Vom Vertrauen in den Berufsstand

Eine Apothekerin fälscht für sich und ihre Familie Rezepte und betrügt so die Krankenkasse. Als sie auffliegt, wird sie verurteilt wegen Betrugs und Urkundenfälschung und zu einer Freiheitsstrafe zu 10 Monaten auf Bewährung verurteilt. Wegen der Verurteilung verliert sie ausserdem ihre Approbation als Apothekerin.

Dagegen legt sie Berufung ein. Ihre Begründung:

… dass die Menschen von Apothekern kein untadeliges Verhalten erwarten würden. Das Verwaltungsgericht sei in erster Instanz von einer „romantisch-idealisierten Apothekeruntadeligkeit“ ausgegangen. Das Berufsbild sei heute nicht mehr geprägt durch persönliche Beratung oder soziale Betreuung, sondern auf den Vertrieb von Arzneimitteln.

Auf gut Deutsch: Da man die Apotheker heute nicht mehr als Beruf mit Ehre sondern als Verkäufer ansehen würde, ist ein eventueller Verlust des Ansehens, das sie durch ihr Verhalten dem Apothekerberuf zufüge nicht wichtig genug, als dass sie deswegen ihre Zulassung verlieren sollte.

Das sahen die Richter anders:

Das gravierende Fehlverhalten der Apothekerin sei durchaus geeignet, das Ansehen in den Berufsstand und das in diesen gesetzte Vertrauen nachhaltig zu erschüttern, heißt es im Beschluss. Denn bei der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln müsse sich ein Apotheker nicht nur von den rechtlichen Bestimmungen, sondern auch „von seiner Verantwortung für das Leben“ leiten lassen. „Er darf das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Apothekerberuf nicht dadurch verletzen, dass er sich von einem unangemessenen Gewinnstreben bei der Erfüllung seiner Aufgaben beherrschen lässt“

 Also liebe Mitapotheker: verhaltet Euch (auch weiterhin) untadelig und schadet nicht dem Ansehen und dem Vertrauen in den Berufsstand, ansonsten … gehört ihr bald nicht mehr dazu.
(Geht es nur mir so oder spricht aus der Aussage der fehlbaren Apothekerin ein gewisser Frust über die aktuellen Zustände?).

11 Antworten auf „Vom Vertrauen in den Berufsstand

  1. Sie wusste ja, dass sie ein Privileg des Arztes missbraucht. Und wer mit Rezepten herumläuft, weiss, dass diese Rezepte auch nur in einer Apotheke etwas nützen; die Apotheke hat das Privileg, Medikamente rauszugeben.

    Wer behält schon Rezepte bei sich, um Autogramme eines toll aussehenden Arztes zu sammeln? Oder um Papierschiffchen daraus zu falten?

    Wenn sie Rezepte fälscht, war ihr wohl bewusst, dass sie eben *keine* blosse Verkäuferin war. Eine normale Verkäuferin würde ja einfach die Medikamente stehlen…

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  2. Wenn man jedem Apotheker, der dem Ansehen der Berufsgruppe schadet, die Zulassung entziehen würde, müsste man eigentlich auch allen Apothekern die Zulassung entziehen, die Modelle wie Vorteil24, Pick-Up, Versandhandel, usw. praktizieren und Medikamente in Schütten mit marktschreierischer Preisreduzierung verkaufen. All diese Dinge schaden dem Ansehen des Berufsstands. Die Apothekerin hat also (leider) nicht mal unrecht.

    Natürlich gehört trotzdem einer Apothekerin, die die Kasse betrügt, die Approbation weggenommen. Das geht nun mal gar nicht.

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    1. Ja … sie wurde ja nicht (nur) wegen dem Ansehensverlust, den sie verursacht hat verurteilt, sondern weil sie sich auf Kosten anderer bereichert hat.

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      1. … und Rezepte (Dokumente) gefälscht hat, Heilkunde ausgeübt hat (was einem Apotheker verboten ist) und wahrscheinlich auch noch verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept abgegeben hat. Keine Frage, wegen jedem einzelnen dieser Punkte gehört ihr die Approbation entzogen.

        Mich wundert nur die Argumentation des Richters, dass er den Entzug der Approbation vor allem mit dem Ansehensverlust für den Berufsstand begründet. Das Ansehen des Berufs sollte das Fehlverhalten einzelner aushalten, auch das Vertrauen der Bevölkerung in den Beruf Apotheker wird durch das Fehlverhalten einzelner nicht beschädigt. Das taugt nicht als Begründung.

        Zumal der Begriff „Ansehensverlust“ auch recht schwammig ist. Mit der Argumentation könnte man eigentlich wirklich 20-30% der Apotheker die Zulassung entziehen.

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  3. „Das Berufsbild sei heute nicht mehr geprägt durch persönliche Beratung oder soziale Betreuung, sondern auf den Vertrieb von Arzneimitteln.“

    Ja, leider fühle ich mich auch oft nicht gut beraten. Daran müssen wir Apotheker weiter arbeiten. Das Bild des Apothekers ist oft das des Schubladenziehers. Wir alle müssen uns bei der Beratung mehr bemühen um das Bild des Heilberuflers und Naturwissenschaftlers zu festigen.

