Wohnungsvermittlung? Sonst noch etwas?

Eine Frau kommt in die Apotheke und fragt mich direkt: „Könnten Sie mir etwas im Internet nachschauen?“

Pharmama: „Um was geht es?“

Frau: „Ich suche eine Wohnung – und ich brauche eine Telefonnummer.“

Pharmama: (unbeeindruckt): „Aha. Und da dachten Sie, sie kommen dafür in die Apotheke?“

Frau: „… können sie es nachschauen oder nicht?“

Pharmama: „Eine Telefonnummer. Nun gut. Wie ist der Name?“

Frau: „Hmmm … irgendetwas mit -aut-… es ist ein Immobilienhändler.“

Pharmama: „Entschuldigen Sie, aber Ich habe nicht die Zeit, alle Immobilienhändler nach einem Namensbruchstück zu durchsuchen. Warum gehen sie nicht nach Hause und schauen nach wie es genau heisst?“

Frau: „Aber ich habe kein Internet.“

Pharmama: „Ja, aber sie haben den Namen irgendwoher – und wenn sie den Namen wieder haben, können sie auch die Telefonauskunft anrufen und die Nummer erfahren oder sich verbinden lassen.“

Frau: „Aber das kostet und …  ich habe den Namen nicht.“

Pharmama: „Aber irgendwoher haben sie das doch? Zeitung? Vom Vermieter? Einem Freund?“

Frau: „Nein…. Niemand hilft mir. Seit einem Jahr schaue ich in der Zeitung nach Anzeigen für Wohnungen, aber ich finde niemanden, der mich nimmt. Ich habe einen Hund und bin auf IV … wahrscheinlich liegt es an dem.“

Pharmama: „Das tut mir leid, aber … was soll ich jetzt machen?“

Frau: „Könnten sie mir nicht im Internet nach einer Wohnung suchen?“

Pharmama: „Ernsthaft? Nein. Dafür fehlt mir die Zeit. … Aber wenn sie Internetzugang brauchen, dann können sie in ein Internetkaffee gehen oder eine Bibliothek, oder die Buchhandlung, die zeigen ihnen vielleicht auch gleich, wie das geht.“

Frau: „Aber das kostet!“

Tatsächlich. …  aber das ist wirklich nicht teuer.

Am Schluss habe ich ihr die Adresse von einem Internetcafe gegeben, von dem ich zufällig weiss, dass die den Nutzern auch helfen, wenn sie nicht mit Computern umgehen können. Und die Adresse von einer Immobiliensuchseite. Immoscout … wenn ich mir das so ansehe, ist das wohl die „Adresse“, die sie ursprünglich wollte.

Die Frau war trotzdem nicht dankbar.

39 Kommentare zu „Wohnungsvermittlung? Sonst noch etwas?

    1. Ich hab zuerst an HartzIV gedacht, aber das gibts ja in der Schweiz nicht. Wäre allerdings eine vergleichbare Situation, oder sogar noch eine Stufe schwieriger.

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      1. Okay, auf IV als römische Ziffern wäre ich nicht gekommen ^^

        Ich glaube, das ist einerseits unstressiger, da der Vermieter ja weiß, dass er das Geld regelmäßig bekommen wird, da es direkt vom Arbeitsamt überwiesen wird, andererseits auch wieder fast unmöglich, weil es ein solches Stigma darstellt… kranke Welt.

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        1. Meine Eltern haben eine Mieterin angenommen, alleinerziehend mit drei kleinen Kindern und erwerbsgemindert. Nicht weil oder obwohl die Miete vom Sozialamt bezahlt wird, sondern weil die junge Frau einen guten Eindruck macht, sich offensichtlich gut um ihre Kinder kümmert. Daß sie in einer Notlage war (die alte Wohnung hatte Schimmel), kam dann noch dazu.
          Wir hatten aber auch schon mal ein Paar, sie hatte ein Geschäft in der Innenstadt und er war Außendienstler für einen Baumaterialienhandel mit dickem Dienstwagen, die haben uns am Ende mit einem Jahr Mietschulden und einer ziemlich verwahrlosten Wohnung zurückgelassen – sogar Rolläden fehlten!
          Der – scheinbare – soziale Status macht es wirklich nicht.

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  1. IV und Immoscout kenne ich nur aus D. Gibt es das auch in der Schweiz?

