Ich sehe gar nicht ein, warum ich damit zum Arzt muss …

Besten Dank an Sascha für seinen Gastbeitrag:

Mal ein deutsches Beispiel zum Thema: „Kunden, die nicht zuhören“

Ein Patient kommt in die Apotheke mit einer alten, verschmierten Medizinflasche und hält es mir vor die Nase: Ich gehe ein Stück zurück und lese das Etikett. Prednisolon, Clioquinol, Grundlage

Patient: „Ich möchte genau das noch einmal haben.“

Ich: „Ja, das kann ich Ihnen leider so nicht herstellen, da Prednisolon in Deutschland verschreibungspflichtig ist.“

Patient: „Aber ich bin privatversichert – ich bezahle es ja sowieso selber.“

Ich: „Das macht keinen Unterschied … solange mir kein Rezept von einem Arzt vorliegt, kann ich Ihnen das nicht noch mal herstellen. Gehen Sie bitte zum Arzt und lassen sich ein Privatrezept darüber ausstellen.“

Patient: „Das macht für mich keinen Sinn: Ich hole mir einen Zettel und dann muss ichs ja doch selber bezahlen. Füllen sie’s doch jetzt einfach so ab und ich bezahls…“

(Hmmm…wie kann ich das ihm noch genauer sagen?)

„Es gibt Substanzen in Deutschland, die nur auf ärztliche Verordnung abgegeben werden dürfen, ganz egal ob der Patient es selbst bezahlt oder die Kasse. Und ihre Rezeptur fällt unter diese Reglementierung.“

Nachdem er es immernoch nicht begriffen hatte, fing ich an mit den Begriffen frei verkäuflich, apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig zu argumentieren – erfolglos. Er erörterte weiterhin, dass er es sinnlos findet, als PRIVATPATIENT zum Arzt zu gehen (er hielt sich eindeutig für privilegiert :) ). Unter lautem Schimpfen verließ er nach gefühlten 10 min die Apotheke …

Tja, was soll man da machen – manche Leute verstehens einfach nicht :)

Die Argumentation kenne ich. Ersatzweise bei uns noch: „ich sehe gar nicht ein, warum ich dafür zum Arzt muss – der verlangt immer etwas für das Rezept-ausstellen!“

Ja, das ist ja auch seine Arbeit.

43 Kommentare zu „Ich sehe gar nicht ein, warum ich damit zum Arzt muss …

  1. Ich denke jede/r, die je in einer Apotheke gearbeitet hat, kennt das. Ich versuche gar nicht erst zu ERKLÄREN, sondern sage ich verstosse gegen das Gesetz, wenn ich verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept abgebe und basta.
    Auf absoluten Granit beißen dann die Patienten, die dann antworten, ich solle mich nicht so haben…. Ihre Bequemlichkeit und ihr Geiz sind für mich nun wirklich kein ausreichendes Argument mich strafbar zu machen.
    Gruß aponette

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  2. Oh je- manche Leute nehmen jede Hürde, Hauptsache, sie blamieren sich und nerven andere damit.
    Was ich allerdings erwägenswert fände, wäre die Möglichkeit, für manche Medikamente Dauerbezüge möglich zu machen, vielleicht für einen Halbjahresbedarf oder so. Weiß jemand, ob das hier in D geht? Früher stand auf den Rezepten für die Pille immer „Repeteatur bis“- sowas wünsche ich mir für mein Insulin. Niemand bezweifelt derzeit, dass ich das Zeug bis zu meinem Lebensende benötige, ebenso wie Teststreifen, Glukagon etc., da seh ich nicht ganz ein, warum ich mich oft und oft dann auf dem Weg zum Doc machen muss, um schlichte Wiederholungsrezepte zu holen. Das kostet meine PK jedesmal auch noch die Gebühren für „Ausführliche Beratung, ggfs. telefonisch“, sowie „Wiederholungsrezept“. Muss ja eigentlich auch nicht in der zeitlichen Enge sein, oder?

