Geschmacksmuster

Passend zum Thema gestern – Geschmackssache.

Die Kundin kommt in die Apotheke. Sie ist unzufrieden damit, wie der Hustensirup schmeckt, den sie vom Arzt verschrieben bekommen hat.

Frau: „Haben sie mir eine Probe vom Pecto Calmin, das ich versuchen kann?“

Pharmama: „Nein, tut mir leid, habe ich nicht.“

Frau: „Ich bin sicher, sie haben da hinten eine offene Flasche – sie könnten mir auch einfach einen Teelöffel voll abfüllen. Das Zeug kostet alles, wissen sie?“

Ich musste einen Moment innehalten und mir überlegen, ob sie das ernst meint. Manchmal fragen einen die Leute in der Apotheke scherzhaft nach Mustern von Medikamenten – speziell rezeptpflichtigen … Das war hier nicht der Fall.

Pharmama: „Ich habe leider nichts zum testen. Aber so teuer ist das Mittel nicht …“

Frau: „Meinen Sie das ernst? Wenn ich es nicht gratis bekomme zum testen, nehme ich es nicht!“

Okay – was soll ich darauf schon sagen.

Pharmama: „Vielleicht finde ich ihnen etwas günstigeres?“

Frau: „Es geht nicht ums Geld! Ich habe Geld! Was ich nicht habe, ist ein gut-schmeckender Hustensirup … und dabei wollen Sie mir offenbar nicht helfen. Also Danke für nichts.“

Pharmama (immer bemüht eine Lösung zu finden): „Und wie wäre es mit Kapseln?“

Frau: „Kann ich nicht schlucken.“

Sie geht weg. Ich hätte sonst hinten im Büro noch viel zu tun gehabt, aber ich blieb einen Moment vorne. Der beste Weg einen solchen Problem-Kunden zu vergessen ist einem anderen Kunden zu helfen – was ich dann schnell konnte.

44 Kommentare zu „Geschmacksmuster

      1. Ich hab als kleines Kind von diesem ekligen Erdbeergeschmack oder was das war immer spucken müssen(was sonst nichtmal bei verdorbener Mayo der Fall war) und unsere Kinderärztin hat daraufhin den unten stehenden Zwiebelsaft empfohlen und meine Mutter war sauer, dass sie es erst mit der Chemie versuchen sollte*gg

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    1. Oh doch! Zwiebeln hacken/in Ringe schneiden, gleichviel Zucker oder Honig drauf, irgendwas lakritziges dazu(wenn man mag), luftdicht verpackt in den Kühlschrank,vorher nochmal durchschütteln, alle Stunde oder so von dem Sud einen Teelöffel langsam den Hals hinab fließen lassen. Hilft mir wunderbest, löst durch die Zwiebel Schleim und ich finde den wirklich richtig lecker.

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      1. Ich kenn zwei „Haushaltshustensäfte“ die wirklich gut schmecken.

        Tannenwipfelsirup: 4 Handvoll Tannen/Fichtenastspitzen auf 3/4l Wasser, 1kg Zucker und ein bisschen Zitrone, mindestens 2 Wochen stehen lassen. dann Wipfel entfernen.

        Rettichsaft: Einen schwarzen Rettich durchboren (trichterförmig mit kleineme „Auslaufloch“, Loch mit Zucker(würfeln) fülllen (täglich nachfüllen) und die durchtropfende Flüssigkeit auffangen, das ist der Sirup der frisch verwendet wird. Ein Rettich hält etwa 5 Tage durch, pro Hustenopfer braucht man 1-2 Rettichansätze ;-)

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        1. @arzt4empfaenger:
          Na zur Zeit auf dem Wipfel der Tanne – denn schon seit Loriots Advendsgedicht wissen wir: Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken, Schneeflöcklein leis hernieder sinken; auf Edeltännleins grünem Wipfel türmt sich ein kleiner weißer Gipfel… Damit ist die Kühllagerung auf völlig umweltschonende und ökologische Weise gegeben… :-)

          Ein passend dicker Zuckersirup ist tatsächlich leidlich „selbst konservierend“, da allen Lebensformen, die da reinfallen, auf Grund der osmotischen Aktivität des Sirups reichlich Wasser entzogen wird. (Wenn der Sirup beim warmen Auflösen des Zuckers allerdings bräunlich wird, hat man Karamell produziert und kann das alles in die Tonne treten.) Das bisschen Zitrone ist dann wohl eher eine Geschmackskorrektur. Wobei ich allerdings die Haltbarkeit im allgemeinen und die Rezeptur in speziellen nicht weiter spezifizieren mag, inbesondere wenn die Zweigesspitzen von Bäumen in Straßennähe stammen…

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          1. *Lach* – typische Herstellung von sirupus simplex im Praktikum. Schöne Beschreibung!
            „Wenn der Sirup beim warmen Auflösen des Zuckers allerdings bräunlich wird, hat man Karamell produziert und kann das alles in die Tonne treten“

