Er hat ‚was‘ gesagt?

„Ich hatte ihn nicht mal selber am Telefon, nur die Praxisassistentin. Aber er hat ausrichten lassen, dass wir ‚ihr geben können, was wir wollten oder soviel sie will – er, also der Arzt – habe keine Möglichkeit, da einzuschränken’.“

Das gibt’s ja nicht.

Anlass von dem kleinen Gespräch bei der Übergabe zwischen meiner Apotheker-Kollegin und mir war ein Problem, das wir mit einer Patientin haben. Die Patientin ist bekannt abhängig. Sie hat auf Dauerrezept Benzodiazepine verordnet (Temesta in dem Fall). Wie das so bei manchen Daueranwendern passiert, hat sie dann irgendwann einmal angefangen mehr zu nehmen …. bis wir ein erstes Mal eingegriffen haben um nachzufragen, ob da eine Limitation möglich wäre. Der Arzt war damit einverstanden und so hat die Patientin, Frau Zzz „nur“ noch 3 Packungen Temesta zu 50 Stück pro Monat bekommen. Das ging … mal besser, mal schlechter über ein Jahr gut, dann fing sie an erst uns und dann den Arzt zu drangsalsieren, weil das nicht reichte. Sie hat sich „Extrapackungen“ aufschreiben zu lassen – das musste via Arzt laufen gemäss unserer Abmachung, da wir sonst keine Ausnahmen dafür erlaubten. Der Arzt schrieb die Packungen dann auch meistens auf. Ich bin sicher, er hat ziemlich Druck bekommen von der Patientin. Das Problem ist einfach, dass derartig häufige (etwa 1 x monatliche) Ausnahmen die Abmachung untergraben.

Das nächste Problem tauchte auf, als der selbe Arzt zusätzlich zu den Temesta auch noch Seresta (ebenfalls ein Benzodiazepin) aufschrieb. Ebenfalls als Dauerrezept. Ohne Angabe der Dosierung ausser „bei Bedarf“.

Man kann sich vorstellen, dass die Patientin das dann auch prompt nutzte – oder ich sollte schreiben ausnutzte. Aber nach der 2. Packung (zu 50 Stück) zusätzlich zu den 3×50 Temesta im ersten Monat, da haben wir dem Arzt wieder angerufen, um das abzuklären.

Es macht wenig Sinn gleich 2 Benzodiazepine gleichzeitig zu verordnen. Tatsächlich war mir das nicht ganz geheuer aber eine Internet- und Literaturrecherche brachte auch nur das Ergebnis, dass das nicht gute Praxis ist und die Gefahr der Nebenwirkungen erheblich erhöht ohne eine Bessere Wirkung zu zeigen.

Also haben wir in der Praxis angefragt, ob es da nicht Sinn mache – falls das Seresta wirklich nötig ist, da nicht auch eine Limitation einzuführen.

Und darauf kam dann obige Antwort.

Nicht mal vom Arzt selber, von der Praxisassistentin. Offenbar war es nicht wichtig genug direkt mit der Apothekerin zu reden.

Umm … das kann ich so nicht stehen lassen.

Was die Patientin da macht ist nicht nur Missbrauch – sie gefährdet akut ihre Gesundheit damit … und das kann nur schlimmer werden. Damit will ich nichts zu tun haben – das ist nicht das, was ich als meine Arbeit will. Das widerspricht meinem Verantwortungsgefühl für die Gesundheit meiner Patienten und meinem Berufsverständnis. Ich bin echt nicht nur einfach der Tablettendispenser.

Im übrigen finde ich das Verhalten vom Arzt unverantwortlich. Wirklich. Ich vermute, er hat bei dieser Patientin etwas resigniert. Sie setzt ihn (wie uns auch) ziemlich unter Druck mit Forderungen  (ich brauche mehr Packungen, ich habe eine akute Krise! Mir geht’s gar nicht gut.), mit Drohungen (ich wechsle den Arzt! Und die Apotheke!) und überhaupt mit stetigen Anrufen – denn in der Praxis selber war sie schon eine Zeitlang nicht mehr.

Also habe ich mich hingesetzt und einen Brief geschrieben. An den Arzt. Einerseits, weil ich schriftlich sowieso besser bin als am Telefon. Andererseits als Dokumentation. Wenn etwas passiert will ich das festgehalten haben auf Papier.