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    1. Ja, das ist schade, in der Schweiz gibt es das. Ich habe so ein Rezept zB. für mein Schilddrüsen-Medikament.
      Uneinsichtige Kundschaft, die nicht verstehen, dass man seinen Arbeitsplatz nicht gefährden will, gibt es überall. Mir ist mal passiert, dass ich zu einer Dame sagte „Es tut mir leid, selbst wenn ich wollte, es ist uns von der Geschäftsleitung verboten“ und sie mir antwortete „Sie lügen (sic!), Sie dürfen das, Sie wollen bloss nicht!“
      Da bleibt nur, das Gespräch höflich-bestimmt als beendet zu erklären…

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      1. Das Phänomen kenne ich auch. Alle paar Tage habe ich jemanden an der Kasse stehen, der dann große Scheine gewechselt haben will, wahlweise auch das gegenteilige Programm, die berühmte Handvoll Münzen mit den Worten: das sind zwanzig Euro, geben sie mir einen Schein dafür! Man beachte, das kommt alles ohne Höflichkeitsfloskeln aus, die sind an nen popeligen Verkäufer ja eh nur verschwendet.
        Naja, und wenn ich mir dann überlege, ob es mir mehr bringt, einen Kunden zufriedengestellt und deshalb keinen Job mehr zu haben, oder umgekehrt…
        Am Gluteus Maximus kann ich da nur sagen. Und damit bin ich noch harmlos, das was mein Marktleiter zu solchen Aktionen meint, kann man öffentlich gar nicht aussprechen.
        Das Gemecker und Gequängel, wenn man den Wünschen dann nicht willfährt, kann manchmal wirklich ausarten. Das geht von „sie müssen das aber, wenn ich das will“ über „ich sorge dafür, dass sie ihren Job verlieren“ bis zu zum vergleichsweise einfallslosen „blöd“ und „bescheuert“.

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  3. „erfloglos“ – Sascha wünschte sich, dass er, der Kunde, aus der Apotheke losflog und ggf. etwas fröhliches in die Welt hinauszwitscherte?

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    1. Siehst Du – das habe ich auch glatt überlesen, sonst hätte ich es korrigiert. Aber dank Dir kann ich das jetzt noch nachholen.
      (eigentlich ein lustiger Verschreiber).

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  4. „…alte, verschmierte Medizinflasche“ – wann hergestellt? Für welche Erkrankung? Und der Patient weiss natürlich selbst ganz genau, dass er jetzt wieder die gleiche Erkrankung hat und das gleiche Mittel für ihn richtig ist!? Ärzte sind da überflüssig,oder? Manchmal hat es einen Grund, warum ein Wirkstoff verschreibungspflichtig ist! kopfschüttel
    (hab ich aber auch jeden Tag in der Apotheke – wegen „so einem“ mache ich mich bestimmt nicht strafbar!)

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  5. Ich wär allerdings echt auch extrem froh, wenn ich nicht wegen meinem Schilddrüsenmedikament alle paar Monate nur fürs Rezept zum Arzt rennen müsste (und dabei jedes Mal Praxisgebühr bezahlen darf).

    Und was ich davon halte, mich regelmäßig untersuchen zu lassen, nur um ein Pillenrezept zu bekommen, wage ich hier gar nicht auszusprechen.

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      1. Genau, denn es ist meine verdammte Sache, ob ich zur Vorsorge gehe oder nicht. Männer werden ja auch nicht zur Vorsorge gezwungen, aber bereits Mädchen müssen sich regelmäßig auf diesen ekelhaften Stuhl legen, nur weil sie die Pille nehmen und nicht schwanger werden wollen. Das ist sexistisch und zeigt deutlich, welchen Stellenwert die Verhütung ungewollter Schwangerschaften in Deutschland hat.
        Wie das in der Schweiz und in Österreich ist, weiß ich nicht.

