaufen es in den Ferien ein … und hoffen, dass es keine Fälschung ist?

Wieviel darf ein Medikament kosten?

Ich möchte gerne, dass sich jeder von Euch dieses Medikament hier ansieht und sich überlegt, was das ihm wert ist – praktisch so, wie auf einem afrikanischen Basar: Was bist Du bereit dafür zu zahlen?:
dafalgan

Vielleicht noch ein paar Informationen dazu: Das ist ein Sirup, aromatisiert, 90 ml Inhalt in einer Glasflasche, es enthält den Wirkstoff Paracetamol, den man gegen Schmerzen und Fieber einsetzt. Zur korrekten und einfachen Dosierung gibt es dazu ein Mess-löffel aus Plastik, das graduiert ist nach dem Körpergewicht des Kindes. Packungsbeilage (wie bei uns üblich) in drei Sprachen (D,F,I) gibt es dazu sowie eine farbige Umverpackung.

Ein 4-jähriges Kind lässt sich damit bei ausnützen der Maximaldosierung 3 Tage lang behandeln, wenn man weniger benötigt, entsprechend länger. Eine Erkältung (oder bei jüngeren früher eine schwierige Zahnungsphase oder bei älteren Kopfschmerzen) ist damit abgedeckt.

Also (ohne zu googeln – wieviel wäre Euch so ein Mittel wert?

(Antwort in den Kommentaren in Euro oder Franken … kommt ja jetzt fast auf das gleiche raus … ich werde dann später sagen, was es kostet.)

Patent übernehmen und Preise erhöhen

Ein Interessanter Artikel ist mir im Wall Street Journal aufgefallen. Das hört sich ja gut an, aber: Nein, das lese ich nicht regelmässig, aber via andere Blogs und Suchen im Internet stolperte ich über derartiges:

Darin geht es über Pharmafirmen, die die Preise für Medikamente erhöhen, nachdem sie das Patent dafür von einer anderen Firma übernommen haben.

Speziell dieses Bild (Ausschnitt unten) ist mir aufgefallen, weil ich das Medikament von hier kenne. Es zeigt die Preisentwicklung zwischen 2013 und 2015 von Vimovo:

vimovopreis

1678$ – für 60 Tabletten Vimovo.

Man mag ja über die Preise der Medikamente hierzulande schimpfen, aber … wenn ich mir die Preisgebung in den USA ansehe, dann finde ich es hier gerade wieder gut.

Bei uns hat der Gesetzgeber via Gesundheitssystem die Möglichkeit die Preise in gewissem Rahmen festzulegen. Dabei orientiert er sich an den Gegebenheiten in den Nachbarländern mit ähnlichem System.

In den USA können die Pharmafirmen die Preise ohne diese Einflussnahme selber festlegen. Sie machen das dann auch.

Vielleicht noch ein paar Grundlagen zum Amerikanischen Gesundheitssystem. Ursprünglich gibt es dort keine Pflicht, eine Krankenversicherung zu haben – inzwischen gibt es das zwar … allerdings mit enorm vielen Ausnahmen. Die Versicherungen haben auch viel mehr Handlungsspielraum. Es gibt je nach Krankenkasse Listen, was und wieviel bezahlt wird, teils darf man die Medikamente nur von bestimmten Leistungserbringern beziehen (Apothekenkette, Postversand), dann hat man immer einen Teil des Medikamentes, den man in der Apotheke gleich selber bezahlen muss (der ist unterschiedlich hoch, je nach Medikament und Versicherung und teilweise auch nach bereits bezogenen Leistungen). Die günstigen Versicherungen scheinen sehr wenig zu zahlen – und die teuren kann sich nur leisten, wer schon Geld hat.

Jedenfalls: Ein Medikament hat dann oft nicht einen Preis, der mehr oder weniger bleibt, sondern es kann sehr unterschiedlich kosten. Der Preis wird an die Begebenheiten angepasst.