Darin schrieb ich dem Arzt von meinen Bedenken bei der Kombination von 2 Benzodiazepinen. Dass Frau Zzzz das als Anlass genommen hat, ihre Einnahme wieder unkontrolliert zu steigern. Dass die Verordnung „Nach Bedarf“ in dem Fall unsere Vorgaben unterwandert mit denen wir sie doch schon einmal unter Kontrolle bringen konnten, so dass sie regelmässig hat, aber nicht steigert. Dass das schon einmal funktioniert hat und auch wieder kann –aber nur, wenn wir zusammenarbeiten.

Dass seine Antwort (via Praxisassistentin) am Telefon gegenüber meiner Apothekerin so nicht annehmbar ist.

Und dass ich von ihm erwarte, dass er mir klare Vorgaben gibt, wie er das mit den Benzodiazepinen handhaben will – und dass ich, wenn ich die nicht bekomme die Patientin bei uns in der Apotheke ablehnen würde, weil ich eine Weiterbehandlung unter den Voraussetzungen nicht verantworten könne.

Ja – nicht so nett, ich weiss. Aber ich war der Meinung, die Angelegenheit bedarf deutlicher Worte.

Nur einen Tag später habe ich in meinem Brieffach in der Apotheke die Mitteilung, dass der Arzt angerufen habe und spezifisch mit mir reden wolle. Er rufe später nochmals an.

Das hat er.

Und … er hat sich am Telefon für sein Verhalten entschuldigt.

Oh!?!

„Ich muss mich entschuldigen für mein Verhalten. Das war wirklich nicht professionell“

Langes Telefon, kurzer Sinn – wir haben wieder eine feste Abmachung und Vorgaben. An die wir uns beide (Arzt und Apotheker) halten werden. Das wird Diskussionen mit der Patientin geben – aber solange wir beide am selben Strang ziehen ist das durchsetzbar.

Find ich toll! Ich bin nicht gerne die unangenehme Apothekerin, und ich verstehe die Ärzte auch: die haben’s mit so Patienten auch nicht leicht. Trotzdem bin ich nicht bereit hier das Problem auf meine Seite abschaufeln zu lassen.

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 29/01/2016 in Apotheke und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 38 Kommentare.

  1. Pflegefachmann

    Die Hilflosigkeit der Hausärzte dürfen dann wir in der Akutpsychiatrie ausbaden. Da darf dann im Extremfall schon mal die Äquvalenz von 500 mg Valium in mühsamen kleinen Schritten abgebaut werden.

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    • Ich denke mal, dass das nicht ganz fair gegenüber den Hausärzten ist: die müssen sich mit allen möglichen und unmöglichen Krankheiten/Patienten (m/w) herum“schlagen“.

      Liebe Pharmama, ich bewundere Deine Geduld und Zähigkeit, aber das gehört wohl auch zu Deinem Job😉.
      Ich habe auch ein paar Erfahrungen mit Süchtigen „in meiner Umgebung“ und weiss, wieviele Windmühlenflügel da bekämpft werden „wollen“😦

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    • 500 mg Valium?! Ach du meine Güte! Ein verschreibender Arzt, der es so weit kommen lässt, muss ja wirklich resigniert haben.
      Ich bin entsetzt!

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    • 500mg Valium??!? – ich finde es immer wieder erstaunlich: 1. wie gross der Gewöhnungseffekt bei Benzos ist und 2. wie robust manche Leute doch sind, dass das gesundheitlich bis dann vertragen wurde.

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  2. Super! so soll das laufen. Und auch eine gute Reaktion des Arztes.
    Schlaftabletten sind ein Geschenk, in der richtigen Situation, aber die Gefahr, die von Ihnen ausgeht nicht ohne.
    Ich hatte erst gestern eine Patientin, die Zolpidem auf Rezept hatte und als ich ihr sagt „Nur kurzfristig, denn sonst machende abhängig “ war die erste Reaktion: Ja, aber was soll ich denn machen, wenn ich nicht schlafen kann? Sie hätte jetzt eine Schachtel mit 20Stück genommen und ob es da nicht größere Menge gäbe.
    Daraufhin haben wir über ihr Schlafverhalten, Schlafdauer etc, geredet und es stellt sich raus, sie kann schlafen fast sechs bis sieben Stunden, wacht hat nachts öfter auf, weil sie auf Toilette muß. Es stelle sich heraus, saß sie eher eine innere Unruhe hat, für die Ich ihr dann ein homöopathisches Mittel (bitte nicht schlagen! Aber in meiner Erfahrung hat das immer gut bei leichter Unruhe geholfen) empfahl, das sie nehmen soll und die Zolpidem nur für den Notfall. Aber die Gute hätte ohne Nachdenken für die Zukunft immer Schlaftabletten geschluckt….