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        1. So sehe ich das aus. Deshalb bekomme ich das Pillenrezept einfach von meinem Hausarzt. Habe ihm erklärt, dass ich meinen Frauenarzt mag, dessen Arzthelferinnnen es aber meist nicht hinbekommen passende Rezepte auszustellen (Was auch stimm!). Da war es kein Problem, dass es nun schon seid drei Jahren von meinem Hausarzt bekomme und mir nur von den Helferinnen anhören muss, das Vorsorge ja wichtig sei ;)

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          1. Ich hol meins auch beim Hausarzt, ganz einfach deshalb weil ich nicht erst noch 20km (einfach) zum Frauenarzt fahren will (der eh unverschämte Öffnungszeiten hat). Allerdings würde ich auch gerne nicht alle paar Monate ein Rezept holen müssen, sondern einfach eine neue 6er Packung kaufen. (nein, 2 6er Packungen reichen NICHT für 1 Jahr!). Dadurch wird das ganze noch teuerer. Klar, der Arzt verdient etwas, und die Krankenkasse (muss ja 10 euro Praxisgebühr zahlen). Pille muss man ja eh selber zahlen. Vorsorge mach ich, Hausarzt fragt nach etwa 1 Jahr nach bzw. 3x Rezept holen nach und würde danach auch keins mehr ausstellen.

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      2. Unabhängig davon, dass die Gebärmutterhalskrebsfrüherkennungsuntersuchung (;-)) sinnvoll ist:

        1. ist es tatsächlich paternalistisch-bevormundend, hormonelle Verhütung nur gegen Krebsabstrich rauszurücken — die Untersuchung hat mit dem Medikament nicht direkt zu tun. (Wohingegen eine regelmässige Blutdruckkontrolle durchaus angemessen wäre — die gehört aber nicht so zwangsläufig zur Routine.)

        2. widerspricht es Schweizer und internationalen Empfehlungen, den Abstrich bei jungen, gesunden Frauen mit bisher unauffälligen Befunden routinemässig halbjährlich durchzuführen. Auch die Krankenkassen zahlen ohne besondere Gründe nur alle drei Jahre eine Untersuchung.

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    1. Exakt das gleich Problem hab ich auch. Ich finds saublöd, zumal nur alle Jubeljahre mal wieder Blut abgenommen wird, um zu gucken, ob die Dosis noch stimmt. Sonst heißt es nur anrufen, Rezept bestellen, durch die halbe Stadt fahren, Praxisgebühr abdrücken, Rezept bekommen und wieder heimtingeln. Alle 3 Monate.
      Letzes Mal hab ich gefragt, ob ich nicht wenigstens ein Rezept für ein halbes Jahr kriegen kann. Geht nicht, gibts nicht, sie können nur maximal 100 Tabletten aufschreiben. Hmm, und könnten Sie mir dann vielleicht 2 Rezepte…? Ja, der Arzt ist grad in Urlaub, das muss ich mit ihm dann nächstes Mal besprechen.
      Super, der Kollege der mich noch nie gesehen hat kann mein Rezept unterschreiben, aber wehe ich melde mich nicht alle 3 Monate persönlich am Tresen? Ich versteh ja, dass die mehr Geld kriegen wenn sie jedes Quartal mein Kärtchen durchziehen, aber wenn ich mir dann demnächst eine Praxis suche, die nicht am anderen Ende der Stadt liegt haben sie auch nix mehr davon.
      Das mit den Dauerrezepten klingt wirklich nach einer feinen Sache.

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      1. Das ist wirklich blöd… in der Schweiz gibt es Abgabekategorien A, B, C, D und E. A-Medikamente gibts nur einmal für ein Rezept, B-Medikamente kann man mit einem (Dauer-)Rezept mehrmals beziehen. C ist apothekenpflichtig, D kann man in Drogerien kaufen, und E kann man überall kaufen. Sind dann allerdings auch nur noch Kräutertees und so.

        Frage an Pharmama: Gibt es auch bei Dauerrezepten eine zeitliche oder mengenmässige Bezugslimite?