Neue Medikamente kosten, bis die Generika kommen grundsätzlich mehr – das ist auch bei uns so. Damit werden auch die Forschungskosten wieder eingeholt.

Dann kann es sein, dass ein Medikament– altbewährt – erst mal sehr günstig wird, weil es verschiedene Generikaanbieter gibt, die miteinander in Konkurrenz stehen. Dann „sterben“ die Generika aus (weil sie neue Studien hätten liefern müssen / oder andere, weil das Produkt inzwischen so günstig ist, dass sich die Herstellung und Vertrieb nicht mehr lohnen) .. und wenn es nur noch einen Hersteller gibt, nutzt der sein Monopol aus um den Preis zu steigern –um ein paar hundert Prozent.

Beispiel nachzulesen hier: die Colchizin Story   Oder hier: Medikamentenpreise- Preisgestaltungsunterschiede.

Das ist Kapitalismus: Angebot und Nachfrage. Die Preissteigerungen betreffen auch andere ältere Original-Medikamente.

Seit 2008 schreibt das Wall Street Journal in dem Artikel, stiegen die Preise für Originalmedikamente so um 127% an, während der Consumer Price Index nur um 11% anstieg.

Für die Firmen sind solche Preissteigerungen eine Möglichkeit leicht Geld herein zu bekommen, ohne Jahre teurer und riskanter Forschung um eventuell ein neues Medikament zu finden.

Aber zurück zum Vimovo:

Das Vimovo ist ein Mittel gegen Schmerzen. Es ist nicht ein neuer Wirkstoff: es enthält Naproxen (wie Aleve oder in Deutschland das Dolormin für Frauen) und dazu Esomeprazol. Das heisst: Die Innovation dieses Medikamentes war es, Schmerzmittel grad mit dem Magenschutz zu kombinieren. Statt die Tabletten separat nehmen zu müssen.

Bei uns ist das für 60 Tabletten etwa 45 Franken wert.

In den USA hatte dieses „Originalmedikament“ 2013 noch einen Wert von 200$ für die 60 Tabletten. Dann hat Horizon Pharma das Patent dafür von Astra Zeneka aufgekauft und den Preis gesteigert auf …1’678$ für die 60 Tabletten.

2013 haben sie damit 20 Mio$ verdient. Dank der Preiserhöhung wurde das 2014 auf 163 Mio$ erhöht … obwohl es da weniger verschrieben wurde.

Es mag ja sein, dass ein Grossteil dieser Preisdifferenz die Versicherungen schlucken mussten … aber das hat dann irgendwann auch Auswirkungen auf die Prämien … oder was die Versicherungen noch daran zahlen.

In dem speziellen Fall wäre ich glatt dafür, dass das nicht mehr übernommen würde und die Ärzte die Wirkstoffe wieder getrennt aufschreiben.

Es dürfte allerdings schwer sein, so etwas grundsätzlich dort einzuführen – wegen der ständig wechselnden Kosten der Medikamente, können die Ärzte das kaum vor dem Verschreiben nachschauen … und die Apotheke muss das dann irgendwie richten. Und für manche Medikamente gibt es keine solche Ausweichmöglichkeiten.

Ich finde so etwas echt der Wahn. Natürlich: Medikamente haben ihren Preis – sie müssen entwickelt werden, die Forschung ist teuer, die Herstellung der Wirkstoffe und der Arzneiformen ist nicht gratis, vor allem wenn sie gewissen Qualitätsanforderungen entsprechen soll. Unterhalb einem bestimmten Preis kann es gut sein, dass sich das irgendwann nicht mehr rechnet – dann verschwinden auch wirksame Medikamente auf einmal vom Markt. Aber das oben … das ist ärgerlich und regt mich auf. Das ist wirklich nur Profitgier – oder?

Prozentual

Die fein angezogene Kundin streckt mir bei ihrem Kosmetikeinkauf die Kreditkarte entgegen und sagt: „Mein Mann ist Arzt, bekomme ich hier bei ihnen auch 10 Prozent?“

„Mit dem Arztausweis, Ja.“ – sage ich.