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    • Glückwunsch. Jetzt haben wir mal wieder jemanden rumlaufen, der im Brustton der Überzeugung sagt „Homöopathie hilft. Das hat mir sogar eine Apothekerin gesagt, und die weiß es ja wohl besser als Du!“
      Placebo ist eine Sache. Aber warum muss man als Fachmann dafür eine der größten Betrügereien der letzten zwei Jahrhunderte legitimieren? Oder glaubst Du WIRKLICH, dass da eine Wirkung jenseits von Placebo besteht?

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      • Caron,

        so wie ich das sehe, hilft ein Placebo in so einem Fall eben besser als eine Schlaftablette. Die Situation mit der Homöopathie ist zugegeben seltsam: ich kann mir vorstellen, dass man wegen Betrug verklagt werden könnte, wenn man eine nachweislich wirkstofffreie Tablette abgibt. Bei Homöopathika oder verwandten Naturheilmitteln scheint das aber erlaubt zu sein.

        Ich kann mir in der Praxis nicht vorstellen, dass Apotheker extra für solche Fälle grün (gelb, rot …) eingefärbte Tabletten in entsprechender Verpackung und angepasster Packungsbeilage rumliegen haben, in denen kein Wirkstoff ist. Warum auch – gibt doch regaleweise Zuckerpillen, die all das schon leisten.

        Was wäre denn deine praktische Lösung in diesem Fall?

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        • Es gibt P-Tabletten z.B. von Winthrop, ich habe auch schon Zuckerglobuli (also quasi Placebo-Placebo..) verkauft, als explizit „irgendwelche Globuli“ verlangt wurden für ein Kind mit Prüfungsangst – da kann ich mir gut vorstellen, dass es geholfen hat.

          In dem von dir geschilderten Fall hätte ich wohl die verantwortungsvolle Einnahme von Schlaftabletten erklärt, ohne Panik zu schüren – manchmal reicht der Placebo-Effekt eben nicht aus und man braucht doch was „härteres“. Auch Benzodiazepine und Analoga sind kein Teufelszeug, wenn man sie verantwortungsvoll einsetzt und nicht täglich nimmt… Ggf. noch auf Entspannungstechniken, Schlafhygiene etc. hinweisen (da gibt es ja viel, was man tun kann, komplett ohne zu Tabletten zu greifen!). Aber Patienten komplett von einem verordneten Medikament abraten, finde ich nur in den seltensten Fällen sinnvoll. Wobei bei der Patientin wohl eher sinnvoll wäre, an der inneren Unruhe zu arbeiten und evtl. auch am nachts-oft-raus-Müssen (was mich zur Frage gebracht hätte, ob da zB. entwässernde Medikamente nicht korrekt eingenommen werden – wie oft nehmen die PatientInnen die auf Arztanraten nachts.)

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          • Nur mal zur Klarstellung, ich habe die Schlafhygiene geklärt, Zolpidem als „Notnagel“ empfohlen, keine Panik verbreitet, sondern nur klar gemacht, daß es nicht so gedacht ist, diese Tabletten TÄGLICH! einzunehmen – was die Patientin tun wollte! Das Raus-Müssen wurde selbstverständlich auch geklärt – aber das mit den Diuretikum ist noch ein guter Tipp. Trifft hier aber nicht zu.
            Ansonsten gestatte ich mir über manche Homöopathika einfach mal anderer Meinung zu sein – ich respektiere, wenn jemand gar nichts davon hält.

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        • Deswegen sage ich ja auch nichts gegen Placebo. Das Problem ist nicht, dass sie Tabletten ohne Wirkstoff verkauft hat. das Problem ist, dass sie – direkt oder indirekt – gesagt hat, dass das homöopathische Prinzip wirksam ist. Das ist aber absoluter Unsinn.
          Einem Fachmann, der sowas empfiehlt, gehört die Lizenz entzogen. Entweder, weil er Leute sehenden Auges in das Lager der Betrüger schickt, die skrupellos terminal Kranke um Geld und Therapie bringen, oder weil er offensichtlich seine wissenschaftliche Ausbildung verschlafen hat.

