Das falsche Rezept

Ältere weibliche Patientin (Typ feine Dame) am Morgen in der Apotheke mit Überzeugung: „Der Arzt hat für mich gestern ein Rezept hierher gefaxt!“

Ich frage nach ihrem Namen und gehe es suchen. Erst im Computer (wir geben alle Faxe ein), dann ausserhalb. Ich finde nichts.

„Tut mir leid, das letzte Rezept, das ich von ihnen habe ist vom … (2 Wochen vorher). Soll ich ihn anrufen und nachfragen?“

Dame: „Er hat gesagt, es wird gleich gefaxt, das war gestern.“

Pharmama: „Vielleicht hatte er nicht die richtige Nummer? Ich kann rasch nachfr …“

Dame: „Ich habe ihm gesagt, wo er es hinfaxen soll!“

Pharmama: „Ja, manchmal ist das halt so. Ist es okay, wenn ich ihn anrufe, oder wollen Sie später noch einmal wieder kommen?“

Dame: „Wieso später? Das sollte schon hier sein.“

Pharmama: „Dann rufe ich im mal an, wo das bleibt.“

Dame: „Wenn Sie müssen.“

Pharmama: „Nun, ich muss nicht, Sie können das auch machen.“

Dame: „Das habe ich … gestern.“

Pharmama: „Na dann.“

Ich gehe und telefoniere.

Praxisassistentin: „Ah ja, das Rezept für Frau … wir haben mit dem Namen keine Apotheke gefunden und da haben wir es an die (andere Apotheke) gefaxt.“

Pharmama: „Okay. Wir sind im Telefonbuch drin, aber manchmal gibt es Verwechslungen. Könnten Sie es an uns faxen? Unsere Faxnummer ist …“

Praxisassistentin: „Ich mach das gleich.“

Und das tut sie. Innert Minuten ist der Fax da. Ich suche die Medikamente aus der Schublade zusammen (etwas gegen Verstopfung und Magnesium … in dem Fall wohl auch um den Stuhl weicher zu machen) und gehe damit nach vorne zur Kundin.

Pharmama: „Hier ist der Fax. Sie hat es an die falsche Apotheke geschickt. Das sind die Medikamente, die auf dem Fax stehen.“

Die Dame schaut die Medikamente an, dann meint sie: „Das ist ja das, was ich schon hatte! Er hat doch am Telefon gesagt, er wolle mir Tropfen aufschreiben … oder jedenfalls etwas anderes. Das hier hat nichts gebracht.“

Ich schaue in ihr Dossier. „Ja, das ist tatsählich das, was sie schon hatten … genauer gesagt … (Blick auf’s Rezept), das ist sogar das identische Rezept. Das Datum ist von 2 Wochen (schlecht entzifferbar). Da haben sie mir wohl das falsche geschickt. Ich rufe besser noch einmal an.“

Ich mache das. Die Praxisassistentin entschuldigend: „Oh, ja, da habe ich das alte Rezept erwischt. Das neue klebt direkt dahinter. Ich faxe es ihnen.“

„Danke.“

Das neue Rezept kommt. Auf dem Rezept Metamucil – das sind Ballaststoffe. Schon gegen Verstopfung, aber nicht Tropfen. Je nun.

Ich gehe damit zur Patientin.

Pharmama: „Ich habe jetzt das richtige Rezept bekommen. Aber .. da sind keine Tropfen drauf. Das hier ist ein Pulver zum einrühren in Flüssigkeit. Schon gegen Verstopfung … allerdings wirkt das nicht gleich sofort.“

Dame: „In Ordnung, ich hatte etwas derartiges schon. Nehmen wir halt das. Und sonst hat er nichts verschrieben?“

Pharmama: „Nein, das ist alles.“

Ich schreibe das Mittel an, erkläre es, gebe es ab.

2 x Telefonieren für ein Rezept an dem wir etwa 3 Franken verdienen….

Noch nicht ganz fertig.

Am Nachmittag kommt die Patientin zurück. Meine Kollegin ist inzwischen an der Arbeit – weil sie nichts finden, ruft sie mir zu Hause an.

„Frau … ist wieder hier. Sie hat gesagt, dass laut Dir noch etwas für sie auf der Seite ist. Tropfen oder so …“

Pharmama: „Nein. Sie hat alles bekommen, was der Arzt verschrieben hat. Wenn sie etwas anderes erwartet … jetzt soll sie selber noch einmal bei ihm anrufen.“

Über Pharmama

Wie bringt man die Arbeit in der Apotheke und die Familie unter eine Haube? Mit viel Humor natürlich! Ich bin Apothekerin aus der Schweiz schreibe über Interessantes und lustiges in und um die Apotheke. unter: Pharmama.ch

Veröffentlicht am 08/03/2015 in Apotheke und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 15 Kommentare.