Frau: „Aber in der XY Apotheke in (Ort in der Nähe) bekomme ich das immer!“

Pharmama: „Ja – das mag gut sein, wenn die dort ihren Mann und Sie kennen. Wir geben auch 10% an Ärzte, aber dafür müssten Sie mir zumindest beim ersten Mal den Ausweis ihres Mannes auch mitnehmen.“

Meint sie: „Na gut, dann komme ich einfach nicht mehr zu ihnen, wenn ich das jetzt nicht bekomme.“

Ach, wie ich so „Drohungen“ liebe. Eigentlich festigt das nur meine Entscheidung da nicht nach zu geben.

Aber mal ernsthaft: erstens ist das Goodwill von uns Apotheken (und manchen Drogerien), wenn wir den Ärzten 10% geben. Es ist ja nicht so, als ob ich umgekehrt zum Arzt gehen kann und dort Prozente bekomme, nur weil ich Apothekerin bin (weder für die Behandlung noch für seine abgegebenen Medikamente). Und zweitens – für Medikamente kann man noch diskutieren, dass das Sinn macht – die Frau hat aber rein Kosmetik eingekauft. … und hatte nur eine Karte mit einem Namen drauf und ihre Behauptung.

Ich meine – es gibt sicher einen Arzt in der Schweiz auch mit meinem Nachnahmen, da könnte ich auch behaupten, das wäre mein Mann.

Und mein Mann ist Handwerker – er bekommt in den Geschäften, wo er seine Ersatzteile herbekommt auch Prozente. Meinen Sie, ich würde die auch bekommen, wenn ich dort einfach auftauche und sage: mein Mann ist Handwerker und bekommt hier Prozente, ich dann auch …?

Das könnte man noch viel weiter führen, wenn das klappt …

Eurogewinne in der Apotheke? Was? Wo?

Der Mindestkurs wurde aufgehoben. Der Franken ist unglaublich stark. Für den Laien hört sich das tatsächlich nach einer guten Sache an … bekommt er doch mehr für sein Geld . Naja, zumindest, wenn er im Ausland einkauft – der Wirtschaft im Lande selber tut das nicht speziell gut – wie ich hier sozusagen im Logenplatz mitbekomme.

Anscheinend bekommt der schweizerische Apothekerverein jetzt Anfragen, weshalb die Apotheken die „Eurogewinne“ denn nicht weitergeben.

Was für Gewinne?

Ich möchte hier kurz die Situation der Apotheken in der Schweiz überreissen, in vielleicht etwas einfacheren Worten (und nicht so schönen) wie der Apothekerverein.

Eine Apotheke ist Teil des Gesundheitssystems, untersteht einer Menge Gesetzen, Regulierungen und Vorschriften, bekommt aber kein Geld vom Staat. Sie fällt unter normale Kaufmännische Unternehmen und muss im wirtschaftlichen Umfeld überleben können.

Vom Betriebsaufwand einer Apotheke fallen 2/3 unter Warenaufwand (lies: in einer Apotheke hauptsächlich Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel etc.)

Die Apotheke darf nur in der Schweiz zugelassene Medikamente anbieten.

Sie bezieht alle Medikamente in der Schweiz. (Keine Reimporte erlaubt).

Die Preise für von der Krankenkasse übernommene Medikamente sind vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegt (in der Spezialitätenliste SL nachsehbar). Diese werden an den Eurokurs angepasst – aber nicht wöchentlich.

OTC Medikamente und andere Ware – also solche, die vom Patienten selber bezahlt werden, beziehen Apotheken von einem Grossisten in der Schweiz – der hat sie vom Hersteller.

Momentan sind Preisreduktionen der Industrie (Hersteller) aufgrund Wechselkursgewinne nicht vorhanden. (Stand 30.1.15)

Momentan ist es auch so, dass die Schweizer Grossverteiler nur einige wenige Produkte zum Aktionspreis anbieten – womit sie sich zwar Kritik entziehen, aber diese Aktionen sind nicht mehr als zu anderen Zeiten.