          Richtig wäre, wenn Placebo zu auffällig wäre, irgendwas zu empfehlen, was vernünftigerweise in die Richtung gehen könnte. Vielleicht ein Hopfenpräparat. Oder vielleicht Vitmain D, davon kriegen die meisten gerade im Winter eh zu wenig und Mangel kann zu Schlafstörungen führen. Einem studierten Pharmazeuten wird da schon was einfallen, wenn er sein Studium nicht damit verbracht hat, Wasser und Zucker in in alle Himmelsrichtungen zu schütteln.

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          • Caron: Das geht jetzt etwas zu weit. Mal abgesehen davon sind zum Beispiel in der Schweiz Placebo Tabletten nicht erlaubt – ich bekomme auch keine mehr im Handel. Dagegen ist die Anwendung von „Pseudo-Placebos“ darunter fallen auch Homöopathika, und auch richtige Medikamente die Off-label angewendet werden erlaubt. Für „Lizenz entziehen“ besteht keinerlei Grundlage – ob sie jetzt Homöopathie empfohlen hat oder nicht. Sie wird ihr gesagt haben, was sie bekommt – und da muss man wirklich nicht bei jedem homöopathischen Produkt auch noch den Nocebo-Effekt anregen und die Empfehlung / Anwendung untergraben, indem man noch zusätzlich erwähnt, dass das unwissenschaftlich und nicht nachgewiesen ist.
            Mit der Homöopathie richtet sie hier auch wesentlich weniger Schaden an als durch die Dauermedikation der Benzos. Kein Grund sie oder die wissenschaftliche Ausbildung anzugreifen.

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          • Schade, dass Du eigentlich auf keinen meiner Punkte eingehst. Nicht die Gefahren (dazu gibt es lange medizinethische Abhandlungen), nicht die Alternative.
            Aber ok, wenn es Deiner Ethik entspricht, Leute mit harmlosen kleinigkeiten in ein Feld zu treiben, in dem aktiv gegen wirksame Präparate propagandiert wird und in den schlimmsten Fällen Krebskranken sehr viele Geld für Zucker abgenommen wird, habe ich noch eine Anregung. Empfiehl doch dem nächsten Patienten, der „nur ein bisschen Kümmern“ braucht, mal ein Audit bei Scientology. Da findet er ganz toll Leute zum reden.

            Ich bleibe dabei: Wer Zucker ohne ein Molekül Wirkstoff verkauft, hat entweder nicht einen Funken wissenschaftliche Ahnung oder Redlichkeit.

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    • Ich finde das genau richtig: man muss diese Leute am Anfang erwischen, dann gibt es auch nicht so Probleme. Leider sehe ich viel zu häufig bei uns Dauerrezepte für diese Sachen und dass der Arzt nicht wirklich etwas über die Problematik der Abhängigkeit gesagt hat … das führt dann eben im Optimalfall zu so netten Diskussionen, im Negativfall jedoch auch häufig eben zu wiederholtem Bezug und später massiven Problemen.
      Und was mache ich mit denen, die das bekommen wegen so was wie einem Tumor? Ich kann mich gut einfühlen „weshalb“ die nicht schlafen können und sich am liebsten Abends einfach „abschalten“, aber auch die kommen in die Abhängigkeitsproblematik. Und heute heisst ein Tumor ja nicht, dass sie ein aussichtsloser Fall sind und ich das als „schadet eh‘ nichts mehr“ anschauen muss.

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  3. 3×50 Temesta finde ich immer noch unfassbar viel als Monatsbedarf. Klar bekommt man so eine Patientin nicht sofort entzogen, aber für mich ist das ganz klar ein Fall, bei dem man sukkzessive weniger verordnen muss. Bei uns ist idR Schluss, wenn ein Patient die 50 Stück mehr als einmal im Monat verordnet bekommt – dann halten wir Rücksprache mit dem Arzt (oft sind es dann auch 2 verschiedene, das ist das tollste.) – und praktisch immer ist da sofort eine sehr kooperative Zusammenarbeit möglich.

    Das hat uns zwar auch schon Patienten gekostet, aber das ist es finde ich wert. Wir sind keine Dealer, sondern Fachfrauen und -männer für Arzneimittel.

