Was würdest Du machen?

Nur Sekunden vor Ladenschluss kommt eine Frau herein mit einer Medikamentenschachtel. Ein rezeptpflichtiges Blutdruckmedikament – Laut Dosierungsetikette bezogen vor 2 Jahren und in einer anderen Apotheke.

„Die sind mir ausgegangen. Was können Sie für mich tun?“

Was würdest Du machen?

22 Antworten auf „Was würdest Du machen?

    1. Aber ich bin JETZT hier und der Notfall ist so weit weg und sie sehen doch, dass ich das brauche und das schon einmal gehabt habe und ich will nicht extra für den Arzt zahlen müssen, ist ja nicht so, dass man das missbrauchen könnte, bekomme ich das von ihnen nicht?!?

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      1. Nö. Die Dinger sind nicht umsonst rezeptpflichtig. Wer weiß, wie ihr Blutdruck nach zwei Jahren aussieht?

        Andererseits, wenn du sie wieder wegschickst, dann ist es vielleicht doch nicht so wichtig das regelmäßig zu nehmen. Immerhin hat dise Schachtel ja auch zwei Jahre gehalten und sie steht noch…

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        1. Richtig. Wenn es ihr selber bis jetzt nicht so wichtig war … wieso soll das jetzt auf einmal mein Problem sein?
          Und der Zeitpunkt an dem sie kommt … der ist gewählt. Mit Grund. Oder?

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          1. Ich denke auch, der ist gewählt. Mit dem Grund, DIR die Verantwortung aufzudrücken. Wenn du sie wegschickst, dann kann sie guten Gewissens in Zukunft weiterhin die Tabletten vergessen bzw den Arztbesuch hinauszögern. Wenn du sie ihr gibst, dann ist das toll, aber trotzdem kein Grund, von jetzt an gewissenhafter zu sein.

            Ich würde mir den Schuh nicht anziehen lassen. Ich denke, ich würde ihr dringend raten bald zum Arzt zu gehen und ihre aktuellen Blutdruckwerte zu checken, und je nachdem wie dreist sie daherkommt auch auf die offensichtlich sehr unregelmäßige Anwendung hinweisen. Der Rest liegt in ihrer eigenen Verantwortung.

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  1. Das Problem stellt sich ja hier in Deutschland erst gar nicht, ich darf schlichtweg nichts machen, nicht mal dann, wenn das Dosierungsetikett drei Monate alt wäre und es eine mir bekannte Stammkundin mit jahrelanger Dauermedikation eben jenes Mittels wäre (und in dem Falle würde ich es manches Mal durchaus erwägen – dürfen aber trotzdem nicht).

    Ein wirklicher Notfall kann bei der Dame doch eigentlich nicht vorliegen, Packungsgrößen, die für eine Dauermedikation mehr als zwei Jahre reichen, gibt es sicherlich auch in der Schweiz nicht. Na gut, wer mit einer 100er Packung über den Zeitraum hinkommt, dessen Blutdruck ist sicherlich insgesamt, nicht stabil eingestellt, wenn jetzt also, der Wunsch nach einem Medikament auftaucht, dann scheint der Wert tatsächlich spürbar so schlecht zu sein, dass es ein Notfall ist….und in den Notfall gehört!

    Es ist manches mal so unglaublich schwer Nein zu sagen, aber in diesem Falle muss man sich dann wohl kundenunfreundlich schimpfen lassen und die Abgabe verweigern.

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    1. Das Problem in Deutschland stellst sich schon, nur wenn man als Apotheker versucht das zu lösen, kommt man mit dem Gesetz in Konflikt.
      Deine Einwände sind richtig: wenn die eine Packung so lange gehalten hat, nimmt sie es kaum korrekt – und wer weiss, ob sie nicht auch die Packung schon so „erschlichen“ hat. Sie gehört zum Arzt in Kontrolle.