  1. Fall von :“Ich höher, was ich hören will, nicht was man mir gesagt hat.“
    Aber was ist mit der anderen Apotheke, die das Rezept zu erst bekommen hat? Sagt denen keiner Bescheid, daß das Rezept nicht mehr geholt wird?
    Aber das kenne ich, daß der Aufwand in keinem Verhältnis zum Verdienst steht. Seufz

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    • Nein, im Normalfall nicht. Allerdings werden die, wenn es sich nicht um eine Kundin auch bei ihnen handelt, eventuell vorbereitete Medikamente nicht ewig auf der Seite lassen.

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  2. Manche Kunden (oder wie sagt man in der Apotheke ?) wissen den Service gar nicht zu schätzen. In Deutschland is nix mit Rezeptefax.

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    • In Deutschland geht das mit dem „Rezepte faxen“ auch – als VORbestelleung, denn die Apotheke braucht (zumindest bei GKV) das Originalrezept zur Abrechnung bei der Kranken Kasse, sonst gibt es schlicht kein Geld. Das habe ich sogar lieber als „telefonische Vorbestellungen“, bei denen ich immer stundenlang alle möglichen Nichtigkeiten auf dem Rezept abfragen muss (was der Patient NIE versteht), um alle Fallstricke der GKV-Belieferung samt Null-Retaxation überspringen zu können.

      Es gibt aber auch eine Ausnahme, die Arzneimittelverschreibungsverordnung ist da relativ klar in §4 Satz 1: Erlaubt die Anwendung eines verschreibungspflichtigen Arzneimittels keinen Aufschub, kann die verschreibende Person den Apotheker in geeigneter Weise, insbesondere fernmündlich, über die Verschreibung und deren Inhalt unterrichten. Der Apotheker hat sich über die Identität der verschreibenden Person Gewissheit zu verschaffen. Die verschreibende Person hat dem Apotheker die Verschreibung in schriftlicher oder elektronischer Form unverzüglich nachzureichen. Der Knackpunkt ist hierbei „Gewissheit über die verschreibende Person“. Kann mich ja jeder mal anrufen und sagen, er sei Arzt XY. Ich habe das bisher immer „umgekehrt“ genutzt, wenn ein Rezept total gegen den Baum ausgestellt war: Ich habe mich VORHER von der Identität überzeugt (mit den blöden Rezept), und lasse mir dann „vorab“ ein korrekt ausgestelltes Rezept zufaxen, welches mir nachgereicht wird. Alles andere ist Auslegungssache, und in ganz extremen Fällen drücke ich da schon mal ein Auge zu… Aber ans Gesetz halten muss ich mich schon und das ist eher schwer. Wie immer in D und bei Apothekers.

      Andererseits sagt die AmVV §2 Satz 8: Ist die Verschreibung für ein Krankenhaus bestimmt, kann sie auch ausschließlich mit Hilfe eines Telefaxgerätes übermittelt werden. Also für/innerhalb eines KHs ist das ganze etwas lockerer.

      So, und nun wieder „/Oberlehrermodus“.😉

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  3. Offiziell ist vielleicht nichts ohne Fax, aber hinter den Kulissen läuft ohne Fax garnichts!

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  4. Dein Kommentar war vorhin noch nicht da😀

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    • Ja, ich weiß. Ich tippe einfach zu langsam… und das Raussuchen der passenden Textstellen braucht auch Zeit. seufz Copy&Paste ist eben doch nicht so unaufwendig, wie viele liebe Mitmenschen denken… kicher

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  5. Sind denn Laxans Tropfen in der Schweiz verschreibungspflichtig?
    Sonst hätte die Dame sie doch einfach kaufen können?

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  6. Abführmittel werden hier in Deutschland (soweit ich weiß und sofern sich da nicht was geändert hat) nur von der GKV übernommen wenn der Patient BTM-Pflichtige Schmerzmittel, also z.B. Morphin bekommt. In allen anderen Fällen ist das schön Privatangelegenheit.

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  7. ich mag Euch Eidgenossenschtler, schon wegen Eurer Abweichungen des Üblichen „Innert Minuten“ „der Fax (warum soll ausgerechnet diese Komminikationsweise männlicher Natur sein, wo es doch ansonsten geschlechtlos ist?“
    Liebe Grüsse und ich bewundere Deine Geduld!
    Hajo

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    • Und sie rufen jemandeM an, nicht jemandeN. Das irritiert mich immer wieder etwas.

      Aber im Ernst, du willst mich nicht hören wenn ich mit meiner Mundart anfange!

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