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  4. „Der Arzt schrieb die Packungen dann auch meistens auf. Ich bin sicher, er hat ziemlich Druck bekommen von der Patientin.“
    auch wenn er druck bekommt- was sind wir denn hier? ein kiosk oder was? soll ich jedes mal, wenn mir jemand in der apo droht, schreit oder „töibelet“ einfach nachgeben und dem patienten den „wunsch“ erfuellen, nur damit ich ihn nicht verliere, resp. mir nicht das geklöne anhören muss?
    find ich uebrigens stark, dass der arzt seinen fehler zugab. und sehr toll von dir, dass du so hartnäckig geblieben bist….

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    • Nein, Du sollst nicht nachgeben. Eben nicht. Und der Arzt sollte für sich auch Vorgaben haben, denn wenn Du da einmal nachgibst … das wird immer schlimmer.
      Ja, ich fand’s super, dass der Arzt das eingesehen hat.

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  5. Ich hoffe natürlich, nie in eine Situation wie die Patientin zu kommen.
    Wenn doch, wünsche ich mir aber eine Apothekerin wie dich!
    Ein schönes Beispiel, warum Apotheken bzw. -pflicht wichtig ist.

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  6. Schön zu lesen, wie gut das mit dem Arzt geklappt hat. Das freut einen doch.
    Wenn ich da uns unseren einen Herrn Doktor hier denke… der meckert schon, wenn wir ihn anrufen um Wechselwirkungen abzuklären..naja
    Umso schöner, wenn man dann sowas lesen darf. Ich hoffe ihr habt dann nicht auch noch zu viel Ärger mit der Patientin. Ist schon nicht schön sowas.

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    • Es gibt Ärzte, die sind nicht sehr erfreut. Ich denke bei manchen, die müssen es wirklich lernen, dass wir Apotheker ja nicht aus Vergnügen anrufen. Und ich hatte schon manchen, der wirklich dankbar war, dass wir etwas nochmals abgeklärt haben.

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  7. Kurzer Input aus eigener Erfahrung: Bezodiazepine sind Betäubungsmittel. Gemäss Art. 3e des BetmG braucht es für die Verschreibung, Abgabe und Verabreichung von Betäubungsmitteln an betäubungsmittelabhängige Patienten eine kantonale Bewilligung. Bei der hier beschriebenen Patientin handelt es sich offensichtlich um eine Abhängigkeit. In solchen Fällen verlange ich also vom Arzt eine kantonale Bewilligung analog zur opioidgestützten Substitutionsbehandlung. Das hat schon einige Male (auch dem Arzt!) geholfen, sich gegen solche Patienten zu „wehren“.

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    • Das ist eine sehr interessante Information!
      Dürfte natürlich zu Diskussionen führen, da diese Patienten oft nicht einsehen, dass sie abhängig sind: Wie oft habe ich schon in so einem Fall gehört: „Ich bin doch nicht süchtig?!!“ … wer bestimmt, ab wann etwas als Abhängigkeit gilt? (nicht, dass ich in dem Fall denke, dass sie da nicht drunter fällt).

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      • Da kann man sich tatsächlich darüber streiten, ab wann etwas als Abhängigkeit gilt. Grundsätzlich nachvollziehbar wäre aus meiner Sicht die Haltung, dass jede Benzodiazepineinnahme, die täglich über mehr als 4 Wochen erfolgt, als abhängig gelten könnte. Aber dann bräuchte plötzlich jede Altersheimbewohnerinn eine kantonale Bewilligung…

        Gemäss DSM-IV müssen mindestens drei der folgenden Merkmale in einem Zeitraum von 12 Monaten erfüllt sein, damit man von Abhängigkeit sprechen kann:

        Toleranzentwicklung
        Entzugssymptome
        Einnahme in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt
        Wunsch oder erfolglose Versuche, den Gebrauch zu verringern oder zu kontrollieren
        Viel Zeit für Aktivitäten, um die Substanz zu beschaffen, sich zu sich zu nehmen oder sich von ihren Wirkungen zu erholen.
        Wichtige soziale berufliche oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Substanzgebrauchs aufgegeben oder eingeschränkt
        Fortgesetzter Substanzbebrauch trotz Kenntnis eines anhaltenden oder wiederkehrenden körperlichen oder psychischen Problems