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  1. Es ging dieser Kundin alleinig darum, ihren Frust an jemandem abzulassen, der dann den Frust an ihrer statt hat. Ich ärgere mich auch jedes Mal über solche Patienten/Kunden, aber ich versuche mich zu erinnern, dass dieser Ärger auch für das nächste Beratungsgespräch so rein gar nichts bringt, weil man keine bessere Lösung findet (da man aus diesem Patientenkontakt eigendlich nichts positives lernen kann.)
    Einem Patienten/Kunden zu vermitteln, dass das Heilmittelwerbegesetz „Proben“ von apothekenpflichtigen Produkten sehr stark einschränkt und von verschreibungspflichtigen Produkten (bis auf Ärztemuster) komplett untersagt ist vergebene Liebesmüh. Den Kunden interesssiert nicht, was ich nicht machen darf! Den Kunden interessiert nur, dass ich genau das mache, was er will, an allen Regeln, Grenzen und Gesetzen vorbei. Und alles andere ist uninteressant und „Servicewüste“. So einfach kann man sich die Welt machen.

    Bleibt die alte Regel: Arzenei muss bitter schmecken, damit sie gut wirkt! Oder um es mit Terry Prattchet zu sagen [Trucker/Wühler/Flügel]: Man konnte nicht sagen, das Oma Morkies Hustensaft nicht wirkte. Wer ihn ein mal nehmen musste, überlegte sich anschließend sehr genau, ob er in Oma Morkies Gegenwart jemals wieder hustete.

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    1. Wahrscheinlich hast Du recht.
      Und mich ärgert nur noch, dass das mit dem Ärger weitergeben selbst dann klappt, wenn man das eigentlich weiss …

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  2. Hustensirup soll ja auch nicht gut schmecken. Gut wirken soll er!
    Und wem der Geschmack nicht passt, der hustet wohl noch zu wenig! ;-)

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  3. Bei Hustensäften finde ich die Geschmacksproblematik gar nicht so schlimm. Meine Kinder haben da bisher noch nie gezuckt – egal ob Ambroxol (naja), Aspecton (Thymian,naja), Bronchicum, Bronchipret, prospan oder Monapax (lecker).
    Aber das Verhalten der Kundin finde ich auch extrem daneben! Na klar haben wir zehn verschiene Hustensäfte hinten offen stehen, nur zu Probierzwecken! haben wir alles vom Vertreter geschenkt bekommen,logisch!kopfschüttel – wo leben manche Leute denn!
    Ich find es einfach nur frustrierend, wenn man trotz lösungsorientertem Arbeiten dann so „dumm“ zurückgelassen wird.
    Gute Idee – auf den nächsten, besseren Kunden warten!

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  4. Leute gibt’s… Mein Gott. Ich glaube, darüber sollte man sich eher amüsieren als sich zu ärgern. Ist gesünder ;)

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    1. Ja, so seh ich das auch. Nicht an sich rankommen lassen und innerlich darüber amüsieren (und in Gedanken den nächsten Blogeintrag formulieren). Vielleicht noch den Hinweis anbringen, dass es in der Stadt genügend Apotheken gibt, von denen ihr vielleicht eine helfen kann. Soll diese Kundin doch von Apotheke zu Apotheke laufen – und immer wird sie die gleiche Antwort bekommen. Allein der Gedanke daran bringt mich zum grinsen.

      Ich stell mir in solchen Situationen vor, dass ich im Theater bin oder im Fernsehen eine Comedy-Sendung sehe. Dann muss ich mich manchmal beherrschen, um nicht plötzlich zu lachen, weil das Ganze so absurd ist.

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  5. Lol, Hustensaft ist doch Pillepalle.
    Mach doch mal eine Aktion in der Apotheke: Antibiotikaverkostung! So kann jeder seinen Lieblingspilzsaft herausfinden und muss sich das nächste Mal beim Arzt nicht darauf verlassen, dass der einem das richtige verschreibt.
    Oder ein Schlaftablettentest. Man wirft reihum von jeder eine ein und bei welcher man umfällt, das ist wohl die richtige. So ähnlich wie bei den Homöopathiekügelchen, die muss man ja auch erst mal in der Hnad halten um zu spüren, ob sie zu einem passen.
    Ich nehme an, ihr habt auch sonst noch ne Menge spannende Drogen da, durch die man sich im täglichen Gebrauch nicht so einfach ducharbeiten kann, da wäre so ein Test schon toller Service. Ich wette, das spricht sich dann auch schnell rum in der Gegend, dass man bei euch kostenlos Morphine und so probieren darf.
    Für Stammkunden würd ich noch nen Gutschein fürs Magenauspumpen drauflegen, für alle Fälle.

    Nee, nee, heutzutage muss man sich schon was einfallen lassen, um wettbewerbsfähig zu sein im Einzelhandel.