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  2. bösartig wie ich manchmal sein kann würde ich natürlich erstens nein sagen, zweitens aber auch deutlich darauf hinweisen, dass es bei bekannten patienten, die ihre rezepte vom immer gleichen arzt in der immer gleichen apotheke einlösen, natürlich etwas anderes sein kann. und so sollte es meiner meinung nach auch gehandhabt werden.

    mir ist es auch schon passiert, dass der hausarzt überraschend krank war und ich vor verschlossener türe stand und die vertretung gerade keine ordination mehr hatte und zu weit weg war und es ausserdem freitag nachmittag war und am samstag ja kein praktischer arzt zu finden ist, der sprechstunde hat: in der apotheke des vertrauens kriege ich immer alles, was ich will, auch ohne rezept, auch für die viecher und bei telefonischer bestellung. weil: ich geh eben nur in diese eine apotheke, die kennen mich seit 25 jahren, ich hab meine rezepte immer vom selben hausarzt (seit 35 jahren), und ich will nix unsittliches. und die tierärztin ist auch bekannt, auch wenn einmal schnell ein besuch nicht möglich ist vor der sperrstund: die apotheke hilft gerne weiter. aber soviel vertrauensvorschuss muss man sich eben erst einmal verdienen. man sollte das den leuten wirklich sehr ans herz legen.

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    1. Das ist so. Wenn es sich hier um eine Stammkundin gehandelt hätte, deren Vorgeschichte ich also kenne und weiss ob und wie sie in Behandlung ist … der hätte ich sicher eine Packung gegeben. Aber so? Nö. Eher nicht.
      Da ist es ja nicht mal so, also ob ich „eine Kundin verliere“ … da sie vorher nicht damit hier gewesen ist und ich sie wohl auch danach nicht mehr hier sehe.
      Es ist immer ein Abwägen von Nutzen / Risiko … nicht nur für die Patientin, auch für mich.

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        1. Doch, auch für die Apotheke. Beispiel Deutschland: wenn ich das abgebe und es kommt raus, kann ich meine Zulassung als Apotheker verlieren. Das lohnt sich nicht – auch nicht für mehrere hundert Euro (was das Medikament nicht mal sein wird).
          Oder bei mir: was passiert im schlimmsten Fall, wenn ich es abgebe / nicht abgebe? Wenn das nicht mehr das richtige Medikament ist und sie mir wegen abrupten Blutdruckabfall umfällt? Wenn es das richtige ist und sie es nicht bekommt/nimmt – was sind dann die Folgen?

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  3. ich als Apotheker (wenn ich einer wäre…) würde den Blutdruck checken. Extremer Wert = Notfall. Bei einem unspektakulären Wert würde ich die Abgabe einer kleinen Packung in Erwägung ziehen…

    Obwohl in D verboten – aber „A bisserl was geht immer“ (MonacoFranze) Wenn man nicht gerade BtM begehrt, kann man mit dem Apotheker reden. Mir ist der Fall eines älteren Herrn mit Diabetes 1 in Erinnerung, der mit dem Zug nach Berlin gefahren ist und in seiner Schusseligkeit seine komplette Ausrüstung vergessen hatte.

    Ein sehr netter Apotheker stattette ihn dort mit allem nötigen Zeugs für die Aufenthaltsdauer aus und bot sogar an, das Geld zurückzuüberweisen, wenn er ein Rezept über die erhaltenen Dinge nachschickt!

    Der alte Herr war glücklich und genoß den Aufenthalt in Berlin

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    1. Ja, aber selbst bei einem extremen Wert … es dauert etwas, bis das mit dem Blutdruckmedikament (je nach dem, was für eines) wieder eingestellt ist. Und dann stellt sich die Frage, ob da nach der Zeit nicht sowieso ein Wechsel angezeigt ist. Vielleicht hat sie es die letzten Tage auch genommen?
      – Nette Geschichte übrigens. Ein „Like“ für den Apotheker :-)

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    2. Insulin kann man da schlecht vergleichen. Die gute Frau kam ja anscheinend schon länger ohne ihre Medikation aus, da macht der eine Tag den Kohl auch nixht mehr fett.
      Eine andere Überlegung: Vielleicht hat die Frau ja die erstbeste Packung ihrer Medis, die zuhause lag ergriffen und ist losgegangen, während die andere zuhause noch ein paar Tbl. enthält.