Wenn die Apotheke Rabatte bekommt vom Grossverteiler oder Hersteller, gibt sie die auch gerne an die Kunden weiter.

 

Viel Luft ist aber nicht mehr drin bei den Apotheken. In den letzten Jahren hatten wir 3 verordnete Preissenkungsrunden bei den SL-Medikamenten. Aktuell beträgt die Preisdifferenz zu den Vergleichsländern +/- 5%. Jede 3. Apotheke in der Schweiz ist jetzt schon in der Existenz gefährdet. Preissenkungen um weitere 20% können nur durch tiefere Personalkosten (lies: Stellenabbau) aufgefangen werden, da Mieten, Versicherung und Infrastrukturkosten nicht sinken.

 

Wir hier in den Apotheken bieten mit guter Infrastruktur, die stetig angepasst wird und qualifiziertem Personal, das immer weitergebildet wird hochstehende Dienstleistungen an. Wir verkaufen nicht nur die Medikamente, auch wenn wir kaufmännische Unternehmen sind. Und ich werde alles tun, damit das auch weiterhin so bleibt.

 

Liebe Leute – mich nervt das auch, dass manches in der Schweiz soviel teurer ist als in Deutschland (Ja – ich schau Dich an, Weleda, aber nicht nur!). Aber ich habe hier nicht viel Wahl.

Kurz: Preissenkungen bei den Apotheken können nur erfolgen, wenn gleichzeitig die Einkaufspreise sinken – was bis dato nicht erfolgt ist.

Schreck-lich

Heute mal aus der Rubrik: Wie erziehe ich mein Kind?

Eine Mutter mit sehr jung aussehendem Teenager in der Apotheke: „Können Sie mir rasch helfen?“

„Mein Sohn will wissen, was eine Baby-Ausstattung so kostet.“

(Er sieht nicht so aus …)

„Könnten Sie uns mal zeigen, wie das mit dem Essen und den Windeln aussieht für … sagen wir eine Woche?“

Ich bin etwas überrascht, kann mir aber denken, wo das hinführt.

Ich zeige ihm also die Milchen und rechne grob durch, wieviel das so macht in einem Tag, in einer Woche … dann wenn die Breie dazukommen … dann natürlich die Windeln. „So ein Pack kostet … und hat X Stück drin. Pro Tag wechselt man bei einem Baby zwischen 4 und 10 x die Windeln, sagen wir durchschnittlich 6 x, dann hält das …“

(Taschenrechner sind was schönes, möchte ich hier anmerken)

„Und dabei wären wir noch nicht mal bei der Kleidung oder wenn man etwas an Medikamenten braucht, Arztbesuche und Krankenkasse …“

Der Sohn hat vorher schon nicht sehr glücklich ausgesehen, bei der Liste wird sein Gesicht immer länger …

zur Mama:  „Ich hab’s begriffen… können wir jetzt bitte gehen?“

Die Mutter: „Noch nicht. Können Sie uns helfen, einen Schwangerschaftstest auszusuchen?“

Das war sicher …. eindrücklich. Ich hoffe, es ist bei dem Schreck geblieben.

Lieber Zahnarzt: Bitte nicht.

Kundin bestellt bei uns eine spezial-Zahnpasta. Die braucht tatsächlich ein Rezept, muss aber (wie eigentlich alles auf Zahnarztrezept in der Schweiz) bezahlt werden.

Das Ding ist nicht exorbitant teuer.

Pharmama: „Das macht 9 Franken 50.“

Kundin: „Mein Zahnarzt hat gesagt es kostet 8 Franken.“

Pharmama: „Es kostet 9.50.“

Kundin: „Oookay. 9.50.“

Sie knübelt das Geld aus dem Portemonnaie und zahlt. Leicht widerwillig.