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  6. Hallo? HALLO?
    Wie kannst du die arme Frau ohne wohlschmeckenden Hustensaft ziehen lassen? Schließlich ist der gute Geschmack am Hustensaft das Wichtigste! Völlig egal, ob er hilft oder nicht oder man davon Ausschlag bekommt: gut schmecken muss er! Das ist die Hauptsache! ;)

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      1. Sehr schön! Also ab jetzt keine Ekel-Säfte mehr, versprochen? ;)

        Ich finde übrigens Prospan nicht schlecht und wirken tut der auch! Aber „gut schmecken“ ist so subjektiv, andere finden den sicher eklig. Ich nich. :D

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  7. Wäre es nicht eine Marktlücke, den Hustensaft dann mit Angusrind-, Thunfisch- und Sonstwie-exotisch-Geschmack wie diese Antibiotika aus den USA anzubieten?

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  8. Doch, doch, es gibt einen leckeren Hustensaft. Habe ich vor Ewigkeiten mal in deiner Drogerie gekauft. (Ich glaube, der bestand aus in Zuckerlösung eingekochtem Thymian pur. *g*) Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob er geholfen hat, nur dass er sehr lecker gewesen war. :-)

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  9. Noch ne Frage zum Thema Husten:

    Werden (rezäpftpflichtige) Codein-Tabletten eigentlich gut vertragen?

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  10. Der einzig wohlschmeckende Hustensaft den ich kenne ist Bronchicum, ob der aber wirklich medizinisch wirksam ist kann ich nicht beurteilen. ;)

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  11. Warum machst nicht n Regal auf in dem alle möglichen Medikamente zum probieren stehen? *lach*

    Ne Spaß.Manche Menschen haben halt komische Vorstellungen

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  12. Könnte man dafür nicht Placebos verwenden? Man müsste nur welche herstellen, die genauso schmecken wie die eigentlichen Medikamente. Mir tun nur die Verkoster leid, die den Geschmack abstimmen müssen.

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    1. Klappt leider nicht, das die Arzneistoffe einen eigenen Geschack (und Nachgeschmack) mitbringen, der sich wahrscheinlich nur sehr schwer simulieren lassen wird. Und einen Antibitikum-Saft in 4 verschiedenen Geschacksrichtungen „nach Wunsch“ herzustellen und (aber bitte zeitnah!) am Lager zu haben ist auch ganz schwer möglich.

      [Wenn ein Cefuroxaxim-Saft alle Jahr exakt 1x geht, lege ich mir keine 4 Geschmacksrichtungen ans Lager…]

      Die Verkoster schlucken im Übrigen die Geschmackstests ja nicht hinunter (wie alle anderen Verkoster im Lebensmittelwesen auch) – es wird geschmeckt, ausgespuckt, nachgespült, oft ein „Geschmackskorrigenz“ gekaut (meist ein Stückchen Weißbrot oder sowas), und dann kommt der nächste Test.

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  13. Nachtrag:

    Damit unsere Pharmama keine Probierflaschen vorhalten muss, könnte sie ja auf Wunsch der Kundin irgendetwas zusammenmischen, das genauso gut oder scheusslich schmeckt, aber halt ein Placebo ist.

    Die Kundin will schliesslich ein Geschmacksmuster. Und ich bin mir sicher dass Pharmama sowas zustandebringt.

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    1. *hihi* Da gäbe es dann eine Universalrezeptur, passend für alle Antibiotika-Säfte: Ein Krümel Chinin (bei Cefuroxim dürfen es auch zwei Krümel sein), etwas Himbeer- od. Erdbeeraroma, ein Schluck Wasser (eventuell ein wenig Stärke, damit es genauso grisselig aussieht wie das Original). Umrühren. Fertig. Wohl bekomms! :-D

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  14. Ihr werdet lachen – Sohnemann (ist in Geschmackssachen sehr speziell) sollte einen Antibiotikumsaft nehmen. Leider erbricht er jeglichen Sirup, für Tabletten war er noch zu klein. Die nette Apothekerin druckte uns eine Liste mit sämtlichen Geschmacksrichtungen aus, bestellte uns zwei (wir dachten, Erdbeer und Multivitamin könnte evtl. gehen), wir durften den Saft testen und wiederkommen, wenn er bricht. Wir sind am gleichen Tag wiedergekommen und sie mischte uns das Antibiotikum mit Einverständnisses unseres Arztes mit irgendwelch anderen Geschmacksrichtungen, die Sohnemann erträgt und bingo – seitdem bekommen wir bei einer Antibiotikumverordnung ein Rezept mit den Zusatzstoffen mit und einen für Sohnemann maßgeschneiderten Saft. Auch einen Hustensaft gibt es in „seiner“ Geschmacksrichtung. Die Apothekerin hat selbst einen behinderten Sohn und weiß wie schwierig das sein kann, Medikamente in ein Kind zu bekommen und wir sind ihr jedes Mal sehr dankbar dafür!

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