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    3. könnte ein deutscher Apotheker mal eine mögliche …Ausrede bzw. Legitimation für die Geschichte mit dem Diabetiker liefern? Ich nehme an, die meisten Apotheker würden so handeln wollen, aber ich persönlich wüsste nicht, wie ich das machen könnte ohne mich selbst strafbar zu machen…

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      1. Es gibt hier auch definitiv keine Lösung, bei der man sich nicht strafbar macht! Punkt, aus, Ende.
        Dass das zumeist sehr unbefriedigend ist und dem gesunden Menschenverstand widerspricht ist für das Gesetz unerheblich – es hat keinen gesunden Menschenverstand.
        Und: zwischen den Zeilen hat Chris die Lösung angedeutet…die nur funktioniert, wenn niemand sonst in der Apotheke steht.

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        1. Gedankenknick hat hier mal die üblichen (vor allem in BaWü) Strafen aufgezeigt.
          1500 € und Verlust der Aprobation = wirtschaftliches Aus…

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  4. ich hab meine „grundnahrungsmittel“, also die medikamente, die ich lebenslang täglich nehmen muss und jeweils für zwei monate verschrieben werden (hahaha) immer in einem entsprechend zugeschnittenen karton in der „medizinschachtel“ – auf den kartons ist also durchaus ein eher sehr antikes ablaufdatum, und beschriftet wird für mich in der apotheke nix mehr. andererseits kenne ich aber die medikamente, die ich regelmässig nehme, doch bitteschön beim namen und muss nicht mit dem karton in die apotheke laufen.

    auch ein diabetiker wird, wenn er unglückseligerweise sein insulin vergisst, dem apotheker genau sagen können was, wie, wann und warum und wieviel, da kann man dann also schon aus der auskunft schliessen ob die geschichte echt ist oder nicht.

    und wenn jemand kurz vor ladenschluss in die apotheke gestürzt kommt und man ihr den blutdruck misst, dann ist das ergebnis mit sicherheit kein wert, dem man vernünftigerweise besondere bedeutund zumessen sollte, es sei denn er ist wirklich weit über der schmerzgrenze, aber das würde man einem patienten auch ansehen. auch in der notfallaufnahme würde man sie erst einmal ein wenig beruhigen lassen und dann noch einmal messen und weiterurteilen.

    man weiss es ja nicht, dann nimmt so eine person etwas blutdrucksenkendes, und der blutdruck fällt wirklich, und die person auch, nämlich auf die nase und schlägt sich diese blutig, und wer erklärt das dann dem richter? eben.

    insofern: nö.

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  5. Du schreibst es schon richtig – du verlierst keine Kundin. Höchstens eine, die du dir zur Kundin machen kannst.

    Ich würde sie auch darauf hinweisen, dass ggf. mal bei Stammkunden, deren Geschichte/Medikamente man kennt, eine Ausnahme gemacht wird. Da du das aber bei ihr nun nicht einschätzen kannst, da sie nicht Kundin ist, kannst du diese Verantwortung nicht übernehmen.

    Ich würde ihr ihren Blutdruck messen und je nach Meßergebnis auf die Notfallärzte/Spital verweisen. Und erfragen, ob sie das Medi über 2 Jahre genommen hat. Kann ja sein, dass sie eine größere Menge hatte (Tabletten nicht chronologisch verbraucht, Packung ganz hinten im Schrank „wiedergefunden“). Und wenn sie wirklich mit nur dieser Packung über 2 Jahre hingekommen ist, deutlich machen, wie gesundheitsschädigend das ist, die Tabletten unregelmäßig zu nehmen

    Und ihr dann zum Abschluß ein Kärtchen der Apotheke vielleicht mit einer kleinen Gratisprobe irgendetwas nettem mitgeben.

    Vielleicht kommt sie ja wieder.

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    1. sehr kundenfreundlich. Und perfekt. Nachteil: Blutdruckmessen kostet (ja, dafür verlangen wir etwas) – will sie nicht extra zahlen. Und: Jetzt ist es viertel nach Ladenschluss. Ich will auch nach Hause!

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  6. Ich geb als Nicht-Apothekerin meinen Senf auch dazu ab:

    Blutdruckmessen (von mir aus auch gratis – wieviel würde es kosten?), bei sehr hohem Wert in den Notfall und ansonsten auf den nächsten Tag und den Hausarzt vertrösten.

    Lass dir kein schlechtes Gewissen machen – wie es Micha schon geschrieben hat – du machst es nicht aus Bösartigkeit wenn du jemanden wegschickst!

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