    Die Frau glaubt wohl auch, dass die „arbeitende Einheit“ (gekürzt, um nicht alle Berufe aufzählen zu müssen. :D) in einer Apotheke nix anderes zu tun hat, als nach einer Immobilie im Internet zu suchen. Natürlich kostenlos, weil im Inet-Cafè kostet das ja was.

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    1. Na klar, die liefern ja auch Medikamente, da können sie auf ihrer Tour gleich dein Päckchen vorbeibringen. Ist sicher gar kein Problem.

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          1. Naja – früher gab es hier Alkohol fast ausschliesslich in der Drogerie. Da hatten die Grossverteiler wohl noch keine „Lizenzen“ oder so :-) von daher … nicht ganz so ab vom Schuss.

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          2. Wodka? Das ist doch für Weicheier. Da sagt man „Hier, ich habe was besseres!“ und stellt die große Flasche Klosterfrau Melissengeist auf den Tisch.

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  2. Och bei uns in D. gibt es auch so lustigen Ansichten bei was einem die Apotheke zu helfen hat. In meiner Famulatur hat eine Frau angerufen und uns die Maße für einen Karton durchgegeben den wir ihr bitte besorgen sollen, da sie keinen kaufen will.. Ich mein es ist ja nicht so schlimm nach Kartons zu fragen, davon haben wir ja mehr als genug aber glaubt sie wirklich wir messen das für sie aus!? Die PTA erklärte mir dann, dass es in ihere alten Apotheke noch bunter zu ging da dort mal ein Anruf kam (Apo liegt neben einem Laden), dass doch bitte jemand einen Salat, zwei Gurken und Öl holen sollte um es mit dem Botendienst und ihren Medikamenten zu ihr zu bringen..

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    1. Ja, das kenn ich doch:

      Hallo?! Ist dort die Apotheke direkt neben dem Supermarkt?

      Dann besorgen sie mir doch bitte 2 Avocados und liefern die ins Altersheim (Das wird nicht von unserer Apotheke betreut!) – 2. Stock, Zimmer 213!

      Nein, die Pfleger kann ich nicht bitten – die haben doch soo viel zu tun hier…!!

      Da verschlägt es mir doch die Sprache… :-(

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    1. Dreist auf jeden Fall. Wenn jemand verzweifelt ist, schlägt er eher andere Töne an, und ist für jegliche Hilfe dankbar, auch wenn er nicht das Gewünschte bekommt. Dummheit ist relativ. Ich habe aber schon die Erfahrung gemacht, dass auch recht intelligente Leute dreist und schamlos sein können.

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  3. Also bitte, es wäre doch das mindeste gewesen, wenn du mit der Frau noch ein paar Wohnungen besichtigt hättest und natürlich auch beim Umzug geholfen hättest :)

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  4. Du hast schon richtig gehandelt.
    So wie Du das schreibst, klingt das aber nach einem Hilferuf. Die Dame scheint recht unselbstständig zu sein, vielleicht auch bedingt durch die Invalidität. Im Nachhinein betrachtet, wäre es für sie vielleicht sinnvoll, eine soziale Beratungsstation aufzusuchen, bei der ihr bei solchen Alltagsdingen geholfen werden kann. Anscheinend bekommt sie ihr Leben nicht auf die Reihe, da braucht sie Hilfe. Ich denke in die Richtung Sozialamt, Bahnhofsmission, etc (keine Ahnung, was es da bei Euch in der Schweiz für Möglichkeiten gibt).
    Die Apotheke ist da aber klar die falsche Anlaufstelle. Wenn man ihr da einmal hilft, hat man sie die Woche darauf wieder an der Backe.

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    1. An so etwas hatte ich auch gedacht. Neben einer einfach dreisten Kundin kommt auch in Frage, dass sie Hilfe braucht und es einfach nicht zugeben will.
      Von Analphabeten ist ja bekannt, dass diese sich die wildesten Geschichten einfallen lassen, um sich unerkannt durchzuschlagen. Selbst im Berufsleben gibt es Personen, die z.B. mit neuen Techniken nicht klar kommen und dabei tausend Gründe einfallen, warum sie das gerade nicht machen können.