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    1. „Ja, leider fühle ich mich auch oft nicht gut beraten.“

      Für das wenige, das ich bei Frau Drogenhändlerin kaufe, brauche ich keine Beratung. Bei Ibu kommt allenfalls noch die Frage „Wissen Sie, wie mans anwendet?“ – diese Frage stört mich hingegen, weil ich sowieso gerne bei kompendium.ch vorbeigehe, wenn ich aus dem Familien- oder Bekanntenkreis von einem Medikament höre. Neugier ist auch eine Sucht. :)

      Ich wünsche mir hingegen Beratung in dieser Hinsicht: „X wirkt eigentlich ganz gut. Aber wenn es mal schlimmer ist: Wieviel von X kann ich mir zumuten?“

      Wenn nicht eine Pharmazeutin – wer kann mir eine solche Frage beantworten?

      Eine andere Frage wäre z.B. jene nach anderen Medikamenten, wenn eines nichts nützt oder zu schlecht verträglich ist. Dann könnte ich schon in der Apotheke die Liste der möglichen frei verkäuflichen und rezeptpflichtigen Arzneimittel durchgehen. Wie ich küzrlich auf diesem Blog gehört habe, verwenden Ärzte oft ihre 20 bis 30 Standard-Arzneimittel.

      Frage an Pharmama: Kann eine Apothekerin trotz anderslautendem Medikament etwas anderes abgeben, oder führt der Weg zurück über den Arzt?

      Gibt es Fälle, wo Ärzte und Apotheker überhaupt zusammenarbeiten? Übertrieben gesagt im Stil von „Geben Sie ein mittelstarkes Opioid wegen Schmerzen, der Patient nimmt zur Zeit noch diese folgenden anderen Medikamente: ……..“?

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      1. Na, die Frage mag dich stören, aber … andere sind froh darum Es liest auch nicht jeder die Packungsbeilage oder kennt gar das Kompendium.

        Zu Deiner Frage: „Kann eine Apothekerin trotz anderslautendem Medikament etwas anderes abgeben, oder führt der Weg zurück über den Arzt?“
        Kommt drauf an. Ich darf Originale durch Generika ersetzen, gelegentlich finde ich auch wenn der Arzt ein Medikament aufgeschrieben hat das nur über die Zusatzversicherung geht, eines mit gleichem Wirkstoff, das von der Krankenkasse ganz übernommen wird.
        Was ich nicht kann ist einfach einen anderen Wirkstoff abgeben … dafür brauche ich den Arzt. Bei ernsthaften Problemen, oder wenn ich wirklich eine bessere Alternative weiss, kann ich allerdings auch direkt mit dem Arzt Rücksprache nehmen, damit der Patient nicht nochmals vorbei muss.

        „Gibt es Fälle, wo Ärzte und Apotheker überhaupt zusammenarbeiten“ – Ja, die gibt es! Einzelne Fälle immer und überall und ganz klassisch in sogenannten Qualitätszirkeln (sehr empfehlenswert).

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  4. Hm… Die Dame hat nun mindestens 5 Jahre ihres Lebens weggeworfen (so lange dauert die Ausbildung doch, oder?), indem sie Rezepte fälschte und damit die Krankenkassen betrog; immerhin um knappe 23000 Euro in etwas mehr als einem Jahr. Zudem wurde wohl teilweise zu deutlich überhöhten Preisen abgerechnet. Und sie begründet ihren Einspruch gegen den Verlust der Approbation damit, dass das Apothekerdasein nurmehr aus dem Verkaufen von Medikamenten bestehe und damit kein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Kunden und Apotheker notwendig sei?

    Wenn ich ehrlich bin, beunruhigt mich eine solche Einstellung. Egal, in welchem Berufszweig ich sie nun antreffen möge.

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    1. 5 Jahre Ausbildung und … was macht sie jetzt? Neuausbildung und andere Arbeit? … das sind mehr als 5 Jahre würde ich meinen.
      Und du hast recht: die Einstellung ist wirklich … beunruhigend.

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  5. Ich muss sagen, das ich die Begründung schon nachvollziehen kann.
    Ich sehe Apotheker auch eher als Kaufleute und nicht als Mediziner – erst als ich selbst meine Ausbildung im medizinischen Bereich angefangen habe, hab ich gelernt, dass man als Apotheker Pharmakologie studieren muss…
    Mag auch daran liegen das ich sehr selten mal in eine Apotheke rein gehe, im Alter sieht man das wohl anders, wenn man Medikamente abholt und der Apotheker sagt „moment mal, da gibts doch Wechselwirkungen“….

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  6. Leider habe ich es als Mitarbeiterin in der Apotheke öfters mitbekommen, dass die Chefs und Apotheker ihre Zulassung aufs Spiel setzen, weil Sie Medikamente ohne Rezept abgeben („Aber ich bekomm das schon seit Jahren, nur der Arzt ist zufällig jetzt 2 Wochen im Urlaub“.. unsere Ärzte kündigen ihren Urlaub bis zu 3 Monate im Voraus an, auch im Ortblättchen) oder das Privatrezept einfach unbedruckt zurück an den Patienten gegeben werden (gerne über die Anti-Baby-Pille oder Potenzmittel).
    Mir fehlen die Worte, aber sowas passiert immer häufiger… Ich bin der Meinung, die Apotheke ist kein Selbstbedienungsladen und es hat einen guten Grund warum gewisse Wirkstoffe verschreibungspflichtig sind. Natürlich ist es aufwendig, zum Vertretungsarzt zu gehen, oder sich jedes Mal ein neues Privatrezept zu holen. Aber wenn ich WIRKLICH!! dringend dieses Medikament brauchen, dann nehm ich doch die Strapazen auf mich.

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