        Ich habe aber das Gefühl, dass Ärzte und Apotheker hierzulande etwas kreativer sind und je nach Vertrauenslage auch mal ein Dauerrezept für die A-Kategorie rausgeben…

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        1. Es gibt tatsächlich auch Dauerrezepte für die Abgabekategorie A.
          Maximal-Dauer für ein Dauerrezept (oder die maximale Bezugsmenge) ist für ein Jahr. Die höchst-Menge, die ich aufs Mal herausgeben darf ist eigentlich für 3 Monate – aber da gibt es einige Ausnahmen. – Da muss man die Vernunft mitreden lassen, finde ich.

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      2. Muss die Arztpraxis jetzt mal in Schutz nehmen. So wie es klingt, war der Arzt ja im Urlaub. Das scheint mir so, dass der Arzt hier blanko unterschriebene Rezepte bei den MTAs rumliegen hat, die die MTAs zur Ausstellung der Pille verwenden können.
        Das ist eigentlich schon total illegal, da der Arzt seine Unterschrift unter das ausgefüllte Rezept stellen muss (was in seinem Urlaub ja nicht geht) und nicht einfach Blankorezepte unterschreiben darf.
        Halte das aber trotzdem für eine praktikable und patientenorientierte Lösung.

        Nichtsdestotrotz ist das eigentlich vom Gesetz aus so nicht vorgesehen. Wenn da doch mal die MTA ein falsches Rezept ausstellen würde, wäre der Arzt richtig dran: Zulassungsentzug und Strafverfahren.
        Das klingt mir schon nach einer sinnvollen Arztpraxis, besonders wenn sich die MTA dann wirklich an die Anweisung ihres Chefs hält.

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        1. Das ist eine Gemeinschaftspraxis. Ich hab nicht genau draufgeschaut, aber ich nehme an, dass dieses Mal einer der Kollegen das Rezept unterschrieben hat.
          Ich finde das ja an sich auch nicht schlecht, warum sollte ich auch noch 2 Stunden im Wartezimmer rumgammeln, um dem Arzt mal hallo zu sagen, nur damit wir so tun können als hätte er da groß was gemacht. Normalerweise läuft es so, dass man am Morgen anruft, bescheid sagt, dass man ein Rezept braucht, und bis man in der Praxis ist machen sie das Rezept fertig, und der Arzt unterschreibts halt irgendwann zwischen zwei Patienten (und prüft ggf nochmal, ob das okay geht).
          Nur finde ich, dass man auch ruhig Rezepte für 6 Monate bis 1 Jahr ausstellen kann, wenn man dazwischen routinemäßig eh keine Untersuchungen plant. Das ganze scheint mir nur so geregelt zu sein, damit man eben jedes Quartal einen Arztbesuch abrechnen kann.

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          1. Achso, und bei mir geht es nicht um Verhütungspillen, sondern um ein Schilddrüsenmedikament, das ich seit Jahren nehme und wohl für den Rest meines Lebens brauche.
            Allerdings fände ich es durchaus in Ordnung, wenn man auch bei der Pille so verfahren würde. Ich hab es damals gehasst, jedesmal auf den Stuhl zu müssen für ein Rezept. Inzwischen verhüte ich anders und war seit zwei Jahren nicht mehr beim FA. Ob ich zur Krebsvorsorge gehe ist immer noch meine Entscheidung.

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  6. Erklärt der Kunde dem Zollbeamten auch, dass er für die Grenze keinen Pass brauche, da er ja schonmal über diese Grenze gegangen sei und er die Reise ja sowieso selber bezahlen müsse? ;-)

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    1. Ich lese jedes Jahr zur Hauptreisezeit in Internetforen die gleichen Fragen: „Meine Nachbarin/Schwägerin/Kosmetikerin behauptet, dass man auch innerhalb der EU einen Personalausweis dabei haben muss, wenn man ins Nachbarland fährt. Und für den Flug nach Mallorca brauchen wir jetzt plötzlich einen Pass fürs Kleinkind. Seit wann das denn? Das war doch früher nie nötig, ist doch alles EU??? Die wollen uns doch alle nur ausnehmen, sollen wir es drauf ankommen lassen und uns die 13 Euro sparen???“
      Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen glauben, dass ein Pass oder Personalausweis beim Grenzübertritt fakultativ ist. Seit die Schweiz „bei Schengen ist“ auch bei Reisen in die CH.
      Daher: ja, tut der Kunde wohl *g*

