Das wäre fast falsch raus

rpabstand

Eigentlich schön geschrieben, aber … der Abstand …

Erklärung: Es gibt Citalopram (Seropram) und es gibt Escitalopram (Cipralex). Beides sind Mittel gegen Depressionen und Angststörungen, wobei das Escitalopram faktisch die „weiter entwickelte Form“ ist in dem Sinn, dass es nicht mehr das Racemat-Gemisch ist, sonder nur das S-Enantiomer*, das (sagt man) eigentlich für die Wirkung verantwortlich ist. Ob es auch entsprechend besser ist ist diskutabel. Teurer ist es allemal. Immer noch.

Mehr lesen darüber hier Chiralität (Rechtsdrehend, Linksdrehend, Verdrehend).

17 Kommentare zu „Das wäre fast falsch raus

  1. Da steht nicht ES, sondern €5. Es war wohl ein kürzlich zugezogener Arzt, der sich noch nicht an CHF gewöhnt hat und Du solltest jetzt Citzlopram im Gegenwert von 5 Euro rausgeben. :-)

    Like

  2. Vielleicht ein Arzt der sich noch ganz fern daran erinnern kann, dass man die Stereodeskriptoren in großen Buchstaben vor die Wirkstoffbezeichnung schreibt?
    Aus dem Handelsnamen Escitalopram und der korrekten Wirkstoffbezeichnung (S)-Citalopram hat er dann halt die Eigenkreation „ES Citalopram“ gemacht…

    Like

  3. Erinnert mich an mein Rezept (und meinen Kommentar) von neulich. Verordnung: Citalopralex 10mg 98St. – 1x 1/2.

    Wer – ohne nach meinem alten Kommentar zu suchen – findet die korrekte Interpretation? :D

    Like

    1. Das mit den Stereoisomeren?

      Falls ja: Nehmen wir ein Molekül, bei welchem vier Gruppen (R1, R2, R3 und R4) an ein Kohlenstoffatom angehängt sind.

      Das Molekül beschreibt dann ein Tetraeder – http://de.wikipedia.org/wiki/Tetraeder – und wenn du vom R1 oben an der Spitze herunterschaust auf die Basis des Tetraeders, siehst du R2, R3 und R4 im Uhrzeigersinn.

      Es existieren aber auch Moleküle, wo R2, R3 und R4 im Gegenuhrzeigersinn ans Kohlenstoffatom angehängt sind. Es ist dann das gleiche Molekül (von der Materie her), aber dennoch ein anderes Molekül – das Molekül ist somit in zwei Isomeren vorhanden.

      Von Molekülen gibt es auch Spiegelbild-Isomere. Das Spiegelbild des Wasser-Moleküls ist identisch mit dem Original. Bei anderen Molekülen ist dies nicht der Fall.

      Wenn ein materiell identisches Molekül mit verschiedenen Formen (Isomeren) mit einem Molekül reagiert, das keine Isomere kennt, spielt dies keine Rolle. Aber in der Biochemie gibt es so einige Substanzen, die ein Isomer keine Wirkung zeigen, aber als anderes Isomer wirken sie dann…

      Like

      1. Eine phanszinierende Erörterung, lieber Turtle of doom! Das war zwar nicht das, was ich nicht verstanden hatte, aber da ich das dennoch nie verstanden hatte, habe ich nun immerhin das gelernt! :-D
        Ein wirklich spannendes Thema, ich kannte bislang nur linksgedrehte Joghurtkulturen, :-D
        Wäre es nicht von geradezu schlichter Genialität, der Stein der Weisen verbörge sich hinter dem Spiegelbild eines grundbanalen Moleküls? Schwärm

        Like

        1. Das mit den linksdrehenden Joghurtkulturen trifft es wissenschaftlich exakt auf den Punkt. Genauso gibt es linksdrehende Arzneistoffe und rechtsdrehende Arzneistoffe – die eine Form dreht „linear polarisiertes“ Licht um einen bestimmten Winkel gegen den Uhrzeigersinn (=linksdrehend), die andere Form dreht „linear polarisiertes“ Licht um den gleichen Winkel im Uhrzeigersinn (=rechtsdrehend).

          Bedeutsam ist das z.B. bei Contergan (das Schlafmittel, mit dem in den 60er Jahren viele Kinder im Fruchtleib massivst geschädigt wurden). Das R-Enantiomer ist schlaffördernd, gut verträglich und nicht fruchtschädigend. Das spiegelbildliche S-Enantiomer ist massivst fruchtschädigend. Dummerweise wandelt auch der menschliche Körper die „gute“ Form innerhalb von wenigen Stunden in die „böse“ Form um.

          Like

          1. Ja, das mit dem Contergan hatte ich auch noch irgendwie im Hinterkopf. Trotzdem merkwürdig. Wie hat man überhaupt herausgefunden, dass es da Unterschiede geben kann? Eine faszinierende Wissenschaft!

            Like

    2. Um @Turtles (chemisch) gute Erklärung noch (rezeptverordnungstechnisch) zu vervollständigen:

      Man könnte Escitalopram auch chemisch gesehen s-Citalopram schreiben. Das andere Enantiomer ist dann r-Citalopram, welches halt nicht wirksam ist. Daher ist „Escitalopram 20mg“ circa doppelt so stark wie „Citalopram 20mg“ (die Mischung der beiden Enantiomere).

      Nun zur Verordnung. Da das „Es“ soweit vom „Citalopram“ weggeschrieben steht, könnte es „übersehen“ werden. Und dann ist der Sinn des Verordnung plötzlich ein anderer. Als Analog: Wenn „Acetylsalixylsäure“ als „Acetyl [großer Leerraum] Salicylsäure“ verordnet wäre, könnte man leicht darüber stolpern, und Salicylsäure hat doch leicht andere Eigenschaften als Acetylsalicylsäure…

      Like

      1. JETZT hab ich’s verstanden, vielen Dank, Herr Gedankenknick! :-) Erinnert mich an eine Diskussion, die ich mal mit der Schwägerin hatte und bei der sie partou nicht einsehen wollte, das bezüglich der Therapie ihres Sohnes ein „DE“ vor die Sensibilisierung gehört! :-D

        Like

  4. Eine Kundin kauft regelmäßig „Infektionslösung, um das Waschbecken zu infizieren“.
    Wir haben inzwischen aufgegeben… ;)

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Xano Jaeve Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..