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      1. Der Gedankengang von mir ging in die Richtung, die Du meinst. Vielleicht wäre auch ein Pfarrer ein ganz guter Ansprechpartner, je nachdem ob die Apotheke von Pharmama auf dem Land liegt oder in einer Großstadt.
        Das klingt wirklich danach, als ob sie bei Alltagsdingen Hilfe braucht.
        Mal ehrlich: Eine Wohnung findet man auch in einer Großstadt innerhalb von 3 Monaten, auch mit Hund, auch als Invalide und auch ohne Internet, wenn man halbwegs pfiffig ist.

        Mal noch ein Gedankengang: Die Dame sucht eine Wohnung. Hat sie eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt eine Bleibe oder ist sie obdachlos?
        Falls sie obdachlos ist, könnte das die Anfrage in einer Apotheke durchaus erklären. Dann ist sie nämlich einfach wirklich verzweifelt und hat gedacht, dass ihr die Apothekerin vielleicht helfen kann.

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      2. Illettrismus, das ist vielleicht eine Erklärung für ihr Verhalten.
        Traurig, dass sie gar keine Freunde hat.

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    2. Gute Gedanken. Analphabetin ist sie zwar nicht, aber Hilfe braucht sie schon. Sozialamt hatte ich mal vorgeschlagen … bin aber nur auf Ablehnung gestossen. Zumindest was das Suchen mit dem Computer angeht, bekommt sie aber an der Stelle zu der ich sie verwiesen habe Hilfe.
      Bleibe hat sie … nur dass der Vermieter „sie raushaben will“ – wenn er auch noch keine Kündigung ausgesprochen hat.

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  5. Die Viertelstunde Internet für 1.- bei uns ist ihr sicher schon zu teuer. Aber ich glaube, ich kenne die Dame… (und habe sie erfolgreich vergrault *unschuldigguck*).

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  6. mein apothekerinnenleben bietet folgenden zusatzleistungen (meist schlau ich die menschen ungläubig an und lehne dankend ab in dem in mantraartig „sie sind hier in einer apotheke!“ wiederhole)
    * arzttermine ausmachen (wir wissen ja alle, dass ich _immer besser_ zu den ärzten durchkomme, weil ich die geheime arzt-apotheker-telefonnummer habe)
    *taxi rufen, krankentransporte organisiere (ich weiß ja nicht einmal /wann/ das alles passieren soll)
    *päckchen annehme (für nachbarn: okay. für die ganze straße: nein)
    *briefmarken und briefumschläge (neuer zusatzverkauf?) „verkaufe“ (bin ich ein schreibwarenladen?)
    *restaurant-, arzt-, frisör-, … und urlaubsempfehlungen ausspreche (sorry, ich komm nicht von hier!)
    *fax- und copystation (um die ecke wäre ein copyshop!)
    *stadtpläne unters volk verteile (viva google maps)
    *andere apotheken anrufe um medikamente vorzubestellen (ey! ich ruf doch nicht bei der konkurrenz an für einen artikel, den ich vorrätig halte!)
    * gelbe seiten und telefonbücher zur verfügung stelle (tu‘ ich gerne, aber suchen muss der mensch schon selbst, auch wenn ich das alphabet besser beherrsche)
    * toilette (nein, wir haben keine kundentoilette. das hat viele gründe: versicherung, labor, schlechte erfahrungen, wertsachen der kollegen, mein lager)
    * …

    manchmal frag ich mich, ob menschen auch zum bäcker oder zum schuster wegen diesen anliegen gehen …. 0_o

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  7. Grandios, diese Hilfsbereitschaft….als Gegenbeispiel wurde mir im Saturn vor kurzem von einem Mitarbeiter empfohlen Informationen zum Notebook im Laden, doch bitte online nachzusehen. Nächstes mal geh ich dafür dann auch lieber in die Apotheke. Der Service ist top!

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  8. Also im Internet etwas schnell nachschauen mache ich ja auch schon mal, aber das war schon sehr neben dran.
    Aber ich nenne uns selber sowieso schon lange nicht mehr Apotheke, sondern Wechselstube, Auskuftsbüro, erste Hilfe Station, Touristinformation, Klönstube, Kummerkasten mit angeschlossener Apotheke.
    Oh, nicht zu vergessen Copyshop, Postaussenstelle, Paketannahme.
    Und wenn ich zu sehr genervt bin, dann versuche ich mich mit dem Gedanken aufzuheitern, dass das ja nur zeigt, wie viel Vertrauen die Leute in uns haben…..

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