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  7. Eine bessere Antwort, meiner Meinung nach, waere etwas wie: Es gibt Substanzen, die bestimmte Wirkungen haben koennen, die nur Aerzte wissen, Das kommt vom Patienten an und nur der Arzt darf entscheiden, ob ein Patient sie nehmen kann oder nicht.
    Manchmal muss man den Erklaerungsniveau dramatisch senken.
    Aber manche Leute wollen es ueberhaupt nicht verstehen.

    In Italien weiss ich nicht, ob es Dauerrezepte gibt, ich denke nicht, aber der Arzt darf mehrere Zetteln aufschreiben, die X Monate dauern. Diese sind richtige Rezepte, rot un mit Pc gedruckt.
    Sicher bin ich, es gibt Zettel, einfache Zettel, die der Arzt mit dem Kugelschreiber schreibt und damit darf man innerhalb 6 Monate (oder ein Jahr, ich hab’s vergessen) sie mehrmals benutzen. Vielleicht fuer 6 Schachtel: die Apotheke stempelt immer seinen Stempel mit Datum drauf. Solche Zettel verschreiben Medikamente, die nicht Rezeptpflichtig sind.

    Ok, ich hab’s bloed geschrieben, sorry.

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    1. Also gibt es in Italien auch sozusagen Dauer- oder zumindest Wiederholungsrezepte.
      Bei deiner Erklärung zu den Substanzen und ihrer Wirkung muss ich aber protestieren: das wissen die Apotheker gerade so gut (und manches besser).

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      1. Ehm, ich meinte, dass der Arzt den Patienten laenger kennen sollte, deswegen ist es der Arzt, der etwas aufschreibt.
        Mensch, ist es manchmal schwer!! (Manchmal ist Uebersetzen viel einfacher als frei Sprechen)

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  8. Ich erkläre den Leuten, dass das eine Straftat ist, fertig. Und dass es manche Dinge gibt, die ein Arzt sich vorher anschauen muss. In so einer Situation fange ich gar nicht erst mit Diskutieren an, das geht eh nach hinten los.

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    1. Das ist auch ein Problem von mir. Ich bin der Ansicht, dass das Gegenüber eine ehrliche und ausführliche Antwort verdient hat, und ist das Gegenüber völlig ignorant, muss ich irgendwann die Notbremse ziehen.

      Was man auch immer macht – es ist falsch… :)

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  9. Ich verstehe in meinen Beratungsgesprächen dieser Art meine Kunden auch nicht. Rein wirtschaftlich schneide ich mir doch ins eigene Fleisch, wenn ich eine solche Abgabe verweigere. Wenn solche engstirnigen Menschen der Kategorie Ich-weiß-ja-doch-alles-besser-als-die-Fachleute sich das einmal vor Augen führen würden, könnten sie vielleicht bemerken, dass die Verschreibungspflicht vom Grundsatz her nur dem Patienten dient und wahrscheinlich das letzte Gesetz (bzw. die letzte Verordnung) ist, das in irgendeiner Art und Weise den Verbraucher noch schützt; vor sich selbst (ich weiß schon, was mir hilft) und vor der geldgeilen Sorte meines Berufes (ich weiß schon selbst, was meinem Konto hilft).
    Das viele Patienten der Meinung sind, sie hätten ein verbrieftes Recht alles zu bekommen, was sie zu brauchen glauben, wenn sie nur bereit sind es auch zu bezahlen, zeigt doch nur das die ärztliche Verordnung vom Rezept zum „Zettel“ verkommen ist, der nur dazu da ist, die Krankenkasse bezahlen zu lassen.