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    • Den rechtlichen Aspekt finde ich auch sehr interessant, auch zum Beispiel im Hinblick auf die Verhinderung von Arzneimittelmissbrauch. In D ist gemäß Apothekenbetriebsordnung bei Arzneimittelmissbrauch explizit die Abgabe zu verweigern. Allerdings gibt es dazu keine dazu passende Strafe, man kann also „lediglich“ Probleme mit der Aufsichtbehörde bekommen.
      Bei den Benzos gibt es Flunitrazepam in Deutschland nur noch auf BtM-Rezept und für Codein gibt es den Passus „Für ausgenommene Zubereitungen, die für betäubungsmittel- oder alkoholabhängige Personen verschrieben werden, gelten jedoch die Vorschriften über das Verschreiben und die Abgabe von Betäubungsmitteln.“. Es ist zu vermuten, dass sich diese Beschränkungen ausweiten. Zu Recht wie ich finde.
      Wie sieht das denn in der Schweiz aus, besonders mit dem Thema Arzneimittelmissbrauch? Da gibt es doch bestimmt ähnliche Vorschriften so dass man sich auf dünnes Eis begibt.

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  8. Ich habe mal eine – vielleicht – blöde Frage. Mir ist gerade durch diesen Post wiedereinmal bewusst geworden, dass Ärzte und Apotheker eigentlich nie persönlich miteinander sprechen, sondern über Faxe, Briefe, den Patienten selber, die Praxisassistentin (gibt es eigentlich auch Assistenten?), selten mal direkt über Telefon. So zumindest meine Einsätzung.

    Gibt es eigentlich runde Tische in deinem Beruf, Pharmama? Also, dass sich Patient, Arzt und Apotheker sich gemeinsam zusammensetzen und ein Problem (wie obiges, also nicht jeden Schnupfen) besprechen? Findest/Fändest Du sowas sinnvoll?

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    • @Sven
      mit meinen 6 Ärzten in der unmittelbaren Umgebung bin ich im regelmäßigen Austausch, kann jederzeit mit ihnen direkt sprechen und mache das auch im Bedarfsfall.
      Mit den >3500 Restärzten in unserer Großstadt hat man logischerweise nicht so viel Kontakt.

      Aber Fälle wie der genannte kommen immer wieder vor, egal wie gut man zusammen arbeitet. Man darf den Erfindungsreichtum der Süchtigen nicht unterschätzen.

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    • Faxe oder Briefe zu solchen Problemen sind glaube ich selten. Aber am Telefondrachen bleibt man oftmals hängen. Kann ich ansatzweise verstehen, wenn der Arzt am Patienten arbeitet, aber dann sollte er z.B. zurückrufen.
      Leider gibt es immer noch Ärzte, die Apotheker als Schubladenzieher betrachten und nicht als gut ausgebildeten Heilberufler, der was Arzneimittel angeht oft mehr weiss als der Arzt. Dann stösst man auf Granit oder wird ignoriert.
      Es ist also immer von der umgebenden Ärzteschaft abhängig und der Hartnäckigkeit und dem Willen der Apotheke, sich wirklich aktiv einzubringen. Dann gibt es oftmals auch eine gute Zusammenarbeit die eigentlich Standard sein sollte.

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    • Sven: wir sprechen bei wichtigen Sachen schon miteinander, allerdings geht es dabei so gut wie immer um akute Sachen bei der Behandlung eines Patienten (Dosierungsänderung, Wechsel des Medikamentes, Abklären von Interaktionen …). So runde Tische, wie Du ansprichst gibt es gelegentlich auch: zum Beispiel in Qualitätszirkeln. Dabei werden Leitlininien festgelegt für die Behandlung im allgemeinen, dabei geht es dann nicht um spezifische Patienten. Das hat auch einen Grund:
      „Entgegen einer da und dort noch verbreiteten Meinung bedarf auch die Weitergabe von Gesundheitsdaten an Ärzte oder andere Medizinalpersonen (Physiotherapeuten, Hebammen, Apotheker etc.) der Einwilligung des Patienten. Bei der unmittelbaren Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Medizinalpersonen darf man dabei von der stillschweigenden Zustimmung des Patienten ausgehen, soweit dieser um die Zusammenarbeit weiss und soweit nur jene Angaben ausgetauscht werden, die im konkreten Fall für die Zusammenarbeit wirklich notwendig sind. „

