Aufgeflogen

Die Patientin, der wir die Schlaftabletten nach Absprache mit dem Arzt nur noch Tages-dosis-weise abgeben (und: Nein, Keinerlei Ausnahmen), finden wir auf der Sperrliste wieder.

Entzückend!

Dass sie hochgradig abhängig ist von den Dingern wissen wir – daher auch die fraktionierte Abgabe (wie es im Fachjargon heisst). Sie zeigte auch immer typisches Suchtverhalten – ich kann die Geschichten gar nicht alle wiedergeben, wie oft sie schon Tabletten verloren hat, sie angeblich gestohlen wurden, die Freundin welche brauchte, es ihr selbst mehr schlecht geht psychisch und sie darum mehr braucht, jemand in der Familie gestorben ist und sie darum nach XY Stadt gehen muss an die Beerdigung und darum vorher die Tabletten braucht …

Trotzdem hatten wir damit ihre Tabletteneinnahme ziemlich unter Kontrolle … dachten wir.

Aber die Frau ist clever. So wie's aussieht hatte sie mit zumindest einer anderen Apotheke und mindestens einem anderen Arzt ähnliche Abmachungen. Dass das so lange gut gegangen ist, zeugt von straffer Organisation: sie durfte nie die Ärzte und zugehörige Apotheken verwechseln …

Jedenfalls hat sie jetzt doch einen Fehler gemacht … und ihr ganzes Kartenhaus aus Lügen ist zusammengebrochen.

Auch sie darf jetzt nur noch von einem Arzt in einer Apotheke die Schlafmittel beziehen. Und dank der Sperrliste, die an alle Apotheken regional herausgegeben wird, wissen das jetzt alle.

Tja.

19 Antworten auf „Aufgeflogen

  1. Klasse diese Sperrliste! Ich wünschte mir ein ähnliches System für deutsche Apotheken und Ärzte, aber mehr denn je eine höhere Sensibilität gegenüber dem Abhängigkeits Potential der Schlafmittel! Es ist erschreckend wie viele Patienten und vor allem auch Ärzte sich der Gefahr nicht bewusst sind. Leider kann man als einzelner Apotheker wenig bewirken, denn auch wenn ich die Abgabe auf Rezept verweigere, so findet sich ein anderer und wenn nicht, dann, wie mein Vorschreiber schon erwähnte, ein Versandhandel (denn eine Apotheke darf sich solch ein Konzept wirklich nicht nennen!).

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    1. Ganz Deiner Meinung.
      Bei uns gibt es einfach noch ein anderes Problem: Dauerrezepte. Unglücklicherweise auch für Benzodiazepine und Co. (sollte verboten werden, finde ich).

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    1. Ich denke dass die deutschen Versandapotheken schweizer Rezepte eher nicht annehmen – speziell nicht für Medikamente die dem Betäubungsmittelgesetz unterstehen. Bleiben natürlich immer noch online Apotheken mit zweifelhaftem Hintergrund und eventuell gefälschten Medikamenten. Verboten ist das nicht – aber die Einfuhr von Medikamenten ist streng geregelt.

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      1. Da ist eine gewisse Differenz zu Deutschland. In D sind fast alle Benzodiazepine zwar auch im BtMG, aber in der Standart-Dosierung und in üblichen Packungsgrößen von der BtmVV ausgenommen und auf normalem Rezept verordnungsfähig.
        Der Versand von BtM über eine Grenze ist immer kritisch.

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  2. Sperrlisten hin oder her – Wo ein Wille ist, ist ein Weg…

    @Annette Ga: Soweit ich informiert bin, liefert besagte Versandklitsche nicht nach CH
    Und Mittel, die in D BTM sind (grundsätzlich – also auch z.B. Diazepam, Lorazepam etc.) liefern die gar nicht.

    Würde eigentlich in D eine Apotheke so einen „Deal“ wie von Pharmama beschrieben mitmachen? Geht das rechtlich überhaupt?

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    1. Das würde mich so auch interessieren. Also nicht konkret zwecks Sperrlisten oder so, aber solche „Deals“ ;)
      Ob das auch in D gehen würde?

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  3. Dauerrezepte gelten NICHT für Benzodiazepine. Die sind trotz erleichterter Rezeptierung ohne BG-Rezept als Betäubungsmittel zu handhaben – Dauerrezepte sind demnach ungültig. Nur interessiert das anscheinend niemanden.