Lieber Zahnarzt. Das Ding kostet mich im Einkauf schon etwas über CHF 7.50.-. Bitte sieh‘ davon ab, dem Kunden irgendwelche Preise zu sagen. Die sind bei Sachen, die sowieso nicht von der Krankenkasse bezahlt werden Marktabhängig … und Du weckst Erwartungen beim Kunden, die wir dann enttäuschen müssen. Ich geh‘ ja auch nicht hin und sag der Kundin: „Oh, ein Loch flicken im Backenzahn – das kostet Sie nicht mehr als … Franken beim Zahnarzt.“

Also: Bitte nicht.

Preisdiskussionen (mal wieder)

Der erste Kunde kauft ein Schmerzmittel.

 

Pharmama: „Die sind 5 Franken 90.“

Kunde: „5 Franken 90?!? Das letzte Mal war das noch 5.70! Ich schwöre, alle Preise steigen hier. Ständig!“

Ja, das war mal 5.70 – vor etwa 3 Jahren. Schön, dass sie das nicht so häufig brauchen. Und: es gäbe noch Generika (will er nicht).

 

Der nächste Kunde kauft 2 Produkte. Schmerzmittel und Nasenspray, beides Generika.

Pharmama: „Das macht 12 Franken 30.“

Kunde 2: „Oh, so günstig? Erstaunlich!“

Zumindest das Preisempfinden kann sehr relativ sein …

Von Banken und Bussen

Der Termin mit dem Bankangestellten ist vorüber. Danke an alle für’s Daumendrücken.

Wie ist es gelaufen? Okay, würde ich sagen. Einfach war es nicht. Fast abgestellt hat es mir, als er mir vorgerechnet hat, dass ich, um mir das leisten zu können im Jahr etwa 135’000 Franken verdienen müsste. (!!)

Das mache ich nicht. Das mache ich nicht mal, wenn wir das Einkommen meines (selbständigen) Mannes dazuzählen. (Das mal an diejenigen, die denken, als Apotheker verdient man ja sooo gut). Also ging es zum nächsten Schritt: Sicherheiten und Ersparnisse. Mit dem war es dann genug, so dass wir gute Chancen haben, dass auch der Chef der Bank – der das noch absegnen muss – zusagt.

Interessant fand ich dann noch die zwei Blätter, die ich unterschreiben musste betreffend FATCA. Nein, ich bin weder amerikanischer Bürger, besitze keinen amerikanischen Pass, auch keine Greencard, habe in den letzten 2 Jahren nicht mehr als 100 Tage in den USA verbracht …  der Banker war direkt erleichtert, dass das alles nicht der Fall war – denn ansonsten wäre das mit der Hypothek auch flach gefallen.

Worum geht das? Mit dem FATCA („Foreign Account Tax Compliance Act“) verpflichten die USA ausländische Banken dazu, Konten von US-Kunden ihren Steuerbehörden zu melden. Denn die sollen in den USA Steuern zahlen.

Das ist noch gemein, denn manche hier wissen offenbar gar nicht, dass sie „US-Kunden“ sind. Zum Beispiel manch Angestellter einer amerikanischen Firma – so wie Johnson &Johnson. Die haben einen amerikanischen Arbeitsvertrag und bekommen Aktien der Firma … und damit werden sie auch in Amerika steuerpflichtig(!) Und wenn sie das nicht zahlen bekommt die Bank bei der sie sind auch Probleme – und das versuchen die (vor allem nach den hohen Strafen in den letzten Jahren) zu vermeiden. Darum dürften diese Kunden auch jetzt ziemlich Probleme haben eine Hypothek zu bekommen …

Wow.

Fast dasselbe!

Die Patientin mit einer Krankenkasse, bei der sie gleich in der Apotheke bezahlen muss und der ich das Generikum empfohlen habe:

"Das Generikum kostet 64 Franken? Das ist ja fast dasselbe, was ich für das Original bezahlt habe."

Na ja, es gibt heute Medikamente, wo der Preis vom Original so heruntergekommen … aber bei dem hier glaube ich das eigentlich nicht.