    Für all die die in ihren Kommentaren geschrieben haben, das sie der Meinung seien, dass sie das Mit den oralen Kontrazeptive schon selber ganz genau entscheiden können, habe ich auch noch eine kurze Geschichte:
    In der Apotheke in der ich mal ganz früher gearbeitet habe, bekamen wir immer das Rezept eines jungen Mädchens über ihre Pille. Die Mutter dieses Mädchens war MTA in einer Hausarztpraxis vor Ort und deswegen haben wir uns auch nichts dabei gedacht, wenn die Rezepte für sie regelmäßig vom Chef ihrer Mutter ausgestellt wurden. Also bekam sie Jahrelang völlig korrekt die Pille auf das Rezept ihres Arztes. Die junge Dame wurde noch nie gynäkologisch untersucht und im Zusammenhang mit der Pille auch nie in irgendeiner Weise kontrolliert. Eines Freitagabends wollte sie dann mit Freunden ins Kino. Sie wollte, ist aber vor dem Kino zusammengebrochen. Die Freunde haben sofort den Notarzt gerufen: Lungenembolie.
    Später hat man in der Stadt immer wieder gesagt, wie stimmungsvoll die Beisetzung war.
    (Entschuldigung für die Länge des Kommentars und für den erhobenen Zeigefinger. Aber solch Erlebnisse prägen halt ein bisschen.)

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    1. Eine tragische Geschichte, und sie zeigt sehr gut, dass die Pille eben nicht per default zur geschlechtsreifen Frau dazugehört, sondern nur nach Untersuchung und Abklärung verschrieben werden sollte. Das hat hier aber gar niemand bestritten! Es wurde nur infrage gestellt, ob vierteljährliches Aufsuchen einer Arztpraxis zum persönlichen Rezeptabholen von gesundheitlichem Nutzen ist. Und da behaupte ich: Es schadet sogar. Denn wenn Ärzte Rezepte ausstellen könnten, die bis zur nächsten sinnvollen Kontrolluntersuchung gültig sind, wären Telefon-und-Theken-„Beratungen“ viel seltener bis überflüssig — und die MTA des Allgemeinmediziners könnte nicht so ohne weiteres ein Pillenrezept für ihre Tochter mit auf den Stapel packen.

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  10. „Ja, das ist ja auch seine Arbeit.“
    Das unleserlich unterschriebene Ausstellen eines ebenso unleserlichen Rezeptes (zu meiner Zeit (!!!) nannte man das „Hinschmieren“) kann man doch nun wirklich nicht als Arbeit bezeichnen, eher doch als Hobby, dem Lesenden (in diesem Fall dem Apotheker (m/w)) das Leben so schwer wie möglich zu machen ;-)
    od’r?

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    1. Es ist schon Teil der normalen Arbeit – warum man dem Kunden das als „Ausführliche Beratung, ggfs. telefonisch“ berechnet, ist mir nicht klar. Es ist keine ausführliche Beratung, sondern ein Telefonat mit der Mitarbeiterin des Arztes „debe hier, brauche Rezept für Pille, komme es in einer Stunde holen“ – „OK“, dann soll das auch so abgerechnet werden. Der Punkt „Dauerrezept“ scheint ja in der Buchhaltung vorhanden zu sein, warum darf der Arzt dann zusätzlich eine niemals stattgefundene Beratung abrechnen?

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  11. Lasst euch gerne die Pille dauerverschreiben, mogelt rum oder kauft sie im Ausland im Supermarkt.
    Zum Ausgleich will ich dann aber ein ‚Scheckheft‘ wie bei der Zahnvorsorge. Wenn dann eine nach 10 Jahren aufgebläht von Tumoren zum Arzt kriecht, zahlt sie selbst.
    Scheiß Vollkasko-Mentalität! Auf Risiko pokern und wenns schief geht, zahlt der Staat. Das machen offensichtlich nicht nur Banken gerne.

