Eine Frau kommt mit einem Rezept, das sie meiner Pharmaassistentin überreicht. Die schaut erst mal zweifelnd drauf, dann fängt sie an im Computer zu suchen.
Meine PA weiss, was sie tut, darum brauche ich ihr auch nicht ständig über die Schulter zu schauen, aber hier … scheitert sie.
„Ich finde nichts. Dabei ist es anständig geschrieben und es kommt mir auch irgendwie bekannt vor …“
„Zeig mal.“ Nehme ich das Rezept.
Ah. Dronabinol steht da drauf. 1 OP Dosierung: 5-7 Tropfen
Okay!
„Das ist doch dieses THC Präparat!“ sage ich (Ja, das ist Cannabis – auf Rezept). „Aber damit ich Ihnen das besorgen kann brauche ich eine ….“
„Bewilligung …“ vollendet die Kundin meinen Satz und streckt mir zwei Blätter hin, die ich fast ehrfürchtig ergreife.
„Wissen Sie, dass das das erste Mal ist, dass ich eine solche Ausnahme-Bewilligung dafür in den Händen halte? Wir hatten schon ein paar Anfragen und Interessierte, aber bis jetzt hat sich noch kein Arzt die Mühe gemacht, das hier auch wirklich einzuholen.“
Tatsächlich ist es die letzten 3 Mal daran gescheitert, dass es dem Arzt zu aufwändig war.
„Ja, mein Arzt ist wirklich engagiert.“ Sagt die Frau.
„Toll. Dann kann ich das bestellen- nur eines noch. Haben Sie schon mit der Krankenkasse Kontakt gehabt wegen der Übernahme der Kosten?“
„Äh, nein. Wieso? Ich dachte, wenn der Arzt das verschreibt …“
Pharmama: „Ja, das reicht leider nicht. Die Krankenkassen übernehmen eigentlich nur Medikamente die offiziell zugelassen sind. Und Dronabinol hat keine solche Zulassung. Demnach wäre das auch eine sogenannte „off label use“ und die Krankenkasse muss das nicht bezahlen.“
Kundin: „Oh. Und … wieviel kostet das Mittel?“
Pharmama: „Ich muss noch einmal anfragen, aber das ist ziemlich teuer. Ich glaube 10ml kosten so um die 300 Franken…“
Tatsächlich habe ich das ncoh unterschätzt. Laut der Liste hier sind es eher 425 Franken für 10g)
Kundin: „Oooh. Das ist viel.“
Pharmama: „Ja. Ich würde ihnen sonst raten erst die Kasse anzufragen und eventuell abzuklären, ob sie es doch zahlen, wenn der Arzt eine Kostenübernahme beantragt.“
Das hat sie dann.
Und die Krankenkasse hat die Übernahme abgelehnt.
Daraufhin wollte sie es auch nicht mehr.
Tja.
Und wieder einmal konnte ich es nicht bestellen.
P.S. Im übrigen habe ich dann auch noch gemerkt: weil der Inhaltsstoff unter das Betäubungsmittelgesetz fällt braucht es auch ein BG Rezept dafür … und das war das vorliegende auch nicht… Engagierter Arzt, aber auch er muss da noch ein bisschen lernen.

War wohl der erste Versuch vom Doc, dafür ja schonmal nicht schlecht.
Wenn man bedenkt das es in Israel Senioreneinrichtungen gibt, wo die Bewohner das täglich zur Verbesserung der Lebensqualität bekommen … echt bitter
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das ist bitter?
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Mit „bitter“ meine ich das es dort erfolgreich und unkompliziert zur Therapie eingesetzt wird, während man hier das medizinische Gegenstück zum Passierschein A38 (Asterix) einholen muss um da legal dranzukommen.
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Das wollte ich hören. Nicht „bitter“ dass sie damit behandelt werden.
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Die Krankenkassen müssen Homöopathika übernehmen, kein Wunder, bleibt kein Geld mehr für ärztlich verordnete Medikamente… Auch Männer, denen die Prostata entfernt werden musste, „dürfen“ ihr Viagra o.ä. selber zahlen.
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Ja – aber Du vergisst, dass auch die Ärzte das Homöopathische Mittel verschreiben müssen, damit es übernommen wird.
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Sehe ich – leider – ähnlich. Es sieht netter aus, wenn Kassen „Natürliche Heilmittel“ zulassen (als die Homöopathika fälschlicherweise oft dargestellt werden), als wenn Viagra und THC bezahlt werden…
Da wurde sonst der selbsterklärte rechtschaffende Bürger kommen, und schimpfen. Jeder weiß um die Macht der Stammtische, gell? Für manche Menschen teilt sich die Welt in schwarz und weiß. Das ist ein gesellschaftliches Problem, kein Medizinisches. Wo ich dir also definitiv zustimme, dass es nicht logisch erklärbar ist, warum X von den Kassen zugelassen ist und Y nicht.
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Homöopathika müssen in Deutschland nicht von der Kasse bezahlt werden. Das ist lediglich eine Marketingmaßnahme um mehr zahlende Kundschaft von einem Wechsel zur eigenen Kasse zu überzeugen.
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Leider!
Und meiner Ansicht nach gehört das verboten.
Nichts drin, nichts dran!
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Ach ja, Dronabinol. Welch süße Erinnerung (Nein, nur übetragen gemeint!) an die einzige Rezeptur, mit der ich je RICHTIG Geld verdient habe. Damals war es in Deutschland noch ohne „Sonderbewilligung“ rezeptur-verordnungsfähig, aber dafür war der Arzt jedes mal im Schussfeld der KrankenKassen… Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich die letzte Rezeptur so 2003 vielleicht – damals kostete die Gesamtrezeptur Tropfen 100ml (gemäß NRF) zum Schluss so ca. 450DM, glaube ich. Und jedes Mal habe ich mir am heißgeföhnten Gläschen die Finger verbrannt… :-D
–
Satives ist leider nur bei MS gegen SPasmen indiziert. Sonst wäre es vielleicht eine Alternative gewesen…
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„Sativex Spray“ natürlich. Hat eben schon wieder nicht gestimmt. Gibt es hier ne Autokorrektur?
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Zumindest beim erstellen der Artikel gibt es das … aber vielleicht kennt WordPress Sativex einfach nicht?
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Also wir bestellen das regelmäßig und basteln Tropfen zur Appetit-Anregung für stark abgemagerte Patienten. (Vor allem auf der Intensivstation)
Scheint gut zu funktionieren.
Natürlich nur auf BTM-Rezept. Wie die Stationen das mit der Krankenkasse abrechnen kann ich aber nicht sagen. Aber günstig ist es nicht.
Aber unsere Azubis kriegen immer große Augen, wenn sie es das erste mal sehen, genauso wie bei Maden und Blutegel… kann sich irgendwie keiner in der Krankenhausapotheke vorstellen :-)
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Verbrennt man sich immer noch am heiß gefönten Gläschen die Finger? Und liegt immer noch dem „Herstellungspaket“ das Miglyol812 bei?
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Es ist mittlerweile in einer Spritze. Macht das Abfüllen einfacher und es wird nicht so heiß. Wir stellen es in den Trockenschrank.
Mitgeschickt wird nur ein „Test-Set“ für die Identitätsprüfung… sieht aus wie die Drogenschnelltest. :-)
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Lustig. Ich musste damals zwecks Ident-Prüfung immer eine DC machen, mit ansprühen und im Trockenschrank brutzeln und so. Ich weiß gar nicht mehr, was da als Referenz-Substanzen mitlaufen musste…
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im krankenhaus, zumindest in deutschland ist es so das nach pauschalen abgerechnet wird, heisst krankenhaus bekommt xxx euro für einen patienten wobei intensivstation teurer als chirurgie ist und psychiatrie teurer als chirurgie
die behandlungen ala 1x fuss kaputtmachen kosten extra sowie viele andere behandlungen
medikamente sind allerdings mit inbegriffenin in den „bettenpauschalen“
wenn diese station das in dem genannten fall so einsetzt kostet es sie mehr geld ohne mehr zu bekommen aber sicher einen besseren ruf wenn opa müller nicht abmagert und weiter abmagert oder vor schmerzen schreit
ne gerissene aorta wird ja immerhin auch heute noch von diversen wenigen spezialzentren operiert obwohl die notfall pauschale für diese notop nicht ausreicht
die kehrseite bei der standart medikamentenübernahme der kosten (gibt ja ausnahmen) wäre wohl das es wohl nurnoch hydrosuperduperhaskeinschmerzacetominophen gäbe für erschwingliche 473,-
grüsse :)
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Faszinierend… ich lese auf deinem Blog von THC Spray und am selben Tag flattert zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein Rezept über Sativex in der Apotheke über den Thresen XD
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