Ich schaue nach. Das Original kostet 105 Franken.

"Sehen Sie?" Sagt die Patientin: "Fast dasselbe!"

Wenn Sie meinen …

Preissensitivität

Die Preise bleiben ein Thema (oder werden es immer mehr?)

Samstag hatte ich diverse, die sich beklagt haben – wobei 2 speziell heraus stachen: Da war die ältere Frau, die einen neuen Parapic Roller wollte – der alte, den sie mitgebracht hat, war leer. Der neue kostete 1 Franken und 20 Rappen mehr als auf dem alten angeschrieben – was sie in lautes Lamentieren über die Preise ausbrechen liess … jedenfalls bis zu dem Moment, wo ich ihr mit einem Blick auf ihren alten Stift gesagt habe, dass ich persönlich eine Preissteigerung von etwas über einem Franken während der letzten mindesten 15 Jahre seit sie diesen Stift erworben hat NICHT als so enorm empfinde. Speziell nicht, weil der ja auch wirklich lange zu halten scheint ….

Wieso ich wusste, dass der Stift so alt ist? Er hatte kein Verfalldatum drauf – und das IKS-Listen-Symbol war noch die Vor-letzte Version. Ur-alt.

Nummer zwei liess eine Chemikalie nachfüllen – da war der Preisunterschied mehr – etwa 5 Franken auf den Liter, den er wollte. Allerdings hatte er seine Flasche wohl das letzte Mal vor der Einführung derVOC-Abgabe auf Lösungsmittel 2000 auf-füllen lassen, worauf ich ihn auch aufmerksam machte …

Ja, ich weiss, ich sollte nicht. Preisdiskussionen bringen rein gar nichts. Ausserdem (so die Theorie) wissen die meisten Leute bei Medikamenten (im Vergleich zu Alltagsdingen wie Brot oder Milch oder …) nicht, wie viel etwas wirklich kostet.

Aber es gibt Ausnahmen.

"Sie sind Apothekerin?"

Pharmama: "Ja."

der Mann, der mich angesprochen hat: "Ich hätte da eine Frage – wegen Sortis."

Pharmama: "Ja?" aufmunterndes Lächeln …

Mann: "Also, ich habe immer (zieht Zettel aus dem Portemonnaie) 221 Franken dafür bezahlt."

Pharmama: "Ja."

Mann: "Ausser beim letzten Mal, da waren es nur noch 170 Franken.

Und jetzt … habe ich bei meinem Freund etwas gesehen – er sagte, das sei sein Sortis – und das hat nur noch 80 Franken gekostet."

Pharmama: "Ja."

Mann: "Wieso?"

Pharmama: "Wieso es günstiger geworden ist?"

Mann: "Ja. Habe ich zuviel bezahlt?"

Pharmama: "Nein – solange das Sortis noch in der Patentzeit war, war es so teuer, wie sie geschrieben haben. Etwas über 200 Franken.

Jetzt ist die Patentierung aber abgelaufen und es kommen die Nachfolgepräparate – die sogenannten Generika. Sortis hat deshalb die Preise gesenkt … auch als Anreiz für die Kunden, beim Sortis zu bleiben.

Die Generika sind aber trotzdem noch einiges günstiger. Sie heissen einfach anders."

Mann: "Ah.

… Und was muss ich machen, damit ich diese bekomme? Soll der Arzt mir ein neues Rezept verschreiben?"

Pharmama: "Nein, sie können das in der Apotheke in der sie das Sortis-Rezept haben einfach anmelden. Die können das gegen das Generikum austauschen. Dafür brauchen wir den Arzt nicht."

Mann: "Und was ist mit der Krankenkasse?"

Pharmama: "Die werden sehr zufrieden mit ihnen sein🙂 sie werden keine Probleme machen."

Ja, der Mann war keiner unserer Patienten. Wir weisen die Leute im Normalfall auf die Generika hin bei der Abgabe.

 

%d Bloggern gefällt das: