Piaget’s Experimente in freier Wildbahn?

Telefon Frau:

„Ich habe gerade eine Tablette eingenommen und … sie ist mir im Mund in zwei Teile zerbrochen. Jetzt bin ich beunruhigt … heisst das nicht, ich bekomme die doppelte Dosis? Was soll ich machen?“

Hmmm – interessant. Wenn wir davon ausgehen, dass das nicht eine Tablette mit speziellem Überzug war, die den Wirkstoff langsam abgibt, ist das nicht eine sehr … durchdachte Frage.

Aber, wenn man das hier ansieht, sieht man, wo solche Vorstellungen vielleicht noch herkommen (speziell der 3. Test :-):

Vielleicht ist da jemand noch nicht ganz im Stadium der konkret-operationalen Intelligenz angekommen? Es geht bei den Experimenten oben um Piaget’s Theorie der Entwicklung. (siehe Wikipedia-Artikel). Dafür hat er mit (eigenen und anderen) Kindern diverse Experimente durchgeführt, wie im Film oben.

Ein Glasbehälter A ist mit Wasser gefüllt, Glasbehälter B ist leer. Das Wasser wird aus dem Behälter A komplett in B umgegossen. Da B schmaler und länglicher ist als A, steht das Wasser nun in B höher als zuvor in A. Ein Kind, das die Invarianz von Volumina noch nicht erlernt hat, antwortet, dass nun mehr Wasser in B enthalten sei, als zuvor in A.

… und das offenbar sogar, wenn es vorher sieht, dass es dasselbe Volumen war. Das Gesicht vom Kind im Film gleich nach dem umschütten finde ich übrigens toll: die Überraschung!

19 Antworten auf „Piaget’s Experimente in freier Wildbahn?

  1. Als ich den blauen Satz gelesen habe, war es genau das folgende Video, woran ich gleich gedacht habe. :-)

    Was zerbricht den an Tabletten im Mund ohne das man drauf beißt? Ich kenne nur welche, die durch den Speichel zerbröseln, aber einfach so in genau zwei Teile zerbrechen? Hat sie gesagt, was es war? (War es überhaupt eine Tablette, oder eine Kapsel, oder sonst etwas?)

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    1. Es gibt mittlerweile sehr effiziente Bruchkerben, die ein sicheres dosisgenaues Teilen ermöglichen.
      Wenn diese z.B. durch das Herausdrücken aus dem Blister schon angeknackst sind, dann kann das im Mund schon mal passieren.

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      1. Und warum haben dann so viele Tabletten nur Kerben in der Größenordnung „menschliches Haar“? Besonders gerne die, die dann hübsch weiter zerbröseln in echtes Gekrümel. Trotz Tablettenteiler. Wenn man dann bei einer dreiviertel Tablette am Tag mit der hunderter Packung keinen Monat auskommt, weil man mühsam aus einem großen Haufen halbwegs auf die Menge kommen will mit drei Teilen. Hälften habe ich bei der einen schon aufgegeben, das sind echte Glücksgriffe… Und das nicht nur bei einem Hersteller und schön bei den alte- Leute-Medikamenten meiner Oma.

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          1. Naja, aber es gibt Hersteller, die kriegen das gebacken. Und bei Oma ist es zB ein Medikament, das sie ausschleichen soll, bzw sich langsam einer Dauerdosis nähern soll. Da das mit wöchentlicher Blutbildkontrolle passiert, hängen wir halt gerade doof in der Luft. Die momentane Dosis gibt es nicht fertig, anderthalb von der nächsten Größe akzeptiert Madame nicht. Jetzt kriegen wir jedes Mal nen anderen Hersteller. So viele mit zweimal teilbaren Tabletten gibt es nämlich nicht davon. Grässlich

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        1. Das ist ein pharmazeutisch sehr spannendes Thema und gab es schon mal hier im Blog glaube ich (bin zu faul zu suchen). Kerben in der Form „menschliches Haar“ sind nicht unbedingt Bruchkerben, sondern möglicherweise nur optische Zierde. Oder es sind Überbleibsel aus Zeiten, wo das Thema noch nicht so genau betrachtet wurde.
          Jedenfalls müssen Tabletten dann vernünftig teilbar sein, wenn sie für geteilte Einnahme auch explizit vorgesehen sind. Also im Beipack ist z.B. eine halbe Tablette als Dosierungsmöglichkeit angegeben. Dann muss die Dosierungsgenauigkeit der Tabletten gesichert sein und dafür gibt es Vorschriften im Arzneibuch.

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          1. @08/15: Bin da leider überfragt, ob eine verbindliche Vorgabe existiert. Kann aber sehr gut sein, dass die Behörden das bei Neuzulassungen kritisch hinterfragen.
            Aber an Bestandsprodukten gibt es aus meiner Sicht noch viele, die keine echten Bruchkerben haben.

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  2. Aber die Frage ist doch:

    Wie kommst du auf das Piaget-Experiment?

    Ich wäre nie drauf gekommen… ich hätte erklärt: „Wenn Sie alle Schnitzel vor dem Servieren in zwei Stücke schneiden, sind sie dann auch doppelt so nahrhaft?“

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    1. Nun – so in etwa habe ich das auch erklärt (nur habe ich glaub eine Reihe Schokolade als Beispiel genommen …)
      Tatsächlich ist es so, dass ich mich an die Begebenheit wieder erinnert habe, als ich irgendwo über das Filmchen gestolpert bin.

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    2. Ist dem etwa nicht so?!? :o Da habe ich doch mein Diätkonzept drauf aufgebaut! Wenn ich nur die halbe Torte esse, habe ich nur halb so viel Kalorien zu mir genommen. Darum darf ich dann die andere Hälfte auch noch essen.

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      1. Das verstand ich anders. Vielleicht bin ich von Mathematik auch zu schwer geschädigt worden.

        Mit „Friss die Hälfte“ ist gemeint, dass du jeweils die Hälfte davon isst, was noch auf deinem Teller liegt.

        Nach der ersten Hälfte bleiben noch 50% übrig, nach der nächsten Hälfte noch 25%, nach der nächsten Hälfte nur noch 12.5%, und so weiter.

        Somit isst du zwar gleich viel wie vorher, aber du hast die Grösse deiner Portion trotzdem verringert.

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      2. Das ist auch das völlig falsche Konzept. Damit isst Du ja gleich zwei Stücke, also doppelt soviel. Deshalb Torten bei Diäten auf gar keinen Fall teilen! Nur ein Stück! Also die ganze Torte.

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  3. Hihi, ich habe das sofort am lebenden Objekt ausprobiert. Mein Vierjähriger kapiert Glas und Münzreihe noch nicht, wohl aber die Sache mit dem Keks. Die Fähigkeit zu solchen gedanklichen Operationen scheint also auch eine Motivationsfrage zu sein ;-)

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    1. Ersetze die Münzen durch Bonbons und das Wasser durch unterschiedliche Mengen Limo (beide Volumina in breiten Gläsern zeigen, dann die kleine Portion in ein schmales Glas umfüllen) und lass deinen Sohn jeweils eine Reihe / ein Glas wählen — dann dürfte die Motivation doch entsprechend zunehmen ;-).

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      1. Das mache ich dann in ein paar Monaten… wenn er meine Erklärungen vergessen hat ;-)
        Nein, im Ernst, ich denke, das Keks-Experiment ist leichter zu durchschauen als die anderen beiden, weil es sich um eine sehr kleine, sehr konkrete Menge bzw. Zahl handelt. Man müsste mit anderen Kindern überprüfen, ob sie auch dieses früher lösen können als die anderen.

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