    Übrigens fände ich auch regelmäßige Prostata-Untersuchungen sinnvoll. Aus meiner Sicht ist das Diskriminierung von Männern, die mal wieder als weniger schützenswert gelten. Aber ratet mal, was der häufigste nicht mit Tabakkonsum assoziierte Krebs beim Mann ist…

    Und zum Kunden kann ich nur sagen: Zumindest hier in Deutschland wird er voraussichtlich 5 Apotheken in Laufweite haben und irgendein Nestbeschmutzer drückt ein Auge zu. Und das wird kein Berufsanfänger sein, sondern viel eher Altgediente, kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

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    1. Und der direkte Zusammenhang zwischen hormonellen Kontrazeptiva und Gebärmutterhalskrebs besteht nochmal worin?

      Um beim Zahnarztvergleich zu bleiben: Regelmässige Röntgenaufnahmen um versteckten Karies zu entdecken sind vernünftig. Dem Teenager, der alle paar Wochen in die Praxis kommt, um seine Spange kontrollieren und anpassen zu lassen, würde aber trotzdem niemand bei jedem Besuch erstmal mit ionisierender Strahlung beschiessen. Wieso sollte also bei gesunden jungen Frauen halbjährlich ein Krebsabstrich vorgenommen werden, bloss weil sie zufällig gerade beim Gynäkologen sind? (Ja, ich weiss, die Untersuchung beinhaltet keine Röntgenstrahlen. Sie ist aber zumindest unangenehm und vor allem von geringem Nutzen, da die letzte Kontrolle erst sechs Monate vorher stattgefunden hat — Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich normalerweise sehr langsam über mehrere Vorstufen.)

      Eine „Checkheftvorsorge“ wäre vielleicht sinnvoll — vor allem würde sie auch Frauen erfassen, die nicht mir der Pille verhüten. (Mit Spirale oder Implanon ist man nur alle drei bis fünf Jahre gezwungen, zum Arzt zu gehen; andere Verhütungsmittel und -methoden erlauben völlige Autonomie.)

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      1. So seh ich das auch. Und das regelmässige Vorsorgeuntersuchungen notwendig sind bestreitet ja niemand, aber alle 3-6 Monate ist einfach übertrieben. Die Empfehlung lautet meines Wissens auch 1mal jährlich.

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      2. Mal ganz dumm gefragt, weil ich ja „anders bin“: gibts keine anderen Untersuchungen, die „auf dem Stuhl“ vorgenommen werden, als Krebsvorsorge? Oder hast du einen Arzt, der besonders gern Abstriche macht? (soweit ich mich erinnere, wurden die nicht von der Kasse bezahlt, oder war das nur unsere?)

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        1. Ich habe keine belastbaren Daten, nur mit vielen Frauen gesprochen, unter anderem im Netz. Dabei ist bei mir der Eindruck entstanden, dass viele Gynäkologen eine halbjährliche Untersuchung zur Bedingung für ein Pillenrezept machen. Was untersucht wird, ist unterschiedlich, Standard sind aber wohl tatsächlich Anamnese/Gespräch und Krebsabstrich. Dazu kommt je nachdem Abtasten von Brust und/oder Gebärmutter & Co., Ultraschall und Blutdruckmessen.

          Was die Krankenkassen in Deutschland zahlen, weiss ich nicht; in der Schweiz werden nach zwei unauffälligen Befunden nur noch Abstrichuntersuchungen alle drei Jahre empfohlen und gezahlt.

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          1. Läuft wohl generell nach dem Motto: ‚Wer gesund ist, kriegt das Rezept.‘ Den Gesundheitszustand stellt der Arzt nach eigener Kompetenz sicher. Klar ist Krebsvorsorge nicht zwangsläufig mit Hormonpräparaten assoziiert, aber wenn es untersucht wird seid doch froh.

            Zudem können die Kerle auch froh sein um jeden ‚Stuhlbesuch‘ der Damen. Da gibts auch ganz schöne Säue, die dann bleibende Erinnerungen an sonst lang vergessene Nächte hinterlassen. Diese Exemplare bekommen dann ein zusätzliches Rezept…

            In diesem Sinne Checkup für beide Geschlechter. Medizinisch sicherlich toll, aber da wird die Kasse das Kotzen kriegen. :-)

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