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  9. Ich hatte da neulich auch mal einen interessanten Fall am Telefon. Eine ältere Dame hatte einen Bericht über Benzos und ihr Abhängigkeitspotienzial gesehen und sich dann mal ihre Medis genauer angeschaut. Nun wollte sie wissen, wofür eines ihrer Medis (Antidepressivum) genau wäre und ob das auch abhängig mache. Im weiteren Verlauf stellte sich dann heraus, dass sie dieses vor 20ig! Jahren wegen eines Zusammenbrucha nach Krebsdiagnose verschrieben bekam. Der Krebs war unterdessen schon längst geheilt, das Antideressiva blieb aber auf ihrem Verordnungsplan und wurde vom Hausarzt augenscheinlich ohne weiteres nachdenken immer wieder verordnet. Da war ich echt fassungslos oO

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  10. Ich möchte doch wenigstens nochmal darauf hinweisen, daß Samuel Hahnemann ein ganz wunderbarer Arzt war, der allen Reformatoren, Adam Riese und auch Kopernikus und Sauerbruch durchaus das Wasser reichen kann.
    Er hat sich u.a. für Hygiene und gegen übertriebene Aderlässe eingesetzt.
    Viele Grüße,
    Maja

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    • Ich möchte doch wenigstens nochmal darauf hinweisen, daß Johann Wolfgang Goethe ein ganz wunderbarer Dichter war, der allen Bibelautoren, Friedrich Schiller und auch Shakespeare und Dürrenmatt durchaus das Wasser reichen kann.
      Er hat allerdings eine völlig hanebüche Farblehre für sein Hauptwerk gehalten.
      Viele Grüße,
      anna

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    • Unbestritten war Hahnemann seiner Zeit weit voraus. Er hat nach Gründen gesucht, warum Menschen krank werden. Das war zu seiner Zeit so nicht üblich. Man glaubte damals an Miasmen und Aderlässe. Nichtsdestotrotz sind seine Thesen zur Homöopathie heutzutage wissenschaftlich als falsch nachgewiesen worden und damit Quatsch.

      Ähnlich wie Anna weise ich darauf hin, dass auch Linus Pauling ein wunderbarer Chemiker war, der für seine Arbeiten zur chemischen Bindung von Atomen sogar den Nobelpreis für Chemie bekommen hat. Für seinen Einsatz gegen Atomwaffentests hat er weiterhin noch einen zweiten Nobelpreis bekommen.
      Nichtsdestotrotz sind seine Aussagen, dass man durch Zufuhr von hohen Gaben von Vitamin C Krebs vorbeugen könnte, heutzutage als falsch nachgewiesen worden und damit Quatsch. Und ähnlich wie bei der Homöopathie haben seine Aussagen Geschäftmacher dazu inspiriert, Produkte zu entwickeln, die man in der Apotheke für teuer Geld kaufen kann. Man nennt das orthomolekulare Medizin.

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  11. Blöde Frage, aber wieso weist die keiner ein?
    150 Stk. pro Monat, das macht 5mg am Tag. Bei der Dosis war ich auch mal und als meine Psychiaterin davon Wind bekommen hat, saß ich eine halbe Stunde später im Taxi in die Psychiatrie.
    Ich weiß ja nicht wie alt diese Patientin ist, aber wenn sie sich jeden Tag 5mg Temesta einwirft und dann Auto fährt… gute Nacht. Damit gefährdet sie ja auch Andere.

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    • Zumindest das: Auto fährt sie nicht (mehr). Und was das Alter betrifft … ich finde das nur bedingt ein Argument, wenn jemand sagt: die ist schon so alt, da macht man nicht mehr viel. In dem Fall ist sie etwa so alt wie meine eigene Mutter … und die (und sie) kann noch gut 20 Jahre leben.

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      • Mir geht es nicht um den Gedanken „bei der ists auch schon egal“, sondern eben ums Autofahren. Wenn die, sagen wir mal, unter 18 oder über 80 gewesen wäre, wäre ja schon rein vom Alter her davon auszugehen, dass sie nicht Auto fährt. Unabhängig davon wie alt sie ist, hinters Lenkrad gehört sie in diesem Zustand bestimmt nicht und deswegen finde ich es auch gut, dass sie nicht fährt. Man glaubt zwar immer, dass man gar nicht beeinträchtigt ist, aber die Realität sieht dann doch anders aus.

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