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    1. Es gibt ein Positionspapier der Kantonsapotheker-Vereinigung Nordwestschweiz (AG, BL, BS, BE, LU, SO), in welchem die Dauer der Dauerrezepte für Benzos etc. auf max. 6 Monate genannt wird. Wir überprüfen gerade, ob und wie dies rechtlich eine Relevanz hat oder ob dies als „Leitplanken“ zu verstehen ist…

      @Masswear: Wo steht denn, dass man für Benzos keine Dauerrezepte ausstellen darf? Ich habe mich in den letzten Wochen sehr mit dem Thema beschäftigt und habe NICHTS dergleichen gefunden…

      Wen die Positionspapiere interessieren:

      http://www.so.ch/departemente/

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      1. Ja, die Positionspapiere habe ich auch schon gelesen. Mit meiner Aussage war ich wohl etwas schwammig: Als „Dauerrezept“ sehe ich Rezepte mit einer Gültigkeitsdauer von 12 Monaten. Ich habe schon oft erlebt, dass auch Rezepte für Benzos mit dem Vermerk „DR 12 Mt“ ausgestellt werden, und die Apotheken/Krankenkassen/Kantonsapotheker akzeptieren das anstandslos. Aber auch 6 Monate finde ich schon zu lange…

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  4. Würde das jetzt nicht mit den neuen Krankenkassenkarten erschwert? Zumindest sollte doch auffallen, dass die Frau gleichzeitig bei mehreren Hausärzten regelmäßig zur Behandlung ist.

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  5. Typisch die Kommentare von jungen Leuten oben oder aus der Pharmabranche.
    Mir konnte noch kein sogen. Experte sei es Arzt oder Apotheker mit meinen Schlafschwierigkeiten helfen. Wenn man monatelang nur 2-4 Stunden Schlaf in der Nacht hat aber am Tag für Kleinkinder „funktionieren“ muss, dann schaut es schon anders aus. Jeder will mir nur Einschlafmittel verschreiben oder geben in welcher Form auch immer aber nichts zum Durchschlafen. Einschlafen funktioniert ohne Medikamente innerhalb von 5 Minuten, aber Durchschlafmedikamente nein das haben wir nicht. Wer kann schon von aussen her beurteilen was diese Frau oben im Bericht für Probleme hat, dass sie ein Schlafmittel braucht. Ja und dann spielen sich die sogenannten „Götter in weiss“ auf und verbieten das einfach. Man muss die Dinge immer von 2 Seiten sehen aber in der heutigen Zeit wird immer in allen Bereichen nur Druck von “ oben “ gemacht.
    Karin

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    1. Medikamente sind NICHT die Lösung für alle Probleme. Tatsächlich sind sie in diesem Fall oft reine „Krücken“. MEHR Medikamente (oder auch andere – gibt’s hier aber nicht) sind da auch keine bessere Lösung!
      Eher angebracht wäre es dem Problem dem das zugrunde liegt nachzugehen, für gute Schlafhygiene zu sorgen und eventuell psychologische Betreuung heranzuziehen.
      Dann habe ich nicht geschrieben, wieviel die Frau tatsächlich konsumiert hat. Irgendwann geht das von Anwendung zu Missbrauch … und da wird es sehr rasch gesundheitsgefährlich.
      Wir „Götter in weiss“ (haha! wenn Du willst kannst Du die weissen Schürzen der Apotheker auch dazu zählen) schränken nicht aus Machtdünkel derartiges Verhalten ein, sondern eben weil es eine Gefährdung der Gesundheit darstellt – und ausserdem ist es gesetzlich vorgeschrieben (!) dass „Missbrauch entgegen zu treten ist“.
      (Aber irgendwo denke ich, das weisst du …)

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  6. Tjaha. Klassisches Doctor Shopping. Aber schwierige Situation. Was macht die Frau jetzt Wird sie in eine Suchtklinink zur Entwöhnung gehen? Wohl kaum. Natürlich ist es keine Lösung, sich von Schlaftabletten zu ‚ernähren‘. Aber wer hilft ihr denn jetzt? Catch 22.
    Ich kenne das zu einem gewissen Grad. Ich leide seit ungefähr 2,5 Jahren unter dem, was der Arzt mit ‚anorganische Insomnie‘ bezeichnet. 4 Studen sind für mich ein super Nachtschlaf. Ich will jetzt nicht zu weit ausholen, war aber auch in stationärer Behandlung und habe irgendwann um Schlafmittel gebeten. Ich hab Zopiclon bekommen, Meine 20er-Packung habe ich seit Juli und sie ist immer noch nicht ganz leer. Einerseits finde ich es einfach total wunderbar, weg- und durchzupennen. Gleichzeitig habe ich aber auch eine Scheißangst vor dem Zeug, Zopiclon ist ja sehr suchtauslösend..
    Die Frage hier ist – ja, das System hat gegriffen. Aber wie geht es für die Frau jetzt weiter?
    LG
    Nicoletta

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